Erzählung der Woche 44/2010


Wilhelm Heinrich Wackenroder

Schilderung der dramatischen Arbeiten des Meistersängers Hans Sachs

Wenn je die deutsche Poesie in irgendeiner Periode, Volkspoesie war, so war sie es im 16. Jahrhundert, dem Hauptzeitpunkte der Meistersänger. Handwerke und Künste blühten; der Bürger lebte im Wohlstande; – es war das goldne Alter des deutschen Kunstfleißes. Vornehmlich passen diese Züge auf einige damals weitberühmte Städte, unter denen Nürnberg den ersten Rang behauptete. Gewiß hatte auch jene bürgerliche Poesie gute Wirkungen, und verbreitete eine gewisse Bildung auch unter der niedrigeren Klasse. Ihre Hauptzwecke waren: Beförderung der Religion, – und der Moralität: Hans Sachs, der als Haupt der Dichtkunst verehrt ward, gibt diese Zwecke mehrmals deutlich an; und wir sehen auch aus seinen Werken hinlänglich, daß er sie beständig vor Augen gehabt hat. Um religiöse Gesinnungen, und zugleich die in dem heiligen Buche der Christen enthaltenen interessanten und lehrreichen Geschichten unter seinen Mitbürgern gemein zu machen, brachte er, stückweise, und in verschiedenen Arten der Behandlung, fast die ganze Bibel in Versen: eine Arbeit, der durchaus alles poetische Verdienst mangelt, die aber in jenen Zeiten, da die Bibel ein neu aufgegrabener, und noch von wenigen genutzter Schatz war, sehr nützlich sein konnte. Der gemeine Mann ward mit dem Inhalte der Bibel vertrauter, nachdem der allgemein beliebte Volksdichter denselben in seine Manier gekleidet hatte; stückweise lernte er mit leichterer Mühe das Ganze kennen, und der Reim prägte Worte und Sinn ihm tiefer ein. – Was die Moral in Hans Sachsens Werken betrifft, so sieht man deutlich, daß diese sein allgemeinster Zweck war. Fast kein einziges seiner Tausende von Gedichten, läßt er aus der Hand, ohne einen ›Beschluß‹, wie er es nennt, anzuhängen, worin eine oder mehrere Lehren aus dem Gedichte gezogen, und meistenteils mit höchst gedehnter Weitschweifigkeit auseinandergesetzt, und dein Leser ans Herz gelegt werden. Überall findet er Gelegenheit, moralische Anwendungen anzuknüpfen; er erzählt fast keine Anekdote ohne dem; – er bringt lange, trockene Verzeichnisse von Tieren und Vögeln in Reime, um die Natur jedes Tiers allegorisch auf einen menschlichen, guten oder bösen Charakter zu deuten; – er versifiziert unendlich viele Stücke aus alten und neuen Geschichtsschreibern nicht bloß, um seine Leser mit den merkwürdigen Vorfällen der Zeiten bekannt zu machen, sondern hauptsächlich, um darin Charaktere und Handlungen, zur Nachahmung oder zum Abscheu aufzustellen.

