ausgelesen: Die Tuchhändlerin


Dies ist schon das zweite Buch aus dem Dyras-Verlag, das ich las, welches diese Themenverbindung Vorrevolutionäres Deutschland und Schicksal einer Frau zeigt.
Es würde mir gefallen, wenn das so eine Art Serie würde, denn diese Themenverbindung ist zwar gut zur Entspannung zu lesen (auch abends im Bett), es macht einen aber, so ganz nebenher, auch noch ein Stück wissender.

Ich habe das Buch mit freudigem Interesse gelesen. Es ist ein leicht erzählter Roman, der es dem Leser ermöglicht, sich in die vorrevolutionären Verhältnisse der Zeit ab 1830 einzufühlen und so die Lebensbedingungen empathisch nachzuempfinden, die man im Geschichtsunterricht als Fakten gelehrt bekam.
Grundsätzlich ist das Buch so angelegt, dass es gut in die Kategorie Frauenroman einzuordnen ist, denn die Hauptheldin ist eine junge Frau, Tochter eines Damasthändlers, die sich in den Weber Caspar verliebt.
Die Autorin Ivonne Hübner erzählt aber nicht nur eine Liebesgeschichte voller Widrigkeiten, sie berichtet unaufdringlich über die Lebensumstände der damaligen Zeit, über die Trennung der Gesellschaft, über das Leben unter Zunftgesetz und den Auswirkungen der technischen Revolution.
Lesend wird man auch sensibilisiert, die Leistung und Kunstfähigkeit der Weber, speziell der Damastweber, zu beachten, für mich war das alles sehr interessant zu erfahren.

ausgelesen: Die Tochter eines Arztes


Vor einiger Zeit begann ich mich hier mit dem Thema „Frauenroman“ auseinander zu setzen und mit dem, was man unter „Frauenroman“ eigentlich zu verstehen hat.
Denn zu unterschiedlich sind die schriftstellerischen Produkte, die so betitelt werden. Da gibt es die Romane, die eine oberflächliche, leichte Unterhaltung bieten und heutzutage die Bezeichnung „Chick – lit“ verpasst bekommen, zuvor hießen sie „Trivialliteratur“.
Dann gibt es Literatur, geschrieben von Männern oder Frauen, die den Stand der Frau in der Gesellschaft zum Thema hat, die unter dieser Bezeichnung „Frauenliteratur“ eingeordnet werden könnte
Und es gibt Literatur von Frauen, die sich mit der Gesellschaft auseinander setzen.
Alles das könnte man unter der Hauptüberschrift „Frauenliteratur“ ablegen, von Sophie von La Roche  über Hedwig Courths-Mahler bis Christa Wolf oder Juli Zeh  – ein breites Spektrum. Zu breit, um zu vergleichen und gleichzusetzen.
Dieser Roman hier ist nun ebenfalls ein „Frauenroman“. Geschrieben von einer Frau über das Leben und Lieben einer Frau.

„Die Tochter eines Arztes“ von Martina Frey hatte meine Mutter gelesen und sie war gänzlich begeistert. Sie erzählte mir bei jedem Besuch von diesem Buch, wie sie mit der Protagonistin mitfühlen konnte, wie sie von der Geschichte begeistert war, so sehr nahm sie mit, dass eine Berufswahl Frauen nicht möglich war und auch die Partnerwahl von anderen Kriterien als der empfundenen  Liebe bestimmt wurden. Meiner Mutter zu Liebe, und weil ich die Epochen von der Aufklärung bis zur Gründerzeit besonders interessant finde, habe ich dieses Buch auch gelesen – jeden Abend ein, zwei Stündchen vor dem Einschlafen. Der Roman liest sich leicht herunter, bietet eine romantische Liebesgeschichte und geschichtliche Ereignisse. Ich war zwar nicht ganz so begeistert wie meine Mutter, hatte die eine oder andere Unstimmigkeit empfunden, habe ihn aber gern und zügig gelesen. Er war für mich eine angenehme Unterhaltung, die mich nicht dümmer machte und meine Aufmerksamkeit in die „Badische Gegend“ lenkte. Wer gern Romane mit „Frauenthemen“ liest, liest auch diesen Roman bestimmt gern, wer historische Romane mag, vielleicht auch.