aus der Brauchtumsmappe: Weihnachtsdekorationen – Glaskugeln am Weihnachtsbaum


Kaum beginne ich mit der Weihnachtsplanung , steigen Kindheitserinnerungen auf, an unsere Weihnachtsbäume damals, und wie ich den Glasschmuck geliebt habe, und hier ganz besonders die gläsernen Vögel, Sterne, Tannenzapfen und Glöckchen, die zwischen den Kugeln waren.

In den letzten Jahren zierten meine Weihnachtszweige immer Strohsterne und Holzspielfigürchen, aber dieses Jahr, so habe ich es beschlossen, werden es Weihnachtskugeln sein, wie früher, bei Muttern….
Gleichzeitig fragte ich mich: Seit wann gibt es eigentlich Weihnachtskugeln am Weihnachtsbaum?

 

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Wikipedia teilt mit:
Der Christbaumschmuck oder Weihnachtsbaumschmuck umfasst alle dekorativen Elemente, mit denen der Weihnachtsbaum geschmückt wird, im weiteren Sinne auch die Kerzen.
Geschichte
Nach den aktuellen Erkenntnissen der Forschung hat sich der Weihnachtsbaum aus dem Paradiesbaum (Paradeisl) entwickelt, der bei den mittelalterlichen Paradiesspielen am 24. Dezember verwendet wurde.
Der Paradiesbaum wurde vor allem mit Äpfeln geschmückt, aber auch mit Backwaren und bunten Blüten aus Papier.
Nach den vorliegenden Quellen waren die ersten bekannten Weihnachtsbäume im Elsass auch mit diesen Elementen geschmückt. Anfang des 20. Jahrhunderts gehörten Adam und Eva sowie eine Schlange zum traditionellen Christbaumschmuck in Norddeutschland, da der 24. Dezember in der Liturgie der Gedenktag Adam und Evas war.
Da vor dem 19. Jahrhundert vor allem Äpfel (meist Weihnachtsäpfel), Nüsse, Gebäck und Zuckerzeug an den Baum gehängt wurden, hieß der Weihnachtsbaum regional auch Zuckerbaum. So nennt ihn auch der Dichter Jean Paul in seinem 1797 erschienenen Roman Der Jubelsenior:
„In einigen der nächsten Häuser waren schon die Frucht- oder Zuckerbäume angezündet und die (…) Kinder hüpften um die brennenden Zweige und um das versilberte Obst“.
Bei E.T.A. Hoffmann heißt es in seinem Märchen Nußknacker und Mausekönig:
„Der große Tannenbaum in der Mitte trug viele goldne und silberne Äpfel, und wie Knospen und Blüten keimten Zuckermandeln und bunte Bonbons und was es sonst noch für schönes Naschwerk gibt, aus allen Ästen“.
Neben Süßigkeiten spielten sehr früh auch vergoldete und versilberte Elemente eine wichtige Rolle, vor allem Äpfel und Nüsse. Es gab zunächst keinen gewerblich hergestellten Christbaumschmuck, sondern er wurde vollständig von den Familien hergestellt, in der Regel für jedes Weihnachtsfest neu. Hierfür erschienen etliche Bücher mit entsprechenden Bastelanleitungen und Dekorationsvorschlägen.
Dieser Brauch hielt sich bis weit ins 19. Jahrhundert hinein, wurde dann aber allmählich durch den neu eingeführten Glasschmuck und das industriell gefertigte Lametta weitgehend verdrängt.
Der gläserne Christbaumschmuck wurde seit der Mitte des 19. Jahrhunderts vor allem durch Heimarbeiter in Thüringen angefertigt. Einer Legende zufolge stammt die Idee, farbige Kugeln aus Glas für den Christbaum herzustellen, von einem armen Lauschaer Glasbläser, der sich im Jahr 1847 die teuren Walnüsse und Äpfel nicht leisten konnte.

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Belegen lässt sich diese Geschichte nicht; das Rohmaterial musste in jedem Fall von einer Glashütte bezogen werden und war jedenfalls nicht umsonst.
Erhalten ist das Auftragsbuch eines Glasbläsers, in dem 1848 zum ersten Mal ein Auftrag über sechs Dutzend „Weihnachtskugeln“ in verschiedenen Größen vermerkt ist; sie wurden also nicht für den eigenen Baum hergestellt.
In den Anfängen der Herstellung nutzten die Glasbläser eine gesundheitsschädliche Legierung aus Zinn und Blei zur Verspiegelung der Glasoberflächen.
Ab 1870 bekamen die Kugeln ihren Glanz durch Silbernitrat, das auch heute noch bei der Spiegelherstellung benutzt wird.
Den Vertrieb übernahmen die Verlagshäuser aus Sonneberg. Die Massenfertigung dieses neuen Baumschmucks wurde durch den Bau einer Gasanstalt im Jahr 1867 in Lauscha ermöglicht, denn nur eine sehr heiße Gasflamme ermöglichte das Blasen großer und dünnwandiger Kugeln. Vorher waren die Bunsenbrenner mit Rüböl und Paraffin betrieben worden. Die verspiegelten Kugeln wurden danach von den Familienangehörigen in Farbe getaucht und teilweise auch noch mit Glimmerpartikeln versehen.

