Seefeld in Tirol und Im Vollbesitz des eigenen Wahns


Seit einigen Jahren habe ich Freude am Winterwandern, weshalb ich gern Winterurlaub mache.
Ich hatte auch ein Roman zum Rezensieren mit dabei, hatte anfangs aber Mühe, mich dort einzulesen, so dass ich zwischenzeitlich auch immer mal zu einem Gedichtebuch griff und unter anderem das folgende Gedicht gefunden hatte, welches für mein Empfinden  direkt und schlicht wiedergibt, was ich am Winterwandern so schätze.

Hermann Löns (1866-1914)
Bergwaldwildnis

Was frag ich nach den Menschen
Und nach der lauten Stadt,
Wenn mich die Bergwaldwildnis,
Die weiße Stille hat.

Die Buchenstämme stehen
So schwarz im weißen Schnee,
Seinen Schlafbaum sucht der Bussard,
Zu Felde zieht das Reh.

Der Fuchs bellt unten im Grunde,
Die Eule gibt keine Ruh,
Der Abendwind rührt an den Zweigen,
Der Schnee fällt immerzu.

Im Tale funkeln die Lichter,
Was kümmert mich ihr Schein,
Ich stehe oben am Hange
Und bleibe für mich allein.

dscf4079

dscf4068

dscf4064

Aber, auch wenn ich anfangs schwer den Einstieg in diesen Rezensions- Roman gefunden hatte, er ließ mich nicht los und von Abend zu Abend griff ich lieber zu diesem Buch.

Ursprünglich fand den Titel humorvoll und hatte das Buch deshalb mit in den Urlaub genommen, aber was ich las, war dann doch  heftig .
Dazu nervte mich anfangs der Satzbau der Übersetzung , welcher dem Leser  schon auf Seite 24 den 10. eingeschobenen Nebensatz „dachte sie“ bescherte und kein Lesevergnügen versprach – zum Glück bin ich langmütig und halte durch, denn der Stil wurde dann viel besser und bereitete  Lesevergnügen; was ich auch von der Story sagen kann.
Hilary Mantel schaffte es, von Leuten zu erzählen, über die keiner berichten möchte und trostlose Lebensumstände zu beschreiben – und der Leser will am Ball bleiben und will miterleben und doch wird er nicht endgültig verstehen können, was mit der Hauptheldin Myriel nun eigentlich ist.

Wie ich erst nach dem Lesen erfahren habe, ist dieses Buch eine Weiterführung des Romans Jeder Tag ist Muttertag und vielleicht hilft es, erst diesen Roman zu lesen um mit der Geschichte klar zu kommen.
Zwar wird der Leser „Im Vollbesitz des eigenen Wahns“ im Verhältnis der der Personen zueinander geführt, aber das reichte nicht, so finde ich, Myriel wirklich verstehen zu können. Man ist hier wie in einem Horror-Film Zuschauer und muss mit wohligem Grusel konsumieren, was angeboten wird.
Spannend ist das allemal, es verschafft einen auch eine andere Sicht, aber ob man das Buch als endgültig befriedigend empfindet, hängt vom Anspruch ab.
Mir hat das Buch gefallen, weil ich gut mit Geschichten klar komme, die mir nicht alles erklären. An solchen Büchern habe ich auch nach dem Lesen noch zu „knappern“, das mag ich.