aus der Brauchtumsmappe: Der Muttertag


Immer am zweiten Sonntag im Mai ist Muttertag. Dieses Jahr ist das der 8. Mai. An diesem   Feiertag  wird die Mutter und die Mutterschaft geehrt, kurzum, Mütter und Ehefrauen und andere Partnerinnen, die Kinder geboren haben, bekommen Blumen geschenkt, oder Pralinee oder Parfüm oder oder… Ein kleines Dankeschön für Liebe und Pflege.

In der DDR wurde dieser Tag offiziell nicht gefeiert, da hatte der Internationale Frauentag, welcher immer am 8. März ist, auch diese familiäre Komponente der Mutter zu danken. Der Muttertag im Mai war geradezu verpönt, weil dieser Festtag von den Nationalsozialisten für ihr germanisches Rassengedönz  missbraucht wurde und 1933 zum  offiziellen Feiertag  und 1934 als „Gedenk- und Ehrentag der deutschen Mütter“ mit fast  religiös anmutenden Feierlichkeiten begangen wurde. „Heilig soll uns sein jede Mutter deutschen Blutes“.

Die Krönung des Ganzen war dann Weihnachten 1938 die Einführung das Ehrenkreuz der Deutschen Mutter , das dann am Muttertag  – 21. Mai 1939 – zum ersten Mal verliehen wurde als „sichtbares Zeichen des Dankes des Deutschen Volkes an kinderreiche Mütter“.

Gruslig, nicht wahr? 4,7 Millionen „Mutterkreuze“ sollen bis September 1941 verliehen worden sein, aber nur an reichsdeutsche Mütter, die einen „Ariernachweis“ vorlegen konnten und deren Kinder „erbgesund“ waren.

Lange Zeit glaubte ich, der Muttertag sei eine Erfindung der Nazis gewesen, aber durch die Beschäftigung mit der Bürgerlichen Frauenbewegung entdeckte ich, dass sein Ursprung   in der englischen und amerikanischen Frauenbewegung liegt und dort bald zur Friedensbewegung wurde, 1870 gründete Julia Ward Howe eine Mütter-Friedenstag-Initiative unter dem Leitmotiv peace and motherhood , mit dem Ziel, dass Söhne nicht mehr in Kriegen geopfert werden sollen.

Als Begründerin des heutigen Muttertags gilt  Anna Marie Jarvis, eine Methodistin,  welche zum Gedenken an ihre Mutter am 12. Mai 1907 ein Memorial Mothers Day Meeting durchführte und auch im folgenden Jahr, wiederum am zweiten Maisonntag, in ihrer Kirche allen Müttern eine Andacht widmete und dabei  500 weiße Nelken als Ausdruck ihrer Liebe zur verstorbenen Mutter vor der Kirche an andere Mütter austeilen ließ. Von nun an war ihr Ziel,  einen offiziellen Mutterehrentag zu schaffen. Sie schrieb deshalb Unmengen Briefe an Politiker, Geschäftsleute, Geistliche und Frauenvereine. Diese Initiative entwickelte sich rasant und schon 1909 wurde der Muttertag in 45 Staaten der USA gefeiert. 1912 wurde eine Mother’s Day International Association gegründet mit dem Ziel, den Muttertag auch international zu verbreiten . Am 8. Mai 1914 erließ der US-Kongress die Joint Resolution Designating the Second Sunday in May as Mother’s Day.

Das Makabere an der Sache ist, dass Anna Marie Jarvis es später wegen der  Kommerzialisierung des Muttertags bereute, diesen ins Leben gerufen zu haben und  von da an  sich für die Abschaffung des Feiertages einsetzte.

Nachdem England den mothering day übernommen hatte, verbreitete sich der Feiertag 1917 in der Schweiz, 1918 in Finnland und Norwegen, 1919 in Schweden, ab 1923 in Deutschland und 1924 in Österreich.

Ausmalbild mit viel Herz

In Deutschland wurde der Muttertag 1922/23 durch den Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber mit Plakaten „Ehret die Mutter“ in den Schaufenstern etabliert und – betont unpolitisch – als Tag der Blumenwünsche gefeiert.

In der Bundesrepublik Deutschland wird der Muttertag seit 1949 am 2. Maisonntag begangen. Er ist nicht gesetzlich verankert, sein Datum wurde durch Übereinkünfte von Wirtschaftsverbänden festgelegt. Dieser 2. Maisonntag brachte manchmal Terminüberschneidung mit dem Pfingstsonntag und somit Probleme mit den gesetzlichen Öffnungs- bzw. Schließtagen. Aber ich glaube, das haben die jetzt im Griff durch ein gelockertes Gesetz für die Ladenöffnungszeiten (Ladenschlussgesetz???)

Da sich der Muttertag auch für mich entnazifiziert hat, finde ich, es ist ein schöner Feiertag und es geht für mich ganz  in Ordnung, den Internationalen Frauentag UND den Muttertag zu begehen – und Blumenhändlern und Gastronomen gönne ich gern ein mehr an Umsatz wegen dieser Tage.

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2 Kommentare zu „aus der Brauchtumsmappe: Der Muttertag

  1. Wirklich sehr interessant, Bettina!
    Vor kurzem kramte ich in Erinnerungen und fand einige „Muttertagsglückwünsche“, die meine Mutter all die Jahre aufbewahrt hatte. Mit sechs oder höchsten zehn Jahre muss ich sie, auf Hinweis einer damaligen Lehrerin, gestaltet haben.
    Trotzdem wurde das nie „unser Tag“, da es, wie Du erwähnst, zu einem rein kommerziellen Tag der offiziellen Erinnerung wurde.
    Hat manch einer seine Mutter das ganze Jahr über vergessen, so wäscht ein Blumenstrauß oder ein Besuch bei Mutti an diesem Tag (den man aufgrund der kommerziellen Erinnerung nicht vergessen kann) das schlechte Gewissen rein.

    Ich kenne eine Familie, die es meiner Meinung nach vorbildlich handhabt, da die drei Töchter ihren jeweils eigenen Geburts – Tag der Mutter widmen.

  2. Bei uns wurde niemals Muttertag begangen – einfach weil wir alle (inklusive Mutter und Vater) fanden, daß er keinen Sinn hat. Blumen habe ich meiner Mutter allerdings oft mitgebracht – nur nie am zweiten Maisonntag.
    Muttertag kann zwar durchaus gelingen als freundliche Geste. Allerdings wird er auch kommerzialisiert, und mir ist ein Fall bekannt, wo er als Druckmittel benutzt wurde und zu einem Zerwürfnis geführt hat. Da sich aber alles Schöne und Gute auch mißbrauchen läßt (z.B. Weihnachten!), ist das kein grundsätzliches Argument gegen die Begehung des Muttertags.
    Den eigenen Geburtstag der Mutter widmen, die ja schließlich die Hauptarbeit damit hatte, finde ich wunderbar.

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