1870 gelang es Justus von Liebig, Glaskörper mit einer Silberlösung zu beschichten und zum Glänzen zu bringen. Allerdings ging es Liebig bei seiner Erfindung nicht um Weihnachtsschmuck (Christbaumkugel), sondern um naturwissenschaftliches Gerät.
Um das Jahr 1880 importierte der US-Amerikaner Frank Winfield Woolworth die ersten Christbaumkugeln in die Vereinigten Staaten.
Dadurch wurde die Produktion stark ausgeweitet. Bis 1939 gab es die Kugeln und figürlichen Christbaumschmuck, der in verschiedene Formen hineingeblasen wurde.
Mit der Gründung der Glasbläser-Genossenschaft des Meininger Oberlandes e.G. 1907 erhielt die Produktion nochmals einen Auftrieb und die Gewinnmargen für die Glasbläser stiegen. Mit ihrem Erfolg beim Export ihrer Glaswaren konnte auch die Auswirkungen von Inflation und Wirtschaftskrise in Deutschland gemildert werden.
Zunächst waren die Thüringer Hersteller konkurrenzlos, doch vor dem Ersten Weltkrieg stieg eine Wiener Firma in das Geschäft ein, und ab den 1920er Jahren gab es weitere Hersteller von Glasschmuck in Gablonz im damaligen Böhmen, seit den 1930er Jahren in Polen und auch in den Vereinigten Staaten, bis dahin der wichtigste Importeur.
Der Christbaumschmuck aus Gablonz erreichte bald ebenfalls größere Beliebtheit; er unterschied sich deutlich von den Thüringer Produkten, denn hier wurden Objekte aus Glasperlen angefertigt, vor allem Sterne.

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Zwei Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges nahmen die Familienbetriebe die Fertigung wieder auf.
Später übernahmen die Volkseigenen Betriebe (VEB) Glaskunst und Glasschmuck die Herstellung durch maschinelle Massenproduktion.
In der Bundesrepublik Deutschland kamen seit den 1950er Jahren zunehmend Kugeln aus Kunststoff in Mode, die weniger zerbrechlich waren.
In der Glasbläserstadt Lauscha wird heute noch in traditioneller Handwerkskunst der gläserne Christbaumschmuck hergestellt.
Heute bieten alle großen Einzelhändler sowie die Weihnachtsmärkte eine große Auswahl von Christbaumschmuck in unterschiedlichstem Design an.

 

aus der Brauchtumsmappe: Adventsfasten


Zur Vorbereitung auf Weihnachten kennt die Westkirche eine ursprünglich  40-tägige Bußzeit, den Advent.

Die adventliche Fastenzeit umfasste ursprünglich 40 Tage und begann nach dem 11. November, dem Martinstag. Die Sitte, an diesem Abend noch eine Martinsgans zu essen, ist ebenso wie der Beginn der Karnevalssession am 11. November in Parallele zu den Fastnachtsbräuchen vor Aschermittwoch zu sehen. Da die Sonntage bei den Fastenzeiten ausgenommen sind, beginnt die weihnachtliche Fastenzeit mit dem 11. November und endet am 1.Weihnachtsfeiertag, am Abend des 24. Dezember.

Die Anzahl der Fastentage erinnert an das 40-tägige Fasten Jesu in der Wüste (Mt 4,2 EU),

Die Zahl 40 findet sich in der Bibel öfter, 40 Tage dauerte die Sintflut (Gen 7,4–6 EU),  40 Jahre, zog das Volk Israel durch die Wüste (Ex 16,35 EU), 40 Tage, verbrachte Mose auf dem Berg Sinai in Gottes Gegenwart (Ex 24,18 EU),  eine 40 Tagefrist verkündete der Prophet Jona der Stadt Ninive, deren Einwohner durch  Fasten und Büßen den Untergang abwendeten (Jona 3,4 EU).

Die mittelalterlichen Fastenregeln erlaubten nur eine Mahlzeit am Tag, in der Regel am Abend. Der Verzehr von Fleisch, Milchprodukten, Alkohol und Eiern war verboten. Darauf geht die Tradition zurück, in den Fastnachtstagen Backwerk mit Zutaten wie Milch, Eiern, Zucker oder Schmalz herzustellen, wie etwa Krapfen, um die verderblichen Vorräte aufzubrauchen. Der Fastnachtsdienstag heißt im französischsprachigen Raum dementsprechend Mardi Gras (fetter Dienstag), im englischsprachigen Pancake Tuesday (Pfannkuchendienstag). Erst 1486 erlaubte Papst Innozenz VIII. auch den Verzehr von Milchprodukten in der Fastenzeit.

In der heutigen Zeit bedeutet die Fastenzeit für viele ein selbstauferlegter Verzicht auf Genussmittel wie Süßigkeiten, Alkohol, Kaffee als Willensprobe oder Bußübung.

