Die Königsmörder-Chronik – gelesen von Stefan Kaminski


Ich muss mich mal als Fan von Stefan Kaminskis Lesekunst bekennen – und das, obwohl ich so schnell nicht zur Fanatikerin werde, sondern Gutes ganz gelassen konsumieren und mit „Ja, is gut“ kommentieren kann, weil ich es so erwarte.
Dieser Kaminski bietet aber weit mehr, als ich mit meiner Erzählerausbildung  erwarte, es ist einmalig, wie er Person und Stimmung herüberbringt. Hier nun das dreiteilige Werk Die Königsmörder-Chronik.
Das ist eigentlich eine Buchreihe von amerikanischen Autor Patrick Rothfuss und behandelt – zumindest bis zur „Musik der Stille – die Geschichte des Zauberers Kvothe .
Und dabei wird eine Geschichte erzählt, die nicht überbordend Fantasy ist, sondern Welten schildert, denen man problemlos folgen kann, in der es etwas Magie gibt – und die Chandrian, die Kvothes Eltern getötet haben. An Kvothes Leben nimmt man von seiner Kindheit an Teil, so dass man mit ihm gänzlich vertraut ist. Sowohl Kvothe, als auch alle anderen Handlungsträger sind so beschrieben, dass man in der Handlung einfach mitfließen kann, selbst wenn der Grund mancher Handlungen der Protagonisten – wie im richtigen Leben – nicht immer voll erschlossen werden.
Diese Fantasy Reihe ist 2008 als deutsche  Übersetzung erschienen.Wie es heißt, sollen weitere Teile noch in Arbeiten sein – mich würde das freuen, denn das Erzählte ist bisher spannend und man kann davon nicht genug bekommen.

Nun wurde diese gelungene Serie von Stefan Kaminski eingelesen, jedes Hörbuch 9,95 €
Spieldauer:
Der Name des Windes: 28 Stunden und 8 Minuten
Die Furcht der Weisen (1): 27 Stunden
Die Furcht der Weisen (2): 16 Stunden und 56 Minuten
Die Musik der Stille: 4 Stunden und 26 Minuten

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ausgeguckt: The Fall


Was für ein Film!
Ist eigentlich was für Erwachsene, ab Altersgrenze 12 Jahre würde ich sagen – und nur für Leute, die in der Lage sind, sich auf eine leise erzählte Geschichte einzulassen. Für die kann das dann ein Film mit Lieblingsstatus werden….

Die Produktbeschreibung sagt:

Los Angeles, 1915. Der Stuntman Roy Walker liegt nach einem missglückten Stunt im Krankenhaus. Viel schlimmer als die gebrochenen Beine schmerzt ihn jedoch der Verlust seiner großen Liebe, die ihn für einen anderen Mann verlassen hat. Im Krankenhaus trifft Roy auf die kleine Alexandria. Er beginnt, dem Mädchen eine phantastische Geschichte über fünf mythische Helden zu erzählen, die gemeinsam einen Rachefeldzug gegen den korrupten Gouverneur Odious planen. Je weiter er die Geschichte erzählt, desto mehr verschwimmen die Grenzen zwischen Fiktion und Realität. Doch Roy will ihr die Geschichte nicht zu Ende erzählen – es sei denn, Alexandria stiehlt ihm eine tödliche Dosis Morphium aus dem Medizinschrank…

Laut wikipedia wurde Tarsem Singh von dem 1981 entstandenen bulgarischen Film Yo Ho Ho inspiriert, in diesem Film brachte ein lebensmüder Kranker einen fünfjährigen Jungen mit Geschichtenerzählen dazu, ihm Gift zu besorgen.

Ich kenne diesen Film zwar nicht, aber allein dieser Sachverhalt wirkt ungeheuerlich und beschäftigt das Gemüt, ich verstehe gut, dass Tarsem Singh daraus eine eigene, große Geschichte machen wollte und sich davon jahrelang umtreiben ließ.
Und ich habe auch einen weiteren – diesmal mir bekannten – Filmpaten entdeckt: Baraka .Baraka ist ein experimenteller Dokumentarfilm aus dem Jahr 1992 von Ron Fricke, auf dem ich hier schon einmal aufmerksam machte.

