Wilhelm Grimms Textarbeit an der Märchensammlung nachempfunden… Teil3


Ich werde mal den ersten Teil des Märchens einstellen, um online zu lesen, reicht das an Menge und mich animiert es, weiterzumachen:

Einst wuchsen in einem kleinen Dorf zwei Jungen in großer Freundschaft zu jungen Männern heran.
Sie machten alles gemeinsam und die Leute sagten, sie wären wahre Herzbrüder. Als es an der Zeit war, ein Handwerk zu lernen, beschlossen sie, nur zusammen bei einem Meister in die Lehre zu gehen, denn sie wollten sich nicht trennen. Doch so sehr sie auch suchten, sie fanden keinen Lehrmeister, der zwei Lehrlinge in die Ausbildung nehmen wollte. Eines Tages sagte ein Schreinermeister: „Du da, du kannst sieben Jahre bei mir bleiben und drei Jahre lang das Schreinerhandwerk und danach mehr erlernen – und dein Freund, der kann, wenn er will, bei meinem Bruder nebenan ein Drechsler werden. Ist eure Freundschaft echt, wird sie durch diesen kleinen Unterschied noch größer, wenn nicht, war sie nichts Wert und es ist gut, dass ihr getrennt werdet.“
Das wollten sich die Freunde nicht nachsagen lassen und sie nahmen das Angebot an. Sie lernten das Handwerk ihrer Lehrherren und trafen sich an den freien Tagen zu einem Schwatz im Wirtshaus. Beide arbeiteten mit Holz und ihre Tätigkeiten ähnelten sich, da wussten sie gleich, wovon der andere sprach und sie fühlten sich nah. So lernten sie ihre Handwerke und wurden nach drei Jahren zu Gesellen. Doch schon im vierten Jahr bemerkten sie, dass sie sich zu unterscheiden begannen und redeten nur noch wenig über die Arbeit miteinander. Gegen Ende des siebten Jahres, lobte einmal der Drechslergesell im Wirtshaus das Holz der Haselnuss, aus dem er wunderbare Stücke machen könnte. Doch seinem Herzbruder, dem Schreinergesell, war das kein gutes Holz. Er sagte: „Nur mit der Eberesche kann man wirkliche Wunderdinge vollbringen, alles andere Holz ist dagegen nur schlechtes Zeug.“
Das wollte der junge Schreiner nicht auf sich sitzen lassen und schon waren sie im besten Streit. Sie hätten sich wohl noch geprügelt, wären nicht der Wirt und ihre Lehrherren dazwischen gegangen. Da sich der Zorn der Herzbrüder aufeinander aber noch nicht gelegt hatte, schlug der Wirt vor, sie sollten die Meisterstücke aus ihren Lieblingshölzern machen und dann würde eine Jury entscheiden, welches das beste Stück wäre und der Verliere müsse die Wahl anerkennen.
Damit waren die Verstrittenen einverstanden, denn sie kannten die Eigenheiten ihrer Hölzer gut und jeder war sich deshalb sicher zu gewinnen.
Als der Tag der Meisterprüfung herangekommen war, zeigte der Schreiner einen Tisch aus Ebereschenholz, der konnte Speisen herbeizaubern und konnte im Wasser schwimmen.
Der Drechsler zeigte zwei Flügel vor, ganz aus Haselnussholz, mit denen konnte er fliegen. Da staunten die Leute und überlegten lange, wer den Wettkampf gewonnen hätte und sprachen Meister Eberesche, so wie sie den Schreiner nun nannten, den Sieg zu, weil sein Wunderding zweierlei konnte. Der Drechsler, obwohl er nun Meister Haselholz genannt wurde, war betrübt und streifte die Flügel über. Er sagte: „Mach es gut, Herzbruder Esche“ und sein Freund antwortete: „Was ist Hasel, mein Herzbruder, bleib doch noch, lass uns reden.“
Doch der Haselholzmeister flog davon, weit, weit in ein fernes Land.
Als er endlich landete, sah er den Königssohn des Landes am Ufer des Meeres stehen, der war ganz traurig und schaute übers Meer.
Da fragte ihn der Haselholzmeister: “Warum bist du so traurig ? Du bist doch ein Königsohn und alle Leute im Lande müssen sich Mühe geben, deine Wünsche zu erfüllen. Das ist doch ein lustiges Leben.“
„Ja, antwortete der Königssohn, „aber das hilft mir nichts. Mir war die allerschönste Prinzessin der Welt versprochen und ein mächtiger Zauberer hat sie gestohlen als wir uns verloben wollten. Nun hält er sie in einem Turm am anderen Ufer des Meeres gefangen.“
