Vom kleinen Teufelchen und vom Muff, der Kinder kriegte


– ein Märchen von Manfred Kyber –

Ich will euch eine Nacht aus dem Leben eines Dichters erzählen. Das Leben eines Dichters ist anders als das Leben der anderen Menschen. Es sind andere Tage und andere Nächte – und meist sind sie traurig. Es sind auch schöne Tage und schöne Nächte darunter, Tage voll Sonne und Nächte voll Rosen. Abe davon will ich heute nicht erzählen, denn das sind keine Märchen für Kinder. Und heute seid ihr alle Kinder im Märchenland, die ihr dieses Buch lest.

Ich will euch heute von einer Nacht erzählen, wie sie ein Dichter oft erleben kann – die ist weder besonders schön, noch besonders traurig, sie ist nur sehr vergnügt und ganz, ganz anders als die anderen Menschen sich das denken.

Ihr müsst aber alles glauben, was ich euch sage, denn was ich euch erzähle, ist ein richtiges Märchen und alle Märchen sind wahr und wirklich. Man kann sich das gar nicht ausdenken. Nur der Teekessel in meinem Zimmer denkt, dass es keine Märchen gibt und dass ich mir das alles ausdenke, und so wie der Teekessel denken sehr viele Menschen. Seid also nicht so, wie der Teekessel, wenigstens heute nicht. Damit ihr nun wisst, wie ihr nicht sein sollt, will ich euch sagen, wie mein Teekessel ist. Er ist dick und groß und von glänzendem Kupfer. Er hat eine große Schnauze und es ist gar nichts in ihm drin, denn er wird schon lange nicht mehr benutzt. Er tut nichts und auf seinem kupfernen Leibe setzt sich ein feiner grüner Ton an, den die Gelehrten Patina nennen und der sehr vornehm ist. Er hat auch eine schöne Linie, und zwar gerade bei der Schnauze. Bloß Feuer hat er nicht mehr in sich. Findet ihr nicht auch, dass viele Leute so sind wie mein Teekessel?

Also die Sache ging so an, dass ich in meinem Bett lag und an gar nichts dachte. Ich wollte gerne schlafen, aber der Mond schien zum Fenster herein, besah sich in meinem Spiegel und behauptete, ich habe jetzt kein Recht zu schlagen, ich solle lieber aufpassen. Das tat ich denn auch und das erste, was ich sah, war ein kleines Teufelchen, das auf meinem Bettrand saß und Turnübungen machte. Es war ein sehr niedliches kleines Teufelchen, sozusagen ein Teufelchen in den besten Jahre, so groß als ein Zeigefinger, und es hatte einen sehr langen Schwanz – alles ganz schwarz natürlich. Nur ein Ohr war rot – es hatte überhaupt nur ein Ohr und das war dafür auch rot. Recht hatte es! Warum soll man zwei Ohren haben? Das ist ganz überflüssig, und außerdem ist es Geschmackssache.

»Ich komme gerade aus der Hölle«, sagte das Teufelchen und turnte. – »Das ist mir gleichgültig«, sagte ich, »ich habe schon viele schöne Hexen gekannt. Da stört mich ein kleines Teufelchen gar nicht, auch wenn es eben aus der Hölle kommt und turn.« Das Teufelchen machte Kopfsprung und schlug den Schwanz graziös um die Beine. »Ich habe auch eine Tante, die hexen kann«, sagte es, »meine Tante nimmt nichts dafür, sie tut es aus laute Liebe zur Sache.« – »Die Hexen, die ich kannte, waren nicht meine Tanten«, sagte ich, »aber das ist ja einerlei.«