Wo Belehrung, moralische Belehrung, der Hauptzweck der Dichtkunst ist, da wohnt ihr echter Genius nicht. So war es bei uns fast durchaus der Fall im Mittelalter. Dazu kam noch überdies, daß die deutsche Sprache im 16. Jahrhundert viel zu wenig ausgebildet war, als daß sich eine eigene poetische Sprache von ihr hätte absondern können; welches um so weniger möglich sein konnte, da die besondere Gattung der Poesie, von der hier die Rede ist, auf die niedere Klasse mechanischer Handarbeiter eingeschränkt war, die in ihrem Ausdruck nicht leicht über den Bezirk der gemeinen Volkssprache hinauszutreten, und zur reinen Kunstschönheit zu gelangen vermochten. Und dennoch wurden sie sehr geschätzt. Ihrem Ideenkreise und ihrer Sprache gemäß, läßt sich schon im allgemeinen vermuten, daß sie in der niedrigkomischen, burlesken Poesie am glücklichsten gewesen sein müßten; und gerade dies Fach ist es auch vornehmlich, worin die unparteiische Nachwelt unserem Hans Sachs wahres Verdienst zugestehen muß. Einige seiner Schwänke sind in Ausdruck und Erfindung, -(denn die, bei denen er keine Quelle angibt, sind doch wahrscheinlich mehrenteils aus seinem eigenen Kopf,) Meisterstücke in ihrer Art. Außer ihnen ist Hans Sachs nur in einigen allegorischen Phantasien, (Gesprächen allegorischer Personen, usw.) wahrer Dichter, und Erfinder; denn sonst sind seine Gegenstände durchaus entlehnt. Diese allegorischen Stücke in denen auch eine in ihren Zügen zwar immer einförmige, aber doch romantische und angenehme Einbildungskraft herrscht, gehören zu den Arbeiten seiner früheren Jahre. Man bemerkt bei der Ansicht seiner Werke sehr bald, daß er in seinen älteren Jahren fast nur Historien, und Stücke aus der Bibel in gereimte Erzählungen, oder in Schauspiele verwandelte, und daß auch in der Ausführung alles auffallend trockener und nüchterner wird. Er macht im Alter aus einigen seiner Erzählungen, Schauspiele, und aus einigen seiner Schwänke, Fastnachtspiele, vermehrte auch einige seiner Schauspiele mit Akten und Personen. Und im einzelnen wiederholte er sich noch mehr. Aber seinen Hang, alles was er las, und was er nur einigermaßen lehrreich fand, in Verse umzugießen, konnte er bis in sein spätes Alter nicht aufgeben.

Seine dramatischen Arbeiten, die einen beträchtlichen Teil seiner Werke ausmachen, sind freilich weder in Ansehung des Plans, noch der poetischen Behandlung, weder als Dramas, noch als Gedichte, von dem geringsten Verdienst, (einige Fastnachtsspiele ausgenommen;) aber sie müssen uns darum interessant sein, weil wir in ihnen unsre Bühne, von der wir so wenig frühere Proben haben, in der Kindheit erblicken. Dies muß uns anreizen, sie näher kennen zu lernen. Zuerst von seinen historischen, (geistlichen und weltlichen) Schauspielen, welche man unter seinen dramatischen Arbeiten allein, im engeren Sinn, Schauspiele nennen kann. über eigentümlichen Geist, über Plan, Situation und Durchführung der Charaktere, über die ganze dramatische Kunst läßt sich hier nichts sagen. Die Schauspiele Hans Sachsens sind dialogisierte Stücke aus der biblischen oder profanen Geschichte oder aus einem Roman oder einer Erzählung gezogen. Von der Kunst, den Faden einer Handlung, aus einem Netz zusammenhängender Begebenheiten auszusondern; – die Handlung durch genaue Bestimmung der Grenzpunkte zu einem für sich bestehenden Ganzen zu runden, das auch keine überflüssigen Teile hat; von dieser Kunst hatte Hans Sachs keine Idee. Wenn er größere Abschnitte aus der Bibel dramatisiert, so verknüpft er alle gleichzeitigen Nebenvorfälle treulich mit seiner Haupthandlung und schließt, wenn diese, wenn die Geschichte seiner Hauptperson zu Ende ist, ohne für einen befriedigenden Schlug des Ganzen zu sorgen. In seinem langen Stück ›Der Daniel‹ wird die Anbetung des Bildes des Nebukadnezar, dessen Wahnsinn, die wunderbare Szene des Belsazar an der Tafel usw. auf der Bühne ausführlich vorgestellt. überhaupt folgt der Dichter sklavisch den Begebenheiten und ihrer Folge, wie er sie beides in seiner Quelle findet; er tut so wenig hinzu, als er wegschneidet. Auch die Personen läßt er unverändert; außer daß er zuweilen ein paar geringe Nebenpersonen hinzutut. übrigens bringt er alle Vorfälle der Geschichte vor die Augen seiner Zuschauer, so unvollkommen sie auch auf den damaligen Bühnen vorgestellt sein mögen. In den Ritterstücken usw. kommen viele Gefechte, auch Gefechte mit Drachen, vor; auch feindliche Heere, wovon eins das andre in die Flucht schlägt. In dem Stück ›Die Kindheit Mose‹ watet die Hofjungfrau der Königstochter auf der Bühne ins Wasser, holt das Kästchen heraus, und kommt triefend naß zurück. Im ›Josua‹ fließt der Jordan auf der Bühne durch ein Wunder ab, läßt die Israeliten durch sein Bett gehn, und füllt sich wieder. Nachher gehn die Priester mit der Bundeslade und mit Posaunen dreimal auf der Bühne herum, – «blasen und machen ein Feldgeschrei, die Stadt fällt mit Gerumpel, die Feind werden erschlagen.» Im ›Simson‹ hebt Simson auf der Bühne das Tor aus. Im ›Jonas‹ steigt Jonas in ein vorüberfahrendes Schiff; es segelt darauf auf der Bühne umher; man wirft im Sturme die Ballen, und den Jonas selbst heraus. Zwar hat Hans Sachs ihn nicht auf der Bühne vom Walfisch verschlucken und wieder ausspeien lassen, auch reißt Simson nicht auf der Bühne das Haus ein, sondern «man hört ein groß Gerumpel, als falle das Rathaus ein»; – aber dafür läßt er oft weit unbegreiflichere Dinge vor unseren Augen geschehen. In der ›Göttin Circes‹ gibt Circe den Gefährten des Ulysses den Zaubertrank, – «deckt sie murmelet mit einem Tuch, so gewinnen sie Sewrüssel». «Sie treibt sie hinaus, sie gröchtzen.» Im folgenden heißt es: «Circes bringt die Sew, gibt ihn wieder zu trinken, so werden’s Menschen.» Noch mehr: in dem biblischen Schauspiele ›Von der Schöpfung, Fall und Außtreybung Ade, auß dem Paradieß‹, welches an der Spitze der Werke Hans Sachsens steht, heißt es, nach einem Monolog, den Gott (welcher hier wie in einigen anderen Stücken, z. B. dem ›Hiob‹, eine der mitspielenden Personen ist) gesprochen hat: «Der Herr formieret Adam und bläßt ihm ins Angesicht.» Und im zweiten Akt kommt der Herr, «nimpt ein Ripp aus dem Adam, in dem dieser schläft und bildet die Eva». – Noch weniger als diese offenbaren Wunder der Mythologie des Altertums, und der christlichen Religion, muß es ihm natürlich kosten, Unschicklichkeiten, und Widrigkeiten aufs Theater zu bringen. In dem ›Machabäer‹ läßt er im fünften Akt dem vergifteten und kranken König Herodes von seinem Leibarzt «den Brunnen» besehen; und in demselben Stück nimmt die Grausamkeit des Königs Antiochus, der den sieben Söhnen Einer Mutter die Zungen nacheinander ausschneiden läßt, weil sie das Heidentum nicht annehmen wollen, den ganzen dritten Akt ein.

