gestorben 21.08.1838 – 14. märchenhafte Biografie


Adelbert von Chamisso

Brustbild Adalbert von Chamisso

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Adelbert von Chamisso

* 30. Januar 1781 auf Schloss Boncourt bei Ante, Châlons-en-Champagne, Frankreich;

† 21. August 1838 in Berlin;

hieß ursprünglich Louis Charles Adélaïde de Chamissot de Boncourt.
Er war ein deutscher Naturforscher (Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Cham.“).Autor und Dichter, der auch märchen- und sagenhafte Themen wählte.

Leben

Adelbert wurde als vierter Sohn von sieben Kindern des Grafen Louis Marie de Chamissot auf dem Stammsitz der Familie, dem Schloss Boncourt in der Champagne, geboren.

Als gesichert gilt nur sein Taufdatum, der 31. Januar 1781, wie er selbst in seiner Reise um die Welt schreibt.

Im Jahre 1790 verließen die verarmten Eltern Adelberts von Chamisso erst ihr Stammschloss und 1792 Frankreich.

Auf der Flucht vor den Revolutionsheeren zogen sie weiter durch die Niederlande und Süddeutschland, bis sie sich 1796 in Berlin niederließen, wo die beiden älteren Brüder Stellungen als Hauslehrer annahmen.

In Berlin war Chamisso dann Schüler des 1689 von Hugenotten gegründeten Französischen Gymnasiums (Collège Français de Berlin).

1796 wurde er Page bei Luise Friederike von Preußen in Berlin.

Von 1798 bis 1807 leistete er Militärdienst in der preußischen Armee.

1801 wurde er Leutnant; er nannte sich Ludwig von Chamisso.

1805 wurde er mit seinem Regiment nach Hameln verlegt, wo er im folgenden Jahr die Demütigung der durch Verrat ermöglichten Kapitulation der Stadt gegenüber Napoléons Truppen miterlebte. Anschließend reiste von Chamisso als Gefangener auf Ehrenwort nach Frankreich, bis er schließlich 1807 (manche Quellen sprechen von 1806) aus dem Armeedienst ausschied.

Ab 1804 gab er den Berliner Musenalmanach mit den Freunden des romantischen Dichterkreises „Nordsternbund“ heraus und nannte sich fortan Adelbert von Chamisso.

Zu diesem Kreis zählten auch Julius Eduard Hitzig, Friedrich de la Motte Fouqué, Karl August Varnhagen von Ense, dessen Schwester Rosa Maria und Friedrich Wilhelm Neumann. Mit Rosa Maria Varnhagen von Ense verband ihn eine platonische Freundschaft; sie botanisierten gemeinsam und übersetzten die altfranzösische Lyrik der Troubadours.

Von 1810 bis 1813 hielt er sich in Frankreich und der Schweiz auf, danach wieder in Berlin. Hier zählte er zum literarischen Freundeskreis von E. T. A. Hoffmann, den „Serapionsbrüdern“.

In der Schweiz begann er sich der Naturwissenschaft, zunächst vor allem der Botanik, zuzuwenden.

In den Jahren 1815 bis 1818 nahm er als Naturwissenschaftler („Titulargelehrter“) an einer Weltumsegelung teil

Diese Expedition des russischen Kapitäns deutsch-baltischer Abstammung Otto von Kotzebue, Sohn des Dichters August von Kotzebue, finanziert vom russischen Schatzkanzler Graf Nikolai Petrowitsch Rumjanzew, erforschte im Pazifik Polynesien und Hawaiʻi und sollte zumal die legendäre Nordwestpassage finden.

Chamisso kartografierte große Teile der Küste von Alaska, erfasste die Flora Alaskas (nach ihm wurde dort die neu entdeckte Chamisso-Insel benannt) und beschrieb die Lebensgewohnheiten der Eskimos und Aleuten. (Kuriosität: Das bekannte Kleidungsstück Parka erscheint in der deutschen Sprache erstmalig bei ihm in seinem Buch Reise um die Welt. Es handelt sich dabei eigentlich um einen gefütterten Umhang mit Kapuze bei den Tschuktschen.)

Scharf kritisierte er die dortige russische Kolonialherrschaft. Bewegend und hinreißend sind seine vorurteilslosen und humanistischen Darstellungen der Bewohner Hawaiis und Polynesiens.

