ausgelesen: Der Schwur der Jungfrauen


Als Kind habe ich historische Romane verschlungen und das Interesse an Geschichte ist mir geblieben, wenn auch meine Liebe zum historischen Roman etwas abgekühlt ist. Abgekühlt, nicht erloschen. Das Genre des historischen Romans hatte ja im 19. Jhd. eine Hochphase, man nannte ihn auch „Professorenroman“, weil ebensolche sie schrieben und das war wohl auch das Problem des Genres, denn zwischen all den historischen Ereignissen und Personen „raschelte das Papier“ in den Dialogen, die Handelnden wurden zwar dargestellt, waren aber für den Leser als wirkliche Menschen nur schwer zu erfassen, denn es fehlte ihnen etwas an Lebendigkeit.

Das kann ich von diesem Roman nicht behaupten. Im „Schwur der Jungfrauen“ menschelt es vom Anfang bis zum Ende.
Nicht jede Gemütsregung und Handlungsweise kann man ganz nachvollziehen, aber seien wir ehrlich, das geht uns doch im Bekanntenkreis auch so, so sind Menschen und so werden Menschen damals auch gewesen sein.
„Lebendigkeit“ ist der Autorin Katarina Timm dadurch gelungen, dass sie ihre Geschichte uns Leser überwiegend aus dem Erleben einer Protagonistin wahrnehmen lässt. Es ist eine Tochter armer Bauern, sie heißt Katharina und wird Kathrin oder Kättel genannt. Kättels Erlebnisse, die im Jahre 1497 beginnen, werden ab und an durch kurze, kursiv gedruckte Rückblicke unterbrochen, die über Hans Böhm, dem Pfeifferhänsle, und seine Wirkung auf seine Zeitgenossen  berichteten. Durchaus interessant, aber lange Zeit hatte ich das nicht gänzlich mit dem eigentlichen Plot in Verbindung bringen können, dafür ergab sich aber eine überraschende Auflösung gegen Ende des Buches, die das Warten darauf rechtfertigte.

Katarina Timm hat überzeugend die rechtlichen Verhältnisse der damaligen Zeit dargestellt, die Verknüpfung von Herrschaft und Kirche, die sogar so weit ging, dass jemand exkommuniziert wurde, der auf Grund äußerer Umstände seine Abgaben nicht entrichten konnte und sich um Hilfe an den Bischof wandte.
Ich habe keine Ahnung, in welchem Alter heutzutage diese Zeit der Bundschuh-Bewegung  in der Schule behandelt wird, doch dieser leicht zu lesende, unterhaltsame Roman wird (zumindest für Mädchen) eine Hilfe sein, sich in die Zeit hineinzuversetzen und an der Zeit Interesse zu entwickeln.

Das Buch liegt gut in der Hand, das Schriftbild ist angenehm und die Kapiteleinteilung machte es zu einer schönen Gute-Nacht-Lektüre für mich. Die Covergestaltung fand ich zwar ansprechend, aber irgendwie hat sie so gar nichts mit dem Inhalt zu tun. So was wirkt auf mich wie unnötiger Etikettenschwindel, aber es scheint in der Buchbranche Mode geworden zu sein, beliebige Cover zu gestalten, die als Hingucker funktionieren, aber nicht viel mit dem Inhalt zu tun haben.

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