Das kleine helle Leuchten


Einst lebte einmal eine Frau, die meinte, dass sie sowenig Glück in ihrem Leben hätte, dass es besser wäre nicht darin zu bleiben und sie ging in den Wald und pflückte sich einen Strauss giftiger Blumen. Die aß sie und legte sich, den Tod erwartend, auf ihr Bett.
Sie lag da so eine Zeit und wartete, da kam ein kleines helles Leuchten in ihre Stube.
„Bist du mein Tod?“ fragte die Frau.
„Nein“ antwortete das weiße Leuchten, „den schwarzen Kerl habe ich draußen getroffen und davon geschickt.“
„Was fällt dir ein, ich erwarte ihn“ rief  da die Frau ärgerlich aus.
Das weiße Leuchten verwandelte sich in eine weiß leuchtende Frau, die ein ihr ähnliches, aber freundlicheres Antlitz hatte.
„Wer bist du?“ fragte die Frau auf dem Bett ganz erstaunt.
“Oh, ich habe viele Namen“ erhielt sie zur Antwort. „du nennst mich, glaube ich, Glück. Und du beklagst dich, dass ich dir nichts schenke, dabei hast du fast jede meiner Gaben geschmäht.“
„Wann hast du mir, seit ich erwachsen bin, etwas geschenkt, Glück?“
„Ich habe dir musische Talente gegeben, aber ich höre dich nicht singen und sehe dich nicht zeichnen.
Ich half dir, einen freundlichen jungen Mann kennen zu lernen und ihn zu heiraten, aber du sahst dann nur, dass andere Männer mehr Geld hatten als deiner.
Ich habe dir eine gesunde, freundliche Tochter geschenkt, aber du hast nur ihre Schulnoten gesehen, die schlechter waren als bei ihrer Freundin.
Ich habe dir die Möglichkeit gegeben, ohne große Mühen deinen Lebensunterhalt selbst zu bestreiten, aber du hast nur geklagt, dass du zur Arbeit musst.
Ich habe Dir jedes Jahr einen herrlichen Sommer für den Urlaub geschenkt, aber du hast nur gejammert, dass andere in fernen Ländern Urlaub machen können.
Ich habe dir ein einen Enkelsohn geschenkt, doch du riefst nur, es ist viel zu früh Oma zu werden, du willst ihn nicht.
Als ich gemerkt habe, dass dich meine kostbaren Gaben nicht glücklich machen, habe ich sie zurückgenommen und deiner Tochter, die dich nicht stolz macht und ihrem Sohn, den du nicht willst, in einer anderen Stadt ein Leben ermöglicht, habe dafür gesorgt, dass du nicht mehr morgens zur Arbeit musst, habe deinem Mann eine Arbeit verschafft, wo er weit fort in fernen Ländern ist und viel verdient und den du im Urlaub besuchen kannst und lasse die Sommer hier verregnen; aber das alles gefällt dir nun so wenig, dass du dich davonschleichen willst.
Den Tod fortzuschicken war das Letzte, was ich für dich getan habe, gestalte dein Leben nun selbst mit den Gaben die du von mir erhalten hattest oder tue dir weiter leid und lebe grau und fade.“
Da sagte die Frau: „Ich habe mich schon entschieden“ , stand auf, wusch sich, setzte sich an den Tisch und schrieb einen langen Brief an ihre Tochter und ihren kleinen Enkelsohn.

Als Nachbarn sie nach ein paar Monaten auf der Straße trafen rief sie ihnen im Vorübergehen zu: „Ach Hallo, geht’s gut? Ich habe keine Zeit, meine Tochter und mein Mann warten schon auf mich, mein kleiner Enkelsohn hat Geburtstag.“

Da nickten die Nachbarn und tuschelten miteinander darüber, wie sie sich verändert hätte, sie hätte plötzlich so ein feines helles Leuchten an sich.

©Bettina Buske

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