Gedicht der Woche 34/2010


Elfenlied

Um Mitternacht, wenn die Menschen erst schlafen,
Dann scheinet uns der Mond,
Dann leuchtet uns der Stern;
Wir wandeln und singen
Und tanzen erst gern.

Um Mitternacht, wenn die Menschen erst schlafen,
Auf Wiesen, an den Erlen
Wir suchen unsern Raum
Und wandeln und singen
Und tanzen einen Traum.

Johann Wolfgang von Goethe

Märchen der Woche 34/2010


Jacob und Wilhelm Grimm

Irische Elfenmärchen

9. Die Flasche

In den guten Tagen, wo das stille Volk sich noch häufiger sehen ließ, als jetzt in dieser ungläubigen Zeit, lebte ein Mann, Michael Purcell, der einige Acker schlechtes und unfruchtbares Land gepachtet hatte, in der Nachbarschaft der ehemals so berühmten Pfründe von Mourne, anderthalb Stunden von Mallow und sieben von Cork. Michael hatte Frau und Kinder, sie taten, was in ihren Kräften stand, das war freilich nicht viel, denn es war noch kein Kind so weit herangewachsen, daß es dem armen Manne bei seiner Arbeit helfen konnte, und die gute Frau besorgte die Kinder, melkte die Kuh, kochte Kartoffeln und trug die Eier nach Mallow; doch wie sie auch schafften, es war kaum genug, um die Pacht zu zahlen. Sie schickten sich eine Zeitlang, so gut es gehen wollte, in die Umstände, doch zuletzt kam ein schlechtes Jahr, das bißchen Hafer verdarb, die Hühnchen verkümmerten, das Schwein magerte ab und wurde beinahe für nichts zu Mallow verkauft; und der arme Michael fand, daß er nicht genug hatte, um die Hälfte des Pachtgeldes zu zahlen und zwei Termine war er schon schuldig.
»Was sollen wir nun anfangen, Marie?« fragte er.
»Was wir anfangen sollen?« antwortete sie, »Treib unsere Kuh auf den Markt nach Cork und verkaufe sie dort. Montag ist Markttag, da mußt du frühe gehen, damit das arme Tier sich verschnauft, ehe es auf den Markt kommt.«
»Und was sollen wir anfangen, wenn sie fort ist?« sagte Mick bekümmert.
»Das weiß ich nicht, Michael, doch gewißlich wird uns Gott nicht verlassen und du weißt doch, wie gütig er gegen uns war, als der kleine Wilhelm krank lag und wir gar nichts für ihn hatten? Der Doktor von Ballydahin, der sanfte, feine Mann kam geritten und verlangte einen Trank Milch; er gab uns zwei Schillinge, schickte die Arzneien für das Kind und was es sonst nötig hatte und gab mir jedesmal etwas zu essen, wenn ich kam, ihn um Rat zu fragen, den er mir niemals versagte; er kam auch und sah nach dem Kind und hörte mit seinen Wohltaten nicht auf, bis es ganz gesund war.«
»Du denkst immer so, Marie, und ich glaube, du hast Recht, darum will ich mir auch über den Verkauf der Kuh keine Sorgen machen. Ich will morgen gehen, du mußt aber Nadel und Zwirn nehmen und meinen Rock flicken, er ist unter dem Arm aufgerissen.«
Marie versicherte, daß sie alles in Ordnung bringen wollte; den folgenden Tag schickte er sich an und sie schärfte ihm beim Abschied ein, die Kuh nicht anders zu verkaufen, als um den höchsten Preis. Michael versprach, es nicht zu vergessen und machte sich auf den Weg. Er trieb die Kuh langsam durch den kleinen Fluß, der den Weg durchschneidet und unter den alten Mauern von Mourne hinrinnt. Als er vorbei kam, fielen seine Augen auf die Türme und einen von den alten Holunderstämmen, die damals wie kleine Gerten aussahen.
»Ja«, rief er aus, »hätte ich nur die Hälfte des Geldes, das unter Euch begraben liegt, so brauchte ich die arme Kuh nicht dahin zu treiben! Ists nicht ein Jammer, daß es unter der Erde ruht, während noch andere als ich es entbehren müssen! Nun, wenns Gottes Wille ist, so komme ich mit etwas Geld in der Tasche zurück.«
Mit diesen Worten trieb er sein Vieh weiter. Es war ein schöner Tag und die Sonne schien glänzend auf die Mauern der alten Abtei, als er daran vorbei kam. Der Weg führte über eine Reihe allmählich aufsteigender Berge, bis er nach drei Stunden auf die Spitze der Anhöhe (die jetzt der Flaschenberg heißt, aber damals den Namen noch nicht führte) gelangte, an welcher Stelle ihn jemand einholte.
»Guten Morgen!« sagte dieser.
»Guten Morgen!« antwortete Michael freundlich, und sah sich nach dem Fremden um; es war ein kleines Männchen, daß man ihn einen Zwerg hätte nennen können, doch war er nicht ganz so klein. Er hatte ein altes, verschrumpftes, gelbliches Antlitz, das genau wie welker Blumenkohl aussah, dabei eine dünne, kleine Nase, rote Augen und weiße Haare. Seine Lippen waren nicht rot, sondern sein ganzes Gesicht von einer Farbe, seine Augen ohne Ruhe, überall sich umschauend und obgleich sie rot waren, so ward doch Michaels Herz eiskalt, wenn er sie ansah. Er hatte in der Tat wenig Gefallen an der Gesellschaft des Kleinen, und er konnte nicht das mindeste von seinen Beinen oder seinem Körper erblicken; das Männchen hatte sich, obgleich der Tag warm war, ganz in einen dicken, weiten Rock eingewickelt.
Michael trieb die Kuh ein wenig schneller, aber der Kleine hielt sich immer neben ihm. Er wußte nicht, auf welche Art er schritt, denn er fürchtete sich zu sehr, um sich nach ihm umzuschauen und wollte auch nicht das Kreuz über sich schlagen, denn er war bange, der alte Mann möchte zornig werden. Doch deuchte ihn, sein Reisegefährte ginge nicht wie ein anderer Mensch und setzte einen Fuß vor den andern, sondern glitte nur über den rauhen Weg (und rauh war er genug) wie ein Schatten dahin, ohne Geräusch und ohne Anstrengung. Dem armen Michael zitterte das Herz im Leibe, er sagte ein Gebet für sich und wünschte, er wäre den Tag nicht ausgegangen, oder er wäre schon auf dem Markt, oder er brauchte die Kuh nicht zu hüten, damit er vor dem Gespenst fortlaufen könnte.
Mitten in diesen Ängsten ward er von seinem Gefährten angeredet: »Wohin wollt ihr mit der Kuh, lieber Mann?«
»Nach dem Markt zu Cork«, antwortete Michael zitternd bei dem schnarrenden und schneidenden Ton der Stimme
»Wollt Ihr sie verkaufen?« sagte der Fremde.
»Freilich treibe ich sie dahin, um sie zu verkaufen.«
»Wollt Ihr sie mir verkaufen?»
Michael fuhr erschrocken zurück, er fürchtete sich, mit dem Kleinen etwas zu tun zu haben und fürchtete sich noch mehr, nein zu sagen. Endlich sprach er: »Was wollt Ihr mir dafür geben?«
»Ich will Euch etwas sagen«, antwortete der Kleine, »ich gebe Euch diese Flasche dafür«; indem er eine Flasche unter dem Mantel hervor holte.
Michael schaute erst ihn und die Flasche an, dann mußte er, mitten in seiner Angst, in ein lautes Gelächter ausbrechen.
»Lacht nach Herzenslust«, sprach der Kleine, »aber ich sage Euch, diese Flasche ist mehr wert für Euch, als alles Geld, das Ihr für die Kuh in Cork bekommt, ja tausendmal mehr.«
