ausgeguckt: The Fall


Was für ein Film!
Ist eigentlich was für Erwachsene, ab Altersgrenze 12 Jahre würde ich sagen – und nur für Leute, die in der Lage sind, sich auf eine leise erzählte Geschichte einzulassen. Für die kann das dann ein Film mit Lieblingsstatus werden….

Die Produktbeschreibung sagt:

Los Angeles, 1915. Der Stuntman Roy Walker liegt nach einem missglückten Stunt im Krankenhaus. Viel schlimmer als die gebrochenen Beine schmerzt ihn jedoch der Verlust seiner großen Liebe, die ihn für einen anderen Mann verlassen hat. Im Krankenhaus trifft Roy auf die kleine Alexandria. Er beginnt, dem Mädchen eine phantastische Geschichte über fünf mythische Helden zu erzählen, die gemeinsam einen Rachefeldzug gegen den korrupten Gouverneur Odious planen. Je weiter er die Geschichte erzählt, desto mehr verschwimmen die Grenzen zwischen Fiktion und Realität. Doch Roy will ihr die Geschichte nicht zu Ende erzählen – es sei denn, Alexandria stiehlt ihm eine tödliche Dosis Morphium aus dem Medizinschrank…

Laut wikipedia wurde Tarsem Singh von dem 1981 entstandenen bulgarischen Film Yo Ho Ho inspiriert, in diesem Film brachte ein lebensmüder Kranker einen fünfjährigen Jungen mit Geschichtenerzählen dazu, ihm Gift zu besorgen.

Ich kenne diesen Film zwar nicht, aber allein dieser Sachverhalt wirkt ungeheuerlich und beschäftigt das Gemüt, ich verstehe gut, dass Tarsem Singh daraus eine eigene, große Geschichte machen wollte und sich davon jahrelang umtreiben ließ.
Und ich habe auch einen weiteren – diesmal mir bekannten – Filmpaten entdeckt: Baraka .Baraka ist ein experimenteller Dokumentarfilm aus dem Jahr 1992 von Ron Fricke, auf dem ich hier schon einmal aufmerksam machte.

Bei The Fall wurde also aus mindestens zwei anderen Filmen ein neuer, ganz eigener Film geschaffen, in dem ein kleines, verunfalltes Mädchen der Krankenhaustristess entflieht, indem es sich von einem, ebenfalls verunfallten, Mann Geschichten erzählen lässt. Geschichten, die in ihrer Vorstellung zu wunderschönen Bildern anwachsen.
Die Vorlage für die Rahmenhandlung lieferte der bulgarische Film, die Vorlage für die märchenhaften Bilder der Dokumentarfilm.
Und Film ist auch dem Helden Roy ein großes Thema, wollte er doch Karriere als Stuntman machen und bricht sich gleich beim ersten Dreh die Hüfte und die Beine, und seine schauspielende Verlobte findet einen Schauspieler dann doch passender für sich …
Wenn der große Zukunftstraum kaputt geht kann man depressiv werden – und das spielt Lee Pace überzeugend. Und wie man in so einer Stimmung eben erzählen mag wird von ihm das Märchen erzählt und es wäre wirklich eine Scheußlichkeit geworden, wenn es nicht immer wieder mal durch die kleine Zuhörerin Alexandria korrigiert werden würde.
Mir hat gut gefallen, wie sich Realität und Märchen immer wieder berühren und überschneiden,das lässt nachfühlen, wie sehr das Mädchen in dem Märchen versinkt.
Leider kommt in der deutschen Übersetzung das Verwechseln des erzählten Indianer und des in der Fantasie entstandenen Inder nicht zum tragen, was eigentlich die verschiedenen Ebenen der Wahrnehmung mehr betont hätte, auch spricht das Kind trotz nationaler Unterschiede keinen Dialekt, während im englischsprachigem Original ihr englisch erst mit der Zeit glatter gesprochen wird. Ich finde das Schade, andere werden es begrüßen, da der Film so leichter zu konsumieren ist.
Sein Ende ist hoffnungsvoll offen gelassen worden, indem es von Alexandria erzählt wird.
Ich als Märchenerzählerin glaube natürlich an die Aktivierung der Selbstheilkräfte durch Märchenerzählen und somit auch auf „guten Ausgang“ der Geschichte – und sie war soooo schön anzusehen.

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ausgeguckt: Pans Labyrinth


Diesen Film möchte ich Menschen empfehlen, die sich mit dem Genre Märchen beschäftigen. Er ist KEIN Märchenfilm und kein Fantasyfilm, er ist zutiefst realistisch trotz der kindlichen Flucht in die Fantasie. Wenn ich manche Rezensionen darüber lese, bin ich erstaunt, wie sehr man diesen Film missverstehen kann. Vermutlich, weil man Erwartungen hatte, die nicht bedient wurden und nicht bereit war, sich auf das Erzählte einzulassen. Hier meine Rezension:

Der Film beginnt mit Atemgeräuschen, das Gesicht einer junge Frau? Eines Mädchen? Sie liegt auf dem Boden, Blut unter ihrer Nase, und die erste Fantasy-Sequenz beginnt. Eine Off-Stimme erzählt von einer Prinzessin, welche noch aus ihrem unterirdischen Reich verbannt, dorthin zurückkehren wird, zu ihrem Vater, dem König …

Ivana Baquero spielt überzeugend das 12 jährige Mädchen Ofelia, welches wohl schon seit dem Tod ihres Vaters mehr in Märchenbüchern als in der Realität lebt, spätestens aber seit der Partnerwahl ihrer Mutter nicht richtig „in dieser Welt zu Hause ist“.
Auch wenn dieser Film mit Fantasieelementen spielt und auf alte Mythen eingeht – er ist kein Fantasyfilm, sondern, wie der 1973 entstandene Spielfilm von Carlos Saura „Anna und die Wölfe“ , eine Auseinandersetzung mit dem Franquismus und dessen tragenden Säulen: Kirche, Militär und Großbürgertum.