Das Teufelchen erwärmte sich bei der Unterhaltung, wenn man überhaupt sagen kann, dass sich jemand erwärmt, der aus der Hölle kommt, wo es ja an sich schon sehr warm ist. »Ich habe auch einen Onkel«, sagte das Teufelchen eifrig, »mein Onkel röstet die sündigen Seelen. Er röstet sie so lange, bis sie ganz knusprig sind.« – »Pfui«, sagte ich, »Sie haben ja eine scheußliche Verwandtschaft. Im übrigen will ich Ihnen etwas sagen: Halten Sie Ihren Schwanz ruhiger, wenn Sie turnen. Sonst werden Sie sich den Schwanz noch einmal klemmen. Sie sehen, ich gebe Ihnen noch gute Ratschläge, obwohl Ihr Herr Onkel andere Leute röstet, bis sie knusprig sind.«

Das kleine Teufelchen zog den Schwanz ein und schämte sich. »Ich habe auch sehr nette Verwandte«, sagte es, »meine Schwester, die schleicht sich unter die Liebespaare der Menschen und setzt ihnen Dummheiten in den Kopf. Dann kommen sie nachher in die Hölle.« Das Teufelchen rieb sich die Hände vor Vergnügen. »Seien Sie nicht so albern«, sagte ich. »Wenn zwei sich lieben, dann kommen sie nicht in die Hölle, sondern in den Himmel. Und die Dummheiten haben sie auch so schon im Kopf – die braucht ihnen kein Teufelchen mehr in den Kopf zu setzen. Das weiß ich nun einmal besser als Sie.«

Wenn man anfängt, von der Liebe zu sprechen, so ist das eine sonderbare Sache: es ist, als ob es heimlich Mitternacht schlägt in allen Seelen. Die Dinge sind keine Dinge mehr, es fängt alles an zu leben und es geht wie ein innerliches Weinen und wie ein innerliches Jubeln durch alles was es gibt. – Bloß durch die Teekessel nicht.

Die anderen Gegenstände aber wurden sehr lebendig. Ganz zuerst natürlich das Äffchen und die kleine Kolombine (weibliche Maskenfigur der italienischen Stegreifbühne, Gegenstück zum Harlekin), die auf meinem Tisch standen und beide aus Porzellan waren. Denn sie liebten sich schon lange – und es ist kein Wunder, dass sie gleich lebendig wurden, wie das geschwänzte Teufelchen und ich anfingen, von der Liebe zu sprechen. Warum das Äffchen und die Kolombine auf meinem Tisch standen, werde ich euch nicht sagen, denn das ist mein Geheimnis und das geht niemand etwas an.

»Mein Äffchen«, sagte die Kolombine und küsste das Äffchen auf den Mund. Es war sehr rührend. Der strenge bronzene Buddha nebenbei lächelte. Es war ein verstehendes und verzeihendes Lächeln. Er dachte an die schlanken Glieder der braunen Mädchen in Indien und an die Blumen in ihrem Haar. Er dachte auch an ein anderes Mädchen, das auch »mein Äffchen« sagte zu dem, den es lieb hatte, obwohl das gar kein richtiger Affe war. Aber der bronzene Buddha verstand das alles sehr gut. Nur der Teekessel verstand das nicht, denn der hatte kein Feuer im Leibe, sondern bloß eine Schnauze und die vornehme Patina.

Es geschah aber noch viel mehr, was der Teekessel nicht verstand, denn wenn man von der Liebe spricht, dann geschehen die sonderbarsten Dinge. Aus einer großen kristallenen Schale, die hinter dem Buddha stand, kamen lauter kleine kristallene Geisterchen hervor. Das waren die Kristallgeisterchen, die immer aufgeweckt werden, wenn man von der Liebe spricht. Die kleinen Geisterchen fingen an zu tanzen und es wurden immer mehr und mehr – immer wieder kamen welche aus der tiefen kristallenen Schale hervor und erfüllten das ganze Zimmer.

