das 196. der Kinder-und Hausmärchen


 

 heißt: Oll Rinkrank und ist eigentlich in friesisch erzählt. Ich liebte diese schlichte Erzählweise des Märchens schon als Kind.Bei der Namensdeutung kam und komme ich aber allein nicht weiter und muss mich bei wikipedia bedienen:

Namensdeutung

Auf niederdeutsch heißt rink Ring, Kreis und rank lang und dünn, man bzw. mân kann neben Mann auch Mond heißen, rôt bedeutet Ruß, Talg oder rot, rote das Verrotten.Auf friesisch heißt ring schlecht, minderwertig, kränkelnd, kümmerlich und krak auch hinfällig, schwach, mageres Tier oder boshafter Mensch.
In meiner Gegend hieße der Oll Rinkrank vermutlich nur der Olle.
Aber die Bezeichnung für die gefallene Prinzessin, Frau Mansrot, bei der habe ich schon meine Schwierigkeiten. Ich vermute jetzt, sie ist eine, die man nicht sieht (speziell Männer nicht), neumondartig, Mondruß sozusagen.

Oll Rinkrank

Dar war mal ’n König wän, un de har ’n Dochter hat: un de har ’n glasen Barg maken laten, un har segt de dar över lopen kun, an to vallen, de schull sin Dochter to ’n Fro hebben. Do is dar ok en, de mag de Königsdochter so gärn liden, de vragt den König of he sin Dochter nich hebben schal? „Ja,“ segt de König, „wenn he dar över den Barg lopen kan, an dat he valt, den schal he är hebben.“ Do segt de Königsdochter den wil se dar mit hüm över lopen un wil hüm hollen, wen he war vallen schul. Do lopt se dar mit ’nanner över, un as se dar miden up sünt, do glit de Königsdochter ut un valt, un de Glasbarg de deit sick apen, un se schütt darin hendal: un de Brögam de kan nich sen war se herdör kamen is, den de Barg het sick glick wär to dan. Do jammert un went he so väl, un de König is ok so trorig un let den Barg dar wedder weg bräken un ment he wil är wedder ut krigen, man se könt de Stä ni finnen wär se hendal vallen is. Ünnertüsken is de Königsdochter ganz dep in de Grunt in ’n grote Höl kamen. Do kumt är dar ’n ollen Kärl mit ’n ganzen langen grauen Bart to möt, un de segt wen se sin Magd wäsen wil un all don wat he bevelt, den schal se läven bliven, anners wil he är ümbringen. Do deit se all wat he är segt. ’S Morgens den kricht he sin Ledder ut de Task un legt de an den Barg un sticht darmit to ’n Barg henut: un den lukt he de Ledder na sick ümhoch mit sick henup. Un den mut se sin Äten kaken und sin Bedd maken un all sin Arbeit don, un den, wen he wedder in Hus kumt, den bringt he alltit ’n Hüpen Golt un Sülver mit. As se al väl jaren bi em wäsen is un al ganz olt wurden is, do het he är Fro Mansrot, un se möt hümoll Rinkrank heten. Do is he ok ins enmal ut, do makt se hüm sin Bedd un waskt sin Schöttels, un do makt se de Dören un Vensters all dicht to, un do is dar so ’n Schuf wäsen, war ’t Lecht herin schint het, dat let se apen. As d’ oll Rinkrank do wedder kumt, do klopt he an sin Dör un röpt „Fro Mansrot, do mi d’ Dör apen.“ „Na,“ segt se, „ik do di, oll Rinkrank, d’ Dör nich apen.“ Do segt he

„hir sta ik arme Rinkrank
up min söventein Benen lank
up min en vergüllen Vot,
Fro Mansrot, wask mi d’ Schöttels.“

„’k heb din Schöttels al wusken“ segt se. Do segt he wedder

„hir sta ik arme Rinkrank
up min söventein Benen lank,
up min en vergüllen Vot,
Fro Mansrot, mak mi ’t Bedd.“

„’k heb din Bedd al makt“ segt se. Do segt he wedder

„hir sta ik arme Rinkrank
up min söventein Benen lank,
up min en vergüllen Vot,
Fro Mansrot, do mi d’ Dör apen.“

Do löpt he all runt üm sin Hus to un süt dat de lütke Luk dar apen is, do denkt he „du schast doch ins tosen wat se dar wol makt, warüm dat se mi d’ Dör wol nich apen don wil.“ Do wil he dar dör kiken un kan den Kop dar ni dör krigen van sin langen Bart. Do stekt he sin Bart dar erst dör de Luk, un as he de dar hendör het, do geit Fro Mansrot bi un schuft de Luk grad to mit ’n Bant, de se dar an bunnen het, un de Bart blift darin vast sitten. Do fangt he so jammerlik an to kriten, dat deit üm so sär: un do bidd’t he är se mag üm wedder los laten. Do segt se er nich as bet he är de Ledder deit, war he mit to ’n Barg herut sticht. Do mag he willen oder nich, he mot är seggen war de Ledder is. Do bint se ’n ganzen langen Bant dar an de Schuf, un do legt se de Ledder an un sticht to ’n Barg herut: un as se baven is, do lukt se de Schuf apen. Do geit se na är Vader hen un vertelt wo dat är all gan is. Do freut de König sick so un är Brögam is dar ok noch, un do gat se hen un gravt den Barg up un finnt den ollen Rinkrank mit all sin Golt ün Sülver darin. Do let de König den ollen Rinkrank dot maken, un all sin Sülver un Golt nimt he mit. Do kricht de Königsdochter den ollen Brögam noch ton Mann, un se lävt recht vergnögt un herrlich un in Freuden.

