168. Todestag von Iwan Andrejewitsch Krylow


Der 168. Todestag am 21.November  ist mir ein willkommener Anlass, hier Iwan Andrejewitsch Krylow  kurz vorzustellen.

Er wurde nach julianischem Kalender am 2.  Februar 1769 geboren und starb am 9.  November 1844.
(Nach unserer Kalenderrechnung, der gregorianischen,  geboren am 13. Februar, gestorben am 21. November.)
Krylow war ein bedeutender russischer Fabeldichter; einige seiner Verse sind in Russland zu Sprichwörtern geworden – seine Fabeln sind auch in der deutschen Übersetzung von Ferdinand Löwe lesenswert, der den Charakter des Originals für mein Empfinden gut transferiert hat.
Klickt man auf sein Bildnis, wird man zu amazon auf seine als kostenloser Klassiker angebotenen Fabeln weitergleitet. Die erste aus dieser Sammlung stelle ich hier ein:

1. Die Krähe und das Huhn

Als einst der Held, Fürst von Smolensk genannt,
sich gegen Frechheit waffnete mit List,
ein Netz bereitend jenen Neu-Vandalen,
und darum ihrem Heerverband
Moskau preisgab auf eine Frist,
wo ihrer harrten später schlimme Qualen:
da kam die alte Hauptstadt in Alarm,
und alles flüchtete aus ihren Mauern,
wie aus dem Korb ein Bienenschwarm.
Nur eine Krähe auf dem Dach
ließ sich das gar nicht dauern;
sie putzte sich gemütlich ihren Schnabel,
und sah dem Treiben zu gemach,
das wüst war wie dereinst in Babel.
Da rief ihr zu von einem Karr’n ein Huhn,
die Rede gehe,
daß der Franzose vor den Toren stehe.
»Was habe ich damit zu tun?«
versetzte das prophetische Tier.
»Ich bleibe hier,
ich bleibe dreist zu Hause.
Ihr andern handelt, wie ihr mögt,
ich komme mit den Gästen schon zurecht,
denn Krähen nimmt man nicht zum Schmause.
Wer weiß, was mir das Glück noch bringt,
ob mir zu haschen nicht gelingt
ein Stückchen Käse oder sonst ’ne Speise:
Fahr wohl denn, Schatz, Glück auf die Reise!«
Und wirklich blieb die Krähe auch zurück;
allein ihr ward nicht nur kein fetter Bissen,
es kam für sie ein böser Augenblick.
Als der Smolensker unsre Gäste
durch Hunger preßte,
ward in den Suppentopf auch sie geschmissen.
So geht’s dem Menschen, wenn er töricht plant.
Er dünket schon sich auf des Glückes Kuppe,
und plötzlich, eh‘ er’s ahnt,
fällt er, wie unsre Krähe, in die Suppe.

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