Es gab einen leise singenden Ton, wenn sich die Kristallgeisterchen berührten, wie von feinen gläsernen Glocken. Der bronzene Buddha lächelte, die kleine Kolombine sagte »mein Äffchen« und die Blumen in den Vasen neigten ihre Kelche im Mondlicht. Die Kommode sperrte vor Staunen ihren Schubladenmund ganz weit auf und das kleine Teufelchen setzte sich auf den Mund der Kommode, um besser sehen zu können. Das war doch interessanter als der Onkel in der Hölle, der die sündigen Seelen knusprig röstete, ober als die Tante, die hexen konnte.

Es war schon sehr schön und es war so schön, dass ein Muff, den ein kleines Mädchen in meinem Zimmer vergessen hatte, bis ins letzte Haar davon gerührt wurde. Warum das kleine Mädchen den Muff bei mir vergessen hatte, weiß ich selbst nicht zu sagen. Ein Muff ist ein so sehr nützlicher und auch sehr, sehr vielseitiger Gegenstand – das hatten das kleine Mädchen und ich schon oft erfahren. Wie gefällig hatte er uns zum Beispiel die Hände gewärmt, und zwar unser beider Hände zusammen. Abe wir hatten wohl sehr viel Wichtiges miteinander zu besprechen und bei wichtigen mündlichen Verhandlungen kann man sich so sehr vertiefen, dass man sogar einen Muff vergisst.

Wie der Muff nun alle die vielen Kristallgeisterchen sah und bis ins letzte Haar gerührt wurde – er neigte so schon zur Rührung, weil er so viel erlebt hatte – da kam er auf mein Bett gekrochen, seufzte tief auf und kriegte Kinder. Lauter kleine, süße, weiche Muffkinderchen … – Und ihr alle seid Teekessel, wenn ihr das nicht glaubt.

Der Teekessel glaubte das auch nicht und sah es auch nicht, denn er machte die große Schnauze auf und begann zu reden, lauter langweiliges Zeug von seiner vornehmen Patina, von seiner schönen Linie und dem kupfernen Leibe, in dem kein Feuer mehr war. Das war sehr schade. Denn wenn ein Teekessel mit seiner großen Schnauze zu reden anfängt, dann verkriechen sich alle die Kristallgeisterchen der Liebe und alle Märchen gehen schlafen. Die Kristallgeisterchen gingen in die kristallene Schale zurück, aus der sie gekommen waren, der Buddha sah ernst und verdrießlich aus und nur die Kolombine seufzte noch einmal »mein Äffchen« – dann stand sie steif und still da und niemand sah mehr, wie viel Liebe und Leben sie eigentlich im Leibe hatte. Die Kommode machte den Schubladenmund so schnell und ärgerlich zu, dass sie dem Teufelchen den Schwanz ein bisschen einklemmte. Der Muff steckte besorgt und behutsam alle die süßen, kleinen , weichen Muffkinderchen wieder in sich hinein. Denn für einen Teekessel hatte er diese Kinder nicht zur Welt gebracht!

Ich selbst aber schlief ein, denn ich weiß es aus Erfahrung, dass es unsagbar langweilig ist, wenn ein Teekessel mit seiner großen Schnauze zu reden anfängt.

Am andern Morgen war alles so wie immer. Nur das kleine Teufelchen saß auf dem Rande meines Wasserglases und kühlte sich den geklemmten Schwanz. Da nahm ich es und steckte es ganz ins Wasser hinein. Vielleicht wäre es gut, wenn man alle die kleinen Teufelchen in kaltes Wasser steckte und sie abkühlte. Dann würde die Welt am Ende ein bisschen besser werden. Wir wollen es aber lieber nicht tun. Denn die großen Teufel würden wir dadurch doch nicht los und ohne die kleinen Teufel würde die Welt wohl ein ganz klein wenig besser werden – aber dafür auch sehr, sehr viel langweiliger und die Leute würden am Ende alle Teekessel.

