eine journalistische Kostbarkeit


Gegenwärtig stehen in der Stadt  an strategisch günstigen Punkten kleine Häuschen in Form einer Erdbeere (lt. Morgenpost in Berlin 140 Stück) , an denen man – was wohl ? – Erbeeren kaufen kann. Zur Zeit für den Staffelpreis :

0,5 kg 2,25 € ; 1kg 3,50 € ; 2 kg 5,50 €

Kann man nicht meckern, die Rezi-Tante jedenfalls nicht, die taz aber schon; die wittert sowas wie Erbeer- Faschismus, wie man online lesen kann: hier

Warum finde ich diesen Artikel von Kai Schöneberg einfach nur … (weiß jetzt gar nicht wie sagen, ohne zu beleidigen).
Das beginnt – den nun wirklich fehlplazierten und somit entschärften Begriff NAZI mal unkommentiert außer Acht lassend, der spricht für sich selbst, bzw. gegen den Autoren – mit dem Negativbegriff : überschwemmt .
Überschwemmt mit quitschbunten Erdbeerbüdchen heißt es da.
Wenn ich Überschwemmung assoziiere, hat das mit Zerstörung oder Verschmutzung zu tun und wem  die Existenz eines Erdbeerbüdchen hie und da das Stadtbild zerstört, der muss aber schon sehr überstrapazierte Sinne haben.
Für so ne tumpe Märchentante wie mich, die nie kifft, sind das spezielle Saisonbüdchen, die ohne die Leute mit Plakaten oder Leuchtschrift zu belästigen schon von weitem anzeigen, was man dort erstehen kann.

Dann heißt es weiter: Die Verkäuferinnen werden schlecht bezahlt und mit peniblen Vorschriften drangsaliert.
Die schlechte Bezahlung wird schlussendlich am Nettolohn festgemacht. Hallo, wie blöd ist das denn? Einem Unternehmen die Pflichtabgaben wie SV und Lohnsteuer vorwerfen?
Ein Lohn von 7,50 €/Std. ist gering, aber da gibt es viele Branchen, viele Unternehmer, die noch immer weniger zahlen.
Von daher ist es dafür, „nur“ Erbeeren zu verkaufen, nicht einen Appel und auch kein Ei dazwischen mal, also relativ leichte Verkaufsarbeiten zu machen, ein ganz normaler Lohn.
Natürlich gönne ich der Erdbeer-Verkäuferin auch die gewerkschaftlich gewünschten 8,30 €/Std. ;leider wird sie damit netto aber auch nicht groß über 6 € kommen, das vergaß man im Artikel zu erwähnen, obwohl man die 5 € beklagte.

Zu den bekrittelten peniblen Vorschriften:

Warum  penible Vorschriften einhalten … das fragen manche dafür Zuständige in den deutschen Krankenhäusern auch und verbreiten Keime. Penible Vorschriften im  Lebensmittelhandel in Artikeln zu bejammern ist genauso  blöd, als würde man das im Krankenhausbereich machen.
Die Erbeere ist eine schnell verderbliche Frucht und es ist erstaunlich, was man an den Händen für Keime hat, auch wenn man meint, sich regelmäßig zu waschen. Da die Verkäuferinnen auch kassieren, ist es nur vernünftig, sie anzuhalten, die Erdbeeren möglichst nicht zu berühren. Das hat nun wirklich nichts mit Nationalsozialismus zu tun, das nennt man Hygiene, ohne das Wort Rasse davor zu setzen.

Weiter geht Kai Schöneberger auf die Selbstvermarkt ein und schreibt:

 Das ist lukrativ: Bekommt der Bauer höchstens 2 Euro pro Kilo Erdbeeren von Edeka, Lidl & Co., bringen Erdbeeren im Eigenhandel locker 5 Euro.

