Gedicht der Woche 17/2010


Sieh, auch ich – lebe

© Christian Morgenstern

Also ihr lebt noch, alle, alle, ihr,
am Bach ihr Weiden,
und am Hang ihr Birken,
und fangt von neuem an,
euch auszuwirken,
und wart so lang nur Schlummernde, gleich - mir.

Siehe, du Blume hier, du Vogel dort,
sieh, wie auch ich von neuem mich erhebe...
Voll innern Jubels treib ich Wort auf Wort...
Siehe, auch ich, ich schien nur tot. Ich lebe!




Märchen der Woche 17/2010


66.
Die heilige Frau Kümmernis

(nur in der ersten Ausgabe der KHM enthalten)

Es war einmal eine fromme Jungfrau, die gelobte Gott, nicht zu heiraten, und war wunderschön, so dass es ihr Vater nicht zugeben und sie gern zur Ehe zwingen wollte. In dieser Not flehte sie Gott an, dass er ihr einen Bart wachsen lassen sollte, welches also gleich geschah; aber der König ergrimmte und ließ sie an’s Kreutz schlagen, da ward sie eine Heilige.

Nun geschah’ es, dass ein gar armer Spielmann in die Kirche kam, wo ihr Bildnis stand, kniete davor nieder, da freute es die Heilige, dass dieser zuerst ihre Unschuld anerkannte, und das Bild, das mit güldnen Pantoffeln angetan war, ließ einen davon los- und herunterfallen, damit er dem Pilgrim zu gut käme. Der neigte sich dankbar und nahm die Gabe.

Bald aber wurde der Goldschuh in der Kirchen vermisst, und geschah allenthalben Frage, bis er zuletzt bei dem armen Geigerlein gefunden, auch es als ein böser Dieb verdammt und ausgeführt wurde, um zu hangen. Unterwegs aber ging der Zug an dem Gotteshaus vorbei, wo die Bildsäule stand, begehrte der Spielmann hineingehen zu dürfen, dass er zu guter Letzt Abschied nähme mit seinem Geiglein und seiner Guttäterin die Not seines Herzens klagen könnte. Dies wurde ihm nun erlaubt. Kaum aber hat er den ersten Strich getan, siehe, so ließ das Bild auch den andern güldnen Pantoffel herabfallen, und zeigte damit, dass er des Diebstahls unschuldig wäre. Also wurde der Geiger der Eisen und Bande ledig, zog vergnügt seiner Straßen, die heil. Jungfrau aber hieß Kümmernis.

zu meinem Programmen gehört…


jetzt auch meine Bearbeitung der liebenswerten Märchenerzählung „Richilde“ von Musäus.
Im frühen 18. Jhd. erzählte er über das 13. Jhd. und gab eine lebendig erzählte freundlich ironische Charakterstudie mit Schneewittchenstoryanklang, dass die Erzählung nach leichter Bearbeitung auch im 21. Jhd. aktuell ist.
Wer möchte, kann den Text hier lesen, kommen und hören ist natürlich noch schöner…

Gedicht der Woche 16/2010


Der Frühling
Die Sonne glänzt, es blühen die Gefilde,
Die Tage kommen blütenreich und milde,
Der Abend blüht hinzu, und helle Tage gehen
Vom Himmel abwärts, wo die Tag entstehen.
Das Jahr erscheint mit seinen Zeiten
Wie eine Pracht, wo sich Feste verbreiten,
Der Menschen Tätigkeit beginnt mit neuem Ziele,
So sind die Zeichen in der Welt, der Wunder viele.

Hölderlin, Friedrich (1770-1843)


Erzählung der Woche 16/2010


Gezweites Land oder „Drüben zahlt dafür die Krankenkasse.“

eine Fiktion „was wäre wenn“ von von Regina Sander

Manchmal dachte Lukas darüber nach, was aus ihnen geworden wäre, wenn sie in die Deutsche Ost-Republik gegangen wären. Aber Lisa-Maria konnte sich damals nicht entscheiden. Sie wollte erst einmal abwarten, wie es sich dort entwickeln würde, und ob das mit dem Grundsicherungsgeld funktionierte. Und das Einbürgerungsgeld von derzeit 1000 DM war für die damaligen Verhältnisse sehr viel.