Die Rachsucht, mit der der Franco während und nach dem Bürgerkrieg seine einstigen republikanischen Gegner verfolgen und vernichten ließ war gewaltig, genozidartig. 143.353 noch immer Vermisste nennt die Sprecherin eines Zusammenschlusses von Hinterbliebenenverbänden.
Da der Franquismus sich nach dem Tode Francos 1975 friedlich in eine Art bürgerliche Demokratie wandelte, gab es gut dreißig Jahre lang keine Aufarbeitung der Verbrechen. Die Täter sind Teil der spanischen Gesellschaft und ihrer Eliten, straffrei dank Generalamnestie aus dem Jahr 1977.
Dieser Film symbolisiert; Hauptmann Vidal ist die fleischgewordene Verkörperung des Franco-Regimes, seine Brutalität, die viele Zuschauer zu Recht verstört, ist nicht nur die Brutalität eines Sadisten mit Männlichkeitswahn, sondern die Brutalität des Regimes. Filmisch so umgesetzt, dass sie einen wütend macht,wenn ein Kolbenschlag ins Gesicht dem nächsten folgt und nach dem dritten Schlag kein Bildwechsel kommt, sondern noch ein Schlag und noch einer, wenn ganz beiläufig ein Mensch erschossen wird oder man Beginn und Ende einer Folterung anschauen muss wurde mit wenigen Szenen über das Wirken von Militär und Guardia Civile im Franco-Regime erzählt.
Die Einstellung der offiziellen Kirche werden mit den wenigen Sätzen des Pfarrers beim Festmal zum Ausdruck gebracht, als über die Verknappung der Lebensmittel für die Bevölkerung gesprochen wurde. Sinngemäß: Sie sind getauft, sie können sterben.

Ich will den Film jetzt nicht nacherzählen, wohl aber betonen, dass seine Verknüpfung von Fantasie und Realität erstaunlich und folgerichtig ist. Immer wieder finden Doppelungen statt, ob nun ein Schlüssel oder eine gedeckte Tafel die Verbindungen der Welten dokumentieren, die mir sagen, der Macher des Filmes hat erkannt, dass viele Märchenmotive aus der Verfremdung realen Ereignissen entstanden.
Toll gemacht fand ich in diesem Zusammenhang auch den Übergang vom Geräusch der feenhaften Stabheuschrecke zur tickenden Taschenuhr des Hauptmanns.
Ein Film wie ein Requiem, großartig!


uhupardo

Ein wolkiger, kalter Morgen in Madrid Anfang Januar. Der Wartesaal im Arbeitsamt ist gesteckt voll, wie derzeit überall in Spanien. Auf den Stühlen sitzen Menschen, deren Ausbildung nicht selten besser und deren Lebenslauf nicht selten aussagefähiger sind als die vieler Politiker, die für uns alle Entscheidungen treffen. Die Stimmung ist gedrückt … und dann:

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Ehrung der Instrumente – Instrument des Jahres


Beim Durchzappen im Autoradio bekam ich mit, dass nicht nur Blumen und Vögel  einen eignen Ehrentag haben, sondern auch Instrumente. Das Instrument des Jahres 2012 war das Fagott,  festgelegt haben das die Landesmusikräte Schleswig-Holstein und Berlin, das Instrument des Jahres 2013 wird die Gitarre sein. Sie ist ein Instrument mit langer Tradition,  schon in den alten Hochkulturen  Mesopotamien und Ägypten kannten der Gitarre ähnliche Instrumente. Seit dem 19. Jahrhundert wurde in Spanien die Klassische Gitarre und die noch heute üblichen Spieltechniken entwickelt. Und seit es im 20. Jhd. die Big Bands gibt, musste man sich was einfallen lassen, damit Gitarren noch zu hören sind zwischen all den Bläsern, man verstärkte sie elektrisch – all das habe ich aus dem Beitrag erfahren und geb es beeindruckt weiter – spielt mein Enkel Eric doch dieses Instrument.

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2012 in review


Die WordPress.com-Statistik-Elfen fertigten einen Jahresbericht dieses Blogs für das Jahr 2012 an.

Hier ist ein Auszug:

4.329 Filme wurden beim Cannes Film Festival 2012 eingereicht. Dieses Blog hatte 20.000 Besucher in 2012. Wenn jeder Besucher ein Film wäre, dann würde dieses Blog 5 Film Festivals füllen

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.


das ist so schön, das muss ich zeigen….
Danke für das schöne Gedicht Claudia

Mein Leben als Rezitatorin und Dichterin

Zum neuen Jahr 2013

Möge das vergangne Jahr
Die Erinnerung erhellen!
Was darin an Dunklem war,
Schlage nicht zu hohe Wellen,
Und was heiter war und licht,
Bleibe lange noch in Sicht.

Das Vergangne sei ein Hort,
Aus dem wir in Zukunft zehren.
Im Gedächtnis klingen fort
Froher Tage gute Mären,
Tröstung an den Trauertagen,
Zuspruch gegen das Verzagen.

Auch im neuen Jahr geschieht
Kaum das meiste uns nach Willen.
Der das Leid nicht übersieht,
Wird doch unsre Sehnsucht stillen!
Der uns unbemerkt bewacht,
Hat auf unsre Herzen Acht.

Unser Wollen, unser Tun
Sei zur Liebe hingewendet.
Mögen unsre Seelen ruhn
In dem Quell, der Leben spendet.
Mögen Gutes wir erbauen
Voller Liebe und Vertrauen.

© Claudia Sperlich

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