Bei The Fall wurde also aus mindestens zwei anderen Filmen ein neuer, ganz eigener Film geschaffen, in dem ein kleines, verunfalltes Mädchen der Krankenhaustristess entflieht, indem es sich von einem, ebenfalls verunfallten, Mann Geschichten erzählen lässt. Geschichten, die in ihrer Vorstellung zu wunderschönen Bildern anwachsen.
Die Vorlage für die Rahmenhandlung lieferte der bulgarische Film, die Vorlage für die märchenhaften Bilder der Dokumentarfilm.
Und Film ist auch dem Helden Roy ein großes Thema, wollte er doch Karriere als Stuntman machen und bricht sich gleich beim ersten Dreh die Hüfte und die Beine, und seine schauspielende Verlobte findet einen Schauspieler dann doch passender für sich …
Wenn der große Zukunftstraum kaputt geht kann man depressiv werden – und das spielt Lee Pace überzeugend. Und wie man in so einer Stimmung eben erzählen mag wird von ihm das Märchen erzählt und es wäre wirklich eine Scheußlichkeit geworden, wenn es nicht immer wieder mal durch die kleine Zuhörerin Alexandria korrigiert werden würde.
Mir hat gut gefallen, wie sich Realität und Märchen immer wieder berühren und überschneiden,das lässt nachfühlen, wie sehr das Mädchen in dem Märchen versinkt.
Leider kommt in der deutschen Übersetzung das Verwechseln des erzählten Indianer und des in der Fantasie entstandenen Inder nicht zum tragen, was eigentlich die verschiedenen Ebenen der Wahrnehmung mehr betont hätte, auch spricht das Kind trotz nationaler Unterschiede keinen Dialekt, während im englischsprachigem Original ihr englisch erst mit der Zeit glatter gesprochen wird. Ich finde das Schade, andere werden es begrüßen, da der Film so leichter zu konsumieren ist.
Sein Ende ist hoffnungsvoll offen gelassen worden, indem es von Alexandria erzählt wird.
Ich als Märchenerzählerin glaube natürlich an die Aktivierung der Selbstheilkräfte durch Märchenerzählen und somit auch auf „guten Ausgang“ der Geschichte – und sie war soooo schön anzusehen.

ausgeguckt: Pans Labyrinth


Diesen Film möchte ich Menschen empfehlen, die sich mit dem Genre Märchen beschäftigen. Er ist KEIN Märchenfilm und kein Fantasyfilm, er ist zutiefst realistisch trotz der kindlichen Flucht in die Fantasie. Wenn ich manche Rezensionen darüber lese, bin ich erstaunt, wie sehr man diesen Film missverstehen kann. Vermutlich, weil man Erwartungen hatte, die nicht bedient wurden und nicht bereit war, sich auf das Erzählte einzulassen. Hier meine Rezension:

Der Film beginnt mit Atemgeräuschen, das Gesicht einer junge Frau? Eines Mädchen? Sie liegt auf dem Boden, Blut unter ihrer Nase, und die erste Fantasy-Sequenz beginnt. Eine Off-Stimme erzählt von einer Prinzessin, welche noch aus ihrem unterirdischen Reich verbannt, dorthin zurückkehren wird, zu ihrem Vater, dem König …

Ivana Baquero spielt überzeugend das 12 jährige Mädchen Ofelia, welches wohl schon seit dem Tod ihres Vaters mehr in Märchenbüchern als in der Realität lebt, spätestens aber seit der Partnerwahl ihrer Mutter nicht richtig „in dieser Welt zu Hause ist“.
Auch wenn dieser Film mit Fantasieelementen spielt und auf alte Mythen eingeht – er ist kein Fantasyfilm, sondern, wie der 1973 entstandene Spielfilm von Carlos Saura „Anna und die Wölfe“ , eine Auseinandersetzung mit dem Franquismus und dessen tragenden Säulen: Kirche, Militär und Großbürgertum.