Unwillkürlich dachte er an den letzten Bundeskanzler der damaligen Bundesrepublik Deutschland, Kohl hieß der, ach…, der war schon seit mindestens 50 Jahren tot.

Heute war der 09. November. Die Deutsche Ost-Republik, im alltäglichen Sprachgebrauch DOR, feierte wieder einmal gemeinsam mit der Deutschen West-Republik, kurz DWR, den Tag der Befreiung.

Er gehörte noch zu den letzten Zeitzeugen dieses Tages damals im Jahr 1989. Da war er, er musste kurz nachrechnen, 8 Jahre alt. Er erinnert sich noch ganz genau, wie plötzlich alle von einer Mauer redeten. Man sah im Fernsehen und in den Zeitungen, wie in diese Mauer Mannes-große Löcher geschlagen wurden. Einmal war er mit seinen Eltern zu einer dieser kuriosen Mauerlücken gefahren. Da strömten die Leute in Massen hindurch. Viele waren aufgeregt, und manche weinten sogar. Er hatte nicht gefragt, worum es da ging. Der Junge, der er damals war, hatte andere Dinge im Kopf. Er hatte nur gespürt, dass da plötzlich ein anderer Wind wehte.

Nun war er schon sechsundachtzig. Statistisch gesehen hätte er gar nicht so alt werden dürfen. Wenn er sich auch manchmal so energielos fühlte, und schnell ermüdete, so lebte er doch immer noch gerne. In seinem Kopf hatte sich nichts verändert. Sein Verstand war schnell und scharf wie eh. Und seine Emotionen hatten nicht an Tiefe verloren. Er konnte immer noch genießen, ein Buch, ein schönes Glas Wein, ein Essen, seine Pfeife.

Nicht dass er Lust dazu hätte, zu einem der Straßenfeste zum Tag der Befreiung zu gehen. Diese Fressfeste waren immer dieselben, nur der Anlass wurde ausgetauscht. Hier in Berlin aber wurde noch einiges mehr geboten, weil die Osthälfte der Stadt zur Deutschen Ost-Republik gehört, und die Westhälfte zur Deutschen West-Republik. Da waren an Eckpunkten entlang der ehemaligen Mauerlinie meterhohe Computertafeln aufgestellt, die die damalige Szenerie östlich wie westlich der Mauerlinie wiedergaben. Per Mouse-Klick konnte man rechts und links weiter wandern, wenn man wollte, um ganz West-Berlin herum.

Schade fand er, dass die Kinder heute schon nicht mehr wussten, dass die beiden Länder ursprünglich mal ein Einziges war. Da nützten dann auch die Panoramabilder nichts.

„Lernt Ihr denn in der Schule nichts über die beiden deutschen Länder?“ hatte er einmal den Nachbarjungen gefragt.

„Doch“, hatte der erwidert, aber es würde ihn nicht interessieren. Da musste er an seine Kindheit denken. Es ist wohl das Recht der Kindheit, alles abzuwehren, was nicht als spannend empfunden wird.

Dennoch, der Bürgerkrieg, der im Januar 1990 in dem sich damals noch DDR nennenden Land entflammte, weil sich die Stimmen mehrten, die sich gegen eine Wiedervereinigung erhoben hatten, und das Ganze in heftigen Straßenkämpfen mündete. Später schwappte der Kampf sogar in den Westteil nach Kreuzberg über. Die Vereinigungsgegner riefen: „Keine Kohl-Bundesbananrepublik! Keine Kohl-Bundesbananenrepublik!“ Und die Einheitsbefürworter: „Rotfront-Wendehälse! Rotfront-Wendehälse!“ Wo es doch so viele Tote gab. Nein, das darf nicht vergessen werden.

