Gedicht der Woche 19/2017


Das Märchen
Manfred Kyber
Der Mondnacht Zaubersegen
im weichen Winde weht,
und auf waldwilden Wegen
das Märchen lautlos geht.

Blauaugen, kinderreine,
Blauaugen lieb und fremd,
aus Spinnweb und Mondenscheine
ein Königshemd.

Ihr Haar von Gold gesponnen,
bis auf die Hüften rollt,
wie tausend sinkender Sonnen
verträumtes Dämmergold.

Blauaugen, kinderweiche,
sie tragen ein heilig Mal
aus heiligem Rätselreiche:
es war einmal …

 

das Gedicht ist erstmalig 1902 erschienen, hier übernommen aus dem Gedichtband Der Schmied vom Eiland;  Ausgabe von 1922, Walter Seifert Verlag, Stuttgart/Heilbronn

Ottfried Preußler ist gestorben


weil man es besser nicht sagen kann: Otfried Preußler zum Dank und Gedenken verlinke ich hier diesen Beitrag von Claudia Sperlich alias Kaliope

Gedicht der Woche 46/2012


habe für mich entdeckt …

Joachim Dachsel. Vor mir liegt sein Gedichtband Vor diesen Augen.
Dr. phil. Joachim Dachsel war von 1951 bis 1987 Dozent für Neues Testament, Dogmatik und Sozialethik am Evangelisch-Lutherischen Diakonenhaus in Moritzburg in Sachsen und hat ein umfangreiches Werk an Gedichten und Essays hinterlassen, manche seiner Gedichte findet man, wenn man seinen Namen googelt im Internet, zumeist auf kirchlichen Seiten.

Da die Zeit des Urheberschutzes noch nicht abgelaufen ist, ich aber so gern auf diesen Dichter aufmerksam machen möchte, dem ich im Empfinden von Ausdrucksfähigkeit und – unfähigkeit von Reimen im Gedicht so nahe stehe  wie keinem anderen, zeige ich in der Hoffnung, dass Leser Interesse an diesem Autor finden, welcher so schlicht Großes formulieren kann, hier  im Rahmen des (§ 51 Nr. 2 UrhG )als „kleines Großzitat“dieses Gedicht:

Herr, die Väter sangen von dir in Reimen

Herr, die Väter sangen von dir in Reimen:
Trutzpsalmen, gedrungene,
oder ein Lied, einfältig, voll innerer Tröstung,
wie die Mutter es singt aus Stille in Stille.

Sie sangen in Reimen. Da folgte so sicher
auf „Sterben“ „erben“ bei ihnen und „Lohn“ auf „Hohn“
Bei „Schrecken“ war „decken“ nicht ferne,
und endlich bei „Zeit“
wartete nahe die Ewigkeit.

Sie sangen im Reimen. Ich nicht. Ich kann nicht.
Was den Vätern sich paarte, es findet bei mir
so spielend sich nicht.
Zwar „Schrecken“ und „Sterben“ und „Zeit“-
das drängt sich herauf. Auch mir.
Aber Paarwort? Wag ich´s?

Selten, von mal zu mal
wird mirs´s gegeben.
Kommt es aus Gnaden, dann klingt es,
Zwing ich´s – o Schein und Betrug!

Bis Sonntag, 24. Juni, ca. 9:30 Uhr, gibt es das eBook kostenlos


Kurzbeschreibung

Mit Humor und Wortwitz führen Alfons Pillachs Gedichte kreuz und quer durch die Tierwelt und halten uns Menschen einen Spiegel vor die Augen. Zahlreiche Tierfotos machen das eBook auch zu einem optischen Genuss.