Brandenburger Impressionen (2)


Fortsetzung von Teil 1

Vor 1000 Jahren befand sich auf der heutigen Dominsel die Hauptburg der Havelslawen, der Heveller. Strategisch ein wichtiger Platz, denn hier kontrollierten sie die Kreuzung zweier Handelswege. Wer zwischen Ost- und Westeuropa verkehren wollte, musste auf ihnen die Havelsümpfe durchqueren. Das Hauptheiligtum der Heveller für ihren Gott Triglav (Dreihaupt) soll auf der anderen Seite der Havel gelegen sein, auf dem jetzigen Marienberg. Seit ich mit einer Schweizerin befreundet bin, weiß ich, dass wir Endmoränenbewohner die Bezeichnung Berg etwas großzügig für Hügelartiges verwenden, dieser hier ist nach dem Abtauen   eines Toteisblockes der Weichseleiszeit als eine inselartige Endmoränenkuppe zurückgeblieben und misst  67,7 m ü. NHN.

Die Burginsel wurde zum ersten Mal im Winter 928/929 durch König Heinrich I. erobert. Die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Germanen und Slawen dauerten gut 220 Jahre an diesem Gebiet an und wurden durch eine Erbschaftsregelung beendet, weil der letzte Fürst der Heveller – Pribislaw Heinrich – 1150 ohne Nachfolger starb . Danach regierte  der Askanierfürst Albrecht der Bär  von 1157 bis zu seinem Tod 1170 als erster „Markgraf von Brandenburg“ auf der Dominsel.

Der Brandenburger Dom erfuhr im Laufe der Zeit viele An- und Umbauten und Änderungen bei Restaurierungen. Ursprünglich geplant war er als zweitürmiges Domgebäude , aber der sumpfige Baugrund ließ keine Errichtung eines Südturmes zu. Der Turm erhielt seine gegenwärtige Gestalt bei der Restaurierung unter Carl Friedrich Schinkel.

Im Dom befindet sich eine  zweimanuale barocke Orgel. Sie hat 33 Register und ist ein frühes Werk des preußischen Orgelbaumeister Joachim Wagner (1690-1749),das  nach einem Prospekt von Johann Georg Glume (1679-1765) gefertigt wurde. Es gelang bei der Restaurierung, den Ursprungsbestand des Instruments weitgehend zu erhalten. Als wir den Dom besichtigten, wurde gerade die Orgel für eine Stunde gespielt. Ich habe noch nie so einen warmen, samtenen Orgelklang gehört, diese ist nun eindeutig meine Lieblingsorgel, obwohl die Marienkirche am Alexanderplatz auch eine Wagnerorgel mit schönem Klang hat.

Fortsetzung hier

 

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2 Kommentare zu „Brandenburger Impressionen (2)

  1. Wie gesagt, Bettina, interessanter Geschichtsunterricht, den Dein Urlaub mit sich bringt. 🙂
    Die Mutter meines Freundes stammt aus Brandenburg und fährt alle paar Jahre ihre Familie besuchen. Sie erzählt jedes Mal voller Begeisterung, wie sehr sich diese Stadt zum Vorteil veränderte, allerdings schimpft sie auch. Über überflüssige Verschönerungen, für die „unsere“ Steuergelder vergeutet worden seien. Naja, das übliche.
    Ihre Freundin lebt dort in einem Haus direkt an der Havel – traumhaft.

  2. ja, in Teil 1 habe ich ja meine Erinnerung an Brandenburg kurz beschrieben, jetzt ergänze ich, das stellte Venedig in den Schatten, weil durch den Krieg auch kein morbider Charme an den bewohnten Artefakten entstand. Brandenburg, das war für mich graues Geröll inmitten von Wald und Wasser. Klar gabs auch Neubauten, aber seit 1950 waren Neubauten in ihrer Wirkung mehr oder weniger beliebig austauschbar und hinterlassen keinen Eindruck.
    Ich kann mir gut vorstellen, wie beglückend der Anblick jetzt für geborene Brandenburger sein muss. Steuerverschwendung, naja, wo gibt es die nicht. Zumindest Nahe der Dominsel ist mir nichts unverhältnismäßiges aufgefallen. Eher empfand ich alles sehr verhalten, der Brandenburger Mentalität mehr als entsprechend.
    Bei der Brücke zur Dominsel habe ich überlegt, ob diese Mixtur aus Metall und Holz wirklich denkmalgerecht ist, aber ich bin auch eine Sicherheitsfanatikerin und gebe mich solchen Kompromissen dann gern hin.
    Und der eine Blick von dieser Brücke auf das zum Wohnhaus rekonstruierte Fabrikgebäude, da hatte ich kurz gedacht, ohhhh, so möchte ich auch wohnen, abends auf dem Balkon sitzen und aufs Wasser gucken, schön!!!

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