Gedicht der Woche 37/2020


Ein silbernes Märchen

@ Gustav Falke

Wie Spinneweben fein
Hängt in den Bäumen der Mondenschein,
Ist alles wie Silber: Baum, Beet und Steig,
Und wie glitzernde Glöckchen die Blüten am Zweig.

Klingt auch ein silbernes Stimmchen darein,
Stimmt lieblich zu all dem silbernen Schein.
Zücküt. – Wie sich der Flieder wiegt,
Frau Nachtigall fliegt
In den Mond hinein.

Gedicht der Woche 36/2020


Heute möchte ich ein Gedicht des britischer Schriftsteller Percy Bysshe Shelley vorstellen, der am 4. August 1792 in Field Place, Sussex geboren wurde und am 8. Juli 1822 bei einem Segelunfall vor der Küste der Toskana starb. Er war ein verheiratet mit Mary Wollstonecraft-Shelley, welche mit ihrem Roman „Frankenstein oder der moderne Prometeus“ als Mary Shelley  das wohl bedeutenste Werk der romantisch- fantastischen Literatur geschaffen hatte.
Das Leben der Beiden ist so interessant und voller Widrigkeiten, dass ich mir den Film „Mary Shelley“ demnächst bei amazon für 3,99€ ausleihen werde um möglichst viel darüber zu erfahren.

P.B.Shelley

Worte zu einer indischen Melodie

@ Percy Bysshe Shelley

Ich erwach‘ aus Träumen von dir
Im ersten Schlummer der Nacht,
Wenn die Winde flüstern im Laub,
Und die Sterne schimmern voll Pracht.
Ich erwach‘ aus Träumen von dir,
Und ein magischer Zauber trieb
Meine Schritte mit stürmender Hast
Zu deinem Fenster, mein Lieb.

Die Lüfte schweigen so bang
Auf dem stillen und dunklen Strom;
Wie ein lieblicher Traum verweht
Der Champakblüthen Arom;
Der Nachtigall Klagelied
Erstirbt in ihrer Brust,
Wie ich in dir vergeh‘,
Du mein Leben, meine Lust!

O, hebe mich empor!
Ich sterb‘, ich verschmachte hier!
Auf Lippen und Augen laß
Deine Küsse regnen mir!
Meine Wang‘ ist bleich und kalt,
Wildstürmisch pocht die Brust!
O, schließ mein Herz an deins,
Wo es brechen wird vor Lust!

Aus dem Englischen von
Adolf Strodtmann

Gedicht der Woche 35/2020


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Das sind die Stunden . . .

Das sind die Stunden, die der Sehnsucht heilig sind:

Wenn in den Blütenblättern still der Abendwind
Ein dämmerdunkles Lied der müden Wehmut rauscht
Und dann verstummend selbst dem Spiel der Töne lauscht,
Wenn alle Kelche sommerschwere Düfte glühn,
Und ferne Himmelsrosen purpurblutend blühn,
Und unsrer Kindheit wundersame Märchenglocken
Mit weicher Liebesmär die Seelen an sich locken,
Wenn lautes Leben wesenlos vorüberrinnt . . .

Das sind die Stunden, die der Sehnsucht heilig sind.

@ Stefan Zweig