Die Botschaft mit großen Namen aufgepeppt…


Kann ich oft auf Tierbesitzerseiten entdecken. Ob nun das gern zitierte Verslein vom stürmisch treuen Hund – das immer dem Heilgen Franz von Assisi zugeschrieben wird, der nach Überlieferung den Tieren predigte, aber keine besaß oder dieser Vers hier:

Wer Tiere quält, ist unbeseelt, und Gottes guter Geist ihm fehlt. Mag noch so vornehm drein er schauen, man sollte niemals ihm vertrauen.

für den auf den Homepagen dann kein geringerer als der große Johann Wolfgang von Goethe herhalten muss.
Nur leider fehlt jeder Hinweis, wo in seinem umfangreichen Werk das zu finden wäre, denn wenn, dann muss es ein ganz frühes Verslein sein, geschmiedet im Alter von sechs, sieben Jahren vielleicht,denn sonst sind seine Verse stets tiefer interpretierbar als nur auf einer Ebene, von der Qualität mal ganz abgesehen.
Aus seinen Werken kann man den philosophischen Dichter und Universalgelehrten als säkularisierenden Naturverehrer kennenlernen, der vom christlichen Gottesbild abrückt und die Natur als beseelt empfindet und den Begriff Gott/Göttlich in diesem Sinne nutzt.
Doch haben die Leute in so fern Recht, dass Goethe in der Empfindung gegen die „Kreatur“ weiter ging als seine philosophischen Zeitgenossen, für die Menschlichkeit immer eine Frage des Verhältnis der Menschen zueinander war.  Im West-östlichen Divan schrieb er:

Als ich einmal eine Spinne erschlagen,
Dacht´ich, ob das wohl gesollt?
Hatt Gott ihr doch wie mir gewollt
Einen Anteil an diesen Tagen!

Doch bezeichnete er im Alter von 80 Jahren den ungefähr gleichaltrigen Engländer Jeremy Bentham, der einer der wichtigsten Sozialreformer Englands und Tierrechtler war,deshalb als „höchst radikalen Narren“. Seine Achtung vor der Natur und somit der Kreatur war eine persönliche und ging nicht soweit, deshalb andere Leute generell für nicht vertrauenswürdig zu erachten, eher befremdete ihn ein Einsatz für Frauenwahlrecht und Tierrechte als gesellschaftsschädigend.

Der Spruch vom vertrauensunwürdigen Tierquäler hat für jeden, der so empfindet, seine Berechtigung und wird des Reimes wegen auch gern weiterhin zitiert werden – und soll auch, wozu aber ein Untermauern mit falschen Verfassern  um Menschen anzusprechen. Ob Lieschen Müller oder der Freiherr Johann Wolfgang von Goethe es nun sagte, es bleibt dabei: Tierquäler sind auch miese Leute.

Echte fabelhaft tierische Goethesprüche sind diese:

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2 Kommentare zu „Die Botschaft mit großen Namen aufgepeppt…

  1. Schöner Artikel!
    Die falsche Zuschreibung treibt in Internetzeiten besondere Blüten, weil das Kopieren und Weiterverbreiten so einfach geworden ist, das Überprüfen aber nicht häufiger.
    Übrigens ist zwar wahr, daß Goethe auch furchtbar schlechte Verse geschrieben hat (bei einem so ungeheuren Werk waren einige Patzer wohl nicht zu vermeiden, und auch die zitierten Verse über Tiere sind nicht alle von gleicher Qualität). Aber dermaßen ungelenk gereimt wie in diesem Zitat hat er wirklich nie.

  2. Was übrigens das Verslein über treue Hunde angeht, so kann man es nur dann Franziskus von Assisi zuschreiben, wenn man wirklich gar keine Ahnung von mittelalterlicher Frömmigkeit und von den Überlieferungen des Franziskus hat. Denn der hielt immerhin genug von Menschen, um ihnen die Organisation eines Ordens anzuvertrauen – für ihn Ausdruck der höchstmöglichen Treue.

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