in der Schlosskapelle las die Sperlich den Sperlich


Eine Veranstaltung der Pücklergesellschaft und ich freue mich hingegangen zu sein.
Claudia Sperlich las Gedichte und Essays ihres Vaters Martin Sperlich, welche sie  im Sperlich-Verlag unter dem Titel: Im Verse wird das Schwere leicht herausgab.

Martin Sperlich hatte als Kunsthistoriker und Schlösserdirektor in Berlin bleibende Spuren hinterlassen, auch seine Lyrik ist vielfältig, besonders und prägend.

Schön, dass diese Lesung in der Schlosskapelle stattfand, an dem Ort, wo Martin Sperlich seine legendär gewordenen Vorträge hielt.
Der Raum hat neben dekorativen barockem Geschnörkel eine gute Akustik, für mein Empfinden ein Ambiente, das die Vortragsweise der Rezitatorin Claudia Sperlich noch unterstreicht, ihr entspricht, da sie jedem Vokal und jedem Konsonanten Aufmerksamkeit gibt, eine Wertschätzung, die man heute nur noch selten erleben kann.

Gedicht der Woche 35/2010


ist gleichzeitig ein Hinweis auf das erste Buch vom Sperlich-Verlag. Es zeigt zwar nur eine kleine dichterische Fassette des namhaften Kunstkistorikers Martin Sperlich,  dessen Wirken Berlin u.a. das Schloss und Park Charlottenburg und die Pfaueninsel in der bekannten Gestaltung verdankt, aber bei meinen sonstigen Blogthemen funkelt diese Fassette an hellsten – wie ich finde.

Wer an dem Wirken des intelligenten, gebildeten, hochtalentierten Mannes interessiert ist, wer Gedichte mag und wer Berlin liebt und ein Stück mehr verstehen will, für den ist dem Buch:

Martin Sperlich
Im Verse wird das Schwere leicht
Gedichte
Sperlich-Verlag Berlin
ISBN 978-3-939274-00-1

Auszug mit freundlicher Genehmigung des Sperlich-Verlages:

Sperlich hatte eine Hortklasse durch das Schloß Charlottenburg geführt und bekam zum Dank einen ganzen Stapel von Nashornbildern. Er dankte wiederum:

Von allen Geschöpfen
mit Beinen und Köpfen
im Zoo und der Wildnis
lieb ich nur das Bildnis
des Tiers mit dem Horn
am Kopfe ganz vorn.

Ich habe schon Mengen
an Wänden zu hängen
vom Boden zur Decke
und auch in der Ecke
sie sind mir nie über
je länger je lieber.

Die schönsten der Sorte
die kamen vom Horte
man sieht wie sie leben
und schwimmen und schweben
beim Lauf auf dem Eise
im Bus auf der Reise.

Die nie noch geschauten
Nashornastronauten
mit Schirm bei der Husche
und unter der Dusche
beim Spiel und beim Sporte
sogar auf dem Orte.

Die alten und jungen
gestreckt und gedrungen
mit Palmen und Wüsten
mit Bergen und Küsten
im Sessel zu Hause
im Schiff mit der Brause.

Ihr habt mir geschildert
und kunstvoll bebildert
die Nashörnerscharen
die will ich bewahren
und immer sie gern sehn
viel lieber als Fernsehn.

meine Empfehlung: Gedichte von Martin Sperlich


biografie

Am 19.02. wird die talentierte Claudia Sperlich Gedichte Ihres Vaters Martin Sperlich in ihrer „Lieblingsbuchhandlung“ lesen.
Ich hatte einmal das Vergnügen, einige davon von ihr in einer „Privatvorstellung“ zu hören.
Dieser Mann war gebildet, witzig, talentiert – von all dem im Übermaß gesegnet.
Es ist ein nachdenkliches Vergnügen, seine Texte zu hören. Für Berlinfreunde ein ganz besonderes Erlebnis, denn seine beruflichen Interessen flossen auch in seine Dichtung ein.

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