Nein, ich will das Teufelchen wieder aus dem Wasser nehmen und es dem kleinen Mädchen in den Muff setzen. Freilich wird das Teufelchen dem kleinen Mädchen dann sagen, dass es in die Hölle kommt, wenn es mich lieb hat. Aber das tut nichts. Das kleine Mädchen weiß es besser und es weiß, dass man durch die Liebe nicht in die Hölle kommt, sondern in den Himmel. Und der Muff wird das ganz gewiss bestätigen, denn er ist oft mit uns zusammen gewesen – und er wird dem kleinen Mädchen erzählen, dass er Kinder gekriegt hat, lauter kleine, süßte, weiche Muffkinderchen. Und es schadet gar nichts, wenn er ihm das erzählt!

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die leidige Fälle von wissen


 

 

Da ich eine Falschschreibung der 1. und 3. Person Singular von wissen so oft  lesen muss, will ich hier einfach mal drauf hinweisen wie es im Präsens richtig geht, wissen zu konjugieren.

Präsens
ich weiß
du weißt
er/sie/es weiß

ihr wisst
sie/Sie wissen

Ich gebe zu, durch das doppelte S im Wort wissen wird die Konjugation etwas erschwert, da man noch die Rechtschreib-Regel 159 (DUDEN) beachten muss, welche lautet:

Regel 159:

1. Für den stimmlosen s-Laut nach langem Vokal oder Doppellaut (Diphthong) schreibt man ß.

  • Blöße, Maße, Maß, grüßen, grüßte, Gruß, außer, reißen, es reißt, Fleiß, Preußen

Ausnahmen: aus, heraus usw.

2. Dies gilt jedoch nur, wenn der s-Laut in allen Beugungsformen stimmlos bleibt und wenn im Wortstamm kein weiterer Konsonant folgt. <§ 23 und 25>.

  • Haus (stimmhaftes s in Häuser)
  • Gras (stimmhaftes s in Gräser)
  • sauste (stimmhaftes s in sausen)
  • meistens (folgender Konsonant im Wortstamm)

3. Für den stimmlosen s-Laut nach kurzem Vokal schreibt man ss. Das gilt auch im Auslaut der Wortstämme <§ 2>.

  • Masse, Kongress, wässrig, Erstklässler, dass (Konjunktion)
  • hassen, ihr hasst
  • Fluss, Flüsse
  • essen, du isst, iss!
  • Missetat, missachten

Ausnahmen: das (Pronomen, Artikel), was, des, wes, bis

4. Wörter auf „-nis“ und bestimmte Fremdwörter werden nur mit einem s geschrieben, obwohl ihr Plural mit Doppel-s gebildet wird <§ 4 und 5>.

  • Zeugnis (trotz: Zeugnisse)
  • Geheimnis (trotz: Geheimnisse)
  • Bus (trotz: Busse)
  • Atlas (trotz: Atlasse)

📔  In Personennamen oder geografischen Namen kann die Schreibung des stimmlosen s-Lauts von den amtlichen Regeln abweichen.

Theodor Heuss (erster deutscher Bundespräsident)

Neuss (Stadt am Niederrhein)

 

Kurzum, man muss nur beachten, wissen nicht mit weisen zu verwechseln und dass  nach langen Vokalen – in diesem Falle das -ei- der Doppellaut ss als ß geschrieben wird – schon stimmt alles.

Gedicht der Woche 20/2017


FesteKoeSt29

Es war eine Zeit, da blühten die Rosen –

sie blühten dir
und sie blühten mir,
uns beiden Heimatlosen.
Es war eine Zeit, da blühten die Rosen.
Hast du nicht oft zurückgedacht
an jene heilige, märchentiefe Nacht,
wo wir uns zuerst besessen?
Und wir meinten, es bliebe
eine ewige Liebe,
eine Liebe ohne Vergessen.
Und dann hat ein grauer Morgen getagt,
da gaben wir still uns die Hände-
wir haben nicht geweint und geklagt,
wir haben beide kein Wort gesagt
und das war das Ende.
Und wir suchten beide von neuem das Glück,
und wir gingen beide ins Leben zurück,
in das Leben der Heimatlosen-
du und ich,
jeder allein, jeder für sich.
Es war eine Zeit – da blühten die Rosen –

Manfred Kyber
das Gedicht ist erstmalig 1902 erschienen, hier übernommen aus dem Gedichtband Der Schmied vom Eiland;  Ausgabe von 1922, Walter Seifert Verlag, Stuttgart/Heilbronn

 

Gedicht der Woche 19/2017


Das Märchen
Manfred Kyber
Der Mondnacht Zaubersegen
im weichen Winde weht,
und auf waldwilden Wegen
das Märchen lautlos geht.

