Medienhäme


Tagesspiegel, Spiegel, MOZ, Wirtschaftswoche, Bild und andere Medien lassen es sich nicht nehmen, sich über die mangelnde Rechtschreibung eines ihnen zugespielten Briefes zu amüsieren. Die Angaben über die darin enthaltenen Fehler sind unterschiedlich, ich las sowohl von sechs, als auch von acht Fehlern in sechs Sätzen.
Vermutlich unterscheidet sich das, ob man die fehlenden Kommas bei: „Wir als diejenigen die in diesem Land Verantwortung tragen“ mitzählt oder nicht.

Und ja, es ärgert mich, dass so wichtige Personen wie Frau Dreyer Mitarbeiter haben, die solch eine Arbeit abliefern, muss ich zugeben. Der Ministerpräsidentin, die bekanntermaßen an multipler Sklerose erkrankt ist und ihre Energie auf das Wesentliche ihrer Arbeit lenken wird, wollte ich da keinen persönlichen Vorwurf machen, kenne ich zumindest auch, dass man liest, was dort stehen soll und nicht was dort steht – wenn man ein Schreiben überfliegt und sich auf den Schreiber verlässt. Allerdings hatten meine Leute selten Fehler gemacht, da hatte ich in dieser Hinsicht wohl ein besseres Händchen bei der Mitarbeiterauswahl gehabt.  Die meisten Fehler im Text hätte übrigens schon die Rechtschreibprüfung von word angestrichen. Doch so, wie dieses peinliche Schreiben aussieht, würde ich denken, es hätte ohnehin noch einmal neu geschrieben werden sollen. Zu hässlich dieser handschriftliche Nachtrag der üblichen Begrüßungsfloskel von sich persönlich kennenden Fachleuten um es so der Kanzlerin der Bundesrepublik zu schicken, selbst wenn man sich mit ihr auf Augenhöhe empfindet, und auch die Gestaltung der Schlussfloskel ist zu stümperhaft um so rauszugehen.

Alles in allem ein Lehrstück, dass Rechtschreibung so wichtig ist , dass sie sich gegen den Schreiber richten kann, wenn nicht genug Augenmerk darauf gelegt wurde.

Dreyer-Bild

Ob die löbliche Absicht, die hinter diesem Brief steckt nun sinnvoll und eine Erläuterung Wert ist oder nicht, das ist die eigentliche Frage.
Denn mal ehrlich, was sollte eine deutsche Regierung tun, um der amerikanischen das Interesse an unserer elektronischen Kommunikation zu nehmen? Gegen Amerika ein Embargo aussprechen, den Krieg erklären oder nur einen gezielten Drohneneinsatz auf den Chef der NSA starten?
Oder erwartet man, dass bei einer deutsch- amerikanischen Aussprache von Obama gesagt wird:
Ok,Madam Merkel, hast recht, kommt nicht wieder vor – und dann kommt es nicht mehr vor?
Dort hat man sich nun mal entschieden, alle sozialen Kontakte aller Menschen  festzuhalten, wohl um für den Fall, dass einer davon Amerika unliebsam wird,  alle  seine Verbindungen zu kennen. Und ob das den Staatschefs dieser Bürger nun passt oder nicht war bei dieser Entscheidung ziemlich schnuppe. Hier sind wohl andere Maßnahmen nötig als sofortige Reaktionen.

Leider zeigt sich mit diesem Skandal, dass Verschwörungstheorien doch mehr Substanz haben als man wahrnehmen möchte.

Thema Überwachungsstaat – das ist ein guter Grund, einmal (wieder) den Roman „1984“  von Georg Orwell zu lesen.

Und da das Lesen auch bei der Beherrschung der Rechtschreibung hilft, alle Rechtschreibschwachen sollten darauf achten, eine nach 1996 erschienene Ausgabe in neuer Rechtschreibung zu erstehen. Für alle lesefaulen Interessierten:  man kann sich natürlich auch eine der Verfilmungen ansehen.

 

y outube hat sogar eine Hörspielfassung zu bieten:

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Ein Kommentar zu „Medienhäme

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