„Wer seine Vergangenheit nicht aufarbeitet, ist dazu verurteilt, sie noch einmal zu erleben“, sagte er laut zu Lisa-Maria, die gerade mit der Teekanne zu ihm in den kleinen Wintergarten kam, ihrer beider Lieblingsplatz, obwohl sie ein  hübsch eingerichtetes geräumiges Wohnzimmer besaßen. Abgesehen von reichlich Grünpflanzen auf den Fensterbänken war nicht mehr Platz als für das kleine schmiedeeiserne Tischchen mit der Marmorplatte, und den beiden ausladenden Sesseln aus Rattangeflecht.

„Was meinst du?“ fragte sie, während sie das Teelicht für das Stövchen anzündete, und die Teekanne behutsam darauf stellte.

Er sah ihr dabei zu und dachte: „Sie hat noch immer schöne Hände. Die Haut auf den zarten Handrücken war nur dünner geworden, nicht faltig. Und

blaue Adern schimmerten durch die Haut. Das Blond ihres Haares hatte sich in silber gewandelt, das glänzte, wenn die Sonne darauf schien. Ihr feines Haar hatte noch immer keine lichte Stelle, während aus seinem ehemals vollem nur noch ein Haarkranz übrig geblieben war.

„Ich meinte den Bürgerkrieg damals nach dem Ende der DDR“, beantwortete er ihre Frage.

Das feine Porzellan der kleinen Teetässchen mit dem goldenen Rand klapperte leise und angenehm vertraut, als sie den kleinen Tisch deckte.

„Das war doch nicht zu verhindern.“, sagte sie. „Das ist doch verständlich, dass viele…“, sie unterbrach sich, „nimmst du bitte die Zeitung vom Tisch?“

Er nahm sie, faltete sie ordentlich zusammen, und legte sie auf den Stapel der alten Zeitschriften und Illustrierten in das Fach unter die Tischplatte, während er fragte: „Was ist verständlich?“

Lisa-Maria hatte Momente, wo sie etwas langsam dachte. Da wurde er dann immer ungeduldig, und fragte nach.

„Na ich meine“, erklärte sie, während sie das Tablett hinter sich an die Wand lehnte, „viele wollten eben wieder ein vereintes Deutschland wie vor dem Krieg. Und uns im Westen ging es damals doch viel besser als denen drüben. Diese Ungerechtigkeit, das wollten die Leute nicht länger hinnehmen! Und wenn man geradewegs aus zwei hintereinander folgenden Diktaturen kommt, dann neigt man sicherlich dazu, sich schnell wieder an etwas anzuschließen.“

„Nun ja“ gab er von sich, während er ein Stück Kandiszucker in seine Tasse fallen ließ und langsam und bedächtig umrührte. Es hatte den Anschein, als würde er nachdenken, aber dann sprach er flüssig, so als hätte er sich die Worte schon vorher zurechtgelegt: „Aber die, die für die Freiheit wirklich gekämpft haben, und viel riskiert haben, die wollten das, wofür sie gekämpft hatten, nämlich die Freiheit. Die Freiheit, sich was Eigenes aufzubauen, anstatt sich einfach nur vom verführerisch schillernden Reichtum, dessen Fäden die Konzerne in den Händen halten, blenden und steuern zu lassen.“

Sie hatte ihm aufmerksam zugehört, obwohl sie seine Meinung schon lange kannte.

„Nimm einen Keks.“, forderte sie ihn auf, und lehnte sich entspannt in die Tiefe des Sessels hinein. „Es sind auch welche mit Schokolade dabei.“

Nach einer Weile bemerkte sie: „Es ist ja gut ausgegangen, obwohl es keine Wiedervereinigung gab.“

„Du hast lange nicht daran geglaubt, dass es funktioniert.“

„Ja“, gab sie zu.