Michael lachte wieder: »Ihr denkt wohl«, sagte er, »ich wäre ein solcher Narr, daß ich meine gute Kuh für so eine Flasche hingäbe, die obendrein noch leer ist? Wahrhaftig, daraus wird nichts.«
»Ihr tut besser, wenn Ihr mir die Kuh gebt und die Flasche nehmt; Ihr braucht es Euch nicht leid sein zu lassen.«
»Aber Marie, was würde die sagen? Das würde kein Ende nehmen! Und wie sollte ich meine Pacht zahlen? Und was sollen wir anfangen ohne einen Heller Geld?«
»Ich versichere Euch, die Flasche ist besser, als alles Geld, nehmt sie und gebt mir die Kuh. Jetzt sage ich es Euch zum letzten Mal, Michael Purcell.«
Michael war bestürzt. »Wie hat er meinen Namen erfahren!« dachte er.
Der Fremde fuhr fort: »Michael Purcell, ich kenne Euch und habe Achtung vor Euch, darum folgt meinem Rat, oder Ihr werdet es empfinden. Wißt, Eure Kuh wird Euch hinfallen, ehe Ihr nach Cork kommt.«
Michael wollte eben sagen: »Das verhüte Gott!« aber der Kleine setzte hinzu (und Michael war zu aufmerksam, um etwas zu sagen, das ihn schweigen gemacht hätte und viel zu höflich, als jemand in der Rede zu unterbrechen): »Dann sollt Ihr wissen, es wird so viel Vieh auf dem Markt sein, daß Ihr zu einem geringen Preis losschlagen müßt und vielleicht fallt Ihr, wenn Ihr nach Haus geht, noch Räubern in die Hände. Doch wozu sage ich Euch das alles, da Ihr doch entschlossen seid, Euer Glück von Euch zu stoßen!«
»O nein, Herr, mein Glück möchte ich nicht von mir stoßen«, sagte Michael, »und wäre ich gewiß, daß die Flasche so gut ist, als Ihr sagt, obgleich ich niemals großen Gefallen an einer leeren Flasche gehabt, wenn ich sie auch selbst ausgetrunken hatte, so wollte ich Euch die Kuh geben im Namen -«
»Bekümmert Euch nicht um Namen«, unterbrach ihn der Kleine, »sondern gebt mir die Kuh; ich habe Euch keine Unwahrheit gesagt und wenn Ihr damit heim kommt, so tut genau, was ich Euch heißen werde.«
Michael zögerte.
»Wohlan«, sagte der Fremde, »guten Tag, Michael Purcell, ich kann nicht länger warten. Noch einmal, nehmt sie hin und seid reich; schlagt sie aus und bettelt für Euern Lebensunterhalt, seht Eure Kinder in Armut, Euer Weib sterbend vor Mangel: das wird Euer Schicksal sein, Michael Purcell.« Bei diesen Worten lächelte der Kleine boshaft, was seinen Anblick noch grausenhafter machte.
»Mag sein! Ist wohl wahr!« sagte Michael immer noch zaudernd und unschlüssig, was er tun sollte. Er konnte nicht anders, er mußte dem alten Manne glauben und endlich in einem Anfall von Verzweiflung griff er nach der Flasche und sagte: »Nehmt die Kuh und wenn Ihr mich belogen habt, so wird Euch der Fluch des Armen treffen.«
»Ich achte weder auf Euern Fluch noch auf Euern Segen, Michael Purcell, aber ich habe die Wahrheit gesprochen, das werdet Ihr noch heute abend erfahren, wenn Ihr tut, was ich Euch sage.«
»Was soll ich tun?« fragte Michael.
»Wenn Ihr heim kommt, so kümmert Euch nicht darum, daß Euer Weib ärgerlich ist, sondern bleibt selbst gelassen und heißt sie die Flur sauber kehren, setzt den Tisch zurecht und deckt ein reines Tuch darüber, dann stellt die Flasche auf den Boden und sprecht die Worte: Flasche tue deine Schuldigkeit! und Ihr werdet den Erfolg sehen.«
»Und das ist alles?« fragte Mick.
»Nichts weiter«, sagte der Kleine. »Guten Tag, Michael Purcell, Ihr seid ein reicher Mann.«
»Das gebe Gott!« sagte Michael, als der alte Mann die Kuh forttrieb und er wieder auf dem Heimweg war; doch konnte er nicht umhin den Kopf umzudrehen und dem Käufer seiner Kuh nachzusehen, bis er ganz verschwunden war.
»Gott behüte und bewahre uns!« rief Michael, »Der gehört nicht dieser Welt an. Aber wo ist meine Kuh?« Sie war fort und Michael ging heimwärts, Gebete für sich hersagend und seine Flasche fest haltend.
»Was wollt‘ ich anfangen«, dachte er, »wenn sie mir zerbräche, doch dafür will ich tun« und steckte sie vor seine Brust, besorgt über den Erfolg und zweifelhaft über den Empfang, den er bei seiner Frau zu erwarten hatte. Während er Sorge und Erwartung, Furcht und Hoffnung gegeneinander abwog, erreichte er abends seine Hütte und überraschte seine Frau, die bei dem Torffeuer am Herde saß.
»Ei, Michael, du bist wieder da! Gewiß bist du nicht nach Cork gekommen! Sprich, was ist dir begegnet? Wo ist die Kuh? Hast du sie verkauft? Wie viel hast du dafür gelöst? Was gibts Neues? Erzähl mir davon.«
»Willst du mir Zeit lassen, Marie, so will ich dir alles haarklein erzählen. Wo unsere Kuh ist, möchtest du gerne wissen; aber das kann ich dir nicht sagen, denn ich weiß am allerwenigsten, wo sie ist.«
»Was hast du dafür gelöst, Michael? Heraus mit dem Geld!«
«Kleine Geduld, Marie, und du sollst alles hören.«
«Aber was ist das für eine Flasche unter deiner Weste?« fragte Marie, die den hervorragenden Hals bemerkte.
«Nun sei vergnügt«, sagte Michael, «doch ich muß dir erst erzählen!« und stellte die Flasche auf den Tisch. »Das ist alles, was ich für die Kuh bekommen habe.«
Die arme Frau war wie vom Donner gerührt. »Alles was du bekommen hast! Und wozu taugt das, Michael? So hätte ich doch mein Lebtag nicht gedacht, daß du ein solcher Narr wärest. Wie willst du nun die Pacht bezahlen?«
«Willst du Vernunft annehmen, Marie?« sagte Michael, «so will ich dir erzählen, wie der alte Mann, oder wer es sonst war, mir begegnete, nein, er begegnete mir nicht, sondern er war da bei mir, oben auf dem Berg, und wie er mich dazu bewog, ihm die Kuh zu verkaufen und mir sagte, diese Flasche wäre etwas für mich.«
»Wahrhaftig bloß für dich, du Narr!« sagte Marie und griff nach der Flasche, um sie ihrem armen Mann an den Kopf zu werfen. Aber Michael faßte sie geschwind, machte sie ganz gelassen (denn er erinnerte sich an den Befehl des Kleinen) von den Händen seines Weibes los und steckte sie wieder vor seine Brust.
Die arme Marie saß da und weinte während ihr Michael seine Geschichte erzählte und sich dabei oft bekreuzigte und segnete. Indessen konnte sie nicht umhin, ihm Glauben beizumessen, zu mal sie an Geister glaubte. Ohne ein Wort zu sprechen stand sie auf und fing an, die Flur mit einem Büschel Heidekraut zu kehren. Hierauf ordnete sie alles, setzte den langen Tisch zurecht und deckte ein reines Tuch, das einzige, das sie hatten, darüber her und Michael stellte die Flasche auf die Erde und sprach: »Flasche, tue deine Schuldigkeit!«