1819 heiratete Chamisso die viel jüngere Antonie Piaste (1800-1837), Ziehtochter seines Freundes Hitzig, nachdem die Universität ihm den Ehrendoktor verliehen und er Zweiter Kustos am Königlichen Herbarium (auf dem Gelände des heutigen Kleistparks) geworden war.

Nach dem Weggang Schlechtendals 1833 wurde er Erster Kustos und blieb es bis kurz vor seinem Tode. Mit dieser Anstellung war seine finanzielle Zukunft gesichert.

Chamisso veröffentlichte 1831 seinen ersten Lyrikband mit älteren Gedichten. Neue Lyrik schrieb er nur noch selten. 1833 verfasste er das Gedicht Der rechte Barbier. 1837 veröffentlichte er seine vorherigen Reisestudien in der Hawaiischen Sprache. Mit seinem sozialkritischen Flugblattgedicht Die alte Waschfrau (in der zweiten Version) sammelte er 1838 Spenden für „Mutter Schulz“, eine in Not geratene Berlinerin, und nahm 150 Reichstaler ein.

Er starb am 21. August 1838 in Berlin an Lungenkrebs.

Sein Ehrengrab der Stadt Berlin liegt auf dem Friedhof am Halleschen Tor in Berlin-Kreuzberg in der Abt. 3/1, G2, nur wenige Meter vom Grab E.T.A. Hoffmanns entfernt.

In der Nähe liegt der nach ihm benannte Chamissoplatz.

Am 31. Januar 2006 wurde in der Friedrichstraße 235 an der Stelle, an der bis 1908 sein Wohnhaus stand, eine Gedenktafel für Chamisso enthüllt.

Leistungen

Obwohl Französisch Chamissos Muttersprache war, gelang es ihm, in der deutschen Fremdsprache unsterbliche Werke zu schaffen.

Am bekanntesten sind sicherlich „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“ (1814) und das Gedicht „Das Riesenspielzeug“ über die Burg Nideck im Elsass.

Dies erklärt, dass der bisher einzige Literaturpreis für deutschsprachige Migrantenliteratur seinen Namen trägt. Mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis werden seit 1985 in Deutschland Autorinnen und Autoren nichtdeutscher Muttersprache ausgezeichnet.

Ehrentaxon

Ihm zu Ehren wurden die Gattungen Chamissoa H.B.K. aus der Pflanzenfamilie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae), Chamissonia Endl. aus der Pflanzenfamilie der Nachtkerzengewächse sowie Chamissoniophila Brand (heute ein Synonym zu Antiphytum DC. ex Meisn.) aus der Pflanzenfamilie der Raublattgewächse benannt. Des weiteren wurden über 150 Pflanzenarten und auch einige Tierarten ihm zu Ehren benannt.

Werke

• Adelberts Fabel, 1806

• Fortunati Glückseckel und Wunschhütlein, 1806• Peter Schlemihls wundersame Geschichte, Nürnberg 1814 (Vertonung: P. Ronnefeld, Ballett 1956)
• Bemerkungen und Ansichten einer Entdeckungsreise, 1821
• Die Sonne bringt es an den Tag (Ballade), 1827
• Salas y Gomez (Ballade), 1829
• Frauen-Liebe und Leben, Liederzyklus, Berlin 1830 (Vertonung: Robert Schumann, 1840 und Carl Loewe)
• Gedichte, Leipzig 1831
• Die Weiber von Winsperg, 1831
• Hrsg. Der deutsche Musenalmanach, seit 1832 (zus. mit Gustav Schwab)
• Reise um die Welt in den Jahren 1815-1818 (Tagebuch), 1836
• Über die Hawai’sche Sprache, 1837

3 Kommentare zu „gestorben 21.08.1838 – 14. märchenhafte Biografie

  1. Wieder eine Menge dazugelernt! Von Chamissos Forschungstätigkeit wußte ich rein gar nichts. – Die Burgruine Nideck trägt über dem Eingang ein Bronzerelief, das Adalbert von Chamisso zeigt, und das Gedicht vom Riesenspielzeug kannte, als ich vor 28 Jahren dort war, jeder in der Gegend.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s