Die letzte öffentliche Hinrichtung in Berlin war am 21.06.1839


Am 7. Juni 1836 ermordete der Fleischergeselle Gurlt den Bäckergeselle Julius Schorske, beide Handwerker waren gemeinsam auf der Wanderschaft von Stettin nach Berlin. Neidisch auf  die 20 Taler und die Kleidung seines Begleiters erschlug Gurtl den im Straßengraben schlafenden Schorske nachts mit Steinen und floh mit dessen Besitz.
Bei der Suche nach dem Täter wurden bei Gurlt die gestohlenen Sachen und das Wanderbuch  des erschlagenen Schorske gefunden.
Das Verbrechen wurde vor dem Berliner Kammergericht verhandelt und laut Urteil sollte der jungen Mann gerädert und vor seinem Tod noch gefoltert werden.  Weil er seine Tat aber gestand, wurde er von Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. „zur Todesstrafe durch das Beil begnadigt“.

Hinrichtungen waren damals öffentlich und hatten für die sensationslüsternde Bevölkerung Volksfestcharakter. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass, als morgens 5 Uhr, Gurlt im Transportwagen durch die Friedrichstraße zum Gartenplatz (Wedding, heute steht da die St.-Sebastian-Kirche) gefahren wurde, sich schon  eine große Volksmasse am Hochgericht versammelt hatte. Der Andrang war so groß, dass ein Gerüst zusammenbrach und  es  Verletzte und Tumulte gab.
Der Scharfrichter Johann Friedrich Wiggert vollstreckte das Urteil mit einem Hieb. Einige Zuschauer klatschten oder riefen „Bravo“, doch die meisten Zuschauer waren erschüttert. Es ist eben doch ein Unterschied, empört über so eine schlechte Tat wie einem Mord  zu sein oder der Vollstreckung eines Todesurteils zuzusehen, denn in beiden Fällen dauert einem Menschen mit gesunder Psyche das junge Leben, das genommen wurde.  Nach dieser letzten öffentlichen Hinrichtung wurde die Berliner Richtstätte hinter Mauern nach Spandau verlegt und 1843 eingeweiht.

Diese Information, die ich mal in der Berliner Zeitung las, brachte mir sofort das Märchen: „Die beiden Wanderer“ aus den Kinder – und Hausmärchen ins Gedächtnis, auch wenn weder Wilhelm noch Jacob Grimm auf diesen Fall Bezug nahmen, sondern in den Grimms Anmerkung notiert wurde: Nach einer Erzählung aus dem Holsteinischen (vom Studenten Mein aus Kiel). 1843, wurde Die beiden Wanderer (ATU 613) gegen Die Krähen  in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm ab der 5. Auflage von 1843 an der Stelle 107 (KHM 107) eingetauscht.  Johannes Bolte und Jiří Polívka Anmerkungen  zu KHM 107 findet man hier 

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