wie oder als oder besser gleich als wie


In meiner Kindheit habe ich den Fehler öfter zu hören bekommen: Die Prinzessin ist schöner wie die Königin, der Bauernjunge ist stärker wie der Prinz – oder irgend so einen anderen hinkenden Vergleich, in dem der Vergleichspartikel (heißt wirklich so) wie; welcher eigentlich immer Gleichheit anzuzeigen hat (Positiv), die Rolle des Ungleichheit anzeigenden (Komparativ) als übernimmt.
Ist irgend so eine Dialektsache, die sich mir noch nicht erschlossen hat,ja, die mir geradezu aus dem Bewusstsein verschwand, weil ich sie lange nicht mehr hörte. Doch jetzt hatte ich sie in einem E-Buch für Kinder lesen müssen, wo sie wirklich nicht hineingehört.
Ein Blick in das Grimmsche Wörterbuch sagte mir nun, dass das mit dem Unterschied auch eine vertrackte Sache zu sein scheint, denn wenn ich mir den damaligen Gebrauch von als ansehe, stelle ich fest, dass als durchaus statt des wies verwendet wurde.

I. Vergleichendes als.
1) neben dem verbum. goth. atiddja ahma svê ahaks. Luc. 3, 22; ahd. nidarsteic sama sô tûbâ, alsô tûbâ; mhd. steic nider alse tûbe; sleich als ein pfâwe; spranc als ein kindelîn; lac als ein tôter man; ir strâfet mich als einen kneht. nnl. hij spreekt als een engel; engl. he brightens as a star, speakes as a lier. nhd. früher noch als: bist doch als ein faul holz. Keisersb. hell. lewe 72a; das du zornig werdest als ein wütender hund. 72a; hab got lieb über alle ding und dein nechsten als dich selber (goth. frijôs nêhvundjan þeinana svê þuk silban), auch bei Luther Matth. 22, 39. Marc. 12, 33 du solt deinen nähesten lieben als dich selbst; Adam ist worden als unser einer. 1 Mos. 3, 22; wer das reich gottes nicht empfähet als ein kindlein. Marc. 10, 15; dasz auch Salomon nicht ist bekleidet gewesen als der eines. Luc. 12, 27; zubereitet als eine geschmückte braut ihrem manne. offenb. 21, 2; ermahne ihn als einen vater. 1 Tim. 5, 2; du tränkest sie mit wollust als mit einem strom. ps. 36, 9; laszt uns ehrbarlich wandeln als am tage. Röm. 13, 13;
helt sich als ein ehrlich man.
H. Sachs I, 446d;

mich als ein armen hund austrieb. daselbst;

was wöll wir als die narren stehn.
I, 476d;

sei dir morgen als heut.
I, 480b;

merk, tugent plüt hie in der not
als in dem hag die rösle rot.
Schwarzenberg 129, 1;

sie trunken als sie konten.
Fischart Garg. 90b;

er hängt seine fochtel an,
die er zu tragen weisz als wol kein edelmann.
Fleming 134;

lebt jemand, welchem nicht vor diesem zucker graue
des herschens der zuletzt als gall und essig schmeckt?
Lohenst. Ibrah. 110, 693;

er stank als ein höllischer pful. pers. rosenth. 1,

Somit gelingt es mir nicht, irgendwelche Brücken zu bauen, bleibt nur die Aufforderung zu verinnerlichen, dass Gleiches durch wie und Verschiedenes durch als ausgedrückt wird und dass es als wie niemals geben kann, denn entweder ist etwas gleich oder es ist ungleich.

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Ein Kommentar zu „wie oder als oder besser gleich als wie

  1. Als Kind hatte ich Probleme mit der Unterscheidung, aber Eselsbrücke gab meine Mutter: Anders als – Genau wie.
    Ich hoffe, es immer richtig zu sagen oder zu schreiben, aber es bringt seitdem auch leichte Magenkrämpfe mit sich, wenn man es „falsch“ zu hören oder zu lesen bekommt.
    Deutsche Sprache schwere Sprache, und dann noch diese lästigen Kommas … 😉

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