Wie an den vorangestellten Preisen schon zu erkennen, liegt der Durchschnittspreis für Erdbeeren zur Zeit ja bei 3,50 €/kg – und davon müssen all die Ausgaben eines Unternehmens bestritten werden.
Die Standmiete, die in Berlin „locker“ bei 5000€ /Monat liegt,
wenn man also von 12 Stunden Öffnungszeit ausgeht: 20€/Std. kostet
die Lohn- und Nebenkosten bei 7,50€/Std. = 10 €/Std.
Dann kommen die Transportkosten und die Kosten für Entsorgung dazu, die ich nur grob schätzen kann und mit 5€/Std. ansetze, dazu 5 €/Std für die Verwaltung ,muss  je Tag der Verkauf von 138 Kilogramm Erdbeeren/je Büdchen die Kosten decken. Da sind aber die Erzeugerpreise noch nicht bei, nur die Handelskosten. Nehmen wir die Marge der Handelketten als Erzeugerpreis, beginnt der Tagesgewinn nach dem 216. verkauften Kilogramm je Büdchen. Ob das locker verdientes Geld ist?
Ich frage mich gerade, was er von den Dritte-Welt-Genossenschaften hält, die sich selbst vermarkten, wo bei denen ein Euro doch so viel mehr Kaufkraft hat – der Mehrerlös für faire Preise, lukrativ, lukrativ!

Ich könnte noch weiter ins Detail gehen, was mir an diesen Beitrag der taz alles stinkt und was den – wenn es so sein sollte – berechtigten Kritikpunkt am Unternehmen – verspätete Lohnzahlung –  gar nicht zur Geltung kommen lässt; lasse es aber, weil ich meine, schon zum Ausdruck gebracht zu haben, worum es mir geht. Die Qualität des Journalismus entwickelt sich in Quantensprüngen – fragt sich nur wohin.

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3 Kommentare zu „eine journalistische Kostbarkeit

  1. Ich finde den taz Artikel einfach nur polemisch. Auf Teufel komm raus eine Enthüllungsstory in’s Sommerloch gepresst.

    Das da Gesprächsbeispiele angeboten werden finde ich z. B. nicht verwerflich, manche tun sich wirklich schwer damit.

    Am ärgerlich fand ich diesen Teil:

    „Eine andere fühlt sich von „Karls“ gegängelt: „Die tun in ihren Erdbeerinfos auf total nett und regeln dann haarklein, wie man die Körbe hält oder dass man nicht die Beeren, sondern nur die Stiele anfassen darf.“ Ihre kleine Rache: Sie verschenkt regelmäßig Erdbeeren an ihre Kunden – bei „Karls“ natürlich verboten. “

    Ich persönlich bin dankbar für Karl Gängelung, denn ich finde es nicht appetitlich, wenn die Beeren selbst befummelt werden.
    Und die heldenhafte kleine Rache ist ein Straftatsbestand, möchte mal wissen welcher Arbeitgeber es erlaubt, dass seine Ware an Kunden verschenkt wird.

    Finde Deinen Beitrag zu dem Artikel wirklich gut, schick mal an die taz.

    :o)

  2. Ich glaube, das größte Problem bei den Karls Erdbeerbüdchen ist, dass mit Saisonkräften gearbeitet wird und viele von denen schon zu lange aus dem regulären Arbeitsprozess heraus sind. Da fällt dann alles schwer und erzeugt jede Weisung das Gefühl von Gängelei, weil das Wissen fehlt. Will ich den Leuten auch nicht ankreiden, aber von einem Journalisten muss mehr Verstand erwartet werden, der darf sich nicht zum Sprachrohr machen lassen.

  3. Ob es „nur“ an den Saisonkräften liegt … denn wenn man danach geht und jeder anonym, weil er nicht erkannt werden will, über seinen Arbeitgeber abziehen könnte, würde sich bis hin zu den oberen Etagen jemand finden, der sich schlecht bezahlt und gegängelt fühlt.
    Fragt sich dann halt nur auf welchen Boden das fällt.

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