Impressionen von der Leipziger Buchmesse 2011 (1)


Die diesjährige Buchmesse in Leipzig hatte 2150 Aussteller, etwa 163.000 Besucher, darunter 45.000 Fachbesucher( zu denen  wir auch gehörten) und einige Hundert Cosplayer. Keine Ahnung, was Cosplayer sind? Wusste ich zuvor auch nicht, aber wikipedia weiß vermutlich alles, hier der Beitrag zu Cosplay.
Ich mag die Architektur der Messehallen, die Glastunnel, welche die Hallen verbinden, haben sowas futuristisches.

Und irgendwie ging es auch außerirdisch oder doch eher unterirdisch los. Am Fachbesucherschalter musste man seinen Namen für die Karte angeben. Dass man den dann buchstabieren muss, verwunderte mich nicht, auch nicht bei meinem einfachen, zweisilbigen Nachnamen. Aber dass die junge Frau hinter dem Schalter mich dann unterbrach, nachdem ich ihr Berta-Ullrich-Siegfried angesagt hatte:
„Das ganze Siegfriedgedönz geht mir auf den Docht. Können Sie das nicht buchstabieren?“ hat mich dann schon pikiert amüsiert, noch mehr dann, als unsere Begleitung , die auf den schönen Namen Emilia hört, gefragt wurde, ob der Name sich mit E schreiben würde. „Ja, mit E wie Emil.“
Dieses Fräulein wäre doch besser zu Hause geblieben, wenn ihr schon morgens die (für diesen Job aber verspätete) Bekanntschaft mit einer phonetische Buchstabiertafel den letzten Nerv raubt und  höfliches, kundenfreundliches Verhalten unmöglich macht.

Obwohl, unbewusst hat sie ja recht, es heißt seit Juni 1983 in der Bundesrepublik Deutschland offiziell nach DIN 5009 für S nicht mehr Siegfried sondern Samuel – also: Schluss mit dem Siegfriedgedönz!!!

Wir begannen mit Halle 2, dort waren viele Kinder – und Jugendbuchverlage und Lehrmittelproduzenten. War sehr interessant, mir sind da Verlagsnamen begegnet, die ich noch nie gehört oder gelesen habe, ich konnte endlich eine Drehscheibe mit unregelmäßigen schwedischen Verben erwerben, zum Messepreis von 3 €, und ich hatte nach gut zwei Stunden nicht nur die Farben Rosa und Lila über, welche bei etlichen Kinderbuchverlagen stark eingesetzt wurde, ich  spürte auch jeden  meiner Knochen.

Cosplayer auf der Leipziger Buchmesse 2011

Cosplayer auf der Leipziger Buchmesse 2011

ausgehört: Offenbarung 23


Jedenfalls die ersten 29 Folgen. Und ich muss sagen, hat mir gefallen, ist gut gemacht, diese Verbindung von Fiktion, Fantasie und tatsächlichen Ereignissen, diese dramatische Aufarbeitung von gängigen Verschwörungstheorien. Verschwörungstheorien auf realem Hintergrund, zum Teil sehr aktuell, wenn man zum Beispiel an die Berliner Wasserwerke denkt… da habe ich sogar dazugelernt, denn einen Blick in die Geschichte der Berliner Wasserversorgung hatte ich mir bisher nicht gegönnt.

Diese Verbindung zu aktuellen Geschehnissen ist es wohl auch, die  Lübbe veranlassten, den Autor der Serie, Jan Gaspard, und mit ihm den Berufsstand „Hacker“ etlicher Protagonisten in „Rapper“ zu wechseln. Ist jetzt eine Vermutung von mir, wenn man so will, eine Verschwörungstheorie.

Fakt ist jedenfalls, dass die Eltern und einige prominente Mitglieder des Chaos Computer Club sich gegen Nutzung des Schicksals des Hackers Tron in diesem Hörspielroman aussprachen und die Eltern  gegen wikipedia Klage geführt haben, denn der volle Name ihres Sohnes war dort aufgeführt und sie empfanden dadurch ihre Persönlichkeitsrechte nicht gewahrt . Sie hatten diese Klage aber verloren. Gegen die Hörspielserie wurde bisher nicht geklagt.
Ich kann mich gut in die Eltern einfühlen, wenn der Tod meines Kindes Kernstück einer halbernsten Romanserie wird, fänd ich das auch nicht lustig. Und ich würde auch nicht von wildfremden Menschen angesprochen werden wollen, wenn diese meinen Nachnamen hören.
Und doch – was bleibt von dem Menschen, wenn keine Legende um ihn gesponnen wird, schon die nächste Generation hat vergessen, dass es da ein unerreichtes Ver-Entschlüsselungsgenie gab, welches ein so trauriges, nicht wirklich geklärtes Ende fand.

Ich jedenfalls habe mich mit großem Interesse und mit Freude an er Darbietung der SprecherInnen durch die Serien gehört. Den anderen Handlungsbogen der Serien 30 bis 41  werde ich irgendwann auch mal hören, aber ich muss zugeben, mich überzeugen Hacker im Aufdecken von Geheimnissen  weit mehr als Rapper, die haben bei mir irgendwie – Entschuldigung – einen eher beschränkten Eindruck hinterlassen, haben mich  mindestens einmal zu oft „Mutherfacker“ hören lassen und der monotone Sprechgesang lässt mich auch nicht auf höhrere kognitive Fähigkeiten schließen. Aber die in der Serie sind bestimmt so wie die Söhne Mannheims oder so, ganz Nette, Ordentliche, denen man nicht den Mund mit Seife auswaschen möchte. Obwohl, auf Enimen steh ich ja irgendwie doch …
Irgendwann werde ich auch in die anderen Folgen hineinhorchen und darüber hier wieder berichten, irgendwann …

und wiedermal Post bekommen…


Ganz unerwartet lag eine nette Überraschung im Briefkasten. Bei einer Verlagsbesprechnung (Sperlich-Verlag) erinnerten sich Claudia Sperlich und Patricia Koelle an ein Kinderbuch, das ihnen viel bedeutet hatte und das ich – oh Wunder – überhaupt nicht kannte. Ihre Erinnerungsfetzen an dieses Buch ließen aber bei mir Neugier aufkommen und plötzlich, eines Tages, hatte ich Post von Patricia und im Briefumschlag lag neben den lieben Grüßen von ihr und ihrem Mann „Das Getüm“ von Dietlind Neven-du Mont, erschienen bei rotfuchs-rororo. Ich lese es gerade mit viel Vergnügen. Steht zwar als Altersangabe 6-10 Jahre, aber wie es Patricia schon erzählte, an dem Buch haben auch vorlesende Erwachsene Freude.Auf wikipedia  konnte ich lesen, dass  es zwei Getüm-Bücher von Dietlind Neven-du Mont gibt, und zwar Das Getüm und Ein Getüm kommt selten allein. Diese Bücher sollen in den 1970er und 1980er Jahren recht bekannt gewesen sein, desto erstaunlicher finde ich es, dass es sie nur antiquarisch zu kaufen gibt. Denn dass diese Bücher immer noch gefragt sind, lässt der Preis vermuten, der zur Zeit für ein antiquarisches Exemplar gefordert werden kann.
Das Buch ist reich illustriert im schwarz-weiß-grün-Druck, sehr originell und ansprechend.

Ein fettes, von Herzen kommendes DANKESCHÖN an Patricia und Peter für diese schöne Überraschung!