Mauerstücke-Erinnerungsgeschichten (7)


wall Mauerstücke-Erinnerungsgeschichten

2 Leseproben:

Wiedervereinigung

Uwe Hartig

„Ich finde, wir haben jetzt genug diskutiert, findest du nicht auch?“, sagte sie.
„Ja, ich finde auch, wir haben jetzt genug gequatscht, schlaf schön!“, sagte er, schaltete das Licht aus und drehte sich auf die andere Seite.
„Kannst du jetzt einfach so schlafen?“, fragte sie.

Zettelwirtschaft

Thomas Stefan

Er las: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen.“ Er las es laut, mit heiserer Stimme. Es war der berühmte Ausspruch Ulbrichts.

Mauerstücke – Erinnerungsgeschichten (6)


mannliest

Mauerstücke-Erinnerungsgeschichten
Leseproben:

Jazz in Berlin

Anne Bergmann

Vor zwei Wochen war ich in Berlin angekommen, ich war gerade neunzehn Jahre alt geworden, die Beatles und die Stones waren noch nicht dabei, die Jugend der DDR zu vergiften, und Berlin war eine ungeteilte Stadt. Noch.
Von all diesen „Nochs“, die auf der Zeit lagen wie Adlerschatten auf einem Feld, wusste ich nichts.

Im Exil

Andreas Erdmann
„Hallo, ihr Lieben!“, vernahmen sie mit einem Mal einen Ruf aus dem Halbdunkel. „Willkommen im Westen!“ Der Schriftsteller Friedrich Christian Delius kam ihnen auf der Treppe entgegen.

Mauerstücke-Erinnerungsgeschichten(5)


Vorsicht, das ist Werbung fürs Buch…

welches man genießen kann wie  guten Kaffee.

tasse

das Bild wurde mit Hilfe der web-Seite photo-funia gestaltet

Hier zwei weitere Leseproben:

Vier Ananas

Sandy Green

An den Geschmack von Kaffee konnte er sich kaum noch erinnern. Früher, als Marga noch lebte, brachte sie ab und zu ein Päckchen mit. Der Kaffee hatte ihre Sonntage zu etwas ganz Besonderem werden lassen.

Der Eisverkäufer

Christiane Schlenzig

Die Menschenschlange drängelt und schiebt. „Nicht so drängeln, nicht so schieben. Sie kriegen alle was ab“, dröhnt seine Stimme über den Platz.
Ich schäme mich: „Ist unser Lebensinhalt nun zur Banane geworden?“

Mauerstücke- Erinnerungsgeschichten


Mauerstücke – Erinnerungsgeschichten

Zwischen  Mauerfall und Wiedervereinigung lag ein Jahr,
aber was war das für ein Jahr!
Wir erlebten Weltgeschichte im Täglichen, und der Alltag
eines jeden änderte sich auffallend.

Irgendwann einmal werden nur noch Historiker und Geschichtslehrer davon sprechen, von den Politikern und Parteien dieser Zeit, von ihren Verhandlungen und Beschlüssen in dieser Zeit.

Davon, wie sich die Wendezeit lebte, was Hoffnung, Wunsch,Enttäuschung und Freude der Menschen war;  wie ihr Lebensgefühl, das werden sie nicht berichten können, weil so etwas  nicht wissenschaftlich überprüfbar ist.

Später , in anderen Zeiten, werden vielleicht die Autoren historischer Stoffe versuchen sich  vorzustellen, wie sich das alles “ Erlebte“  und darüber Romane schreiben, so wie sie  heute über Pharaonen, die Kreuzzüge, die Bartholomäusnacht  oder das Leben im dritten Reich schreiben.
Aber wird es ihnen auch gelingen die Zeit einzufangen ? Oder werden sie  geprägt durch einen rationalen Blick auf diese Epoche  schreiben, und somit ihren Protagonisten nur rationale Gefühle geben, dass das Papier nur so durch den Text raschelt?
Wird  das Lebensgefühl der Wendezeit, der Zeit davor und danach  für sie und somit für den Leser wirklich nachfühlbar sein?
Damit es so wird, hilft nur eines, selber schreiben, jetzt!
Aber die eigene Sicht ist subjektiv, es braucht viele Standpunkte, viele verschiedene Autoren, um die  Zeit  zu bewahren. Eine Anthologie, das ist es!

Das  war (in etwa) der Inhalt eines Gespräches zwischen Patricia Koelle, Autorin aus Westberlin und mir, Bettina Buske, Autorin aus Ostberlin- als wir uns vor Zeiten am Potsdamer Platz zu einem Kaffee trafen und uns wie Kinder darüber freuten, dass das möglich ist.
Aus diesem Treffen wurde Freundschaft und…
ein gemeinsames Projekt, das wir Dank der Unterstützung des  Dr. Ronald Henss Verlages in Angriff nehmen konnten.

Die Teilnahme an der Ausschreibung war rege, wir haben viele, sehr viele interessante Geschichten gelesen. Es war oft bedauerlich auswählen zu müssen, jede eingesendete Geschichte war des Erzählens Wert und ich möchte mich hiermit bei allen Einsendern für die Teilnahme bedanken.

Wir glauben, mit unserer Auswahl an Geschichten einen repräsentativen Querschnitt der Einsendungen getroffen zu haben.

Auf dieses Buch bin ich schon jetzt sehr stolz.