Schriftsteller als moralische Instanz (1)


Der Fall des George Edalji und Sir Arthur Conan Doyle

Quelle: wikipedia

George Ernest Thompson Edalji (* März 1876; † 17. Juni 1953 in Welwyn Garden City) war ein Solicitor aus den englischen West Midlands, der 1906 als Opfer eines britischen Justizirrtums und durch den Einsatz des Schriftstellers Arthur Conan Doyle für seine Sache europaweit bekannt wurde. George Edalji wurde 1903 beschuldigt, ein Pferd verstümmelt und lebensgefährlich verletzt zu haben. Er wurde zunächst schuldig gesprochen und saß drei Jahre lang im Zuchthaus. Erst nachdem Conan Doyle sich für ihn eingesetzt und selbst Untersuchungen zu seinem Fall durchgeführt hatte, wurde das Urteil aufgehoben.

 

Geschichte

George Edaljis Vater Shapurji Edalji wurde als Parse in Bombay geboren. Nachdem er von britischen Missionaren zum Christentum bekehrt worden war, studierte er in England Theologie und erhielt 1876 eine Pfarrstelle in Great Wyrley, Staffordshire. Seine Mutter Charlotte, geborene Stoneham, stammte aus Schottland. George wuchs als ältestes von drei Kindern im Pfarrhaus von Great Wyrley auf. Ein großer Teil der Landbevölkerung hegte Vorurteile gegen Inder und wollte die Familie vertreiben. Es kam bald zu rassistischen Beleidigungen, Schmierereien am Pfarrhaus und geschmacklosen Scherzen. Ab den späten 1870er Jahren erhielten die Edaljis immer wieder anonyme Drohbriefe, die zunächst die Eltern und später besonders George Edalji angriffen. Im Namen von Shapurji oder George Edalji wurden verleumderische Zeitungsanzeigen und verschiedenste Warenbestellungen aufgegeben. Mit Unterbrechungen erhielten sie etwa 20 Jahre lang Drohbriefe. Die lokale Polizei unternahm nichts gegen die Verfolgung der Familie. Captain Anson, zweiter Sohn des Earl of Lichfield und Chief Constable von Staffordshire, meinte, die Familie habe sich die Ärgernisse selbst zuzuschreiben: „Hindus“ gehörten nicht nach Staffordshire und hätten dort nun einmal mit Problemen zu rechnen. Schließlich verdächtigte er George Edalji, die Briefe selbst verfasst zu haben.

Nach dem Schulbesuch studierte George in Birmingham englisches Recht. Er war ein guter Student und gewann einige Preise der Law Society of England and Wales. Anschließend arbeitete er in Birmingham als beratender Rechtsanwalt („Solicitor“). Nach wie vor wohnte er im Pfarrhaus von Great Wyrley und pendelte mit dem Zug nach Birmingham. Dabei entdeckte er sein Interesse für das Eisenbahnrecht und schrieb als Hilfe für Bahnreisende das Buch Railway Law for the „Man in the train“.

Prozess

1903 wurden in Great Wyrley und Umgebung mehrere Schafe, Kühe und Pferde verstümmelt. Ihnen wurde nachts mit einer scharfen Waffe die Bauchdecke aufgeschlitzt, die Tiere verbluteten oder mussten getötet werden. Es tauchten wieder anonyme Briefe auf, in denen George Edalji für diese Taten verantwortlich gemacht wurde. Die Polizei ermittelte ausschließlich in diese Richtung. Nachdem ein weiteres Pferd in der Nähe des Pfarrhauses verstümmelt worden war, nahm die Polizei George Edalji fest. Andere Spuren wurden nicht verfolgt. Ein Jugendlicher aus der Gegend, der später verhaftet wurde, weil er ein ähnliches Verbrechen beging, während George schon in Untersuchungshaft saß, durfte das Land verlassen und nach Südafrika auswandern.

Edaljis Prozess fand vor einem „Court of Quarter Sessions“, einem lokalen Gericht mit einem vorsitzenden Richter und Schöffen, statt. Die Anklage stützte sich auf wenige Indizien: Die Nähe des Tatorts zum Pfarrhaus; dort wurden mehrere Rasiermesser gefunden; auf Georges Hausmantel wurden wenige Blutspuren und Haare eines Säugetiers gefunden. Als wichtigstes Argument wurde ein Handschriftengutachten angeführt, demzufolge George der Verfasser der anonymen Briefe gewesen sei. Trotz der dürftigen Beweislage wurde George Edalji zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt.

