Brauchtumsmappe: Weihnachtsdekorationen – Julböcke


Unsere Wohnung ist schon ziemlich weihnachtlich dekoriert, das hebt die Stimmung. Und als ich mich entschied, darüber zu bloggen, dachte ich, dass ich aber einen ziemlichen Spagat machen muss, um die unterschiedlichen Bräuche zu erklären. Am besten in Etappen. Ich fange mit meinem rechten Wohnzimmerfenster an, da stehen zwei Julböcke. Weshalb huldigt die skandinavischen Bräuchen, wird da so mancher fragen. Doch Julböcke sind durchaus auch eine deutsche Tradition, jedenfalls bei Nachfahren von Bewohnern des Teils Pommerns, der von 1648 bis 1815 zu Schweden gehörte. Aber ich gebe zu, in meiner Kindheit hingen nur kleine Julböcke als  am Tannenbaum,


so große besitze ich, seit IKEA sich hier breit gemacht hat. Ich mag sie, wie ich die schwedischen Weihnachtsbräuche generell mag und nach Möglichkeit auch gern „vor Ort“ feiere.

Auf wikipedia ist ein guter Beitrag über den Julbock, den Teil über die Herkunft hole ich mal per Copy/Paste herüber:

Die Julbock-Tradition ist in Verbindung mit der bei vielen indogermanischen Völkern und insbesondere bei den Germanen verbreiteten Verehrung der Ziege (und des Widders) als Verkörperung der von den Göttern gegebenen, alljährlich wiederkehrenden Fruchtbarkeit zu sehen. Entsprechende Indizien gehen bis in die Bronzezeit zurück. Der Bock war entweder einer Muttergottheit beigestellt (Beispiele: Die römische Göttin Juno, die allenthalben mit einer Ziege auftritt oder die dreigestaltige Ziege auf der Rückseite des aufanischen Matronen-Denkmales des Bonner Altars Nr. 7) oder galt selbst als ziegengestaltige Verkörperung eines Gottes. So hatte der germanische Gott Thornach den Untersuchungen von Franz Rolf Schröder ehemals die Gestalt eines Ziegenbockes. Später wird er auch mit dem Beinamen „hafra dróttin“ – Herr der Böcke – bezeichnet. Analog zur Gottheit Nerthus, (nord. ggf. Njörd) wird sein Wagen von zwei Ziegenböcken gezogen, die als Tanngrísnir (‘Zähnefletscher’) und Tanngnjóstr (‘Zähneknirscher’) bekannt sind. Nach einer Erzählung werden sie zum Mahl geschlachtet, erstehen anschließend aber wieder auf. Neben dieser wiederkehrenden Fruchtbarkeit sind auch verschiedene Beziehungen zu Blitz und Gewitter belegt, deren Symbol häufig Ziegenhörner sind. Durch Blitzschlag getötete Ziegen durften nicht verspeist werden, sie wurden als Thorsopfer betrachtet. Dies alles sind Hinweise auf die dem Bock innewohnende göttliche Natur im germanischen Glauben.

Nach der Christianisierung der Germanen wird der Ziegenbock als Tier des Teufels (der hier für die heidnischen Götter steht) geächtet. Dennoch blieb gerade die Verehrung solcher mythisch bedeutender Tiere im Volksglauben viel länger erhalten als die direkte – und verbotene – Verehrung der Götter selbst. Im Brauchtum zum skandinavischen Julbock wird deutlich, wie der alte Glaube sich innerhalb des Christentumes behauptete, indem der als Julbock erscheinende (Fruchtbarkeitsgott) Thor ausgerechnet zu Christi Geburt alljährlich wieder auftritt. Es gibt auch Hinweise darauf, dass die christlichen Missionare heidnische Bräuche geschickt in die neue Religion eingeflochten haben, sofern diese sich nicht „ausrotten“ ließen. Eine sehr ähnliche Rolle als versteckte Verkörperung heidnischer Gottheiten wie der Julbock nimmt auch Knecht Ruprecht ein. In den deutschsprachigen Alpenländern gibt es die Bezeichnung Krampus. Der Auftritt eines Krampus hat deutliche Ähnlichkeit mit dem norwegischen „julebukklaufen“. Auf jedem Fall so wie es bis Mitte des zwanzigsten Jahrhundert praktiziert wurde. Allerdings erscheint der Krampus am Nikolaustag während der Julebukk zwischen „Jul“ und Silvester zwischen den Gehöften läuft.

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