Der Eseltausch


Märchen und Sagen haben mehr Substanz,als man auf dem ersten Blick meint.Im Jahr 2009 war das Motto der Berliner Märchentage „Sagen und Märchen aus der Schweiz“.
Wir, Claudia Sperlich und Bettina Buske, haben recherchiert und die Chronik „Die Juden auf der Baarburg“ aus „Die Zuger Sagen und Legenden“, herausgegeben 1955 von Hans Koch, mit historischen Ereignissen korrigiert und mit verschiedenen Schweizer Märchen aufgefüllt.
Die eigentliche Chronik , in der die Gründe der Auswanderung der Schweizer Juden schon schamhaft mit: Später aber seien die Erdmännchen ins Land gekommen und die sich stets vermehrende Bevölkerung hätte seine Ahnen aus den Behausungen getrieben beschönigt wurden, findet man hier
Ich fand es zu schade für nur eine Veranstaltung, nein zwei, hatte das in der Schweiz ja auch gelesen, habe jetzt ein E-Buch daraus gemacht, heute gibt es das kostenlos und dann in 14 Tagen wieder

in der Schlosskapelle las die Sperlich den Sperlich


Eine Veranstaltung der Pücklergesellschaft und ich freue mich hingegangen zu sein.
Claudia Sperlich las Gedichte und Essays ihres Vaters Martin Sperlich, welche sie  im Sperlich-Verlag unter dem Titel: Im Verse wird das Schwere leicht herausgab.

Martin Sperlich hatte als Kunsthistoriker und Schlösserdirektor in Berlin bleibende Spuren hinterlassen, auch seine Lyrik ist vielfältig, besonders und prägend.

Schön, dass diese Lesung in der Schlosskapelle stattfand, an dem Ort, wo Martin Sperlich seine legendär gewordenen Vorträge hielt.
Der Raum hat neben dekorativen barockem Geschnörkel eine gute Akustik, für mein Empfinden ein Ambiente, das die Vortragsweise der Rezitatorin Claudia Sperlich noch unterstreicht, ihr entspricht, da sie jedem Vokal und jedem Konsonanten Aufmerksamkeit gibt, eine Wertschätzung, die man heute nur noch selten erleben kann.

Gedicht der Woche 35/2010


ist gleichzeitig ein Hinweis auf das erste Buch vom Sperlich-Verlag. Es zeigt zwar nur eine kleine dichterische Fassette des namhaften Kunstkistorikers Martin Sperlich,  dessen Wirken Berlin u.a. das Schloss und Park Charlottenburg und die Pfaueninsel in der bekannten Gestaltung verdankt, aber bei meinen sonstigen Blogthemen funkelt diese Fassette an hellsten – wie ich finde.

Wer an dem Wirken des intelligenten, gebildeten, hochtalentierten Mannes interessiert ist, wer Gedichte mag und wer Berlin liebt und ein Stück mehr verstehen will, für den ist dem Buch:

Martin Sperlich
Im Verse wird das Schwere leicht
Gedichte
Sperlich-Verlag Berlin
ISBN 978-3-939274-00-1

Auszug mit freundlicher Genehmigung des Sperlich-Verlages:

Sperlich hatte eine Hortklasse durch das Schloß Charlottenburg geführt und bekam zum Dank einen ganzen Stapel von Nashornbildern. Er dankte wiederum:

Von allen Geschöpfen
mit Beinen und Köpfen
im Zoo und der Wildnis
lieb ich nur das Bildnis
des Tiers mit dem Horn
am Kopfe ganz vorn.

Ich habe schon Mengen
an Wänden zu hängen
vom Boden zur Decke
und auch in der Ecke
sie sind mir nie über
je länger je lieber.

Die schönsten der Sorte
die kamen vom Horte
man sieht wie sie leben
und schwimmen und schweben
beim Lauf auf dem Eise
im Bus auf der Reise.

Die nie noch geschauten
Nashornastronauten
mit Schirm bei der Husche
und unter der Dusche
beim Spiel und beim Sporte
sogar auf dem Orte.

Die alten und jungen
gestreckt und gedrungen
mit Palmen und Wüsten
mit Bergen und Küsten
im Sessel zu Hause
im Schiff mit der Brause.

Ihr habt mir geschildert
und kunstvoll bebildert
die Nashörnerscharen
die will ich bewahren
und immer sie gern sehn
viel lieber als Fernsehn.

Gedicht der Woche 04/2010


Seichte Dichter

Ließen jene doch das Schreiben!
Aber wortlos will nicht bleiben
was aus ihren Federn fließt.
Worte tropfen – mir zum Grause –
aus Autorenhirnes Pause,
daß dies Wortnichts jeder liest.

Unentwegt füllt sich die Brache
meiner siechen Muttersprache
ohne allzu viel Verstand.
Taumelnd fällt aus fremden Hirnen
hinter hohlen Denkerstirnen
Wort um Wort in nassen Sand.

Phrasen dreschen, Worte speien
wird euch hohen Ruhm verleihen,
freut des Lesers Schafsnatur.
Kritisiert man solche Nieten,
will Paroli ihnen bieten,
so kassiert man Schelte nur.

Nein, ich will nicht fürder tragen
freien Lektors Höllenplagen,
helfe keinen Laien mehr.
Jener Worte Honigsüße
zieht die Zähne, hemmt die Füße –
dazu geb ich mich nicht her.

© Claudia Sperlich