»Dort! dort! Mutter, sieh doch!« rief der älteste Knabe, ein pausbackiges Kind von fünf Jahren, und sprang an seiner Mutter Seite, als zwei winzige kleine Gestalten, wie Lichtstrahlen, aus der Flasche hervorstiegen und in einem Augenblick den Tisch mit silbernen und goldenen Schüsseln und Tellern besetzten, auf welchen die köstlichsten Speisen lagen, und so wie alles in Ordnung war, wieder in die Flasche hinabstiegen. Michael und seine Frau betrachteten alles mit höchstem Erstaunen, denn sie hatten solche Schüssel und Teller ihr Lebtag nicht gesehen und glaubten, dergleichen könnte man nicht genug bewundern, so daß sie von dem bloßen Anschauen allen Hunger vergaßen. Endlich sagte Marie:
»Komm, Michael, und setz dich nieder, versuchs und iß ein wenig, du mußt ja hungrig sein nach einem so guten Tagwerk.«
»Siehst du, der Mann hat keine Unwahrheit von der Flasche gesagt.«
Michael setzte sich und gab auch den Kindern ihren Platz an dem Tisch; sie hielten eine herrliche Mahlzeit und doch blieb die Hälfte der Schüsseln unangerührt.
»Mich soll doch wundern«, sagte Marie, »ob die guten, kleinen Herrn diese kostbaren Sachen wieder wegnehmen werden!« Sie warteten, aber niemand kam. Da hob Marie sorgfältig Schüssel und Teller auf und sprach: »Gewißlich, es war keine Unwahrheit, du bist jetzt ein reicher Mann, Michael Purcell.«
Sie gingen alle zu Bett, doch nicht um zu schlafen, sondern um zu verabreden, wie sie diese köstlichen Dinge, deren sie nicht bedurften, zu Geld machen wollten, um mehr Ländereien zu übernehmen. Michael ging nach Cork, verkaufte seine Goldschüsseln, erhandelte sich Wagen und Pferd und überlegte, wie er viel Geld erwerben könnte. Sie gaben sich alle Mühe, die Flasche geheim zu halten, doch vergeblich; der Gutsherr brachte es heraus. Eines Tages kam er zu Michael und fragte ihn, wie er zu all dem Geld gekommen wäre, das er doch in keinem Falle durch die Pacht gewonnen hätte; er quälte ihn so lange, bis Michael ihm endlich von der Flasche sagte. Der Gutsherr bot viel Geld, doch dafür wollte sie Michael nicht geben, bis er ihm zuletzt alles, was er jetzt in Pacht hatte, als Eigentum anbot. Da dachte Michael, der reich genug war, nun bedürfe er des Geldes weiter nicht mehr und gab die Flasche hin.
Michael hatte sich verrechnet, er und die Seinigen verschleuderten das Geld, als wenn es kein Ende nehmen könnte und um die Geschichte kurz zu machen, sie wurden immer ärmer und ärmer, bis sie am Ende nichts mehr übrig hatten, als eine Kuh, welche Michael abermals wieder vor sich her trieb, um sie auf dem Markt zu Cork zu verkaufen, nicht ohne Hoffnung, dem kleinen Mann von neuem zu begegnen und eine andere Flasche zu erhalten.
Der Tag brach eben an, als er sich von Haus aufmachte und er ging einen guten Schritt, bis er zu der Höhe kam. Die Nebel schliefen noch in den Tälern und kräuselten sich in duftigen Kränzen auf der braunen Heide rings um ihn her. Die Sonne erhob sich zu seiner Linken und vor seinen Füßen sprang eine Lerche aus ihrem Lager im Gras und stieg, ihren fröhlichen Morgengesang anstimmend, in den blauen Himmel hinauf.
Michael bekreuzigte sich, horchte auf den süßen Gesang der Lerche und mußte beständig an das alte, kleine Männchen denken. Da wurde er, gerade als er den Gipfel des Bergs erreichte und seine Augen auf die weite Aussicht vor und hinter sich warf, von der wohlbekannten Stimme sowohl erschreckt, als erfreut, die ihm zurief: »Nicht wahr, Michael Purcell, ich sagte dir, du würdest ein reicher Mann werden?«
»Gewiß, es war keine Lüge, Herr! Ich wünsche Euch einen guten Morgen, aber daß ich zur Zeit ein reicher Mann bin, kann ich nicht sagen. Habt Ihr eine andere Flasche? Ich bedarf ihrer so gut, wie vordem. Habt Ihr sie, Herr, hier ist die Kuh dafür.«
»Und hier ist die Flasche«, sagte der Kleine und lächelte, »du weißt, was du damit zu tun hast.«
»Ach ja«, antwortete er, »ich will es schon recht machen.«
»Guten Tag, Herr«, rief Michael, als er sich auf den Heimweg begab, »gutes Glück Euch und gutes Glück dem hohen Berg, dem Flaschenberg, damit er einen Namen bekommt; guten Tag, Herr, guten Tag!«
Damit eilte er, so schnell er konnte, zurück, ohne sich nur einmal nach dem Kleinen mit dem weißen Gesicht und der Kuh umzuschauen, nur besorgt, seine Flasche heimzubringen. Wohlbehalten langte er damit an und sobald er Marie erblickte, rief er aus: »Ja, ich habe eine andere Flasche!«
»Tausend!« rief die Frau, »hast du sie? Du bist ein Glückskind, Michael Purcell, ja das bist du!«
Sie brachte alles sogleich in Ordnung und Michael, seine Flasche betrachtend, schrie in seiner Freude: »Flasche, tue deine Schuldigkeit!« In einem Augenblick sprangen zwei große, gewaltige Männer aus der Flasche mit dicken Knütteln in den Händen, die den armen Michael, seine Frau und seine ganze Familie unbarmherzig bläuten, bis alles auf dem Boden lag, worauf sie in die Flasche zurückeilten. Michael, sobald er wieder zu Besinnung kam, stand auf und sah sich um. Er sann und sann. Endlich hob er Frau und Kinder in die Höhe, und sprach: »Macht, daß Ihr Euch wieder erholt, so gut es geht«, nahm die Flasche unter den Mantel und begab sich zu seinem Gutsherrn.
Dort war große Gesellschaft und Michael bat einen Bedienten, dem Herrn zu sagen, daß er ein paar Worte mit ihm zu sprechen wünsche. Endlich kam der Herr heraus und fragte: »Was bringt Ihr mir neues, Michael?«
»Nichts, Herr, als daß ich eine andere Flasche habe.«
»Ei, ei! Ist sie auch so gut, wie die erste?«
»Ja wohl, Herr, noch besser. Wenns Euch beliebt, so will ich sie Euch vor allen Herrn und Damen zeigen.«
»Tretet nur herein«, sprach der Gutsherr und Michael ward in den Saal geführt, wo er seine alte Flasche erblickte, die oben auf dem Gesimse stand. »Sieh da!« sagte er sich selbst, »Vielleicht habe ich dich in kurzem wieder!«
»Wohlan«, sagte der Gutsherr, »zeigt her Eure Flasche!«
Michael setzte sie auf den Boden und sprach die Zauberworte. In einem Augenblick lag der Gutsherr darnieder, Damen und Herren, Bediente und wer sonst zugegen war, rannten, schrien, wälzten sich, stießen mit den Füßen und heulten. Becher und Teller rollten nach allen Seiten hin, bis der Gutsherr endlich ausrief: »Bring diese zwei Teufel zur Ruhe, Michael Purcell, oder ich lasse dich aufhängen!«
»Nicht eher sollen sie aufhören«, sagte Michael, »als bis Ihr mir meine Flasche wiedergebt, die ich dort oben auf dem Gesims sehe.«
»Holt sie ihm herab«, sagte der Herr, »ehe wir alle ermordet sind.«
Michael steckte die alte Flasche vor seine Brust, die Männer sprangen wieder in die neue hinein und er trug sie beide heim. Was soll ich noch weiter erzählen, daß Michael reicher ward, als zuvor, daß sein Sohn die Tochter des Gutsherrn heiratete, daß er und sein Weib in hohem Alter starben und bei ihrer Leichenfeier einige Diener in Streit gerieten und die Flaschen zerbrachen! Doch der Berg hat noch immer den Namen und wird wohl Flaschenberg heißen, bis ans Ende der Welt.

