ausgelesen: Sonntagskuchen mit Einstein


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Sonntagskuchen mit Einstein ist eine fantasievolle märchenhafte Geschichte,
die Silvlia Friedrich geschrieben hat. Und das habe ich bei dem Titel gar nicht erwartet, eher eine Art Biografie für Kinder über den geistig großen, ewig ungekämmten Albert Einstein.
Nachdem ich dann das Cover sah, dachte ich ach nee, Einstein heißt der Kater – so wie ein kleiner Hund auf unseren Hof.
Aber ist nicht, der Kater in dem Buch heißt Minkus und hat eine tragender Rolle in der Geschichte inne. Leider hat das Buch keine wirklichen Illustrationen, dafür taucht der freundlich aufmerksame Minkus, der auf dem Cover rechts oben auf der Mauer sitzt,  immer wieder mal bildlich auf den Seiten auf, eine nette Idee, wie ich finde. Geschrieben ist das Buch für Grundschüler und  es kann Mädchen wie Jungen gleichermaßen gut unterhalten. Der Text ist in Kapitel eingeteilt, die mit einer  Überschrift  eingeleitet werden, das motiviert  leseunlustige Kinder, sich ans Lesen zu machen, da sie sich feste -leicht erreichbare- Ziele setzen können. Aber ein schlaues Kindergartenkind hat auch Freude am Inhalt, da können die einzelnen Kapitel zur Guten-Nacht-Geschichte werden, und wenn es dann lesen lernt, liest es das Buch vermutlich noch einmal allein. Ort der Handlung ist die kleine Stadt Klein-Wühlbergshausen, in der es gerade sehr heiß und irgendwie langweilig ist. Das Freundestrio Lotte, Egon und  Fritz , alles Schüler der vierten Klasse, wollen schwimmen gehen. Doch sie müssen  feststellen, dass das Kreidegesicht, welches Lotte auf den Boden gemalt hatte, sich plötzlich bewegt. Und das ist der Beginn eines großen Abenteuers, bei dem den Kindern noch einiges abverlangt wird und bei dem sie sogar den >>echten<< Albert Einstein kennen lernen, der durch die Zeiten reist. Nur durch seine physikalischen Fähigkeiten gelingt es, den stinkigen, bösen Zauberer Nebulosa endlich zu überwunden.

Meine Enkeltochter Pia, die im Sommer zur Schule kommt, wird es zum Geburtstag geschenkt bekommen.

Kaufen kann man es u.a. auf amazon für 10,20 €
  • Broschiert: 121 Seiten
  • Verlag: Papierfresserchens Mtm-Verlag; Auflage: 1., Erstauflage (15. Juli 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3940367664
  • ISBN-13: 978-3940367662
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 10 – 12 Jahre
  • Größe und/oder Gewicht: 20,6 x 13,4 x 1,2 cm

bei Vollmond – Theater auf dem Friedhof


Samstag, 13.8.2011, 21 Uhr
Alter St.-Matthäus-Kirchhof, Großgörschenstr. 12-14, 10829 Berlin

Performance zum Gedenken an die Brüder Grimm:
„Märchen von einem, der auszog, Verwandlung zu lernen“
Eintritt frei, Spenden willkommen (Taschenlampen mitbringen)
In dieser Vollmondnacht entführen szenische Lesungen und Darstellungen in die Welt von Märchen und Fabeln der Brüder Grimm.
Inmitten der romantischen Atmosphäre des Friedhofs wird der Zuschauer hineingezogen in die schöpferische Macht der Verwandlung nicht nur zwischen menschlicher und tierischer Gestalt.
Ein Projekt von Roberto Dell’Orco – ilmotorediricerca
mit Roberto Dell’Orco, Jule Flierl, Alessandro Guagno, Kunle Kuforiji, Harald Pittel, Silvio Talamo
Vorgetragen in Deutsch, Englisch, Italienisch.
Weitere Infos: http://www.efeu-ev.de
Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!
Mit freundlichen Grüßen

Gedicht der Woche 43/2010


Märchen

Fern im Abendsonnenglanze
Liegt ein wunderbares Land,
Erdenleid und Sorgen reichen
Nicht an seinen heil’gen Strand.

Blaue Anemonen sprießen
Um ein marmorkühles Haus,
An der glückgeweihten Schwelle
Breitest du die Arme aus.

