Vanitas


Vanitas  (lat. „leerer Schein, Nichtigkeit, Eitelkeit“; auch „Lüge, Prahlerei, Misserfolg oder Vergeblichkeit“) ist ein Wort für die jüdischchristliche Vorstellung von der Vergänglichkeit alles Irdischen, die im Buch Kohelet im Alten Testament ausgesprochen wird (Koh. 1, 2): „Es ist alles eitel“. Diese Übersetzung Martin Luthers verwendet „eitel“ im ursprünglichen Sinne von „nichtig“.

Vanitas-Motive zeigen, dass der Mensch keine Gewalt über das Leben hat. Im Zeitalter des Barocks waren Vanitas-Motive ein besonderes  Thema in der Kunst, sie symbolisieren neben dem Vergänglichen auch den  Zwiespalt zwischen menschlicher Demut und menschlichem Selbstbewusstsein und haben uns nicht nur etliche Kunstwerke mit Totenköpfen und Kerzen beschert, sondern auch wunderschöne Stillleben wie  Blumen und Früchte von Balthasar van der Ast

Ich besuche gern Friedhöfe, sie sind für mich ein Ort der Stille, die Friedhöfe in der Friedenstraße sind in meiner Nähe und daher die von mir am meistbesuchtesten. Es sind  die Friedhöfe von drei evangelischenKirchengemeinden. Georgen-Parochial-Friedhof V, St. Petri-Luisenstadt-Kirchhof und Georgen-Parochial-Friedhof II. Die Begräbnisstätten wurden im 19. Jahrhundert angelegt und zahlreiche verdiente Bürger der Stadt fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Die gesamte parkähnliche Anlage bildet ein Gartendenkmal, die beiden Friedhofskapellen und einige Grabanlagen sind gelistete Kulturdenkmale. Doch trotz dieser Wertschätzung macht die Stätte in manchen Ecken einen deprimierenden Eindruck, im 2. Weltkrieg zerstörte Familiengräber, und von Brennnessel überwachsende Gräber, deren Liegezeiten anscheinend abgelaufen sind erzeugen einen morbiden und trostlosen Eindruck.

Und in eben einer solchen Ecke fand ich dieses rekonstruierte Familiengrab, die leuchtenden Pfingstrosen machten mich darauf aufmerksam, und diese im Schwinden begriffene Beerdigungskultur des stillgelegten Grabes  schien mir plötzlich ein schönes Vanitas-Motiv zu sein

Vanitas

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3 Kommentare zu „Vanitas

      1. Und ich hatte zuvor gar nicht gewusst, dass Pfingsrosenpflanzen zu so stattlichen baumartigen Büschen verholzen können – extra auf wikipedia nachgesehen

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