gestorben 28. August 2003 -15. märchenhafte Biografie


Peter Hacks

Gehört für mich zu den ganz, ganz Großen. Ihn hier vorzustellen, ist mir ein Anliegen, auch wenn ich ihn nicht wirklich in die Reihe der Märchensammler stellen möchte, so ist er doch ein „Märchenerneuerer“, einer, der dieses Genre für das 21. Jahrhundert fit machte.

Auf Wikipedia, der freien Enzyklopädie fand ich so eine gute Biografie, dass ich den Artikel mal 1:1 herüberhole

Peter Hacks

* 21. März 1928 in Breslau;

† 28. August 2003 bei Groß Machnow

war ein deutscher Dramatiker, Lyriker, Erzähler und Essayist. Er begründete in den sechziger Jahren die „sozialistische Klassik“ und gilt als einer der bedeutendsten Dramatiker der DDR, der meistgespielte war er mit Sicherheit.

Lange Zeit war er der einzige Gegenwartsdichter, der sowohl auf den Bühnen der DDR als auch auf denen der BRD stark präsent war.

Der Erfolg seines Stückes Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe ist auf den deutschen Bühnen des 20. Jahrhunderts beispiellos.

Leben

Lebenslauf

Als Sohn eines sozialistisch-antifaschistischen Elternhauses verbrachte Hacks seine Kindheit und Jugend bis 1944 in Breslau, wo sein Vater als Rechtsanwalt praktizierte. In der Endphase des Zweiten Weltkriegs versuchte er sich dem Wehrdienst zu entziehen und geriet dabei in die Gefangenschaft der Waffen-SS. Nach dem Krieg legte er sein Abitur in Wuppertal ab, im Anschluss studierte er, in Dachau bei seiner Familie wohnend, an der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität Neuere Deutsche Literatur, Theaterwissenschaft, Philosophie und Soziologie. 1951 wurde er mit einer Arbeit über das Theaterstück des Biedermeier zum Dr. phil. promoviert. Von 1951 bis 1955 lebte er als Schriftsteller in München, arbeitete dort zusammen mit James Krüss für den Rundfunk und trat im Kabarett mit eigenen Texten auf. Er knüpfte Kontakt mit Erich Kästner, Bertolt Brecht und Thomas Mann. Er fragte Brecht, ob es ratsam sei, in die DDR zu ziehen. Dieser riet ihm weder zu noch ab. 1954 erhielt er für sein erstes aufgeführtes Drama Eröffnung des indischen Zeitalters den damals angesehenen Dramatiker-Preis der Stadt München.

1955 übersiedelte Hacks, inzwischen mit der Schriftstellerin Anna Elisabeth Wiede verheiratet, in die DDR und ließ sich mit Hilfe Brechts in Berlin nieder, wo er zunächst für dessen Berliner Ensemble arbeitete. Eine ständige Zusammenarbeit zwischen ihm und Brecht ergab sich allerdings nicht. Ab 1960 arbeitete Hacks als Dramaturg am Deutschen Theater Berlin, an dem mehrere seiner Stücke aufgeführt wurden. Im Intendanten Wolfgang Langhoff hatte er dort einen großen Fürsprecher. Als die Inszenierung seines Stücks Die Sorgen und die Macht 1962 die Kritik einiger Funktionäre der SED auslöste, gab Hacks 1963 seine Stellung als Dramaturg am DT auf und lebte wieder als freischaffender Schriftsteller.

Zur gleichen Zeit, da sich der Skandal um Die Sorgen und die Macht ereignete, feierte Hacks mit Der Frieden (nach Aristophanes) seinen ersten großen Theatererfolg. Es folgten mit Die schöne Helena (1964, nach Henri Meilhac und Ludovic Halévy, Musik: Jacques Offenbach), Amphitryon (1967), Adam und Eva (1972) und Das Jahrmarktsfest zu Plundersweilern (1973, nach Johann Wolfgang von Goethe) große Theatererfolge auf den Bühnen der DDR und der BRD. Sein Stück Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe (1974) wurde ein Welterfolg: Es wurde bislang ca. 190 mal auf über 170 deutschsprachigen Bühnen sowie auf fremdsprachigen Bühnen von insgesamt 21 Ländern aufgeführt.

Das Verhältnis der DDR zu Hacks blieb indes widersprüchlich. Hacks wurde von vielen Funktionären und Dichterkollegen auch weiterhin als „bürgerlicher“ bzw. „aristokratischer“ Dichter wahrgenommen, aber ihm wurde durch seine Erfolge mehr und mehr Anerkennung zuteil: 1964 wurde er in das P.E.N.-Zentrum der DDR gewählt, 1972 in die Akademie der Künste der DDR, 1974 erhielt er den Nationalpreis der DDR zweiter Klasse und drei Jahre später den erster Klasse. 1976 begrüßte Hacks in einem Artikel in der Weltbühne die Ausbürgerung Wolf Biermanns und wurde infolgedessen von vielen Vertretern des westlichen wie des östlichen Kunstbetriebs scharf angegriffen und boykottiert.

Das Ende der DDR nahm Hacks nicht zum Anlass, von seiner kommunistischen Überzeugung Abstand zu nehmen. 1991 trat er aus der Akademie der Künste aus und weigerte sich, wenngleich er nicht aufhörte zu schreiben, am Kulturbetrieb des vereinigten Deutschland teilzunehmen. Gegen Ende der 1990er Jahre trat er vor allem in der „linken Szene“ wieder verstärkt in Erscheinung. Die Ausgaben seiner Essays, seiner Gedichte und der späten Dramen fanden breitere Aufmerksamkeit, allgemein beachtet wurde die vielgelobte Werkausgabe von 2003, die zur Ausgabe letzter Hand wurde. Hacks starb im selben Jahr in seinem Landhaus in Groß Machnow.

Zeitgenossen

Die Meinungen von Hacks’ Zeitgenossen über ihn gehen stark auseinander. Von Anbeginn seiner öffentlichen Wirkung prallten immer wieder starke Fürsprache und große Begeisterung auf heftige Kritik und erbitterte Feindschaft. Die Gründe für diese Extreme sind vielfältig. Hacks’ Erfolg beim Publikum, die Qualität seiner Kunst, das Selbstbewusstsein, mit dem er als Künstler seinen Platz in der Welt einforderte, die Konsequenz, mit der er an einmal gefällten Entscheidungen festhielt, erregten bei vielen Zeitgenossen Widerwillen. Hinzu kam mit der Zeit seine immer deutlichere und systematischere Ablehnung der Moderne und der Romantik, gegen die er eine an der Klassik orientierte Ästhetik setzte. Auch die politische Entwicklung der DDR, insbesondere seit dem VIII. Parteitag der SED, trug hierzu bei, denn worin viele Zeitgenossen eine positive Entwicklung in der Kultur- und Wirtschaftspolitik sahen, sah Hacks den Anfang vom Ende. Dabei neigte er zu pointierten, auch überpointierten, Urteilen über seine Zeitgenossen. Er hielt sich weder im öffentlichen noch im brieflichen oder persönlichen Kontakt zurück. Die Intensität, mit der er Lob und Tadel betrieb, war für viele irritierend. Er nahm jedoch so intensiv und umfassend wie kaum ein anderer Schriftsteller die literarische Produktion seiner Zeit wahr, setzte sich hierbei oft und energisch für Kollegen und junge Talente ein, war aber auch streng in seinen ästhetischen und politischen Urteilen.

Obwohl Hacks sich zu Beginn der sechziger Jahre einerseits durch den Skandal um sein Stück Die Sorgen und die Macht, andererseits durch seine Befürwortung des Baus der Berliner Mauer gegen einen starken Druck vieler politischer Vertreter sowohl der BRD als auch DDR behaupten musste, war er unter den Dramatikern der DDR der erste, der den großen Durchbruch beim Theaterpublikum beider deutschen Länder schaffte. Die damit verbundenen Möglichkeiten nutzte er, um andere Dramatiker zu fördern. So unterstützte er Heiner Müller finanziell und nahm ihn gegen Kritik in Schutz. Die zunehmend sichtbaren Differenzen in politischen und ästhetischen Fragen, insbesondere der Umstand, dass Heiner Müller ein Orientierungspunkt der DDR-Opposition wurde, sorgten allerdings noch in den sechziger Jahren für eine Entfremdung der beiden Dramatiker voneinander, die zu Beginn der siebziger Jahre in offene Feindschaft umschlug. Auch der Schriftsteller Hartmut Lange wurde von Hacks intensiv gefördert, und auch mit Lange kam es zum Bruch: 1965, während eines gemeinsamen Ferienaufenthalts in Jugoslawien, setzte sich Lange, ohne Hacks davor davon in Kenntnis zu setzen und obwohl der bei den staatlichen Organen der DDR für ihn gebürgt hatte, in Richtung BRD ab. Nach Müller und Lange, die Hacks für die größten Begabungen unter den DDR-Dramatikern hielt, schätzte er Helmut Baierl und vor allem Rudi Strahl.

