Willkommen, neues Jahr


Wer hier öfter liest wird schon festgestellt haben, dass ich den Rückert recht oft bringe, ja, ich habe eine Neigung zu seinen Gedichten, er gehört für mich neben Mörike, Hebbel und der Droste zu den bedeutensten Lyrikern des Biedermeier und ich finde zu so vielen Anlässen in seinem Werk etwas zwar nicht mehr modisches, doch mir passendes Empfindsames, wie auch dieses hier:

Licht

Nun ist das Licht im Steigen,
Es geht ins neue Jahr.
Laß deinen Muth nicht neigen,
Es bleibt nicht wie es war.
So schwer zu seyn, ist eigen
Dem Anfang immerdar,
Am Ende wird sichs zeigen,
Wozu das Ganze war.
Nicht zage gleich den Feigen
Und klag‘ in der Gefahr!
Schwing auf zum Sonnenreigen
Dich schweigend wie der Aar!
Und wenn du kannst nicht schweigen,
So klage schön und klar!

Friedrich Rückert (1788-1866)


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2 Kommentare zu „Willkommen, neues Jahr

  1. Ein wunderbares Gedicht, formal an die Ghasele angelehnt und sprachlich ein echtes Kunstwerk – so viel Gleichklang in der reimarmen deutschen Sprache, und kein Reim klingt gesucht oder gekünstelt.

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