laut und leise literatur lesen

die Rezi-Tante zeigt Erlebtes und Erdichtetes, Geschichten und Geschichte


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Eine Woche Meer, Strand und Wald und zwei Bücher mit Meer und so


Ich habe lange nicht mehr hier geschrieben, komme irgendwie nicht mehr dazu seit meine Mum dauerhaft bettlägerig und in der Pflegestufe 3 ist. Da teilt sich meine Woche in Berliner Zeit und in Templiner Zeit und ich habe stets das Gefühl, von beidem zu wenig zu haben. Zwar kein Grund zur Klage, denn in Templin finde ich weit mehr Zeit zum Lesen als zu Hause in Berlin und zwei Stunden für Wanderungen mit dem Hund fallen dort auch täglich für mich ab. Dazu die Hin- und Rückfahrten, Zeiten, die ich mit einem Hörbuch im Auto verbringe – lauter Dinge, die ich sehr mag und für die man sich Zeit nehmen muss. Doch dieser Zustand gehr nun ins dritte Jahr und beansprucht mich eigentlich mehr, als ich zugeben möchte. Nicht nur, dass ich keinen Nerv habe , eigene Geschichten zu schreiben und nicht zum Bloggen komme, auch für meine Enkelkinder bleibt wenig Zeit und die Broterwerb-Arbeit muss auch noch irgendwie und irgendwann erledigt werden. Zum Glück habe ich einen tollen Arbeitgeber der mir Flexibilität lässt. Aber kurzzeitig aussteigen aus dem steten Rhythmus von Pflichten – traumhaft. Von daher war das Angebot, mit Mann und Hund eine Woche Ostseeurlaub in der Ferienwohnung einer Freundin zu verbringen mir mehr als willkommen, von allein hätte ich mir keinen Urlaub gegönnt. Ich nahm ein schon  angelesenes Buch mit, das für mich sehr wichtig wurde. Es wurde von Daniela Gerlach geschrieben und heißt : Was das Meer nicht will, erschienen bei Stories &  Friends. Ich mag diesen Verlag unter anderem, weil er jedes seiner Bücher im selben Format und in der gleichen Papierqualität drucken lässt, so dass sie im Regal so eine schöne ordentliche Reihe gleichhoher Bücher ergeben, die optisch und haptisch alle den gleichen guten Eindruck erzeugen und auch beim Lesen gut in der Hand liegen. Und die bisher Autoren hatten, die gut, sehrgut mit der Sprache umgegangen sind, so dass immer etwas Nachklang und das für lange in einem blieb. So auch bei diesem Buch, Daniela Gerlach kann kleine Ereignisse und Beobachtungen so beschreiben, dass man sie mitfühlt und ganz in ihrer Beobachtung ist, dazu kommen so passend poetische Formulierungen, um die ich sie geradezu beneiden könnte – über die ich mich beim Lesen  freute. Erstaunlich empfand ich die Erzählperspektiven des Romans, ein gelungender Wechsel der Ich- Perspektive und auktorialen Erzählsituation, von der Gleichzeitigkeit von Innen- und Außenperspektive. Inhaltlich ist es die Geschichte eines Familiendramas, das sich langsam entwickelt, weil sich die Heldin nicht von den ihr Nahestehenden, von Mutter und Ehemann, abgrenzen konnte und sie manchmal eigenartig reagieren ließ, so dass ich mich fragte: “Was hat die denn? Was zickt die denn so?” Vermutlich fehlte ihr nur das Quent Überlastung, das normale Berufstätige so haben, um mit dem Leben zufrieden zu sein oder es aktiv zu ändern. Irgendwie war die Heldin charakterlich erstaunlich passiv, Ihr Problem, diese kleinen Missempfindungen gegen die Nähe zum Gatten und zur Mutter, die in meinen Augen zum ganz normalen Zusammensein gehören und durch Abgrenzung gelöst werden, überlagerten sich und türmten sich zu einer riesigen Welle, deren Sog dann …. naja, das müsst ihr selbst lesen. Das zweite Buch ist ein Band mit meinem Lieblingsgenre, Kurzgeschichten. Es heißt Meer Jung Frau – Neun Stories und eine, geschrieben von Holger Schaeben, erschienen bei OFFIZIN Zürich Verlag GmbH.Kurzgeschichten, die sich “weglesen”, gute. trocken erzählte Geschichten mit viel wörtlicher Rede.