In der Akademie der Künste gehörte Hacks zu den aktivsten Mitgliedern. So gründete er 1972 die „Arbeitsgruppe Dramatik“, die später in „Arbeitsgruppe Ästhetik“ umbenannt wurde und als solche mit insgesamt 21 Sitzungen bis 1979 Bestand hatte. Er leitete alle Sitzungen, forderte Disziplin sowie eine gute und genaue Vorbereitung von den Teilnehmern. In erster Linie war er an kompetenten Diskussionspartnern interessiert, seine politischen und ästhetischen Auffassungen mussten sie nicht teilen. Teilnehmer waren u. a. Helmut Baierl, Wolfgang Kohlhaase, Werner Mittenzwei, Robert Weimann, Anna Elisabeth Wiede, Günther Rücker, Rainer Kerndl, Wolfgang Harich, Benito Wogatzki, Alexander Abusch und Wieland Herzfelde. Von 1988 bis 1990 fand dann in neun Sitzungen eine zweite Arbeitsgruppe unter der Leitung Hacks statt: „Technik des Dramas“, in dem Hacks junge Dichter versammelte und mit ihnen Fragen des dramatischen Handwerks besprach. Teilnehmer waren u. a. Christoph Hein, Lothar Trolle, Jens Sparschuh, Jörg-Michael Koerbl und Ronald M. Schernikau.

Hacks war in den sechziger und siebziger Jahren im Literatur- und Theaterbetrieb eine Persönlichkeit, an der sich viele orientierten und deren Nähe oft gesucht wurde. Das änderte sich vor allem mit seiner pointierten Befürwortung der Ausbürgerung Wolf Biermanns im Jahr 1976, aber sukzessive auch dadurch, dass Hacks einen Kampf gegen die Theater, die er seit Ende der sechziger Jahre im Verfall begriffen sah, sowie gegen die von ihm als „revisionistisch“ eingeschätzten Tendenzen in Kunst und Politik führte. Hierdurch wurde er vor allem für viele Regisseure zur persona non grata. In den 1980er Jahren und stärker noch nach dem Ende der DDR wurde Hacks in seiner Teilnahme am öffentlichen Leben zunehmend wählerisch. Zu seinen engsten Freunden zählten André Müller sen., Eberhard Esche, Karin Gregorek, Hans-Joachim Pavel, Gotthold Gloger und Heidi Urbahn de Jauregui, ferner auch Wolfgang Kohlhaase, Walter Beltz, Gerhard Piens und Dieter Noll.

Denken

Ästhetik

Hacks hat von Beginn an sein Dichten durch theoretische Reflexionen begleitet und ein umfangreiches essayistisches Werk hinterlassen. Wie in politischer und weltanschaulicher, so sind auch in ästhetischer Hinsicht seine Äußerungen, obwohl sie originell und eigenständig sind, überkommenen Traditionen stark verpflichtet.

Vom Einfluss der Ästhetik Brechts, in dem er seit 1954 stand, vermochte Hacks sich am Anfang der sechziger Jahre durch eine Hinwendung zur Klassik zu lösen. Eine implizite Tendenz der Brechtschen Ästhetik, die die Form eines Kunstwerks als etwas rein Äußerliches, den Inhalt also bloß Verschleierndes begreift, ist eine Kunstpraxis, die, damit der Inhalt des Kunstwerks besser befördert und gefördert werde, im einzelnen oft auf Zerschlagung überkommener Formen abzielt. Die überlieferten Mittel des künstlerischen Handwerks werden in dieser Sicht als Ausdruck älterer Gesellschaftszustände verstanden, die neuere Kunstproduktion gilt somit zumeist als die bessere, weil weiter fortgeschrittene. Hacks entwickelte dagegen – zunächst in einer Orientierung an den Kunstwerken Shakespeares und des griechischen Dramas, später auch in einem theoretischen Rückgriff vor allem auf Aristoteles, Hegel, Goethe, Schiller und Lukács – die Vorstellung, dass die Form das eigentümliche Dasein des Inhalts ausmache und sich beides nicht ausschlösse, sondern ohneeinander nicht existieren könne. Mit dieser Auffassung verbunden war die Ablehnung von Vorstellungen, die die Kunst in einen unmittelbaren Dienst der Politik oder Wissenschaft gestellt sehen wollten. In seiner Schrift Kunst und Revolution (1971) schreibt Hacks:

„Eingestandenermaßen ist die Kunst eine Waffe. Eingestandenermaßen ist ein Holzhammer eine Waffe. Nach Aristoteles folgt hieraus nicht, daß die Kunst ein Holzhammer sein müsse. Es folgt eher, daß die Kunst eine um so bessere Waffe sei, je bessere Kunst sie ist.“[1]

Von Beginn an in dieser Konzeption angelegt, jedoch erst durch ein zunehmendes Krisenbewusstsein zum Ausdruck gebracht, ist Hacks’ Ablehnung der Romantik, deren Wurzeln er in politischem Dünkel, irrationalem Denken und ästhetischem Unvermögen bzw. Unwillen sah, und der Moderne, die für ihn die Fortsetzung der romantischen Traditionslinien im 20. Jahrhundert war. Der Verfall des dichterischen Handwerks, die Negation des Gattungs- und des Werksbegriffs, der Verlust des Anspruchs, das Publikum zu unterhalten, waren für Hacks Erscheinungen eines Zeitgeistes, den er als barbarisch empfand.

Eine Konstante in seinem ästhetischen Denken bilden Reflexionen zu Gattungsfragen. Gattungen sind für ihn „die Werkzeuge der Kunst“ und „wer das Werkzeug kapiert, kapiert so ziemlich das Erzeugnis“.[2] Das Verstehen der Gattung steht im Interesse der bestmöglichen Erzeugung von Kunst. Zu den Gattungen, die Hacks – mal ausführlicher, mal kürzer – untersucht hat, gehören u. a. Drama, Libretto, Gedicht, Lied, Ballade, Märchendrama und Pornographie.

Weltanschauung und Politik

Konstitutiv für Hacks’ Weltbild ist eine unbedingte Neigung zur Vernunft, worunter nicht nur eine allgemeine Freude am Denken sowie eine Abneigung gegen das Irrationale zu verstehen ist, sondern auch ein starkes Interesse daran, mit dem Denken zu Resultaten zu kommen. Theoretische Reflexionen waren für Hacks, der den Positivismus entschieden ablehnte, nicht Zweck ihrer selbst, sondern hatten immer das Ziel, eine Theorie zu bilden, die die Erkenntnis über den Gegenstand weiter vorantreibt und nur so zurück auf die Welt zu wirken vermag.

Hacks gewann zu Beginn der 1950er Jahre eine marxistische Einstellung. Spätestens mit seinem Gang in die DDR war hiermit auch ein deutliches und lebenslanges Bekenntnis zu den politischen und staatlichen Organisationen der sozialistischen Arbeiterbewegung verbunden. Er blieb jedoch Zeit seines Lebens ein eigenständiger Kopf. Sich einerseits vehement an den Klassikern orientierend, entwickelte er andererseits kontinuierlich eigene Vorstellungen über Kunst, Philosophie, Politik und Geschichte. So wendet er z. B. in seiner Schrift Schöne Wirtschaft die Kategorien der ökonomischen Theorie von Marx auf die Bedingungen der Erzeugung und des Verkaufs von Kunstwerken an, wodurch er zugleich auch die Grenzen dieser Theorie für diesen Bereich aufzeigt. Beispielhaft für seine Stellung in der marxistischen Tradition ist Hacks’ Urteil über den Absolutismus, in dem er, anders als das in der marxistischen Tradition üblich ist, eine eigenständige, vom Feudalismus und Kapitalismus zu unterscheidende Gesellschaftsformation sah, die historisch ein Daseinsrecht besaß. Zugleich machte er aber auch – oft durch die Perspektive Goethes, immer aber mit marxistischen Mitteln – die Grenzen dieser Gesellschaft deutlich. Seinen Staatsbegriff nahm er, obgleich darin von Marx und Lenin nicht weit entfernt, eher von Hegel als von Marx: Allein im und durch den Staat hätten die Menschen eine Chance, ihre allgemeinen und ihre besonderen Interessen zu verwirklichen. Die marxistische These vom „Absterben des Staates“ war für Hacks nur im Sinne einer Aufhebung des Staates durch den Weg seiner Vervollkommnung akzeptabel. In diesem Sinne aber hat er sie akzeptiert, wodurch es ihm gelang, die Auffassungen von Marx und Lenin mit denen Hegels zu vermitteln.