„Ich denke an unsere Urlaube in der Ost-Republik. Dort ist alles viel ruhiger als bei uns, und stressfreier. Allein schon an den freundlichen Grenzbeamten kann man erkennen, welch friedvolle Atmosphäre dort herrscht. Da kann ich langsam sein. Und keiner wartet ungeduldig auf meinen nächsten Schritt. Nicht nur weil es mir zusteht, weil ich alt bin.“

„Nun, es gibt nicht viele Autos dort, weil die niemand bezahlen kann, bei den Preisen.“ warf sie spöttisch ein.

„Ach, du weißt doch, was ich meine“, antwortete er rigoros. „Wir haben ja auch schon lange kein Auto mehr.“

„Wären wir hinüber gegangen, dann hättest du keine Pension. Dort gibt es keine Renten, keine Pensionen. Nichts. Eben nur das Grundsicherungsgeld“, argumentierte sie.

„Möchtest du noch Tee?“, fügte sie betont freundlich hinzu.

„Bitte“, sagte er, und hielt ihr seine Tasse hin. Er sah zu, wie sich die goldgelbe Flüssigkeit in die Tasse ergoss.

„Ja, wir haben eine gute Pension“, pflichtete er ihr bei, „aber wo sollen wir die ausgeben? Es gibt nun mal keine Kinder und Enkel. Und wir unternehmen doch fast gar nichts mehr.“

„Was ist mit unserer Haushälterin?“ fragte sie. „Frau Schwarz. Die hast du wohl vergessen?“

Damals, als die Frau sich auf ihre Suchanzeuge gemeldet hatte, hatten sie gespottet: „Frau Schwarz wird bei uns schwarz arbeiten.“

Nun ist sie schon seit einigen Jahren offiziell bei ihnen angestellt, mit Sozialversicherung, und allem drum und dran.

„Drüben zahlt für so etwas die Krankenkasse“, gab er zurück.

„Ja, vielleicht für einmal wöchentlich. Frau Schwarz kommt aber drei mal wöchentlich.“

„Dennoch, drüben muss man für nichts bezahlen. Da bekommt man alles, bis zur Packung Aspirin.“

„Wir haben Glück, dass wir kein neues Hüftgelenk brauchen.“ fügte er  zynisch hinzu. „Denn wir würden keines mehr bekommen, wie du weißt. Wozu auch, für über 60 jährige lohnt sich das nicht mehr!“

„Ja, hast ja Recht,“ erwiderte sie freundlich, erhob sich dann seufzend, um den dreiarmigen Messingkerzenständer von der Fensterbank zu nehmen. Sie zündete die Kerzen an, und hielt dann einen Moment lang in ihrer Bewegung inne, um aus dem Fenster zu schauen. Es war ein nasskalter, trüber Novembertag. Die Straße war wie leer gefegt. Einsam spiegelte sich das Straßenlicht im nassen Asphalt.

„Mach doch bitte den Fernseher an, bevor du dich wieder setzt, ja?“ bat er. „Jetzt sind Nachrichten.“

Es wurde gerade der Bundeskanzler der Deutschen Republik-West zusammen mit dem Bundesbürgermeister der Deutschen Republik-Ost gezeigt. Der ließ stolz verlauten, dass sich das Einbürgerungsgeld, welches man einbringen muss, wenn man bei ihnen leben möchte, seit fünf Jahren nicht mehr erhöht hat. Es war ein festes Ritual, dass die beiden Staatsoberhäupter an diesem Feiertag zusammen eine Rede hielten, in der sie ihre guten Beziehungen zueinander hervorhoben.

Der Sender zeigte einige Bilder aus Berlin. Dann Interviews von Menschen aus beiden Stadthälften, in denen sie nach der Zufriedenheit ihrer  Lebenssituation gefragt wurden.