Blauaugen, kinderreine,
Blauaugen lieb und fremd,
aus Spinnweb und Mondenscheine
ein Königshemd.

Ihr Haar von Gold gesponnen,
bis auf die Hüften rollt,
wie tausend sinkender Sonnen
verträumtes Dämmergold.

Blauaugen, kinderweiche,
sie tragen ein heilig Mal
aus heiligem Rätselreiche:
es war einmal …

 

das Gedicht ist erstmalig 1902 erschienen, hier übernommen aus dem Gedichtband Der Schmied vom Eiland;  Ausgabe von 1922, Walter Seifert Verlag, Stuttgart/Heilbronn

Die Königsmörder-Chronik – gelesen von Stefan Kaminski


Ich muss mich mal als Fan von Stefan Kaminskis Lesekunst bekennen – und das, obwohl ich so schnell nicht zur Fanatikerin werde, sondern Gutes ganz gelassen konsumieren und mit „Ja, is gut“ kommentieren kann, weil ich es so erwarte.
Dieser Kaminski bietet aber weit mehr, als ich mit meiner Erzählerausbildung  erwarte, es ist einmalig, wie er Person und Stimmung herüberbringt. Hier nun das dreiteilige Werk Die Königsmörder-Chronik.
Das ist eigentlich eine Buchreihe von amerikanischen Autor Patrick Rothfuss und behandelt – zumindest bis zur „Musik der Stille – die Geschichte des Zauberers Kvothe .
Und dabei wird eine Geschichte erzählt, die nicht überbordend Fantasy ist, sondern Welten schildert, denen man problemlos folgen kann, in der es etwas Magie gibt – und die Chandrian, die Kvothes Eltern getötet haben. An Kvothes Leben nimmt man von seiner Kindheit an Teil, so dass man mit ihm gänzlich vertraut ist. Sowohl Kvothe, als auch alle anderen Handlungsträger sind so beschrieben, dass man in der Handlung einfach mitfließen kann, selbst wenn der Grund mancher Handlungen der Protagonisten – wie im richtigen Leben – nicht immer voll erschlossen werden.
Diese Fantasy Reihe ist 2008 als deutsche  Übersetzung erschienen.Wie es heißt, sollen weitere Teile noch in Arbeiten sein – mich würde das freuen, denn das Erzählte ist bisher spannend und man kann davon nicht genug bekommen.

Nun wurde diese gelungene Serie von Stefan Kaminski eingelesen, jedes Hörbuch 9,95 €
Spieldauer:
Der Name des Windes: 28 Stunden und 8 Minuten
Die Furcht der Weisen (1): 27 Stunden
Die Furcht der Weisen (2): 16 Stunden und 56 Minuten
Die Musik der Stille: 4 Stunden und 26 Minuten

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schon gemerkt , heute ist Weltglückstag


Der Weltglückstag wird am 20. März jeden Jahres gefeiert. Er wurde von der UN-Hauptversammlung am 28. Juni 2012 beschlossen und wird seit 2013 begangen. Die Vereinten Nationen verbinden mit dem Weltglückstag weltweite Politikziele.

Synonyme für den Weltglückstag sind International Day of HappinessTag des Glücks und Internationaler Tag des Glücks.