Sechs Monate nach der Verurteilung kam es zur nächsten Pferdeverstümmelung. Der geständige Täter wurde zu drei Jahren Haft verurteilt. Der Handschriftenexperte, auf dessen Gutachten sich die Anklage gegen Edalji gestützt hatte, musste zugeben, sich in einem anderen Fall (im Prozess gegen Adolph Beck) geirrt zu haben. Trotzdem blieb Edalji weiterhin in Haft.

Öffentliche Unterstützung

Arthur Conan Doyle

R. D. Yelverton und andere wandten sich an die Presse und verfassten eine Petition gegen Georges Verurteilung, die von zehntausend Bürgern unterzeichnet wurde. Schließlich wurde er 1906 nach drei Jahren Haft vorzeitig entlassen. Es wurde keine Begründung angegeben und Edalji galt als vorbestraft, was eine Tätigkeit als Solicitor unmöglich machte. Die Zeitschrift Truth berichtete über sein Schicksal. Schließlich wurde der Schriftsteller Arthur Conan Doyle auf den Fall aufmerksam und stellte ab Dezember 1906 eigene Untersuchungen an. Er ließ neue Handschriftengutachten durchführen, die Edalji als Verfasser der Briefe ausschlossen. Ein anderes Gutachten belegte, dass die Verletzungen der Tiere nicht von Rasiermessern stammen konnten; der Sand an Georges Stiefeln gehörte zu einem anderen Bodentyp als am Tatort; sowohl die Tiermorde als auch die anonymen Briefe setzen sich nach seiner Verhaftung fort. Bei seinem ersten Treffen mit Edalji im Januar 1907 stellte Conan Doyle, der acht Jahre lang als Augenarzt praktiziert hatte, bei ihm starke Kurzsichtigkeit und eine Hornhautverkrümmung fest. Er war überzeugt, dass Edalji die Tat nachts in unwegsamem Gelände schon wegen seiner schwachen Sehkraft unmöglich verübt haben konnte.

Conan Doyle veröffentlichte seine Ergebnisse in mehreren Zeitungsartikeln für den Daily Telegraph und forderte das zuständige Innenministerium auf, den Fall noch einmal zu untersuchen, weil es damals noch keine Berufungsgerichte gab. Die Berichte wurden von anderen britischen Tageszeitungen abgedruckt, auch im Ausland erschienen nun Artikel über den Fall. Wegen der großen öffentlichen Wirkung der Artikel setzte Innenminister Herbert Gladstone schließlich eine Untersuchungskommission ein. Diese veröffentlichte im Frühjahr 1907 ihren Abschlussbericht. George Edalji wird darin von den Vorwürfen, an den Tierverstümmelungen beteiligt gewesen zu sein, vollständig freigesprochen. Im Bericht werden eine Reihe von Verfahrensfehlern eingeräumt und die Indizien, die zur Verurteilung geführt hatten, als bedeutungslos dargestellt. Edalji galt nicht mehr als vorbestraft, wurde wieder in die englische Law Society aufgenommen und konnte von da an wieder als Anwalt arbeiten. Gleichzeitig war die Untersuchungskommission aber gehalten, möglichst keine Fehler der Staffordshire Constabulary – also der örtlichen Polizei – zuzugeben und keine Entschädigung festzusetzen. Deshalb erhielt die Kommission trotz gegenteiliger Fachgutachten den Vorwurf aufrecht, Edalji habe die anonymen Briefe, in denen er der Taten beschuldigt wird, selbst verfasst. Somit sei er selbst dafür verantwortlich, dass man ihn als Täter verdächtigt habe; der Polizei sei kein Vorwurf zu machen. Deshalb stehe Edalji keine Haftentschädigung zu.

Weitere Ereignisse

Kurz danach kam es zu weiteren Tierverstümmelungen in Staffordshire. Die lokale Polizei brachte einen Einheimischen vor Gericht, der sich für Edaljis Entlastung eingesetzt hatte. Er wurde freigesprochen. Arthur Conan Doyle versuchte in den nächsten fünf Jahren noch mehrmals erfolglos, den Beschluss der Untersuchungskommission revidieren zu lassen, damit Edalji vollständig entlastet würde und eine Entschädigung erhielte. Er griff dabei vor allem den Chef der Staffordshire Constabulary, Captain Anson, persönlich an. George Edalji selbst zog nach London und arbeitete dort als Anwalt.

Noch im Jahr 1907 war der Court of Criminal Appeal, das erste britische Berufungsgericht, gegründet worden. Anlass war die öffentliche Debatte über die Fehlurteile gegen Adolph Beck und George Edalji.

online-Lesung auf Lovleybooks


Hallo, heute abend 20 Uhr  könnt  ihr online und live *Miriam Pielhau* bei der Lesung aus ihrem Debütroman *“Radiergummitage“* lauschen.