Friedhofskultur – Waldfriedhof


Friedhöfe sind ja seit jeher ein Thema für mich, ich mag sie einfach.  Doch zur Zeit beschäftige ich mich auch mit der Bestattungskultur, mir selbst war es ja immer eine gute Vorstellung, unter einem Baum beigesetzt zu sein. Doch wenn ich ehrlich bin, dieser Waldfriedhof in Templin bedient nicht das Gefühl, das der Gedanke in mir erzeugt, er ist mir viel zu sehr Wald.

Hier der Eingang:

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Dieser Friedhof hat keine Kapelle, als Ort der Andacht gibt es ein paar  grob zusammengezimmerte Bänke ohne Rückenlehne und ein Stubben für die Urne

Andachtsraum                                                                                    dann, plötzlich, als wäre es den Errichtern des Friedhofs sonst doch zu lieblos gestaltet,  steht da ein unauffälliges Kunstwerk

Friedhofskunst

Die Beisetzungen erfolgen entweder unter Generationen- oder unter Gemeinschaftsbäumen,
in das angenagelte Aluminiumschild sind die Namen der beigesetzten Verstorbenen eingraviert,
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Der Friedhof wird von einem Sumpf begrenzt

Nachbarsumpf

 

Dieser Friedhof kann zwar mit dem Auto oder Fahrrad erreicht werden, von der letzten Bushaltestelle ist es aber ein mehrere Kilometer langer  Weg, für wirklich alte Menschen kann die Beisetzung eines Angehörigen dort allein schon deshalb keine Alternative sein, abgesehen davon, dass der ganzen Anlage jegliche Gedenkkultur fehlt und so schnell das Missempfinden aufkommt, die Überreste seiner feuer-bestatteten  Angehörigen verscharrt  zu haben.
So schön das Buchenwaldstück als Wald auch ist, als Beerdigungsplatz gefällt es mir nicht, selbst im Sommer ist der Boden nie grün, immer vom welken Laub bedeckt und man hat nur die Möglichkeit, sich für eine Buche oder für eine Kiefer als Bestattungsbaum zu entscheiden, welchen man dann noch mit etlichen anderen teilen muss und an dem dieses billige Aluschild, von der Art an ein Haustürschild oder Schlüsselanhänger für Technikräume erinnernd, irgendwie lieblos auf das Grab hinweist.

Ich habe mich zwar noch immer nicht von dem Gedanken verabschiedet, unter einem Baum beigesetzt zu werden – mein Wunsch wäre eine Eberesche oder ein Lindenbaum, eine Birke könnte mir auch gefallen –  in einer parkähnlichen Anlage mit bequemen Bänken, die zum Verweilen einladen.

Vanitas


Vanitas  (lat. „leerer Schein, Nichtigkeit, Eitelkeit“; auch „Lüge, Prahlerei, Misserfolg oder Vergeblichkeit“) ist ein Wort für die jüdischchristliche Vorstellung von der Vergänglichkeit alles Irdischen, die im Buch Kohelet im Alten Testament ausgesprochen wird (Koh. 1, 2): „Es ist alles eitel“. Diese Übersetzung Martin Luthers verwendet „eitel“ im ursprünglichen Sinne von „nichtig“.

Vanitas-Motive zeigen, dass der Mensch keine Gewalt über das Leben hat. Im Zeitalter des Barocks waren Vanitas-Motive ein besonderes  Thema in der Kunst, sie symbolisieren neben dem Vergänglichen auch den  Zwiespalt zwischen menschlicher Demut und menschlichem Selbstbewusstsein und haben uns nicht nur etliche Kunstwerke mit Totenköpfen und Kerzen beschert, sondern auch wunderschöne Stillleben wie  Blumen und Früchte von Balthasar van der Ast

Ich besuche gern Friedhöfe, sie sind für mich ein Ort der Stille, die Friedhöfe in der Friedenstraße sind in meiner Nähe und daher die von mir am meistbesuchtesten. Es sind  die Friedhöfe von drei evangelischenKirchengemeinden. Georgen-Parochial-Friedhof V, St. Petri-Luisenstadt-Kirchhof und Georgen-Parochial-Friedhof II. Die Begräbnisstätten wurden im 19. Jahrhundert angelegt und zahlreiche verdiente Bürger der Stadt fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Die gesamte parkähnliche Anlage bildet ein Gartendenkmal, die beiden Friedhofskapellen und einige Grabanlagen sind gelistete Kulturdenkmale. Doch trotz dieser Wertschätzung macht die Stätte in manchen Ecken einen deprimierenden Eindruck, im 2. Weltkrieg zerstörte Familiengräber, und von Brennnessel überwachsende Gräber, deren Liegezeiten anscheinend abgelaufen sind erzeugen einen morbiden und trostlosen Eindruck.

Und in eben einer solchen Ecke fand ich dieses rekonstruierte Familiengrab, die leuchtenden Pfingstrosen machten mich darauf aufmerksam, und diese im Schwinden begriffene Beerdigungskultur des stillgelegten Grabes  schien mir plötzlich ein schönes Vanitas-Motiv zu sein

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