Als Erfüllung menschlichen Wünschens und Strebens ist Glück ein sehr vielschichtiger Begriff, der Empfindungen vom momentanen bis zu anhaltendem, vom friedvollen bis zu ekstatischem Glücksgefühl einschließt, der uns aber auch in Bezug auf ein äußeres Geschehen begegnen kann, zum Beispiel in der Bedeutung eines glücklichen Zufalls oder einer das Lebensglück begünstigenden Schicksals­wendung. In den erstgenannten Bedeutungen bezeichnet der Begriff Glück einen innerlich empfundenen Zustand, in den letzteren hingegen ein äußeres günstiges Ereignis. Glück darf nicht mit Glückseligkeit verwechselt werden, die meist in Zusammenhang mit einem Zustand der (religiösen) Erlösung erklärt und verstanden wird.

Das Wort „Glück“ kommt von mittelniederdeutsch gelucke/lucke (ab 12. Jahrhundert) bzw. mittelhochdeutsch gelücke/lücke. Es bedeutete „Art, wie etwas endet/gut ausgeht“.
Glück war demnach der günstige Ausgang eines Ereignisses.
Voraussetzung für den „Beglückten“ waren weder ein bestimmtes Talent noch auch nur eigenes Zutun.
Dagegen behauptet der Volksmund eine mindestens teilweise Verantwortung des Einzelnen für die Erlangung von Lebensglück in dem Ausspruch: „Jeder ist seines Glückes Schmied“. Demnach hängt die Fähigkeit, in einer gegebenen Situation glücklich zu sein, außer von äußeren Umständen auch von eigenen Einstellungen und Bemühungen ab.

und weil heute Weltspatzentag ist …


ein Märchen von Manfred Kyber

Lups

Herr Lups war ein Spatz. Seine Frau hieß Frau Lups. Denn dem Namen nach richten sich die Frauen nach ihren Männern. Es war Frühling, und Frau Lups saß auf ihren Eiern. Herr Lups hatte Futter herangeschleppt. jetzt saß er auf dem Nestrand und blinzelte in die Sonne.

Die Menschen sagen immer, daß Spatzen frech und zänkisch sind, dachte Frau Lups, womit sie natürlich nur die Männchen meinen.
Ich kann es von meinem Mann eigentlich nicht finden. Ein fertiger Ehespatz ist er zwar noch nicht, aber er macht sich. Herrn Lups wurde es langweilig.

»Ich möchte mich auch mal auf die Eier setzen«.

»Nein«, sagte Frau Lups – nicht aus Eigensinn, rein aus pädagogischem Empfinden.

»Piep!« sagte Herr Lups empört, »es sind auch meine Eier.«
»Nein«, sagte Frau Lups – wieder nur aus pädagogischem Empfinden.

Herr Lups schlug erregt mit den Flügeln.

»Ich habe das Recht, auf den Eiern zu sitzen, ich bin der Vater«, schrie er.

»Schlag nicht so mit den Flügeln«, sagte Frau Lups, »es ist unschicklich, wenigstens hier im Nest. Außerdem macht es mich nervös. Ihr Männer müsst immer gleich mit den Flügeln schlagen. Nimm dir ein Beispiel an mir! Ich bin stets ruhig. Gewiss sind es deine Eier. Aber es sind mehr meine Eier als deine Eier. Das habe ich gleich gesagt. Denke dran, dass du verheiratet bist!«

»Daran denke ich unaufhörlich«, sagte Herr Lups. »Aber du hast es vorhin anders gesagt. Das ist unlogisch.«

»Stör mich nicht mit deiner Logik«, sagte Frau Lups, »wir sind verheiratet und nicht logisch.«

»So«, machte Herr Lups und klappte arrogant mit dem Schnabel.

»Findest du das etwa nicht????«

Herr Lups hörte auf zu klappen. »Ja, ja, meine Liebe«, sagte er.
Er macht sich, dachte Frau Lups.

»Ich werde jetzt in den Klub gehen«, sagte Herr Lups und putzte sich die Flügel.

