Brauchtumsmappe: Weihnachtsdekorationen – Weihnachtskrippe (2)


Fortsetzung von Teil 1

Zur Geschichte der Weihnachtskrippen heißt es auf wikipedia:

Als Begründer der sinnfälligen Darstellung des Weihnachtsgeschehens gilt Franz von Assisi, der 1223 in Greccio anstelle einer Predigt mit lebenden Tieren und Menschen das Weihnachtsgeschehen nachstellte. Damit steht möglicherweise das in Frauenklöstern des 13. und 14. Jahrhundert verbreitete Christkindlwiegen in Verbindung.

 

Zwar ist im Weihnachtsevangelium nicht von der Armut der Heiligen Familie zu lesen, doch die Bibelstelle, nach der das Kind an einen Platz gelegt wurde, der sonst für das Futter der Tiere vorgesehen ist, wurde dementsprechend interpretiert. So mutmaßte man, dass Jesus nicht eines gehobenen Standes, sondern einer aus dem einfachen Volk war. Dementsprechend realitätsnah waren bereits spätmittelalterliche figürliche Darstellungen von der Geburt Christi, so zu sehen in der spätromanischen Burgkapelle in Hocheppan bei Bozen um 1200. Eine möglicherweise kontinuierliche Weiterentwicklung bis hin zur heute bekannten Weihnachtskrippe wurde durch die Reformation unterbrochen. Bestärkt durch das Konzil von Trient (1545-1563) versuchten die Orden der Jesuiten, Serviten und Franziskaner, die Inhalte der Bibel durch szenenhafte Darstellungen neu zu beleben. Vor allem Weihnachten sowie die Passion zu Ostern wurden solchermaßen näher gebracht. Kästchen mit biblischen Darstellungen wurden in Kirchen aufgestellt und wurden auch in adligen Kreisen bald populär.

 

Die 1562 von Jesuiten in Prag aufgestellte Weihnachtsdarstellung gilt heute allgemein als erste Nennung einer Krippe im heutigen Sinn. In den folgenden Jahren wurde in Kirchen das Aufstellen von Krippen zur Weihnachtszeit fast zur Prestigesache. Nach dem Vorbild der 1607 inMünchen aufgestellten Krippe errichtete man etwa 1608 in Innsbruck und 1609 in Hall eine solche. Seit dem Jahr 1615 ist eine Weihnachtskrippe im Benediktinerinnenkloster Nonnberg in Salzburg belegt.

Zu den berühmtesten Krippen zählen bis heute die Neapolitanischen Krippen, deren charakterstarke Köpfe an die Masken der italienischen Commedia dell’arte erinnern. Die Szene der Geburt Christi wird dort oft in äußerst aufwendige und detailreiche Straßen- und Marktszenen eingebettet, so dass die Darstellung der Geburt oft nur noch Nebensache scheint. Im Barock wurden auch in Österreich und Süddeutschland (Bayern, Schwaben, Allgäu) viele Krippen nach neapolitanischem Vorbild geschaffen.

Unter Kaiserin Maria Theresia und Joseph II. wurden Weihnachtskrippen durch mehrere Verbote aus den öffentlichen Gebäuden, also vor allem aus den Kirchen, verbannt. Ein ähnliches Verbot erließ Erzbischof Hieronymus Franz Josef von Colloredo-Mannsfeld am 22. November 1784 für dasFürstbistum Salzburg. Dadurch erhielten die Weihnachtskrippen Einzug in den privaten Bereich. Dies blieb, auch nachdem die Verbote aufgehoben wurden.

Bevor im 19. Jahrhundert der Christbaum allgemeine Verbreitung fand, stand die Krippe im Mittelpunkt der katholischen familiären Weihnachtsfeier. Im evangelischen Deutschland wurde die Weihnachtskrippe besonders durch das Wirken von Gustav Wilhelm Jahn verbreitet, der Krippenfiguren durch die Insassen der Züllchower Anstalten herstellen ließ.

Hauskrippen sind noch heute fester Bestandteil des häuslichen Weihnachtsschmucks und werden in allen erdenklichen künstlerischen Stilen und Materialien gefertigt.