In seiner politischen Orientierung war Hacks, der sich stets als Marxist-Leninist verstand, ein Anhänger Walter Ulbrichts, insbesondere von dessen Politik seit dem VI. Parteitag und der damit verbundenen Konzeption des Neuen Ökonomischen Systems, das Hacks als Beginn der vollen Entfaltung der sozialistischen Gesellschaft ansah. Folgerichtig lehnte er den Sturz Walter Ulbrichts im Jahr 1971 durch Erich Honecker und die damit verbundene Änderung in der Politik ab. Es gehört zu den zahlreichen Widersprüchen im Leben Hacks, dass er in der Ulbricht-Ära wesentlich stärker der Kritik von seiten der SED ausgesetzt und wesentlich weniger als Dichter der DDR anerkannt war als in der Honecker-Ära. Mit dem unter Honecker beginnenden wirtschaftlichen Verfall der DDR setzte bei Hacks ein stärkeres Krisenbewusstsein ein. In den sechziger Jahren war er noch – durch die wirtschaftlich positive Entwicklung der DDR bestärkt – im wesentlichen der Überzeugung, dass der Sozialismus im Systemkampf allein durch seine überlegene Produktivkraft siegen werde. In den siebziger Jahren beschäftigte ihn die Frage, auf welche Weise ein Qualitätssturz wie der von Ulbricht zu Honecker verhindert bzw. umgekehrt werden könne.

Schaffen

Den Kern seiner Tätigkeit als Dichter bildet die Dramatik. Hacks selbst hat immer wieder betont, dass das Dramenschreiben das einzige Handwerk sei, dass er wirklich vollkommen beherrsche. Er schrieb zumeist Komödien, gelegentlich Schauspiele, nie Tragödien. Merkmale seiner Stücke sind im allgemeinen eine große Leichtigkeit, Humor, gedanklicher Reichtum, sprachliche Eleganz und eine geschickte, jedoch nicht zu verzweigte Führung der Fabel. Mit zunehmendem Alter ist eine deutliche Neigung zu kleinerer Personage erkennbar. Seine Figuren sprechen durchgängig Autorensprache, d.h. keine Figurensprachen, die durch spezielle Wendungen, Dialekte oder überhaupt sprachliches Unvermögen die persönliche oder gesellschaftliche Begrenztheit gewisser Figuren auszudrücken hätten. Die meisten der Figuren sind Träger einer höchst eigenen Philosophie und als charakterlich-geistige Einheiten entsprechend herausgearbeitet, während sich die Handlung hieraus zu ergeben scheint. Im Gegensatz zu Brecht kommt es Hacks nicht so sehr darauf an, auf seiner Bühne das Walten gesellschaftlicher Notwendigkeiten zu zeigen, in denen die Figuren hin- und hergetrieben werden und ihnen dabei im Grunde nur die Einsicht in diese Notwendigkeiten bleibt, sondern er lässt, ohne jedoch auf seiner Bühne eine Welt ohne Gesetze und Zwänge zu konstruieren, seinen Figuren Raum für Entscheidungen. Dramaturgisch knüpfte er vor allem an zwei Traditionslinien an: der euripideischen und der Shakespeares, welche beiden er für die bedeutendsten der dramatischen Weltliteratur hielt. Hacks schreibt hierzu:

„Ich habe Drama an den besten Schulen gelernt. Als ich klein war, mochte ich Pocci, der mich einerseits zur Wiener Posse und andererseits zu Shaw leitete. Ich hatte bald heraus, dass ich mit der Wiener Posse den Shakespeare und mit Shaw die Griechen meinte. Wer über den Shakespeare und die Griechen verfügt, wird eines Tages die deutsche Klassik kapieren, und von Goethe und Shaw her findet sich – unter der Krafteinwirkung eines sozialistischen Erfahrungsfeldes – wohl auch der Rückverweis zu den Franzosen. Ich denke, die Gesamtheit dieser bleibenden und unüberwundenen Zustände des Dramas ergibt eine hinlänglich gegründete Standfläche für neue Erkundungen und weiterführende Versuche.“[3]

Lyrik

Als Lyriker mit hohem Anspruch trat Hacks erst spät hervor. Zu Beginn seiner Laufbahn beschränkte er sich, neben Fingerübungen und politischen Gelegenheitsarbeiten, auf das Verfassen von Liedern zu seinen Stücken. Seine Lust, Gedichte zu schreiben, stieg in dem Maße, in dem er mit der gesellschaftlichen Realität in der DDR unzufrieden wurde. Wie auch in der Dramatik orientiert er sich auch in der Lyrik vor allem an Shakespeare und an den Griechen, wobei auch hier mit der Zeit ein immer intensiverer Rückgriff auf Goethe hinzukommt. Eine Besonderheit seiner Lyrik ist ihre enge Verwandtschaft zu der Heinrich Heines. Die Gedichte Hacks sind fast durchgängig metrisch und meistens gereimt. Moderne Lyrik mit ihrer Eigenart, Prosa in den Zeilen zu brechen, lehnte er ab.

Epik

Hacks’ Epik ist mehrheitlich Kinderliteratur, dabei durchgängig märchenhaft. Seine Neigung zur heiteren Seelenlage, seine erzählerische Phantasie, sein dramatisches Temperament und seine Fähigkeit, das Schwierige einfach auszudrücken, kamen ihm in dieser Gattung zugute. Zugleich versteht er es, die Geschichten so zu schreiben, dass sie auch für Erwachsene mit Gewinn zu lesen sind. Auch seine Kinderliteratur behandelt bedeutende Themen und unterscheidet sich hierin nur durch die Art der Behandlung von Hacks’ Dramatik oder seiner Epik für Erwachsene.

Essayistik

Das Bedürfnis nach politischer, philosophischer und vor allem ästhetischer Selbstverständigung ließ Hacks als Autor von Essays hervortreten. Was die Gestaltung angeht, steht er hierbei stark in der französischen Tradition: Die Essays sind mit Anspruch auf Lesbarkeit geschrieben. Die Sprache ist reizvoll, flüssig und anschaulich. Was hingegen den Aufbau der Essays und ihren Gehalt angeht, steht Hacks stärker in der deutschen Tradition: Sein Anspruch, schwierige Themen systematisch zu durchdenken, und seine Gabe, auch Theorien dramatisch zu entwickeln, gaben seinen Essays eine Finesse im Aufbau und ein theoretisches Niveau, wie es unter den Autoren der Gegenwart nur selten zu finden ist.

Nachwelt

Hacks gehört auch heute, nach seinem Tod, zu den meistgespielten Autoren der Gegenwart, und die Veröffentlichungen seiner Werke, Schriften und Briefe stoßen auf ein reges Interesse. Noch zu Lebzeiten war eine Ausgabe letzter Hand im Eulenspiegel-Verlag erschienen.

So bereiten Jens Mehrle und Thomas Keck unter dem Titel Berlinische Dramaturgie eine Gesamtedition der Gesprächsprotokolle der Arbeitskreise in der Akademie der Künste vor, die im März 2010 in fünf Bänden erscheinen soll.

Der Hacks-Intimus André Müller sen. veröffentlichte im März 2008 seine Gespräche mit Hacks, in denen er Erlebnisse und Diskussionen wiedergebend seine vierzigjährige Freundschaft mit dem Dichter protokolliert, sein Briefwechsel mit Hacks, der umfangreichste im Nachlass, ist für Ende 2010 geplant. Diese Vorhaben geschehen unter dem Dach des Eulenspiegel-Verlags. Längerfristig geplant sind dort ebenfalls eine Gesamtedition der Briefe, sowie eine Ausgabe der Werke und Schriften des jungen Hacks.

Die Peter Hacks Seite berichtet im Internet regelmäßig von Aktivitäten, die den Dichter betreffen. Die 2005 vom VAT Verlag André Thiele begründete Webseite wurde 2009 an die Stiftung Neue Klassik abgetreten und versteht sich seither als unabhängiges Kulturprojekt.