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Kurzbeschreibung

Maja Pauly ist Schauspielerin am Braunschweiger Theater. Nicht Berlin. Nicht München. Braunschweig. Und Maja ist Single. Nicht verzweifelt. Nicht unglücklich. Aber ungern. Alles in allem ist ihr Leben eher so mittel. Mittel bis gut. Nicht mittel bis schlecht. Doch dann steht der 35. Geburtstag an. Und Maja hasst die große 35 mit auch für sie selbst nicht ganz nachvollziehbarer, dafür aber umso heftigerer Inbrunst.
DamitdiesesUnglücksjahr am Ende kein verlorenes war, beschließt sie, sich selbst Aufgaben zu stellen, sich herauszufordern. Der Plan lässt sich gut an. Doch nach den ersten drei Missionen findet sie plötzlich eine vierte im Briefkasten – und die hat es ganz schön in sich.HatEdu, ihr neurotischer,sexbesessener Kollege vom Theater, in den sie heimlich verliebt ist, etwas damit zu tun? Oder versuchtsichExlover Karl wieder in ihr Leben zu schleichen? Wer sich da einmischt, wird sie erst am Schluss herausfinden. Als sie sich findet. Und noch etwas mehr …

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Miriam Pielhau, »35+«, wurde in Heidelberg geboren. Nach Studium und Ausbildung arbeitete sie für Tageszeitungen sowie Radio- und Fernsehsender, unter anderem Radio 1Live und 1Live TV beim WDR. Als Moderatorin und Chef-redakteurin der Sendung ›NBC GIGA‹ wurde sie mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Es folgten Engagements für Pro7 (›taff‹, ›Die Oscar-Nacht‹), rbb (›Ein Wochenende mit …‹), MDR (›Die Goldene Henne‹) u. v. m. Im Frühjahr 2008 erkrankte Miriam Pielhau lebensbedrohlich. Ihre Erfahrungen und Heilungsansätze schrieb sie in dem Bestseller ›Fremdkörper‹ nieder. Im Mai 2012 wurde sie Mutter einer Tochter. Miriam Pielhau hat alle im Buch beschriebenen Missionen selbst ausprobiert.

 

 

Vanitas


Vanitas  (lat. „leerer Schein, Nichtigkeit, Eitelkeit“; auch „Lüge, Prahlerei, Misserfolg oder Vergeblichkeit“) ist ein Wort für die jüdischchristliche Vorstellung von der Vergänglichkeit alles Irdischen, die im Buch Kohelet im Alten Testament ausgesprochen wird (Koh. 1, 2): „Es ist alles eitel“. Diese Übersetzung Martin Luthers verwendet „eitel“ im ursprünglichen Sinne von „nichtig“.

Vanitas-Motive zeigen, dass der Mensch keine Gewalt über das Leben hat. Im Zeitalter des Barocks waren Vanitas-Motive ein besonderes  Thema in der Kunst, sie symbolisieren neben dem Vergänglichen auch den  Zwiespalt zwischen menschlicher Demut und menschlichem Selbstbewusstsein und haben uns nicht nur etliche Kunstwerke mit Totenköpfen und Kerzen beschert, sondern auch wunderschöne Stillleben wie  Blumen und Früchte von Balthasar van der Ast

Ich besuche gern Friedhöfe, sie sind für mich ein Ort der Stille, die Friedhöfe in der Friedenstraße sind in meiner Nähe und daher die von mir am meistbesuchtesten. Es sind  die Friedhöfe von drei evangelischenKirchengemeinden. Georgen-Parochial-Friedhof V, St. Petri-Luisenstadt-Kirchhof und Georgen-Parochial-Friedhof II. Die Begräbnisstätten wurden im 19. Jahrhundert angelegt und zahlreiche verdiente Bürger der Stadt fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Die gesamte parkähnliche Anlage bildet ein Gartendenkmal, die beiden Friedhofskapellen und einige Grabanlagen sind gelistete Kulturdenkmale. Doch trotz dieser Wertschätzung macht die Stätte in manchen Ecken einen deprimierenden Eindruck, im 2. Weltkrieg zerstörte Familiengräber, und von Brennnessel überwachsende Gräber, deren Liegezeiten anscheinend abgelaufen sind erzeugen einen morbiden und trostlosen Eindruck.

Und in eben einer solchen Ecke fand ich dieses rekonstruierte Familiengrab, die leuchtenden Pfingstrosen machten mich darauf aufmerksam, und diese im Schwinden begriffene Beerdigungskultur des stillgelegten Grabes  schien mir plötzlich ein schönes Vanitas-Motiv zu sein

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