Oll Rinkrank

Es war einmal ein König, und der hatte eine Tochter; der hatte er einen gläsernem Berg machen lassen und hatte gesagt: Wer darüber laufen könne, ohne zu fallen, der sollte seine Tochter zur Frau haben.
Nun war da auch einer, der mochte die Königstochter von Herzen gern leiden. Der fragte den König, ob er seine Tochter nicht haben könnte?
„Ja“, sagte der König; „wenn er über den Berg laufen könnte, ohne zu fallen, dann könnte er sie haben.
Da sagte die Königstochter, sie wollte mit ihm hinüber laufen und ihn halten, wenn er fallen sollte. Da lief sie nun mit ihm hinüber; wie sie aber mitten drauf waren, glitt die Königstochter aus und fiel, und der Glasberg öffnete sich, und sie stürzte da hinein, und der Bräutigam konnte nicht sehen, wo sie geblieben war; denn der Berg hatte sich gleich wieder geschlossen. Da jammerte und weinte er so sehr; und der König war auch so sehr traurig und ließ den Berg wieder abbrechen und meinte, er könnte sie so wieder herausbekommen; aber man konnte die Stelle nicht finden, wo sie hinuntergefallen war.

Unterdessen war die Königstochter ganz tief auf den Grund in eine große Höhle gekommen. Da kam ihr so ein alter Kerl mit einem ganz langen grauen Bart entgegen; und der sagte, wenn sie seine Magd werden wollte und alles täte, was er ihr befehle, dann sollte sie am Leben bleiben; sonst würde er sie umbringen.

Da tat sie alles, was er ihr sagte. Am Morgen nahm er seine Leiter aus der Tasche, legte sie an den Berg und stieg damit aus dem Berg heraus; und dann zog er die Leiter zu sich herauf.

Und dann musste sie sein Essen kochen und sein Bett machen und alle Arbeit tun; und wenn er dann wieder nach Hause kam, brachte er immer einen Haufen Gold und Silber mit.

Als sie viel Jahre bei ihm gewesen und ganz alt geworden war, da nannte er sie „Frau Mansrot“, und sie musste ihn „Oll Rinkrank“ nennen.

Als er wieder einmal hinaus war, da machte sie ihm sein Bett und wusch seine Schüsseln. Und dann machte sie alle Türen und Fenster dicht zu, da war nur ein Schiebefenster, wo Licht hineinschien; das ließ sie offen.

Als der alte Rinkrank nun wiederkam, da klopfte er an die Tür und rief: „Frau Mansrot, mach mir die Türe auf!“

„Nein“, sagte sie, „ich tu‘ dir, oll Rinkrank, die Türe nicht auf.“

Da sagte er:

„Hier steh ich armer Rinkrank!
auf mein siebzehn Beinen lang
auf mein einem vergoldeten Fuß
Frau Mansrot,wasch meine Schüsseln!“

„Ich habe deine Schüsseln schon gewaschen!“ sagte sie.

Da sagte er wieder:

„Hier steh ich armer Rinkrank!
auf mein siebzehn Beinen lang
auf mein einem vergoldeten Fuß
Frau Mansrot,mach mir mein Bett!“

„Ich habe dein Bett schon gemacht“, sagte sie.

Da sagte er wieder:

„Hier steh ich armer Rinkrank!
auf mein siebzehn Beinen lang
auf mein einem vergoldeten Fuß
Frau Mansrot,mach mir die Tür auf!“

Da lief er rund um sein Haus und sah, dass die kleine Luke offen war; da dachte er: „Du musst doch einmal nachgucken, was sie da wohl macht und warum sie die Tür nicht aufmachen will.“

Da will er nun durch die Luke hindurchgucken und kann den Kopf nicht durchkriegen wegen seinem langen Bart. Da steckt er seinen Bart erst durch die Luke, und als er ihn da hindurch gesteckt hatte, da kam die Frau Mansrot herbei und zog die Luke grade mit einem Band zu, das sie daran gebunden hatte, und so blieb der Bart fest darin sitzen. Da fing er jämmerlich an zu schreien, das täte ihm so weh. Und da bat er sie, sie möchte ihn doch wieder loslassen.

Da sagte sie : Eher nicht, als bis er ihr die Leiter gäbe, mit der er zum Berg heraus steige.

Da mochte er nun wollen oder nicht, er musste ihr sagen, wo die Leiter wäre.

Da band sie ein ganz langes Band an das Schiebefenster, und dann legte sie die Leiter an und stieg aus dem Berg heraus; und wie sie oben ist, da zieht sie das Schiebefenster auf.

Dann ging sie zu ihrem Vater und erzählte ihm, wie es ihr ergangen war. Da freute sich der König sehr und ihr Bräutigam lebte auch noch.

Und nun gingen sie hin und gruben den Berg auf und fanden den alten Rinkrank mit all seinem Gold und Silber darin.

Da ließ der König den alten Rinkrank töten und sein Gold und Silber nahm er mit sich fort. Die Königstochter aber bekam den früheren Bräutigam zum Mann und sie lebten vergnügt und herrlich und in Freuden.

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