Die Rachsucht, mit der der Franco während und nach dem Bürgerkrieg seine einstigen republikanischen Gegner verfolgen und vernichten ließ war gewaltig, genozidartig. 143.353 noch immer Vermisste nennt die Sprecherin eines Zusammenschlusses von Hinterbliebenenverbänden.
Da der Franquismus sich nach dem Tode Francos 1975 friedlich in eine Art bürgerliche Demokratie wandelte, gab es gut dreißig Jahre lang keine Aufarbeitung der Verbrechen. Die Täter sind Teil der spanischen Gesellschaft und ihrer Eliten, straffrei dank Generalamnestie aus dem Jahr 1977.
Dieser Film symbolisiert; Hauptmann Vidal ist die fleischgewordene Verkörperung des Franco-Regimes, seine Brutalität, die viele Zuschauer zu Recht verstört, ist nicht nur die Brutalität eines Sadisten mit Männlichkeitswahn, sondern die Brutalität des Regimes. Filmisch so umgesetzt, dass sie einen wütend macht,wenn ein Kolbenschlag ins Gesicht dem nächsten folgt und nach dem dritten Schlag kein Bildwechsel kommt, sondern noch ein Schlag und noch einer, wenn ganz beiläufig ein Mensch erschossen wird oder man Beginn und Ende einer Folterung anschauen muss wurde mit wenigen Szenen über das Wirken von Militär und Guardia Civile im Franco-Regime erzählt.
Die Einstellung der offiziellen Kirche werden mit den wenigen Sätzen des Pfarrers beim Festmal zum Ausdruck gebracht, als über die Verknappung der Lebensmittel für die Bevölkerung gesprochen wurde. Sinngemäß: Sie sind getauft, sie können sterben.

Ich will den Film jetzt nicht nacherzählen, wohl aber betonen, dass seine Verknüpfung von Fantasie und Realität erstaunlich und folgerichtig ist. Immer wieder finden Doppelungen statt, ob nun ein Schlüssel oder eine gedeckte Tafel die Verbindungen der Welten dokumentieren, die mir sagen, der Macher des Filmes hat erkannt, dass viele Märchenmotive aus der Verfremdung realen Ereignissen entstanden.
Toll gemacht fand ich in diesem Zusammenhang auch den Übergang vom Geräusch der feenhaften Stabheuschrecke zur tickenden Taschenuhr des Hauptmanns.
Ein Film wie ein Requiem, großartig!

Die Blumenhüter in Winterthur – da muss ich hin


Diese eigenartige Überschrift ist gleich eine Abmeldung für die nächsten Tage, denn ich fahre morgen in die Schweiz. Grund meiner Fahrt ist eine Lesung von Bernadette Reichmuth, sie stellt ihren zweiteiligen Fantasy-Roman  „Die Blumenhüter“ dem Publikum vor.

Ich mag die Schweiz, ich mag die Geschichten von Bernadette Reichmuth, aber eigentlich mag ich Fantasy nicht so wirklich. Ist wohl das Problem vieler, die der guten, alten Märchenkultur verschrieben sind, man mag keine Umdeutungen von für richtig erkannte Funktionen der mythischen Gestalten und neue, so meint man, braucht die Welt nicht.

Anders sah das Bernadette Reichmuth, die auch schon schöne „konservative Märchen“ schrieb und mit den Blumenhütern zwar eine eigene Welt schuf, in der es aber gesellschaftliche, menschliche  und zwischenmenschliche Probleme gibt, die wir alle kennen und vor deren Lösung wir alle stehen. So gesehen hat dieser Roman auch eine psychologisch-philosophische Kategorie.

Es gibt ihn als zweiteiliges E-Buch und als zweiteiliges Taschenbuch zu kaufen.

Die Kurzbeschreibung auf amazon lautet:

Sie lebten zu einer anderen Zeit in einer anderen Welt. Ihr Leben widmeten sie dem Dienst für Mathari, der Mutter und Hüterin allen Lebens. Seit Anbeginn der Zeit war ihnen die Erhaltung der Fruchtbarkeit der Erde anvertraut – ein Geheimnis, das nur sie kannten. Geborgen in der Gemeinschaft und deren Regeln lebten sie, ohne Fragen zu stellen, ohne Zweifel. In Peona herrschte Frieden und Wohlstand. Hier konnten die Blumenhüter ihre Aufgabe ohne Furcht und in Sicherheit ausüben.Bis eine Katstrophe alles, was bis anhin so sicher schien, erschütterte.Nun mussten sie neue Wege suchen. Ihre einzige Hoffnung waren drei Männer, von denen der eine erst auf der Schwelle zwischen Kindheit und Erwachsensein stand. Im Nachbarland Lopunien, das von der Katastrophe verschont geblieben war, hofften sie Rettung zu finden für die Erde ihrer zerstörten Heimat.Doch hier herrschten Gewalt und Unterdrückung. Vor allem die Blumenhüter litten unter der Schreckensherrschaft.Nach Monaten bangen Hoffens kehrte schliesslich einer der drei Abgesandten zurück: Torian, der jüngste von ihnen.Und mit ihm Janis, die Liebe seines Lebens. Doch sie ist keine Blumenhüterin