Chick-Lit und icke


Seit einiger Zeit nutze ich das Prime-Angebot von Amazon – und darf mir nun auch einmal im Monat ein Buch ausleihen, das man sonst kaufen müsste, wollte man es lesen. Allerdings ist das Angebot relativ begrenzt, fast alle Buchtitel, die ich  im Hinterhaupt mit der Anmerkung: würde ich mal lesen wollen zu hängen habe, lassen sich nicht ausleihen. Wählt man also unter denen, die man gar nicht lesen wollte – wenn man gerade Lust auf ein geliehenes Buch hat. Ich hatte, ich meine, wenn das im Prime-Preis mit drin ist, warum nicht auch nutzen und entschied mich nach längerem Suchen für ein Buch, dessen Einband und Titel mir sagte: Ist Gute-Nacht-Lektüre.

kauft man es, kostet es 2,99 € und es ist zwar besser geschrieben, als die Bastai-Liebesromane, die meine Großmutter immer las, aber ansonsten ähnelt es denen.
Hübsche Singlefrau über Dreißig findet endlich den passenden Partner, reichlich Verwicklungen drum herum, Missverständnisse und Schwindelleien, die sich dann doch in Wohlgefallen auflösen. Orte der Handlung sind in Hamburg, in der Redaktion eines Frauenjournals und in einem Brautsalon. Alles nicht gerade Lokalitäten, wo man geistigen Tiefgang erwartet – und somit nicht enttäuscht wird. In einer Rezension stolperte ich über die Bezeichnung Chick-Lit für diese Schreibe, und suchte gleich mal auf wikipedia, ob sich das so definiert, wie ich denke:

Unter Chick-Lit (wörtlich etwa „Tussi-Literatur“, sinngemäß „anspruchslose Frauenliteratur“) versteht man belletristische Literatur, die sich an junge Frauen und Mädchen wendet. Die Bezeichnung stammt aus dem Amerikanischen und setzt sich aus den beiden Wörtern chick und lit zusammen, wobei chick ein umgangssprachlicher und leicht abwertender Begriff für eine junge Frau und lit die Abkürzung für literature, also Literatur ist.
Begriffsgeschichte
Die Chick-Lit hat sich um das Jahr 2000 im englischen Sprachraum etabliert. Als Meilensteine dieser Literaturgattung gelten Schokolade zum Frühstück der Autorin Helen Fieldingund das Buch Sex and the city der Autorin Candace Bushnell, welche als Vorlage für die gleichnamige Fernsehserie diente. In den Romanen dieser Literaturgattung geht es meist um weibliche Hauptpersonen und ihren Freundeskreis im Milieu der konsumorientierten Mittel- und Oberschicht. Das Genre umfasst Komödien, Dramen, Mysteries und Vampirromane.
 

Dieses Genre ist wie ein Himbeerbonbon, rosa, klebrig und ernährungsphysiologisch wertlos; doch wegen seiner Leichtigkeit und Süße trotzdem gern konsumiert.
Jane Austen hatte in ihren Romanen dieses Bedürfnis ebenso bedient, doch durch die sprachlich virtuos geschilderten Verhältnisse und Beschreibung der Charaktere hat sie Literatur von bleibenden Wert geschaffen. Aber wer kann sich schon mit Jane Austen messen? Vielleicht Charlotte Brontë noch. Von den beiden kann niemand behaupten, sie hätten  „Tussi-Literatur“  geschrieben und doch ging es auch ihnen um ein glückliches Ende in Sachen Liebe nach vielen Irrungen und Wirrungen. Irrungen, Wirrungen – das erinnert mich wiederum an Fontane, der durchaus „Tussi-Literaturthemen“ bearbeitete,  doch so  realistisch, das es niemals als „Hühnergeschreibsel“ bezeichnet werden wird, aber ebenso leicht unterhält.

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2 Kommentare zu „Chick-Lit und icke

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