„Herr Matzurek erzählte mir neulich am Telefon, sie hätten den Schritt nie bereut“, erzählte er. „Sie würden sehr viel ruhiger leben. Die Mieten und die Grundsicherungsdinge, und Lebensmittel seien billig. Und da wäre Vieles einfacher. Er braucht kein Auto; die Öffentlichen erreichen jede Ecke der Stadt, rund um die Uhr. Er könne sich auch immer mal wieder eine Auszeit vom Job nehmen. Die Arbeitgeber hätten nicht so viel Rechte wie bei uns. Neulich war er ein halbes Jahr lang bei den Kindern zu Hause. Während dieser Zeit hat er das Grundsicherungsgeld bekommen. Das ist nicht viel, aber es reicht. Die Wertigkeiten hätten sich für seine Familie verschoben.“

Schwerfällig vom Sitzen stand Lukas auf, ging zur Kommode, zog die oberste Schublade auf und nahm seine Pfeifenutensilien heraus. Routiniert und geschickt stopfte er den Pfeifenkopf, während sein Blick zwischen Pfeife und Fernseher langsam hin und herging.

„Was nützt es, wenn wir immer wieder darüber reden, jetzt am Ende unseres Lebens? Wir sind nun mal nicht hinüber gegangen.“, stellte sie fest.

„Du wolltest ja nicht, ich hätte schon gewollt.“ gab er kühl zurück.

„Was meinst du denn, wäre anders gekommen, wenn wir gegangen wären?“ Sie hatte ihm diese Frage schon einmal gestellt. Jetzt aber war ihre Stimme eindringlich. Es klang so, als hätte sie sie zum ersten mal gestellt, und als wollte sie zum ersten mal eine Antwort.

„Die Position als Leiter des Finanzamtes hast du schließlich angenommen. Du hättest auch bei Deiner ruhigen Sachbereichsleiter-Stellung bleiben können. Und es mag ja sein, dass sich drüben die Menschen mehr füreinander interessieren. Aber die würden sich vielleicht bei uns auch dafür interessieren, dass unsere Wohnung für zwei Personen viel zu groß ist. Würde man dann darauf Rücksicht nehmen, dass wir unseren Wintergarten lieben?“

Er sah sie abwartend an.

„Was soll es uns jetzt noch kümmern, welches das bessere Deutschland ist?“, fragte sie.

Zögerlich deutete er ein Nicken an.

„Trinkst du deine Tasse noch aus?“ fragte sie, und nahm das Tablett zur Hand.

„Ja lass sie nur“, antwortete er, und zündete seine Pfeife an. „Den Rest kannst du ja schon abräumen.“

Als Lisa-Maria mit dem Tablett hinausging, holte er die Zeitung wieder  hervor.

wo Tierschutz anfängt…


16.04.2010

Illegaler Handel mit Hundewelpen –

Deutsche und polnische Tierschützer starten Aufklärungskampagne

Das frühlingshafte Wetter beschert den Basaren in der deutsch-polnischen Grenzregion einen regen Zulauf. Mit den Kunden zieht es auch wieder Händler mit fragwürdiger „Ware“ in die Nähe der Handelsplätze: Aus Kartons oder aus den Kofferräumen von Autos heraus bieten sie Hunde und Katzen zu Billigpreisen zum Kauf an. Was viele Tierfreunde nicht wissen: Die jungen Tiere sind meist todkrank, die Papiere gefälscht. Der Deutsche Tierschutzbund sowie der Tierschutzverein für Berlin und Umgebung, der Landestierschutzverband Brandenburg und die Ortsgruppe Stettin des Polnischen Tierschutzbundes TOZ starten deshalb eine große Aufklärungskampagne.

„Viele der auf den Märkten angebotenen Tiere sind weder geimpft noch bei Kräften“, warnt Wolfgang Apel, der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes und des Tierschutzvereins für Berlin. „Etliche Käufer merken erst nach ihrer Rückkehr nach Deutschland, dass das vermeintliche Schnäppchen kostspielig wird“, erklärt Apel. Weil sie sich die zu erwartenden Kosten der tierärztlichen Behandlung nicht leisten können, geben sie die Tiere in den Tierheimen des Deutschen Tierschutzbundes ab. Dort ringen die Tiere nicht selten mit dem Tod, weil oft jede Hilfe für sie zu spät kommt. Allein das 60 Kilometer von der polnischen Grenze entfernte Tierheim Berlin versorgt und muss jährlich bis zu 120 Hundewelpen betreuen, deren Ursprung in Polen vermutet wird. Auch das Tierheim in Stettin spürt die Auswirkungen des unkontrollierten Handels.