Noch einmal im Abendwinde
Gleitet meiner Sehnsucht Kahn,
Glückverlangend, glückerbangend,
Jene sonnenstille Bahn.

Wanderwolken seh ich ziehen
Ruhelos am Himmelsraum. –
Schneller eilen meine Träume
Nach dem fernen Ufersaum.

Wandervögel seh ich ziehen
Flügelschlagend über mir.
Jauchzender drängt meiner Liebe
Möwenflug zu dir, zu dir.

Schifflein schaukelt auf und nieder,
Wellenberg und Wellental,
Abendglocken singen ferne,
Und mein Herz frägt tausendmal:

Werd ich je das Land erreichen,
Eh die Nacht hernieder sinkt?
Oder wartet schon die Klippe,
Die mich in die Tiefe zwingt? –

Falte deine lieben Hände,
Betend, dass aus Not und Qual
Noch mein Kahn zu dir gelange
In das glückbereite Tal.

Ernst Goll

Märchen der Woche 26/2010


Das Ungeheuer

Leo Tolstoi

Es war einmal ein Ungeheuer, das saß auf einem Baumstumpf und zählte mit seinen Krallen die Sterne. „„Eins, zwei, drei, vier.“ Der Kopf des Ungeheuers sah aus wie der von einem Hund, der Schwanz war kahl und kräftig wie der von einer Ratte. „Fünf, sechs, sieben.“ Die gezählten Sterne erloschen und statt ihnen erschienen schwarze Löcher am Himmel, aus denen es regnete.
Und so wurde die Erde immer dunkler und nasser.

Da war das Ungeheuer froh, da es ja ein böses Ungeheuer war und ging in ein Dorf, um auch den Menschen Böses zu tun. Vom Zählen hatte es mittlerweile genug und schon Hornhaut auf den Krallen. Im Dorf torkelte ein betrunkener Schneider durch die Straße, der das Ungeheuer erblickte und schrie: „Hilfe, ein Monster!“ Er lief auch gleich zum Mond, um ihn um Hilfe zu bitten. So kam der Mond herbei, stellte sich vor das Ungeheuer und ließ nicht zu, dass es noch mehr Sterne auslöschte. Das Ungeheuer wollte mit seinen Krallen nach den Sternen greifen, doch der Mond stellte sich so, dass es sie nicht erreichen konnte. Da peitschte das Ungeheuer mit seinem Schwanz, aber der Mond stieß es erneut zurück und fletschte mit seinen Zähnen. Überall wurde es still im Wald. Der Mond versuchte, das Ungeheuer mit seinen Zähnen zu halten Dieses jedoch schnappte mit seinen Reißzähnen nach dem Mond, riss dabei die Hälfte von ihm ab und verschluckte sie. Der verletzte Mond bäumte sich vor Schmerzen auf und zog sich hinter die Wolken zurück.

Nun jammerte das Ungeheuer so kläglich, das überall im weiten Umkreis die Blätter von den Bäumen fielen. In seinem Bauch tobte nämlich die abgebissene Mondhälfte hin und her und machte dem Ungeheuer mächtiges Bauchweh. Mehr und mehr wand sich das Ungeheuer und hatte keine ruhige Minute mehr. Schließlich lief es zum Fluss und sprang ins Wasser, um seine Schmerzen zu lindern. Überall spritzte die Gischt. Doch die Schmerzen ließen nicht nach, sosehr sich das Ungeheuer auch krümmte.

Vom mächtigen Platschen angelockt schwammen kleine Wassernixen zum Ungeheuer. Sie  erschreckten sich, starrten auf das Ungeheuer und erblickten die abgerissene Mondhälfte in seinem Inneren. Sie sprachen: „Der Mond ist da, da ist der Mond.“
Das Ungeher wand sich in einem großen Schmerz, und dann wurde es ohnmächtig, fiel hernieder und blieb regungslos liegen. Die Wassernixen jedoch ergriffen das Mondstück, das aus seinem Maul ragte und zogen es heraus. Sogleich wurde der Fluss hell erleuchtet und klar, wie an einem jungen Tag im Frühling. Dem Mond hinter den Wolken jedoch nahm die abgerissene Seite wieder an und schon bald zog er wie zuvor in voller Größe über den Himmel der Nacht. Und so zeigte sich wieder einmal: Abgerissene Seiten kann man reparieren.