Unter den Schauspielen unseres Volksdichters sind diejenigen in der Anlage am erträglichsten, die aus einer kleinen Erzählung entstanden sind, welche schon an sich ein Ganzes ausmachte; z. B. einige, die aus dem Boccaz genommen sind, z. B. die geduldig und gehorsam Markgräfin Griselda. Aber die ungeheuersten Kompositionen sind diejenigen Stücke, in deren enge Grenzen von etwa zwölf Quartblättern er sich einfallen läßt, ganze Romane zusammenzupressen: es sind einzelne, verstümmelte Glieder eines Riesenkörpers, welche ungeschickt zur Gestalt eines Zwerges zusammengesetzt sind. Freilich überspringt er manche einzelne Vorfälle, aber die Hauptbegebenheiten oder Abenteuer jagt er in der größesten Schnelligkeit vor den Augen seiner Zuschauer vorüber, und läßt sie in einer oder zwei Viertelstunden eine lange Reihe von Jahren durchlaufen. Denn diese Stücke enthalten immer die ganze Lebensgeschichte des Helden, von seiner Geburt, bis zu seinem Tod. Sie sind übrigens aus den damals allgemein bekannten, und in häufigen Umarbeitungen wiederholten Volksromanen oder chronikmäßigen Rittergeschichten entlehnt. Hier sind einige Titel solcher Stücke: «Comedi. Mit XIX Personen, die schön Magelona, vnd hat 7 Actus. Tragedia: Mit XXV Personen zu agieren, die Melusina, vnd hat VII Actus. – Tragedia. Mit XXI Personen. Hertzog Wilhelm von Österreich, mit seiner Agaley, deß Königs Tochter aus Griechenland, vnd hat 7 Actus. – Tragedia. Mit XVII Personen. Der Hörnen Seyfried, ein Sohn König Sigmunds in Niderland, vnd hat 7 Actus. – Ein Comedi, Florio, deß Königs Son aus Hispania und der schön Bianceflora, vnd hat VII Actus. – Comedia. Mit XIII Personen. Pontus, eines Königs Sohn aus Galicia, mit seiner schönen Sidonia, eines Königs Tochter zu Britannia, vnd hat 7 Actus.» – Ebenso sind auch die Geschichte des Trojanischen Krieges, das Leben Alexanders des Großen, und das Leben des Cyrus bearbeitet. Unter andern hat er auch die Geschichte des Ritters Galmi, in dem ersten Teile des Buches der Liebe (einer alten Romanensammlung, wovon dieser erste Teil durch den Herrn Bibliothekar Reichard in Gotha neu aufgelegt ist,) zum Gegenstande eines seiner Schauspiele gemacht. In diesen Ritterstücken kommen nun auch die abgeschmacktesten Anekdoten, die seltsamsten Abenteuer, usw. auf die Bühne.