Der Startschuss für die Kampagne fällt am Sonnabend, 8. Mai, ab 11 Uhr auf dem Grenzmarkt von Osinow Dolny hinter Hohenwutzen. Deutsche und polnische Tierschützer werden Handzettel an Kunden, aber auch Händler verteilen. Ziel der Kampagne ist es, über die Risiken des Hundekaufs aufzuklären und potenzielle Kunden vom Tier-Erwerb abzuhalten. „Nur, wenn den dubiosen Händlern die Kunden ausbleiben, können wir das Leid der Tiere beenden“, sagt Renate Seidel, Vize-Präsidentin des Deutschen Tierschutzbundes.  „Und den fragwürdigen Züchtern wird so die Existenz entzogen.“

Wer uns beim Verteilen von Flyern und Aufklären der deutschen Käufer helfen will, meldet sich bitte bis zum 6.5. unter den unten genannten Kontaktdaten.

Viele Grüße und ein schönes Wochenende

Katja Szymroszczyk

Referentin Öffentlichkeitsarbeit

Presse, Öffentlichkeitsarbeit und Kampagnen

Tierschutzverein für Berlin und Umgebung Corp. e.V.

Landesverband des Deutschen Tierschutzbundes e.V.

Geschäftsstelle: Tierheim Berlin

Hausvaterweg 39, 13057 Berlin (Lichtenberg)

Telefon +49 (0)30 76888-103

Telefax +49 (0)30 76888-196

Mobil     +49 (0) 177 3689-702

E-Mail: oeffentlichkeitsarbeit@tierschutz-berlin.de
katja.szymroszczyk@tierschutz-berlin.de

Internet: www.tierschutz-berlin.de

fast (k)ein Märchen


Es waren einmal vier Mädchen, die lebten an vier verschiedenen Orten. Alle vier waren  arme Waisen und jedes von ihnen ging für die Leute des Heimatdorfes die Gänse hüten, damit es etwas zu essen bekam.
Eines Tages aber kam ein großer Sturm über alle vier Ecken des Landes und trug die vier Mädchen mitsamt den Gänsen in einen Zauberwald, mitten auf eine Lichtung.
Da standen sie nun und wussten nicht wo sie waren, doch es gefiel ihnen auf der Lichtung, und den Gänsen gefiel es auch, und die Mädchen begannen sich zu unterhalten.
„Einen wunderschönen guten Tag wünsche ich“, sagte das Mädchen mit dem runden Gesicht, das der Sturm aus dem Osten hergetragen hatte, „Ich bin die Tochter von Sonne und Mond und habe mich auf den kühlen Schwingen des Windes hierher tragen lassen mit all meinen lieben Freundinnen, den Gänslein. Wir vergnügen uns alle Tage miteinander, genau wie es der liebe laue Wind mit den weißen Wölkchen tut.“
„Das ist ja nett, ich wünsche dir auch einen guten Tag“ erwiderte das Mädchen, welches der Sturm aus dem Süden auf die Lichtung geweht hatte, „Ich besitze viele Zungen und war schon in vielen Ländern zu Hause,denn meine Eltern sind steinalte Gottheiten, die in Gebirgen hausen. Und jetzt bin ich hier, auf dieser schönen Lichtung. Mir gehören all die Gänse, die mich begleiten.“
„Tach auch“ sagte nun das rappeldünne Mädchen, das der Sturm im Norden aufgegriffen hatte und auf der Lichtung wieder absetzte, „Ich bin die untodbare Tochter vom großen Zauberer Kotschej, dem unsterblichen Gerippe. Ich kann von mir behaupten,sein Ebenbild zu sein. Vor meinem Vater erzittern alle, denn er ist das Grauen und die Macht. Mit mir sind diese Gänse hier, es sind schrecklich wilde Ganter dabei, die jedem in die Wade beißen, der zu Nahe kommt. Ich habe nämlich beschlossen hier zu bleiben, hier gefällt es mir.“
Das vierte Mädchen, welches aus dem Westen herangeweht wurde, war dicker als die anderen drei. Es sprach:
„Ich kenne meine Eltern leider nicht, denn sie sind früh gestorben. Aber ich hatte schon verschiedene Lehrer, die mir vieles beigebracht haben. Ein Sturm hat mich mit den Gänsen aus meinem Heimatdorf hierher verschleppt und ich muss nun schauen, wie ich mit den Tieren wieder nach Hause komme, die Gänse gehören mir ja nicht.“