„Das ist ein Grund traurig zu sein, “ antwortete der Haselholzmeister. „Aber wenn du mir behilflich bist, werde ich dir auch behilflich sein.“
„Wobei soll ich dir denn helfen?“ fragte der Königsohn.
„Nun, als ich hierher kam, bin ich über den Schlosspark geflogen. Dort habe ich ein hübsches Mädchen gesehen, eine Rothaarige im grünen Kleid, die möchte ich gern kennen lernen.“
„Bist du denn ein Prinz, dass du es wagst, meine Schwester kennen lernen zu wollen?“ fragte der Königssohn und besah sich die Kleidung des Drechslers.
„Nein, doch ich bin der Meister Haselholz. Und ich bin derjenige, der dir helfen kann, das wird doch wohl reichen.“
„Mir schon.“ sprach der Prinz, „aber ich weiß nicht, ob das meinem Vater reichen wird. Doch ich verspreche dir, du wirst meine Schwester sehen , wenn du mir meine Braut bringst.“
„Gut, abgemacht, gib mir deinen Ring.“ sagte Meister Haselholz. Dann legte er seine Flügel an und flog übers Meer zu dem hohen Turm, in dem die wunderschöne Verlobte des Königssohnes gefangen gehalten wurde.
Gegen Abend kam er dort an und flog durch das offene Fenster zur Prinzessin hinein. Die erschrak erst sehr, aber Meister Haselholz zeigte ihr den Ring des Königssohnes und ihre Angst verging. Sie bewirtete ihren Gast und bereitete ihm ein weiches Lager und am nächsten Morgen, kaum dass die Sonne aufging, nahm der Drechsler die Prinzessin auf seinen Rücken, legte seine Flügel an und flog mit ihr über das Meer zurück.
Zuerst freut sich der Königssohn, seine Verlobte wieder in den Armen zu halten, aber als sie ihm erzählte, dass Meister Haselholz abends zum Fenster hinein und morgens mit ihr auf dem Rücken zum Fenster hinaus geflogen kam, begann die Eifersucht an seinem Herzen zu nagen. Die beiden hatten eine Nacht zusammen verbracht! Das soll der Haselholzmeister büßen, dachte er.
Da konnte die Prinzessin noch so beteuern, dass alles seine Ordnung hatte, der Königssohn ließ sich nicht von seinen schlechten Gedanken abbringen. Er bat den Haselholzmeister mit auf das Schloss zu kommen. Dort stellte er ihn dem König vor, der Meister Haselholz aus Freude über seine wiedergewonnene Schwiegertochter einlud, zum Essen zu bleiben. So hatte der Haselholzmeister die Gelegenheit, die Schwester des Königssohnes sehen. Die Königstochter konnte kein Auge von dem mutigen und tapferen Mann wenden, der die Verlobte ihres Bruders einem mächtigen Zauberer entrissen hatte. Der Haselholzmeister hatte ebenfalls nur Augen für die Schwester des Königssohnes und bekam gar nicht mit, wie der König und der Königssohn miteinander flüsterten und ihn mit bösen Blicken ansahen.
Heimlich ließ der König die Holzflügel fortbringen. Dann rief er seine Soldaten:
„Werft den Zaubermeister Haselholz in den Kerker. Ich will, dass er am Tage der Hochzeit meines Sohnes verbrannt wird.“
Da erschraken die Prinzessinnen und weinten, aber je mehr sie für den Haselholzmeister baten, desto mehr verhärtete sich die Herzen von Prinz und König gegen ihn.
Da saß der arme Drechsler im Kerker unter der Erde und nur ein kleines Fenster unter der Decke ließ etwas Licht zu ihm hinein.
Eines Tages hörte er die Königstochter am Fenster rufen: „Hasel, kann ich etwas für dich tun?“ Er antwortete: „Bring mir doch einen Ebereschenzweig und ein Messerchen, dass ich mir eine Flöte schnitzen kann. Aber Obacht, das Holz darf nur von einem kupfernem Messer geschnitten werden.“

Der junge Schreiner, Meister Eberesche, spürte den Verlust seines Herzbruders von Tag zu Tag mehr und Traurigkeit überfiel ihn. Dass wir uns über die Hölzer entzweit haben war nicht recht, dachte er. Er hatte Grund Stolz auf sein Holz zu sein, so ein schönes Fluggerät hat er gebaut.

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