Was ist Frauenliteratur ?


Erste Betrachtungen zu den Wassermannthesen „Die Frau als Literat“

„Oh.oh“ musste ich machen, als ich die Ausführungen von Jakob Wassermann über „Die Frau als Literat“ las. Jakob Wassermann (* 10. März 1873  † 1. Januar 1934 ) war ein deutsch-jüdischer Schriftsteller. Er zählte zu den produktivsten und populärsten Erzählern seiner ( der wilhelminischen) Zeit.

Ich schätze Jakob Wassermann als Autor durchaus, aber hier fragte ich mich doch, was hat ihn dazu bewegt, so unspezifiziert Literatur, die von Frauen geschrieben wurde, herabzuwürdigen, in dem den Frauen die Fähigkeiten zur Literatur als – naturgegeben nicht vorhanden, weil gebärfähig – abzusprechen. Diese Abneigung gegen schreibende Frauen zeigte unter anderem schon der Philosoph Johann Gottlieb Fichte (* 19. Mai 1762 ; † 29. Januar 1814 ), welcher verächtlich von der »Begierde der Weiber, Schriftstellerei zu betreiben« sprach.
Im 19. Jahrhundert entstanden die  Begriffe „Frauenliteratur“ und „Frauenroman“ und auf wikipedia steht zum Begriff „Frauenliteratur“:

Der Begriff Frauenliteratur bezeichnet ein Genre sowohl belletristischer als auch essayistischer Literatur, die – im weitesten Sinne des Begriffs – als ‚Literatur von Frauen und/oder über Frauen und/oder für Frauen‘ beschrieben werden kann.
Mit Blick auf die äußerst wechselhafte, von  literaturwissenschaftlichen und feministischen Paradigmen abhängige Begriffsgeschichte allerdings kann keines dieser Kriterien als vollkommen verbindlich aufgefasst werden.

Die Begriffe „Frauenliteratur“ und „Frauenroman“ etablierten sich als feuilletonistische und buchhändlerische Kategorien im ausgehenden 19. Jahrhundert, als vermehrt Autorinnen erschienen, die die Schriftstellerei nicht mehr als reinen Brotberuf auffassten, sondern einen künstlerisch ambitionierten Ausdruckswillen mit ihrem Schaffen verbanden.
In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde das Etikett „Frauenroman“ als Verkaufsschlager entdeckt, zahlreiche Verlage brachten Romanreihen unter Titeln wie „Frauen-Romane“, „Der gepflegte Frauen-Roman“ u. ä. heraus, und der Begriff wurde nahezu synonym mit „Heft- oder Groschenroman“ und „Trivialliteratur“.

Eine doppelte Wandlung erfuhr der Begriff in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Zum einen wurde er zu einem unscharfen Allgemeinbegriff erweitert, der fast alles bezeichnete, was in irgendeiner Art und Weise ‚mit Frauen zu tun‘ hatte, beispielsweise auch Fontanes sogenannte „Frauenromane“, Jugendbücher und Pensionatsgeschichten wie Emmy von Rhodens Der Trotzkopf, die Schriften der mittelalterlichen Mystikerinnen oder auch moderne Lebenshilfe- und Ratgeberliteratur. Mitunter wurde sogar alle unterhaltende Romanliteratur des 19. Jahrhunderts als „Frauenliteratur“ bezeichnet, gemäß der – inzwischen revidierten – literatursoziologischen Auffassung, dass Romane ausschließlich für Frauen produziert und auch nur von diesen gelesen worden seien.
Zum anderen wurde der Begriff im Kontext der „Neuen Frauenbewegung“ in den 1960er bis 80er Jahren teilweise verengt auf feministisch-emanzipatorisch ausgerichtete Werke, sei es belletristischer oder essayistischer Art.

Will man einen ungefähren allgemeinen Trend der Begriffsentwicklung im Laufe des 20. Jahrhunderts festmachen, so kann man vielleicht sagen, dass der Begriff heute eher von Autorinnen geschriebene Literatur, in früheren Jahrzehnten eher Literatur mit weiblichen Protagonisten bezeichnet(e).

Heute werden retrospektiv auch Autorinnen des 18. Jahrhunderts (wie z. B. Sophie von La Roche und Therese Huber), der Romantik (wie z. B. Sophie Mereau), des Jungen Deutschland und des Vormärz (wie z. B. Fanny Lewald und Louise Otto-Peters) und die zahlreichen Roman- und Novellenproduzentinnen des bürgerlichen Realismus als „Frauenliteratur“ kategorisiert.

Eine Kanonisierung paradigmatischer Autorinnen des 20. Jahrhunderts (nicht nur deutscher Sprache) wurden durch die ab den 1980er Jahren erscheinenden Reihen „Die Frau in der Literatur“ und „Das Jahrhundert der Frau“ in den Verlagen Ullstein und Suhrkamp befördert.

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