Da zog die Tochter von Sonne und Mond die rechte Augenbraue hoch, da blies die Tochter des unsterblichen Gerippes die Wangen auf und da zog die Vielzüngige einen breiten Mund, dass alle ihre Zungen heraus fielen und sie sagten:
„Was, nicht deine Gänse? Was, keine Eltern hast du, nicht mal menschliche? Was, du bist Gänsemagd? Na, so eine hat uns aber nichts zu sagen, wir haben göttliche Vorfahren.“
Weil es kalt wurde, begannen die Mädchen Holz zu sammeln und für ein Lagerfeuer aufzustapeln, und als es zu brennen begann, sangen sie Lieder. Das klang nicht schlecht und nicht besonders schön und das dickere Mädchen sagte:
„Wir könnten es ja mal mit einem Kanon versuchen, das ist, so habe ich gelernt, eine schöne Form des Gesanges, wenn man keine Instrumente hat.“
Die anderen Mädchen hatten aber keine Lust, sich die verschiedenen Melodiefolgen zu merken und auf ihren Einsatz zu achten.
„Na gut,“ sagte das dickere Mädchen, „wie wäre es mit einem zweistimmigen Volkslied, das ist ziemlich einfach und klingt hübsch.“
Aber auch daran fanden die anderen keinen rechten Gefallen und die Dickere wurde ärgerlich.
„Ihr seid ja nicht klüger als eure Gänse“ rief sie, „so bleibt euer Singen doch nur Geschnatter!“ Doch dann schlug sie vor: „Wenn ihr wollt, können wir ja Opernarien üben. Das macht Spaß, weil man noch ganze Geschichten…“
„Das ist alles blöd und langweilig, ich singe meine Schlager am liebsten.“ meinte die Tochter von Sonne und Mond.
„Und ich singe am liebsten Wanderlieder!“ sagte die Vielzüngige.
„Ich mache am liebsten den Sprechgesang“ meinte das junge Gerippe „und was anderes will ich gar nicht machen.“
„Ich auch nicht.“ „Ich schon gar nicht“ sagten die anderen. „Du komische Nuss hast keine Ahnung. Überhaupt, wie du nur aussiehst, wie eine Gänsemagd! So was wird nie ein Mann heiraten wollen, so was guckt ein Mann nicht mal an, mit sowas spricht nie einer.“
Da ging das Mädchen, das der Sturm vom Westen her auf die Lichtung getragen hatte, in den Wald hinein und suchte für sich und ihre Gänse dort ein Lager.Und damit es ihm allein nicht langweilig wurde, sang sie die Opernarien, die sie kannte. Wenn sie merkte, dass etwas noch nicht richtig Ordnung war, so wie sie es sang, übte sie noch mal und noch mal, bis es so klang, wie es sollte.
Die göttlichen Gänsemägde langweilten sich bald und die Vielzüngige schlich der Dickeren hinterher, um zu schauen, ob sie sich auch ordentlich fürchtete so allein im Wald, oder ob sie gar vor Langeweile umkam.
Aber da stand sie, mit dem Rücken zu Lichtung und sang, und sie konnte einen Troll im Wald entdecken, der ihr gerührt zuhörte.
„Ha,“ dachte die Vielzüngige, „dafür die Mühe der Gänsemagd, das muss ich meiner Freundin erzählen.“
Und sie lief schnell zurück zur mondgesichtigen Freundin, die sich jeden Morgen das Gesicht mit Fett belegte, dass es auch schön wie die Sonne glänzte und sprach zu ihr:
„Willst du mal was Lustiges sehen? Die olle Gänsemagd steht da im Wald und singt vor einem alten Troll. Dafür all die Mühe, ein alter Troll.“
