19. Türchen


Der kleine Nimmersatt
Heinrich Seidel (1842-1906)

„Ich wünsche mir ein Schaukelpferd,
’ne Festung und Soldaten
und eine Rüstung und ein Schwert,
wie sie die Ritter hatten.

Drei Märchenbücher wünsch ich mir
und Farben auch zum Malen
und Bilderbogen und Papier
und Gold- und Silberschalen.

Ein Domino, ein Lottospiel,
ein Kasperltheater;
auch einen neuen Pinselstiel
vergiß nicht, lieber Vater!

Ein Zelt und sechs Kanonen dann
und einen neuen Wagen
und ein Geschirr mit Schellen dran,
beim Pferdespiel zu tragen.

Ein Perspektiv, ein Zootrop,
’ne magische Laterne,
ein Brennglas, ein Kaleidoskop –
dies alles hätt‘ ich gerne.

Mir fehlt – ihr wißt es sicherlich –
gar sehr ein neuer Schlitten,
und auch um Schlittschuh möchte ich
noch ganz besonders bitten,

um weiße Tiere auch von Holz
und farbige von Pappe,
um einen Helm mit Federn stolz
und eine Flechtemappe;

auch einen großen Tannenbaum,
dran hundert Lichter glänzen,
mit Marzipan und Zuckerschaum
und Schokoladenkränzen.

Doch dünkt dies alles euch zuviel
und wollt ihr daraus wählen,
so könnte wohl der Pinselstiel
und auch die Mappe fehlen.“

Als Hänschen so gesprochen hat,
sieht man die Eltern lachen:
„Was willst du, kleiner Nimmersatt,
mit all den vielen Sachen?“

„Wer soviel wünscht“ – der Vater spricht’s –
„bekommt auch nicht ein Achtel. –
Der kriegt ein ganz klein wenig Nichts
in einer Dreierschachtel.“

18. Türchen


in der Weihnachtszeit gibt es viele Gelegenheiten zu spielen, nicht nur für Katzen. Patricia Koelle hat in ihrer Erzählung Ein geheimnisvolles Geschenk

über den größten Wunsch eines Jungen erzählt, der sich mit Hilfe eines Trollohr erfüllte.

Lesen kann man die Erzählung hier

17. Türchen


Ein winterliches Gedicht
Alexander Puschkin (1799-1837)

Erst gesten war es, denkst du daran?
Es ging der Tag zur Neige.
Ein böser Schneesturm da begann
und brach die dürren Zweige.
Der Sturmwind blies die Sterne weg,
die Lichter, die wir lieben.
Vom Monde gar war nur ein Fleck,
ein gelber Schein geblieben.
Und jetzt? So schau doch nur hinaus:
Die Welt ertrinkt in Wonne.
Ein weißer Teppich liegt jetzt aus.
Es strahlt und lacht die Sonne.
Wohin du siehst: Ganz puderweiß
geschmückt sind alle Felder.
der Bach rauscht lustig unterm Eis.
Nur finster stehn die Wälder.

16.Türchen


Illustration: Katja Spannuth

Weihnachten, Zeit der Besinnung. Da steigen neben den Weihnachtsliedern und – gedichten unserer Kindheit auch wieder alte Märchen und alte Mythen in unser Bewußtsein und manchmal verschmelzen sie mit dem Hier und Jetzt und werden Neues, wie diese Märchenerzählung von Antonia Stahn hier