Der VAT Verlag André Thiele betreibt mit der Edition Neue Klassik eine Buchreihe, die Werke zu Peter Hacks versammelt. So erschien im Sommer 2008 mit der von Ronald Weber besorgten Peter-Hacks-Bibliographie das erste vollständige Verzeichnis aller Publikationen von und zu Peter Hacks. Unter der Leitung von Felix Bartels entsteht die Hacks-Enzyklopädie, die in fünf Bereichen (Begriffslexikon, Werkkommentar, Personenverzeichnis, Bibliographie und Chronik) Leben und Werk des Dichters umfassend darstellen soll. André Thiele bereitet zur Zeit eine Jugendbiographie des Dichters vor. Annette Lose legte 2009 unter dem Titel Hacks-Vertonungen ein wissenschaftlich-systematisches Gesamtverzeichnis der Vertonungen von Hacks-Werken vor.

Seit September 2007 erscheint halbjährlich das Journal „ARGOS. Mitteilungen zu Leben Werk und Nachwelt von Peter Hacks“.[4]

Anfang Dezember 2007 wurde in Groß Machnow bei Berlin, dem einstigen Sommersitz des Dichters, die Peter-Hacks-Gesellschaft e. V. gegründet. Erster Vorsitzender ist der Verleger Philipp Dyck. Der Verein soll die wissenschaftlich-publizistische Auseinandersetzung mit dem Schaffen, Denken und der Biographie von Peter Hacks anregen, die Verbreitung seiner Werke fördern und alle Freunde derselben zur Mitwirkung einladen und verbinden.

Eine ähnliche, wenn auch weiter gefasste Zielsetzung verfolgt die im März 2009 gegründete Stiftung Neue Klassik, die im Sommer 2009 die Verantwortung für die Peter Hacks Seite übernommen hat.

Im August 2009 wurde der Aurora Verlag unter dem Dach der Eulenspiegel Verlagsgruppe gegründet, der sich zunächst fast ausschließlich Büchern von und über Hacks widmen will, die „der Entwicklung materialistisch-dialektischen Denkens verpflichtet sind“.

Preise

Dramatiker-Preis der Stadt München (1954)

• Lessing-Preis der DDR (1956)

• F.-C.-Weiskopf-Preis (1965)

• Deutscher Kritikerpreis (1971)

• Nationalpreis der DDR II. Klasse (1974)

• Nationalpreis der DDR I. Klasse (1977)

• Heinrich-Mann-Preis (1981)

• Alex-Wedding-Preis (1993)

• Deutscher Jugendliteraturpreis (1998)

Werke (Auswahl)

Lyrik

Sammlungen

• Die Gedichte (1988, erweitert 2000; Sammlung des lyrischen Œvres); Hamburg: Edition Nautilus, 2000; ISBN 978-3-89401-348-6

• Der Flohmarkt (1964; Sammlung von Kindergedichten)

Auswahlausgaben

• Tamerlan in Berlin. Gedichte aus der DDR; Berlin: Eulenspiegel – Das Neue Berlin, 2002

• 100 Gedichte; Berlin: Eulenspiegel, 2004

• Liebesgedichte; Leipzig: Reclam, 2006

• Heile Welt. Liebesgedichte; ausgewählt von Heike Friauf, mit dreizehn Grafiken von Thomas J. Richter; Berlin: Eulenspiegel, 2007

• Diesem Vaterland nicht meine Knochen; Berlin: Eulenspiegel, 2008

Dramatische Werke

Die frühen Stücke

• Das Volksbuch vom Herzog Ernst (1953, UA 1967, Nationaltheater Mannheim)

• Eröffnung des indischen Zeitalters (1954, UA 1955, Münchner Kammerspiele; 1970 2. Fassung unter dem Titel Columbus oder: Die Weltidee zu Schiffe)

• Die Schlacht bei Lobositz (1955, UA 1956, Deutsches Theater Berlin)

• Der Müller von Sanssouci (1957, UA 1958, Deutsches Theater Berlin/Kammerspiele)

• Die Kindermörderin (1957, EA 1959, Wuppertaler Bühnen)

Die Dramen

• Die Sorgen und die Macht (1959–1962: insgesamt drei Fassungen, UA 1960, Theater der Bergarbeiter Senftenberg)

• Moritz Tassow (1961, UA 1965, Volksbühne Berlin, Regie: Benno Besson, Bühne: Fritz Cremer)

• Der Frieden (nach Aristophanes, 1962, UA 1962, Deutsches Theater Berlin)Regie: Benno Besson, Bühne: Heinrich Kilger, Musik: Andre Asriel)

• Polly oder Die Bataille am Bluewater Creek (nach John Gay 1963, UA 1965 Landestheater Halle/S.)Regie: Kurt Veth, Bühne: Karl von Appen, Musik: Andre Asriel)

• Die schöne Helena (nach Jacques Offenbach, 1964, UA 1964, Deutsches Theater Berlin/Kammerspiele)Regie: Benno Besson,

• Margarete in Aix (1966, UA 1969, Theater Basel)

• Amphitryon (1967, UA 1968, Deutsches Theater Göttingen)

• Noch einen Löffel Gift, Liebling? Komische Kriminaloper. Musik: Siegfried Matthus. UA 1972 Regie: Harry Kupfer

• Prexaspes (1968, UA 1976, Staatsschauspiel Dresden)

• Omphale(Drama und Libretto für Siegfried Matthus, 1969, UA 1970, Städt. Bühnen Frankfurt/M.)

• Drama (1969). UA 1970 Frankfurt am Main (Städtische Bühnen)

• Oper (1974). Musik: Siegfried Matthus. UA 1976 Weimar

• Numa (1971, 2. Fassung 2002)

• Adam und Eva (1972, UA 1973, Staatsschauspiel Dresden)Regie: Klaus Dieter Kirst

• Die Vögel (Libretto nach Aristophanes, 1973, UA 1980, Staatsschauspiel Dresden)

• Das Jahrmarktsfest zu Plundersweilern (nach Johann Wolfgang von Goethe 1973, UA 1975, Deutsches Theater Berlin / Kammerspiele)

• Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe (1974, UA 1976, Staatsschauspiel Dresden)Regie: Klaus Dieter Kirst

• Rosie träumt (1974, UA 1975, Maxim-Gorki-Theater Berlin)

• Die Fische (1975, UA 1978, Deutsches Theater Göttingen)

• Senecas Tod (1977, UA 1980, Deutsches Theater Berlin/Staatsschauspiel Dresden)

• Pandora (nach Johann Wolfgang von Goethe, 1979, UA 1982, Deutsches Theater Göttingen)

• Musen (Vier Szenen, 1979, UA 1983, Bühnen der Stadt Magdeburg)

• Die Binsen (1981, UA 1985, Theater im Palast Berlin, Regie Eberhard Esche)

• Barby (1982, nach Er ist wieder da von Rudi Strahl, UA Halle 1983, Regie Peter Sodann)

• Fredegunde (1984, UA 1989, Staatstheater Braunschweig)

• Jona (1986, UA 2009, Schauspiel Wuppertal, Regie Marc Pommerening)

Die späten Stücke

• Fafner, die Bisam-Maus (1991, UA 1992, Vereinigte Städt. Bühnen Krefeld-Mönchengladbach)

• Der Geldgott (nach Aristophanes, 1991; UA 1993, Theater Greifswald, Regie: Manfred Dietrich)

• Der Maler des Königs (1991)

• Die Höflichkeit des Genies (Dramolett, 1992, UA 1994, Piccolotheater Hamburg)

• Genovefa (1993, UA 1995 Städt. Theater Chemnitz)

• Orpheus in der Unterwelt nach Jacques Offenbach (Libretto und Operette für Schauspieler, 1995, UA 1998, THEATER PROVINZ KOSMOS im Kulturpalast Bitterfeld, Regie: Jens Mehrle/Stefan Nolte)

• Bojarenschlacht (nach Jakob Knaschnin, 1996)

• Tatarenschlacht (nach Ladislaus Oserow, 1996, UA 2005, Theater Erlangen)

• Der falsche Zar (nach Alexander Sumarokow, 1996)

• Der Bischof von China (1998, UA 2004, Theater Waidspeicher Erfurt)

• Der Parteitag (Dramolett, 2003)

• Phraates (Dramolett, 2003)

• Berliner Novelle (Dramolett, 2003)

Märchendramen

• Die Kinder (1981); Uraufführung am 12. Februar 1984 im Theater Greifswald, Regie: Manfred Dietrich, Ausstattung Eckehard König, Musik: Ottmar-Wolfram Vogel