Eilig lief das Sonnenkind in den Wald um sich daran zu erfreuen, dass die ganze Singerei von nur einem Troll gehört wurde. Sie musste sich sehr gegen die Erde drücken, damit ihr fetttriefendes Gesicht nicht die Sonnenstrahlen reflektierte und sie entdeckt werden könnte.
„Wie die aussieht“ sprach sie vor sich hin „so dicklich. Na das werd ich meinem Schwesterchen, dem lieben Rippchen erzählen, die kann Dicke ja nicht leiden, so mag sie mich noch mehr. Ich bin zwar auch ein bisschen dick, aber ich kann den Bauch einziehen, das geht schon.“
Und eilig lief sie zur Tochter des Unsterblichen.
„Schwester, drück Dich ganz lieb! Wie geht es dir? Hihi, wenn du mal lachen willst, so komm. Hihi, welche Pracht ich dir zeigen kann, die fette Gänsemagd singt vor einem alten Troll!“
Rippchen schlich sich in die Nähe der Stelle, wo die Gänsemagd ihr Lager aufgeschlagen hatte und betrachtete sich die Situation. Was die Gänsemagd sang und ob es gut war interessierte sie nicht. Sie freute sich daran, dass sie das Aussehen einer dicklichen Gänsehirtin hatte. Rippchen war sich sicher, dass sie viel mehr und viel schönere Zuhörer haben würde, wenn sie irgendwann mal eine Vorstellung geben sollte, so schlank wie sie war und dazu bestätigten ihr ihre göttlichen Freundinnen mit den vielen Gänsen, dass ihr Sprechgesang der schönste Sprechgesang sei, den sie je gehört hätten.
Aber ach, sie konnte sich vom Anblick des alten Trolls gar nicht los reißen, so grauste es sie und sie dachte:
„Was für eine Vorstellung, vor so einem alten Tattertroll zu singen. Ich würde nur vor jungen Prinzen singen, oder vor Königen, vielleicht noch vor männlichen Elfen, die sollen ja so liebestoll sein und eine Frau, die ihnen gefällt, mit Haut und Haar vereinnahmen.“
Rippchen stellte sich alle möglichen Elfenkörperteile vor, dann ging sie wieder zu ihren Freundinnen zurück, die ihren seeligen Blick dem Vergnügen an dem Aussehen der dicken Gänsemagd zuschrieben.

Ach, was gab es den Dreien für ein schönes Zusammengehörigkeitsgefühl, gegen Dicke zu sein, so konnten sie sich richtig leiden. Und wenn sie sich das nur oft genug erzählten, dann könnten sie vielleicht eines Tages wirklich so göttergleich werden, wie sie sein wollten – so dachten sie, denn sie hatten  gehört, mit dem Bewusstsein das Sein bestimmen zu können und sie bestritten entschieden,  Gänsehirtinnen zu sein.

Der Troll jedenfalls war dankbar für die Vorstellung der Dicken und er trug die Gänsehirtin nach Hause zurück. Die kleinen Zwerge, die im Unterholz saßen und von den Mädchen nicht gesehen wurden, trieben die Gänse, für die die dicke Gänsehirtin verantwortlich war, zurück zu ihrem Dorf .
Dort freuten sich die Leute, dass ihre Gänse so schön fett geworden waren und schenkten der Hirtin ein weiches Federbett zum Dank.
Die anderen Mädchen aber sitzen noch auf ihrer Lichtung, unterhalten sich darüber, wie dicklich die andere doch war und versuchen, sich durch ein Lagerfeuer vor der Kälte zu schützen, während von ihren Gänsen eine nach der anderen verschwindet.

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