Woher kommt schummeln?


Gestern hatte ich mich gefragt, woher das Wort schummeln kommt und was es wohl ursprünglich für eine Bedeutung trug. Heute wird es ja für kleine Unehrlichkeiten benutzt,die jemand anwendet, um sich einen kleinen Vorteil zu verschaffen, Regeln bricht, was man demjenigen aber nicht wirklich krumm nimmt.
Immer, wenn mich Fragen nach der Wortherkunft umtreiben, setze ich mich an den PC und schlage die online-Version „Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm“ 16 Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig 1854-1961. auf.
Quellenverzeichnis Leipzig 1971. Online-Version vom 05.02.2014.
Gefunden habe ich:
schummeln, verb. , in volksthümlicher rede und in mundarten weit verbreitet, in verschiedener bedeutung, denen die vorstellung einer unordentlichen,schlotterigen oder hastigen bewegung (transitiv und reflexiv) zu grunde zu liegen scheint. es findet sich in allen deutschen mundarten,
auch holl. als schommelen; die litteraturbelege reichen nicht über das 16. jahrh. zurück.
eine sichere etymologie ist noch nicht gefunden,vgl. Weigand 2, 650. Franck 855.

1) intransitiv, hin und her laufen Schm. 2, 420;
geschäftig hin und her laufen Kehrein 1, 369;
stöbern, suchen, wirtschaftenten DoornkaatKoolman 3, 159a;
überhaupt laufen, gehen Weinhold 88a;
nd. bes. unordentlich, nachlässig,schlotterig einhergehen, beim gehen den körper
viel und unnötig bewegen. Adelung. Richey 372.Strodtmann 208. brem. wb. 4, 712. Schütze 4,81. Dähnert 418a:

gut geschlafen, Sofie! ja
schummele mit dem gepäck
nur
ohne zu grüszen vorbei!
Voss 2, 99 (idyll. 6, 1).
vgl.umschummeln taumeln, umstürzen:
nach dem das maul hat hoch
erhaben
sein fusz, und schlug da mit
begirn
den wolff frey mitten an sein
stirn,
das er umbschümmelt wie ein
topff.
H. Sachs 2, 4, 34d.

2) ähnlich in der ältern sprache sich schummeln,ostfries.,
sich fertig machen, sich tummeln, tüchtig rühren, beeilen, beeifern, wehren ten Doornkaat
Koolman 3, 159a, doch mehr in dem sinne ’sich davon schleichen, sich heimlich aus dem
staube machen, sich wegstehlen‘ (vgl. unten 3 u.4): ich schumelte mich damit, wuste aber nicht
wohin. Simpl. 1, 109, 1 Kurz (1, cap. 33); ich aber schumelt mich die stiege hinunter, und weil alles zulieffe, zu sehen, wie es umb die jungfer stunde, fande ich den saal von jederman gantz läer. 4, 350, 30 (vogeln. 1, 10).

3) auch transitiv, einen antreiben, wegjagen, jagen, plagen, auch in zusammensetzung fort-,
weg-, hinausschummeln. Schm. 2, 420. Höfer 3,117. Schröer 205a;
tirolisch, hin und her stoszen Schöpf 651. Hintner 215;
hin und her schieben Frommann 5, 460 (in Iglau).

4) etwas heimlich fortschaffen, entwenden, ungesehen bei seite bringen, fortpraktizieren Castelli 252:
verloren — ja versteckt! weggeschummelt!in meine tasche praktizirt! Gotter 3, 354.

5) ‚durch geschwindigkeit oder list betrügen‘ Adelung,
schweiz. schummele Seiler 265a.Albr. 207b. Frischbier 2, 322. nd. Danneil 189a.Mi 78a. ten Doornkaat Koolman 3, 159a; meist steht daneben das gewöhnlichere beschummeln (theil 1, 1598). Hintner 215. Weinhold 88a.brem. wb. 4, 712 kennen nur das letztere in dieser bedeutung. — ohne object, schwindeln Hertel sprachsch. 222,
betrügerisch spielen Spiesz 227. die verwendung geht aus von der gewandtheit des taschenspielers (bez. falschspielers), durch rasche griffe und bewegungen die leute hinters licht zu führen.

6) eine andre wendung der grundbedeutung ist die eines eiligen, ruscheligen thuns Weigand 2,
650. so besonders von küchenarbeit: schummeln, verb. raro .. schiumare la pignata, it. far fuoco, portar‘ acqua e legna in cucina, lavar‘ i piatti; scopare, fregare etc. far‘ il guattaro ò la guattera. in der küche schummeln, herumschummeln [Bd. 15, Sp. 1998] Kramer dict. 2, 682a; ebenso nl. schommelen, culinaria opera facere, agere mediastinum, despumare carnes, pisces, et lavare scutellas, expurgare supellectilem culinariam. Kilian vgl.schummelkoch, schummelmädchen. — so im heutigen nd. verbreitet für scheuern, reinigen, fegen Adelung. Richey 423. brem. wb. 4, 712
(dithmars.); vom reinigen des zinn-, messing und kupfergeräts mit wasser, sand und stroh
Schütze 4, 81; das haus oder den körper reinigen Stürenburg 238b. ten Doornkaat Koolman 3,
158b. vgl. auch sik schummeln oder schubbeln, sich scheuern, schütteln, reiben Woeste 234a.
7) kinder auf den armen wiegen, schaukeln (vgl. oben 3) Schm. 2, 420. Weinhold 88a:
wurde mit blumen geputzt, im arme geschummelt. Geisheim ged. 1, 301, s.Frommann 4, 184.
im holl. ist ’schaukeln‘ die gewöhnliche bedeutung.

8) kurzes gras mit der sichel abschneiden Campe,
so thür. Jecht 100b.

– und somit hat mich das Nachschlagen diesmal zwar weitergebildet, mir aber leider nicht die so gewünschte eindeutige Herkunft vermittelt ,4 und 5 hat bei mir den Zusammenhang des Wortes zu Bewegungen vertieft und 7 zusätzlich auch noch eine Assoziation zu „verschaukeln“ ermöglicht.

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