ausgelesen: Der Märchenerzähler


Ich habe dieses Buch des Titels wegen auf meinen Kindle geladen. Ich bin Märchenerzählerin und durch diese Verknüpfung wecken Titel wie – Der Vorleser – oder – Der Märchenerzähler – mein ganz persönliches Interesse.
Und wow, was habe ich hier für ein Buch gefunden, was für eine begabte Autorin kennengelernt!

Wir erleben als Leser, wie die Abiturientin Anna beginnt, sich für den Mitschüler Abel zu interessieren. Abel, der erst später auf die Schule wechselte und nie wirklich dazu gehörte. Dieser Junge hat, verursacht durch eine kleine Stoffpuppe, plötzlich etwas in ihr zum Klingen gebracht. Verlief ihr Leben bisher behütet geradlinig wie nach einem weit in die Zukunft reichenden Plan, wurde ihr durch Abel und seine Bemühungen für seine kleine Schwester Micha nach und nach bewusst,dass es auch Parallelwelten gibt, in denen man als Kind unbehütet und ohne Führung aufwachsen muss. Abels Mutter ist irgendwie abhanden gekommen und Abel versucht alles ihm mögliche, wenigstens seine kleine Schwester Micha behütet und geführt aufwachsen zu lassen.
Doch wie viele Möglichkeiten hat ein 17jähriger? Welche Möglichkeiten sieht er, wenn er als Kind erleben musste, dass die Mutter nicht schützten wollte, als es darauf ankam?
Welche Hoffung hat er, wenn er in einer Umgebung lebt,in der niemand hilft, solange es demjenigen nicht selbst von Nutzen ist; wo Abstumpfung und Verwahrlosung um sich greift und behördliche Hilfe auch ein Tausch zwischen den Übeln sein kann?

Vor dieser Verwahrlosung und Abstumpfung will Abel seine Schwester schützen – durch ein Märchen, das manchmal Realität wird. Menschen werden tot aufgefunden, die unmittelbar oder mittelbar mit Abel oder mit seiner Schwester zu tun haben.
Die Geschichte ist so erzählt, dass man als Leser lange Zeit nicht wirklich weiß, wer nun der Täter ist, Abel, oder doch ein anderer, der ihm schaden will ? Hatte Abels Märchen dann nur zufällig den Verlauf, den es hatte, weil die einfache Märchenlogik so eben ist?
Ich hatte beim Lesen ein bisschen darauf gehofft – gegen alle Vernunft und bin mit der Lösung aller anstehenden Fragen am Ende auch zufrieden.

Es gibt den Roman als Hörbuch, als E- Buch und als P-Buch gebunden oder broschiert zu kaufen und er hat ein breiteres Leserecho erzeugt. Dieser Roman beinhaltet so komplexe Themen, dass ich meine, die meisten Jugendlichen werden durch ihn überfordert sein, auch wenn es um Jugendliche darin geht. Denn sie wissen nichts von Langzeitfolgen der Missbraucherfahrung, dass für den Betroffenen Sexualität eine schreckliche, unkontrollierbare Macht ist, die mit Scham, Ekel, Schmerz und Erniedrigung verbunden ist. Und so kann die Schilderung im Buch schnell missverstanden werden und mit Bildern – mehr noch Tönen – verwechselt werden, wie sie von bestimmten Musikern verbreitet werden, die ihr erbärmliches Dasein durch „auf diese Weise Töne spucken“ erhöhen möchten.

– Der Märchenerzähler – ist nach meinem Empfinden für Erwachsene geschrieben, ich habe ihn wegen der schönen Gestaltung gern gelesen, doch meine ich, dass er Lebenserfahrung als Vorkenntnis benötigt um ihn mit all seinen Fassetten zu erfassen.

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