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Sonntags bei den Sauriern in Germendorf


Am Sonntag war ich in einem Gebiet mit der sperrigen Bezeichnung : Saurier-Tier-und Freizeitpark Germendorf

Schon auf dem Parkplatz wurde man von diesen Urviechern empfangen

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an der Kasse dann darauf hingewiesen, dass man sein Mobilar zu Hause lassen soll

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und dann begann nach dem Zahlen moderater Eintrittspreise eine ganz lebendige Urzeitreise

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Dichten, um die Zeitung zu verdauen


Bettina:

Claudia hat in ihrem Report aus Syrien in den Versen mit gut 130 Worten mehr gesagt, als so mancher Leitartikel unserer Zeitungen

Ursprünglich veröffentlicht auf Mein Leben als Rezitatorin und Dichterin:

– und weil ich leider die Situation nicht ändern kann, aber nicht schweigen mag.

Report aus Syrien

Frau aus London, getauft, beschult und studiert,
Psychologie, Soziologie, von Haus aus
nicht reich, doch an den meisten Standards gemessen
nicht arm. Verhüllt von Hijab und Handschuhn,
Augen sieht man und hört die Stimme. Der Tonfall
immer noch London. In Syrien jetzt beim Gatten.
Vor Heirat haben sie sich nicht gekannt.
Hübsch ist er, jung, ein fröhliches offnes Gesicht,
blitzweiße Zähne beim Lächeln, und schöne Augen,
spricht in die Kamera ohne Scheu und vergnügt,
und man hört auch an seiner Sprache die Bildung.
Zärtlich hält er im Arm die kleine Tochter,
und die Frau wieder schwanger, vielleicht wirds ein Junge –
und vielleicht wirds der junge Vater erleben,
inshallah, doch er rechnet mit seinem Sterben.
Als Mujahedin geht er täglich zum Morden.

© Claudia Sperlich

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Schnauze voll von Freundlichkeit


Bettina:

Wieder einmal spricht mir Claudia mit diesem Beitrag aus Herz und Seele,

Ursprünglich veröffentlicht auf Mein Leben als Rezitatorin und Dichterin:

Wenn ich sehe, wie deutsche Politikerinnen, die sich die Emanzipation auf die Fahnen geschrieben haben, hochgeschlossen und mit Kopftuch unter einem Bild des Ayatollah Khomeini sitzen und das ganz offensichtlich wunderbar finden; wenn ich mitbekomme, daß Staatsbesuche und Staatsgeschäfte stattfinden, wo die Christenverfolgung düstere Blüten treibt – dann wünsche ich mir, es gebe in Deutschland mehr Verstand, mehr Gerechtigkeit und mehr Zorn – und ich wünsche mir zugleich, das hohe Gut der Freundlichkeit werde sparsamer dosiert. Bei mir jedenfalls ist die Freundlichkeit knapp, und ich werde sie nur noch für Menschen verwenden, die sie verdienen.

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Steuerreformen 1875


Jemand, der die Familienforschung nicht wie ein Hobby sondern wie eine Berufung betreibt, erzählte mir kürzlich, dass es früher so viele Johannesse gab, liegt daran, dass – dem Täufer zu Ehren – für Jungen, die auf Johannes getauft wurden, nur die halbe Taufgebühr gezahlt werden musste. Auch dass es nur sehr selten die Namenskombination von Johannes und Martin gegeben hat und die Söhne von Schmieden oft auf den Name Martin getauft wurden.
Das fand ich interessant und gut um eine Geschichte darauf aufzubauen. Deshalb wollte ich mehr darüber wissen und googelte. Fand aber noch nichts , falsch, fand nichts, was die Taufgebühr für die Namen Martin und Johannes betraf.
ich fand aber mindestens genauso interessantes, nämlich den Wegfall der erhöhte Taufgebühren für uneheliche Kinder und der Bußgelder für die Geburt eines unehelichen Kindes in Mecklenburg.

Großherzoglich Mecklenb. Landvogtei des Fürstenthums Ratzeburg.
F. Graf Eyben.

Politische Rundschau.

Mecklenburg. Am 9. Dez. ist der auf Grund des § 202 des Erbvergleiches durch den Engeren Ausschuß berufene Konvent der Ritter= und Landschaft zusammengetreten. Nach den demselben zugegangenen schwerinischen Propositionen sollen vom 1. Jan. 1876 an die Gebühren für die kirchliche Proklamation und die Trauungen, sowie das Opfer bei Trauungen, der Haustaufthaler für die Kirche, der Bußthaler bei unehelichen Geburten und die höhere Taufgebühr für uneheliche Kinder, soweit sie über die Taufgebühr für eheliche Kinder hinausgeht, in Wegfall kommen; und die Bestimmungen über die in den einzelnen Städten und Flecken zu zahlenden Begräbnißgebühren sollen einer Revision unterzogen werden.

http://wafr.lbmv.de/show.php?action=1875-12-14

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