Was an Geschichte in den Geschichten steckt – Die Nibelungen


Das Nibelungenlied ist eine hochmittelalterliche deutsche Ausformung der Nibelungensage und ist eines der wichtigsten erhaltenen literarischen Arbeiten dieser Zeit. Der Ursprung der Sage reicht in die Zeit  der germanischen Völkerwanderung zurück.
Der  historische Kern der Sage ist die Zerschlagung des Burgunderreiches in der Spätantike (um 436) durch den römischen Heermeister Aëtius mit Hilfe hunnischer Hilfstruppen.

Eins der Hauptthemen im Nibelungenlied ist der Konflikt zwischen Brunhilde und Kriemhild. Weitere  historische Ereignisse scheinen die Sage geprägt zu haben, so auch der Streit im Hause der Merowinger zwischen Brunichild und Fredegunde, der als  Merowingischer Bruderkrieg in die Geschichte einging und der tödliche Feindschaft zwischen der Königin Brunhilde und der abgefeimten Königin Fredegunde, erst Geliebte, dann 3. Ehefrau des Königs Chilperich I. erzeugte.

 

Chilperich und Fredegunde

Brunhilde, des Westgothenkönigs Athanagild und der Gunthsvintha Tochter, wuchs auf am Hofe von Toledo, bis sie im J. 566 als Braut des Frankenkönigs Sigibert I. durch dessen Erzieher, den Major domus Gogo nach Rheims geführt wurde.
Der Hochzeit voran ging der Uebertritt der Braut vom arianischen zum katholischen Bekenntniß, ein Schritt, der ihr das Wohlwollen des Clerus sicherte.
Die leiblichen und geistigen Vorzüge Brunhildens rühmt Venantius Fortunatus in hohen Tönen. Andere Nachrichten bezeugen, daß man der Fremden mit Mißtrauen begegnete, namentlich die Großen des Volks standen ihr gegenüber.
Aus ihrer Ehe mit Sigibert stammten ein Sohn, Childebert II. und zwei Töchter, Ingundis und Chlodosintha. Ingundis wurde an den Westgothen Hermenegild vermählt und in seinen Untergang verwickelt, ein harter Schlag für die Mutter.
Trübes erfährt diese auch bei den Franken. Ihre Schwester Gailesvintha, Gemahlin von Brunhildens Schwager Chilperich, wird um einer Buhlerin, der Fredegunde willen, durch den Gemahl ermordet.
Feindschaft trennt seitdem die beiden Bruderreiche, aber in dem ersten Kriege von 574 erscheinen Chilperich und Fredegunde als Angreifer. Mitten im Sieg wurde Sigibert 575 ermordet und die verwittwete Brunhilde fällt mit ihren Schätzen in die Gewalt Chilperichs.
Während ihr Sohn unter der Obhut austrasischer Großen in Metz aufwächst, lebt sie in der Verbannung zu Rouen.
Dort findet sie Chilperichs Sohn Merovech und Leidenschaft und Politik helfen eine Ehe zwischen Merovech und Brunhilde schließen.
Der Bischof Praetextatus von Rouen, der Taufpathe Merovechs, begünstigt die Sache, aber Chilperich trennt sofort seinen Sohn von der unerwünschten Schwiegertochter und Merovech findet schon 577 einen gewaltsamen Tod. Nach Chilperichs Ermordung (584), welche der Fredegunde zur Last gelegt wird, lebte B. im austrasischen Reich, zwar nicht als Vormünderin ihres Sohnes, aber doch nicht ohne Einfluß, denn der Vertrag von Andelot 588 ist mit ihrem Namen abgeschlossen, und ihr Dazwischentreten vermag einen ihrer Getreuen, Lupus von Champagne, vor dem Angriff der Gegner zu beschützen.
Allein die austrasischen Großen erheben sich in wiederholten Verschwörungen gegen das Königthum und dessen fiscalische Politik und deutlich ist darin der Einfluß der Fredegunde zu erkennen.
Nicht blos persönlicher Haß, auch politischer Gegensatz trennt die beiden Frauen bis zum Tode der Fredegunde 597.
Im Jahr zuvor hatte B. nach ihres Sohnes Tode die Vormundschaft über ihre beiden Enkel übernommen; bald bricht zwischen diesen und dem Sohn der Fredegunde Chlothar II. der Krieg aus; Chlothar hatte ihn begonnen.
In diesen Kämpfen mit dem Geschlecht der Gegnerin und mit den Großen um die Leitung ihrer Enkel verwildert B. Ihren Enkel Theuderich verhindert sie eine legitime Ehe zu schließen, um nicht in der Gemahlin die Nebenbuhlerin zu haben; ihr wird die Schuld an dem Kriege Theuderichs gegen seinen Bruder Theudebert und die Ermordung des letzteren zugeschrieben (611), ihr die Tödtung oder Verstümmelung so mancher Großen aus dem Volke.
Auch der zweite Enkel starb im J. 613 und die rastlos energische Frau bemühte  sich, den ältesten der vier Urenkel auf den Thron zu setzen. Aber Arnulf von Metz und Pippin, die Stammväter der Karolinger, rufen Chlothar II. in das Land.
Von Worms aus sendet B. ihm die Mahnung zur Umkehr und wirbt um die Hülfe der rechtsrheinischen Völker. Jedoch der Verrath umlauert sie. Die austrasischen und burgundischen Großen gehen über zu Chlothar und durch Mord enden die Urenkel Brunhildens, sie selbst ward in Orbe von dem Kämmerer Herpo gefangen und dem Sohne ihrer alten Feindin in Rionne ausgeliefert.
Alle Gräuel der langen Kriege wurden auf die Besiegte gehäuft und nach langen Folterqualen, dem Heere ihrer abtrünnigen Unterthanen schimpflich zur Schau gestellt, ward sie von einem wilden Pferde zu Tode geschleift (613).
In Autun soll sie bestattet worden sein.

Quelle:  Artikel „Brunichilde“ von Albrecht. in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 3 (1876), S. 442–443,

Auch wenn sich die Motive und Charaktere verschoben haben im Lauf der Jahrhunderte, viele Einzelheiten finden sich wieder, im Nibelungenlied verunglückt Königin Kriemhild auf der Flucht und ihr fortkullerndes Kind wird vom scheuenden Pferd zu Tode getreten, ein für die Erzählung eigentlich stumpfes Motiv, das für mich vor der Kenntnis der Hinrichtung der Brunichilde keinen Sinn ergab, den der stürzende Wagen hätte als Todesursache für den Säugling gereicht und dessen Tod so auszumalen bringt keine Steigerung in der Erzählung. Ganz anders aber, wenn da so ein diffuses Erinnern vom Tode durch ein Pferd im Raume stand, so wird das plötzlich alles schlüssig.

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