13. August 1961, Klappe zu, Affe tot


Ich war 7 Jahre alt als die Mauer gebaut wurde. Aber ich kann mich noch gut erinnern,wie diese beiden Lieder für  ganz kurze Zeit im Berliner Rundfunk gespielt wurden – ich war schon damals sehr tierlieb und mir erschloss sich nicht, was an einem toten Affen lustig sein sollte, ebensowenig die politische Dimension des Vorgangs. Doch dass meine Freundin nun plötzlich ihre geliebte Oma nicht mehr sehen durfte war unbegreiflich.

Im Sommer einundsechzig,
beim Kurs von eins zu fünf,
da machten die Grenzgänger
sich täglich auf die Strümpf‘.
Klappe zu, Affe tot,
endlich lacht das Morgenrot.

Im Sommer einundsechzig,
da holten aus Westend,
die Werber sich das Kopfgeld,
die Waffen der Agent.
Klappe zu, Affe tot,
endlich lacht das Abendrot.

Im Sommer einundsechzig,
am 13. August,
da schlossen wir die Grenzen
und keiner hat’s gewußt.
Klappe zu, Affe tot,
endlich lacht das Abendrot.

Text: Heinz Kablau

 

Willy Brandt, wohlbekannt,
wurde weiß wie die Wand.
Sonntag früh, Morgenrot
Klappe zu, Affe tot.
Da sprach der alte Häuptling der Indianer:
wild ist der Westen, schwer ist der Beruf.

Willy bat rasch um Rat,
Horoskop fand Zitat.
Glücklich ist, wer vergißt,
was nicht mehr zu ändern ist.
Da sprach der alte Häuptling der Indianer:
wild ist der Westen, schwer ist der Beruf.

Willy dann, Größenwahn,
schrie so laut man nur kann.
Wollt‘ nicht nur Brand allein,
als auch Brandstifter sein.
Da sprach der alte Häuptling der Indianer:
wild ist der Westen, schwer ist der Beruf.

Und er sah, USA,
war zwar nah, doch nicht da.
Keine Katze half der Maus
aus der Falle heraus.
Da sprach der alte Häuptling der Indianer:
wild ist der Westen, schwer ist der Beruf.

Auch in Bonn Willy Brandt
keine Hilfe nicht fand.
Konrad rief ihm nur zu:
wähl‘ auch du CDU.
Da sprach der alte Häuptling der Indianer:
wild ist der Westen, schwer ist der Beruf.

Willy sieht, was geschieht,
und das Ende vom Lied:
in Berlin heißt’s für ihn,
futsch ist futsch, hin ist hin.
Da sprach der alte Häuptling der Indianer:
wild ist der Westen, schwer ist der Beruf.

Nach der Melodie: „Da sprach der alte Häuptling der Indianer …“
Text: Rudi Strahl

 


_______________________________

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2 Kommentare zu „13. August 1961, Klappe zu, Affe tot

  1. Meine Eltern wohnten, als die Mauer gebaut wurde, mit meinen beiden Brüdern in einer heruntergekommenen, halbzerbombten Wohnung in Berlin. Ich kündigte mich an.
    Die Immobilienpreise sanken in Westberlin durch den Mauerbau so stark, daß sie ein kleines Reihenhaus in der alten Arbeitersiedlung Eichkamp erstehen konnten. Ein halbes Jahr nach dem Mauerbau wurde ich geboren.
    Am 10. November hatte ich mir einen bequemen Tag gemacht, saß mit klassischer Musik und Tee zu Hause und hatte weder Nachrichten gehört noch Zeitung gelesen. Meine Mutter rief an: „Claudia, die Mauer ist offen.“ Ich antwortete: „Den kenn ich noch nicht.“ Als sie mir klargemacht hatte, daß sie es völlig ernst meinte, schwang ich mich auf mein Fahrrad. Der Kurfürstendamm war autofrei und von frohen Fußgängern bevölkert, es war eine sehr schöne, fröhliche und festliche Stimmung.

  2. Nochmal zur Bedeutungen von: Klappe zu, Affe tot

    Es ist eine Redewendung für eine abrupt erledigte Sache oder Diskussion
    Herkunft:
    Früher war es üblich, dass kleine Affen in einer Holzkiste am Kassenhäuschen eines Zirkus als Attraktion gezeigt wurden. Affen waren zu dieser Zeit die Hauptattraktion im Zirkus. Starb dieser Affe, blieb die Klappe geschlossen und es fand keine Vorstellung statt.
    Sinnverwandte Redewendungen sind:
    Schluss, aus, Amen,
    aus und vorbei sein

    So betrachtet blieb denen nur übrig, den armen Affen tot sein zu lassen, weil: eine Redewendung mit Amen ging nicht für den religionsartig zelebrierten „Kommunismus“ – und aus und vorbei impliziert nicht wirklich einen Neuanfang. Gab aber mehrere (Soldaten)Lieder mit dieser Redewendung „Klappe zu, Affe tot“ – wie ich auf youtube entdeckte, muss eine Vorgabe gewesen sein. Leider verschwinden diese Lieder nach und nach von youtube – Schade um diese Zeitdokumente, deren Verschweigen es leichter macht, die Zeiten schön zu reden. Irgenwie steht da, immer, dass die GEMA das nicht freigegeben hat.

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