Zeitraum der Aufstellung der Krippe

Die Krippe wird zum Weihnachtsfest aufgestellt. Mancherorts beginnt die Aufstellung mit einzelnen Figuren und Szenen bereits zu Beginn der Adventszeit. Am 24. Dezember wird das Vollbild mit dem Christuskind in der Krippe präsentiert, bis zum Fest der Erscheinung des Herrn (6. Januar) kommen die drei Weisen hinzu. Die Krippe bleibt bis zum Ende der Weihnachtszeit stehen. Diese reichte bis 1970 zum Fest „Maria Lichtmess“ (2. Februar), heute bis zum Sonntag nach dem Fest der Erscheinung des Herrn. Daher ist das Ende der Krippenzeit heute uneinheitlich.

 Typische Figuren in Weihnachtskrippen sind:

  • Jesus als Kind in einer Krippe (Praesepe)
  • Maria, Mutter Jesu; Darstellung als thronende Madonna möglich
  • Josef, „gesetzlicher Vater“ Jesu (Mt 1,24-25 EU), meist als alter Mann dargestellt, um die Jungfräulichkeit der Maria zu betonen
  • Ochse und Esel – Sie werden in den biblischen Weihnachtsgeschichten nicht erwähnt, haben aber dennoch eine biblische Begründung; sie findet sich in Jesaja Jes 1,3 EU und lautet: Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn; aber Israel kennt’s nicht, und mein Volk vernimmt’s nicht. Von hier aus, so wird angenommen, hielten Ochs und Esel schon in den ersten christlichen Jahrhunderten Einzug in den Stall zu Bethlehem. In der frühchristlichen Literatur (Patristik), etwa in einer Weihnachtshomilie des Augustinus, wurden Ochs und Esel als Sinnbilder der beiden Teile der christlichen Kirche gedeutet, die aus Juden (Volk Gottes) und Heiden (alle anderen Völker) gebildet sei. Dem Trienter Konzil (1545-1563) gelang es später nicht, sie um der „Wahrheit” der Bibel willen von der Krippe zu verbannen.
  • Hirten und Schafe (meist mit Hütehund)
  • Drei Weise aus dem Morgenland (Caspar, Melchior, Balthasar) mit Geschenken (Gold, Weihrauch, Myrrhe), oft mit Kamel oder Elefant. Hierzu ist allerdings zu sagen, dass in der Bibel eigentlich nur von „Weisen“, griechisch magoi (ursprüngl. Persische Priesterkaste, auch Weise, Berater des Königs, Astronomen oder Magier) die Rede ist. Es tauchen weder Namen auf, noch ist ihre Zahl vermerkt. Die Bibel spricht nicht von Königen.
  • Verkündigungsengel (teilweise mit Gloria-Spruchband in den Händen dargestellt)

krippe


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3 Kommentare zu „Brauchtumsmappe: Weihnachtsdekorationen – Weihnachtskrippe (2)

  1. Wieder mal ein guter Überblick über ein Stück Kulturgeschichte. Über das Verbot von Krippen im öffentlichen Raum wußte ich noch gar nichts und habe das mit großem Interesse gelesen.
    Unbiblisch ist auch die immer wieder behauptete Hartherzigkeit verschiedener Wirte. Es heißt ja nicht „denn der schofle Wirt ließ sie nicht ein“, sondern „denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge“. Mir tut es immer leid, wie böse hier der bethlehemitische Wirt dargestellt wird.

  2. Danke für die interessante Zusammenfassung der „Krippen-Historie“. Ich hatte auch immer Mitleid mit dem Wirt und den Verwandten, denn wenn das Haus voll ist, kann man niemanden mehr aufnehmen. Es heißt in der Bibel schon immer, dass wegen der Volkszählung kein Raum in der Herberge war und es ist von Hartherzigkei nirgends die Rede.

    Im ländlichen Raum damals und heute ist es auch keine Seltenheit, dass Menschen im Stall übernachten, denn dort ist es warm und wenn Heu dort gelagert ist, ist es im Heu auch trocken.

    Der Volksglaube hat schon immer viel selbst Empfundenes dazu erfunden, so dass alle biblischen Aussagen im Laufe der Zeit verfälscht wurden, vor allem auch die Weihnachtsgeschichte. Man erfährt dadurch aber viel über das Denken und Fühlen der Menschen aus früherer Zeit.

    Frohe Weihnachten, friedlich und im Trockenen wünscht allen
    Nora

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