• Maries Baby (1982)

Epische Werke

Die Erzählungen

• Ekbal, oder Eine Theaterreise nach Babylon (1961)

• Der Schuhu und die fliegende Prinzessin (1963)

• Geschichte meiner Oper (1972)

• Magister Knauerhase (1982)

• Die Gräfin Pappel (1992)

Kindermärchen

• Das Windloch (1956)

• Das Turmverlies (1961)

• Armer Ritter (1977)

• Onkel Mo (1981)

• Kinderkurzweil (Sammlung aller Märchen, 1981 und (erweitert) 2003)

Kinderromane

• Liebkind im Vogelnest (1984); als Hörbuch: ISBN 978-3-89353-640-5

• Prinz Telemach und sein Lehrer Mentor; Berlin: Eulenspiegel, 1993; ISBN 978-3-359-00885-9; als Hörbuch: ISBN 978-3-89353-606-1

Essays

Sammlungen

Die Maßgaben der Kunst. Gesammelte Aufsätze (1977, erweitert 1996 und 2003)

• Am Ende verstehen sie es. Politische Schriften 1988–2003; hg. von André Thiele; Berlin: Eulenspiegel, 2005

Kleinere Aufsätze

• Das Theaterstück des Biedermeier (Dissertation, 1951)

• Einige Gemeinplätze über das Stückeschreiben (1956)

• Versuch über das Theaterstück von morgen (1960)

• Über den Vers in Müllers Umsiedlerin-Fragment (1961)

• Faust-Notizen (1962)

• Iphigenie oder Über die Wiederverwendung von Mythen (1963)

• Das Poetische (1966)

• Utopie und Realität (1966, Vorwort zu Das Poetische)

• Kunst und Revolution (1971)

• Die Entstehung des „Herzogs Ernst“ (1972)

• Über „Adam und Eva“ (1972)

• Über das Revidieren von Klassikern (1975)

• Das Arboretum (1975)

• Drei Blicke auf Tasso und ein schielender (1975)

• Über das Gegenwartsdrama, abschließend. Zu „Moritz Tassow“ (1976)

• Der Fortschritt in der Kunst (1976)

• Der Meineiddichter (1976)

• Numa oder die Mitte (1977)

• Klassik und Romantik in der DDR (1977, Vorwort zu Lyrik bis Mitterwurzer)

• Saure Feste. Zu „Pandora“ (1980)

• Eine Goethesche Auskunft zu Fragen der Theaterarchitektur (1982)

• An Träger (1983)

• Die lustigen Weiber von Paris. Zu „Fredegunde“ (1984)

• „Jona“. Beiwerk und Hintersinn (1987)

• Die wissenschaftliche Gesellschaft und ihr Herr Nachbar (1989)

• Die freudlose Wissenschaft (Vorwort zur gleichnamigen Sammlung, 1990)

• Ein Motto von Shakespeare über einem Lustspiel von Büchner (1990)

• Unter den Medien schweigen die Musen (1990)

• Die Schwärze der Welt im Eingang des Tunnels (1990)

• Mehrerlei Langweile (1994)

Große Aufsätze

• Schöne Wirtschaft. Ästhetisch-Ökonomische Fragmente (1987)

• Ascher gegen Jahn (1988/89)

• Ödipus Königsmörder. Über Voltaires Dramen (1991)

• Zur Romantik (2000)

Bestimmungen

• Versuch über das Libretto (1973)

• Wie Gedichte zu machen, oder: Rechtfertigung gegenüber Belinden (1974)

• Was ist ein Drama, was ist ein Kind? (1978)

• Urpoesie, oder: Das scheintote Kind (1984)

• Linke Arbeiter (1988)

Briefe

Sammlungen

Verehrter Kollege. Briefe an Schriftsteller, Rainer Kirsch (Hrsg.); Berlin: Eulenspiegel, 2006; ISBN 978-3-359-01639-7

• Briefwechsel

mit Albert Ebert, in: Adam und Eva; Leipzig: Reclam; Düsseldorf: Claassen, 1976; ISBN 3-546-43726-8;

mit Ronald M. Schernikau, in: Dann hätten wir noch eine Chance; Hamburg: konkret, 1992;

mit André Müller sen., in: Nur daß wir ein bißchen klärer sind. Der Briefwechsel 1989 und 1990; Berlin: Eulenspiegel, 2002;

mit Heinar Kipphardt, in: Du tust mir wirklich fehlen; Berlin: Eulenspiegel, 2004; ISBN 978-3-359-01606-9;

mit Kurt Gossweiler, in: Am Ende verstehen sie es. Politische Schriften 1988–2003; André Thiele (Hrsg.); Berlin: Eulenspiegel, 2005; ISBN 978-3-359-01626-7;

mit Hans Heinz Holz, in: Nun habe ich Ihnen doch zu einem Ärger verholfen – Briefe. Texte. Erinnerungen; Berlin: Eulenspiegel, 2007; ISBN 978-3-359-01673-1;

mit Hans Magnus Enzensberger Hans Magnus Enzensberger – Peter Hacks. Ein Briefwechsel 1957 bis 1962. Hg. v. Alexander Karasek und Roland Berbig. In: Berliner Hefte zur Geschichte des literarischen Lebens 8 (2008), S. 34–64.

Gespräche

• Rolf Rohmer, Gerda Baumbach und Gottfried Fischbach, Gespräch mit Peter Hacks. In: Sinn und Form, Heft 3/2007, S. 323-347.

CDs

• Wiglaf Droste und das Spardosen-Terzett: Peter Hacks: Seit du da bist auf der Welt – Liebeslieder; Zürich: Kein & Aber Records, 2008; ISBN 978-3-0369-1406-0;

• Marco Tschirpke: Der Himmel ist voll Dampf. Marco Tschirpke singt Peter Hacks; Mainz: André Thiele, 2008; ISBN 978-3-940884-04-6.

Zitate

„Hacks gehört zu der Partei der Unbestechlichen. Bekanntlich ist das eine sehr kleine Partei.“

– Eberhard Esche: 2003[5]

„Der Mann ist mir anstrengend vollkommen vorgekommen. Zu wissen schien er alles. Und zu können, selbst wenn das nicht logisch klingt, noch mehr.“

– Hermann Kant: 2003

„Hacks gehört nicht zu den Schriftstellern, die Gruppen bilden. Er steht zu seinen Freunden und Ansichten. Wenn beide sich sehr voneinander entfernen, bleibt er bei seinen Ansichten.“

– Wolfgang Kohlhaase: 2003

„Ein klarer Kopf wie Hacks arbeitet unabhängig davon, ob seine Klugheit Konjunktur hat oder nicht.“

– Wiglaf Droste: 2004

„Peter Hacks ist eine ungeheuer erfrischende Quelle, die man im Westen noch gar nicht begonnen hat anzuzapfen.“

– Martin Mosebach: 2007[6]

„Es haben jetzt, höre ich, viele Theater in den deutschsprachigen Ländern enorme Repertoire-Schwierigkeiten. Ich empfehle, natürlich ganz leise und schüchtern, auf Peter Hacks zurückzugreifen.“

– Marcel Reich-Ranicki: 2004[7]

„Für mich ist die Sprache das zuverlässigste Kriterium bei der Beurteilung der Literatur. Da müssen alle Deutschen, die Hacks verurteilt haben, zugeben (ich will um jede Summe wetten), dass es in Deutschland keinen Literaten gibt, dessen Sprache vollkommener als bei Hacks wäre. Es gibt einfach keinen Schriftsteller, der die Sprache und alle bekannten Dichtungsgattungen, alle Stile wie Hacks beherrschen würde. Es gibt keinen zweiten zeitgenössischen Schriftsteller wie ihn.“

– Ella Wengerowa: 2008[8]

kurze Pause mit : Der gestiefelte Kater (7)


gestern Teil 6

was immer wir können, wir fangens gleich an – eigentlich ein schöner Leitspruch

kurze Pause mit : Der gestiefelte Kater (6)


gestern Teil 5

Süßes und Pralienchen du wirst jetzt ein…

da hat der Kater aber nochmal Glück gehabt, dass die Eitelkeit doch stärker war….
morgen folgt der Schluss