Wilhelm Grimms Textarbeit an der Märchensammlung nachempfunden… Teil2


Fortsetzung von Teil 1

nur unvollständig erhalten; schon daß das Märchen von dem Drechsler abspringt, dem auch wohl das folgende selbst begegnen könnte, ist unrecht.

War also schon die Einschätzung der Grimms zum Märchen Vom Drechsler und Schreiner, ein Grund, warum das Märchen in den folgenden Ausgaben nicht mehr enthalten war.

Ich meine, ein weiteres „Unrecht“ ist es, vom Schreiner abzufallen. Viel sinnvoller wäre es, Tischler und Schreiner als gleichwertige Partner agieren zu lassen, entweder mit unterschiedlichen Lebensmodellen oder als Beispiel für die Kraft der Freundschaft.
Ihre unterschiedlichen Wunderdinge sind auch mehr Aufmerksamkeit wert, hat der Schreiner doch ein Tischchen gebaut, mit dem er das Element  Wasser  bezwingen kann und das auch Qualitäten des Element Erde enthält und Nahrung beschaffen kann, während der Drechsler mit seinem Fluggerät das Element Luft beherrscht.
Die antike Elementelehre war bis zur Zeit der Aufklärung gängige Lehrmeinung und hat die Vorstellung der Menschen vom Wesen der Dinge bis in unsere Zeit geprägt und findet sich auch in den Märchen wieder.

Damals, in der Antike, bekamen diese vier Elemente  Eigenschaften durch die Zuordnung  zu Gottheiten , welche auch in der  Medizin und psychologischen Betrachtung übernommen wurden.
Dem Feuer wurde Zielstrebigkeit, Ehrgeiz, Engagement zugeordnet.
Wasser ist das sanfte Element, das nachgiebige und weiche,
das Luftelement ist quirlig, flexibel und veränderungorientiert
und die Erde steht für das Festgefügte, Starre und Beständige.

Normalerweise besitzen alle Dinge  und alle Wesen eine charakteristischen Anteil der vier Elemente. Fehlt eines, herrscht ein Ungleichgewicht, dass ausgeglichen werden muss.
Hier in unserer Konstellation fehlt noch das Feuerelement, das entweder im Helden selbst anzulegen ist oder in einem magischen Helfer.
Letzteres gefällt mir gut, ich könnte mich durch die magischen  Holzinstrumente  auf die mythischen Eigenschaften bestimmter Bäume stützen, deren in der Mythologie nachgesagte Eigenschaften passen und die bestimmten Gottheiten zugeordnet waren.

Geht ja in dem Märchen irgendwie um Holzverarbeitung. Und über die Hölzer bekomme ich dann den Übergang zu einer hilfreichen Urgottheit hin, eine Erdmutter, Frau Trude, Frau Holle, Nerthus, Frigg, eine als Trinität erscheinende Göttin,  sowas in der Art.

Trinität, Göttin in dreifacher Gestalt, Jungfrau, Mutter, Alte

Wobei, Frau Holle, wie fast  jede andere Erdmutter, wohnt im Holunder, dessen Holz verarbeitet man nicht, daraus wird nur das Stockmaß für den Sargtischler gefertigt, ahhh, merke schon, wird spannend, das hinzubekommen.

Fortsetzung hier

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2 Kommentare zu „Wilhelm Grimms Textarbeit an der Märchensammlung nachempfunden… Teil2

  1. hmm,Klara,grüß Dich. Bevor ich jetzt lange mit Dir schreibe, was Du daran nicht verstehst, fange ich mal an zu raten…
    Ist Dir der Begriff Stockmaß als Größenangabe für Pferde und andere Vierbeiner bekannt und das verunsichert Dich?
    Beim Stockmaß wird ja mit einem senkrecht auf dem Boden stehenden Stock im rechten Winkel zur Schulter des Tieres gepeilt um die Höhe zu ermitteln, schließlich will man ja Rückenhöhe und nicht eine Kombi von Rückenhöhe und Bauchradius messen.
    Und so hier beim Maßnehmen für den Sarg, ein Stock, vielleicht auch eine Elle, wird an der Leiche so oft angesetzt, bis man die Länge und Breite hat.
    Warum ist der aus Holunderholz gewesen?
    Weil die Erdgöttin (in welcher Form sie auch auftritt)auch für die Wiedergeburt zuständig war und der Holunder „ihre“ Pflanze ist. Ansonsten war der Baum/Strauch heilig und durfte nicht gefällt werden.

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