Hans Sachs bringt eine ganze Lebenszeit, in ein kurzes Stück; aber nicht bloß zwischen den Akten läßt er Jahre vergehen, sondern auch während der Handlung vergehen Tage, ja sogar Jahre, man weiß nicht wie, und zwischen zwei unmittelbar aufeinanderfolgenden Auftritten, muß man oftmals viel Zeit und Handlung in Gedanken einschieben. In dem Stück ›Marino, deß Königs Tochter auß Frankreich‹ eröffnet der König gleich anfangs seinen Räten das schreckliche Vorhaben, seine Tochter zur Ehe zu nehmen; unmittelbar darauf kommt diese voll Betrübnis herein, und weiß schon, was ihr Vater beschlossen hat. In dem schon erwähnten ›Machabeer‹ verläßt der eben vergiftete Herodes die Bühne; und kommt unmittelbar darauf, weit kränker, wieder herein. Ähnliche Ellipsen kommen häufig vor. Reisen werden in wenigen Minuten gemacht. Zuweilen kommt jedoch der Dichter der Einbildungskraft seiner Zuschauer zu Hilfe. In der ›Opferung Isaaks‹ zum Beispiel, kommen im dritten Akt, Abraham und Isaak vor, welche mit einem Holzbündel, nach dem Opferberg gehen. Darauf halten zwei Knechte Abrahams ein kurzes Gespräch; und nun erscheinen jene beiden Personen wieder. Die Zwischenszene ist hier also das Maß der Entfernung des Berges, oder der Zeit um dahin zu gelangen. Weit öfter aber verschwinden Tage, während daß eine Person hinaus- und eine andere hereingeht. Das erste Beispiel gibt die ›Comedia vom Jacob vnd seinem Bruder Esaw‹. Im ersten Akt bringt eine Magd die in dem Augenblick vorher geborenen Kinder Jakob und Esau dem alten Isaak herein; und alle Personen gehen ab. Unmittelbar darauf kommt Jakob herein und spricht als ein Jüngling von wenigstens 14 bis :16 Jahren!…

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Ein Kommentar zu „Erzählung der Woche 44/2010

  1. für den interessierten Leser hier ein Gedicht von Hans Sachs

    Sankt Peter mit der Geiß

    Als noch auf Erden ging Christus Und auch mit ihm wanderte Petrus, Eins Tags aus einem Dorf mit ihm ging, Bei einer Wegscheid’ Petrus anfing: »O Herre Gott und Meister mein, Mich wundert sehr der Güte dein. Weil du doch Gott allmächtig bist, Läßt es doch gehn zu aller Frist In aller Welt, gleich wie es geht. Wie Habakuk sagt, der Prophet: Gewalt und Frevel geht vor Recht! Der Gottlose übervorteilt schlecht Mit Schalkheit den Gerechten und Frommen, Auch kann kein Recht zu End’ mehr kommen. Da siehst du zu und schweigest still, Als kümmre dich die Sach’ nicht viel. . . . O sollt’ ich ein Jahr Herrgott sein, Und sollt’ Gewalt haben wie du, Ich wollte anders schauen dazu, Führ’n ein viel besser Regiment Auf dem Erdreich durch alle Ständ’. Ich wollte steuern mit meiner Hand Wucher, Betrug, Krieg, Raub und Brand; Ich wollt’ anrichten ein ruhig Leben!«