»Du könntest dich auch mal auf die Eier setzen«, sagte Frau Lups vorwurfsvoll, »ich sitze schon den ganzen Vormittag darauf. Glaubst du, dass es ein Vergnügen ist? Dabei sind es deine Eier.«

Herr Lups dachte, die Sonne müsse aufhören zu scheinen. Aber sie schien weiter.

»Mir steht der Schnabel still!« schrie er. »Eben wollte ich auf den Eiern sitzen, da waren es deine Eier. Jetzt will ich in den Klub gehen, da sind es meine Eier. Wessen Eier sind es nun endlich?!«

»Schrei nicht so«, sagte Frau Lups, »natürlich sind es deine Eier. Ich habe es dir doch schon vorhin gesagt.«
Herrn Lups wurde schwindlig.

»Du irrst dich«, sagte er matt.

»Frauen irren sich nie«, sagte Frau Lups.

»Ja, ja, meine Liebe«, sagte Herr Lups und setzte sich auf die Eier, die nicht seine Eier und doch seine Eier waren.

»Männer sind so wenig rücksichtsvoll«, sagte Frau Lups mit sanftem Tadel, »du hast eben auch die weibliche Hand in deinem Leben zu wenig gefühlt.«

»O doch«, sagte Herr Lups und blickte auf die Krällchen seiner Gemahlin.

Frau Lups horchte aufmerksam an den Eiern.

»Eins piepst sogar schon im Ei«, sagte sie glücklich.
»Dann wird es ein Weibchen«, sagte Herr Lups.
Frau Lups sah ihren Gatten scharf an.

»Gewiß«, sagte sie, »es wird ein Weibchen. Die Intelligenz regt sich am frühesten.«

Herr Lups ärgerte sich sehr und brütete.

»Aber das erste, das herauskommt, wird ein Männchen!« sagte er patzig.

Frau Lups blieb ganz ruhig.

»Das, was zuerst piepst, kommt auch zuerst heraus«, sagte sie, »es wird also ein Weibchen. Im übrigen lass mich jetzt auf die Eier! Es wird kritisch. Das verstehen Frauen besser. Außerdem sind es meine Eier.«

»Ja, ja, meine Liebe«, sagte Herr Lups.
Nach kurzer Zeit kam das Erste aus dem Ei. Es war ein Männchen.

Herr Lups plusterte sich und zwitscherte schadenfroh.

»Siehst du«, sagte Frau Lups, »ich habe es dir gleich gesagt. Es wird ein Männchen. Aber ihr müsst eben alles besser wissen.«

Herr Lups sperrte den Schnabel so weit auf wie noch nie. Eine Steigerung war anatomisch undenkbar. Aber er kriegte keinen Ton heraus.

Da klappte er den Schnabel zu.Endgültig.

Jetzt ist er ganz entwickelt, es wird eine glückliche Ehe, dachte Frau Lups und half den anderen Kleinen behutsam aus der Schale.
»Nun musst du in den Klub gehen, liebes Männchen«, flötete sie, »du musst dich etwas zerstreuen. Ich bat dich schon so lange darum. Auf dem Rückweg bringst du Futter mit.« »Ja, ja, meine Liebe«, sagte Herr Lups.

Herr Lups hielt eine Rede im Klub.

»Wir sind Männer! Taten müssen wir sehen, Taten!!« schrie er und gestikulierte mit den Flügeln.

Frau Lups wärmte ihre Kleinen im Nest.

»Seinen Namen werdet ihr tragen, alle werdet ihr Lups heißen«, piepste sie zärtlich.

Denn dem Namen nach richten sich die Frauen nach ihren Männern.

 

 

Über den Weltspatzentag:

Der Weltspatzentag findet jährlich am 20.März statt.

Der Weltspatzentag wurde im Jahre 2010 von der Nature Forever Society (NFS) initiiert. Mit dem Tag möchte man darauf aufmerksam machen, dass der Bestand der Spatzen so sehr gesunken ist, dass der Haussperling in die Vor-Warnliste bedrohter Arten aufgenommen wurde.