Lässt sich Kindsmord denn wirklich nicht verhindern (2)


Auch das Landgericht Rottlingen hatte im April 2013 über eine Kindsmörderin zu richten.

Eine 25- jährige Frau aus dem kleinen, beschaulichen Örtchen Aldingen, Kreis Tuittlingen, Mutter dreier Kinder, wurde angeklagt, weil nach wochenlanger Vernachlässigung ihre einjährige Tochter starb. Die Staatsanwaltschaft beantragte sechs Jahre Haft für die Mutter.

Die Frau soll  ihrer Tochter und ihren beiden anderen Kindern wochenlang nicht genug zu Essen gegeben und sich kaum um sie gekümmert haben, so die Aussage des Staatsanwalts in seinem Plädoyer vor dem Landgericht Rottweil. Pfingsten 2012 ist die Einjährige völlig entkräftet gestorben. Das sei Totschlag durch Unterlassen. Es müssen schlimme Zustände gewesen sein, in denen die drei Geschwister lebten. „Die Wohnung war vollkommen vermüllt und verwahrlost“, berichtete der Staatsanwalt.
Die Mutter habe die Nächte oft bei ihrem Freund verbracht. Ihren achtjährigen Sohn habe sie unter Androhung von Strafe gezwungen, seine beiden ein- und zweijährigen Geschwister zu versorgen. Windeln wechseln, Essen machen, den Haushalt führen – der Junge sei völlig überlastet gewesen. Zumal es außer trockenem Toastbrot wochenlang nichts zu Essen gegeben habe. Der Kühlschrank sei zwar voll – die meisten Lebensmittel darin aber längst verdorben gewesen, so der Staatsanwalt. Laut Obduktion habe das Kind drei bis vier Wochen lang viel zu wenig zu essen gehabt. Am Ende habe sie kaum noch Muskeln gehabt, ihre Rippen seien sichtbar hervorgetreten, die Augen waren eingefallen. Als der achtjährige Sohn die Mutter auf den Zustand des Mädchens aufmerksam machte, habe sie ihm verboten, über all das zu reden. „Ihr war bewusst, dass sie ihre Kinder vernachlässigt“, sagte der Staatsanwalt. In der Nacht, als die Kleine starb, war die Mutter bis in den frühen Morgen hinein tanzen. Er forderte sechs Jahre Haft für die Frau, die während des ganzen Plädoyers weinte. Bei dem Urteil wird es nicht nur um den Tod des Mädchens gehen. Der Achtjährige, der seine kleinen Geschwister versorgen sollte und den Tod seiner Schwester hautnah miterlebte, musste anschließend acht Monate lang in einer psychiatrischen Klinik behandelt werden. Auch das wird in das Urteil eingehen.
So zum Fall selbst, schlimm. Aber, wo waren hier die Nachbarn, Bekannten, Lehrer des Achtjährigen? Soll so etwas in einem kleinen Ort ganz unbemerkt geschehen, kann ein achtjähriges Kind so eine Belastung unbemerkt tragen? Fällt niemanden die Verwahrlosung auf, der die Kinder ausgesetzt waren? 

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Ein Kommentar zu „Lässt sich Kindsmord denn wirklich nicht verhindern (2)

  1. Das ist traurig und und absolut unverständlich. Wie Du sagst: Wo waren Nachbarn, Lehrer etc.?
    Vielleicht ist es wie bei manchen Veterinärämtern? Viel Aufgabe, viel Unkosten …

    Ein Kind bekommen scheint einfach, ein Knd versorgen scheint für einige Mütter unmöglich.
    Die Mutter war bis in den frühen Morgen hinein tanzen… nunja, das klingt wie aus den fünfziger Jahren …

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