    Der Herr sprach: »Petre, sag mir eben, Meinst, du wolltest besser regieren, All’ Ding’ auf Erden baß ordinieren, Die Frommen schützen, die Bösen plagen?« Sankt Peter tät hinwieder sagen: »Ja, es müßt’ in der Welt baß stehn, Nicht also durch einander gehn. Ich wollt’ viel beßre Ordnung halten.« Der Herr sprach: »Nun, so magst verwalten, Petre, die hohe Herrschaft mein; Heut den Tag sollst du Herrgott sein. Schaff und gebeut all’s, was du willt, Sei hart, streng. gütig oder mild, Gib aus den Fluch oder den Segen, Gib schön Wetter, Wind oder Regen; Du magst strafen oder belohnen, Plagen, schützen oder verschonen: In Summa, mein ganz Regiment Sei heut den Tag in deiner Hand.«

    Petrus war des gar wohlgemut, Deucht’ sich der Herrlichkeit sehr gut. Indem kam her ein armes Weib, Ganz mager, dürr und bleich von Leib, Barfuß in einem zerrißnen Kleid, Die trieb ihre Geiß hin auf die Weid’. Da sie mit auf die Wegscheid’ kam, Sprach sie: »Geh hin in Gottes Nam! Gott hüt’ und schütz’ dich immerdar, Daß dir kein Übel widerfahr’. Gott hüte dich mit seiner Hand! Mit dem die Frau sich wieder wandt’ Ins Dorf; so ging die Geiß ihre Straß’, Der Herr zu Petro sagend was: »Petre, hast das Gebet der Armen Gehört? Du mußt dich ihrer erbarmen, Weil ja den Tag bist Herrgott du, So stehet dir auch billig zu, Daß du die Geiß nehmst in dein’ Hut, Wie sie von Herzen bitten tut, Und behüte sie den ganzen Tag, Daß sie sich nicht verirr’ im Hag, Nicht fall’, noch mög’ gestohlen werden, Noch sie zerreißen Wolf’ und Bären; Daß auf den Abend wiederum Die Geiß heim unbeschädigt komm’ Der armen Fraue in ihr Haus. Geh hin und richt die Sach’ wohl aus!

    Petrus nahm nach des Herren Wort Die Geiß in sein’ Hut an dem Ort Und trieb sie an die Weid’ hindann. Da fing Sankt Peters Unruh an. Die Geiß war mutig, jung und jäh Und blieb drum gar nicht in der Näh’, Lief auf der Weide hin und wieder, Stieg den Berg auf, den andern nieder, Schlupft’ hierhin, dorthin durch die Stauden, Petrus mit Ächzen, Blasen, Schnauden Mußt’ immer nachtrollen der Geiß; Und schien die Sonn’ gar überheiß, Der Schweiß über seinen Leib abrann. Mit Unruh verzehrt’ der alte Mann Den Tag, bis auf den Abend spat Verdurstet, kraftlos, müd und matt Die Geiß er wied’rum heim gebracht.

    Der Herr sah Petrum an und lacht’,
    Sprach: »Petre, willst mein Regiment
    Noch länger behalten in deiner Händ?«
    Petrus sprach: »Lieber Herre mein,
    Nimm wieder hin die Herrschaft dein
    Und deine Gewalt; ich begehr’ mit nichten
    Forthin dein Amt mehr auszurichten.
    Ich merk’, daß meine Weisheit kaum töcht’,
    Daß ich eine Geiß regieren möcht’
    Mit großer Angst, Müh und Arbeit.
    O Herr, vergib mir meine Torheit!
    Ich will fort der Regierung dein,
    Weil ich leb’, nicht mehr reden ein.«
    Der Herr sprach: »Petre, dasselbe tu,
    So lebst du fort mit stiller Ruh,
    Vertraue mir in meine Händ’
    Das allmächtige Regiment.«

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