Pfingsten – aus der Brauchtumsmappe


Weil das Datum des Osterfestes variiert, da es an den ersten Frühlingsvollmond gebunden ist, fällt Pfingsten auch auf variable Termine zwischen dem 10. Mai und 13. Juni.
Der Begriff „Pfingsten” entstand aus dem griechischen Wort Pentecoste, der fünfzigste (Tag), denn laut Apostelgeschichte wurde das erste Pfingstfest am „Fest der (Weizen-) Ernte – Schawuot – fünfzig Tage nach dem österlichen Paschafest gefeiert.
Am Tage Schawuot, der später bei den Christen den Namen „Pfingsten” erhielt, ereignete sich durch die biblisch berichtete Herabkunft des Heiligen Geistes, das Pfingstwunder: Durch Feuerzungen sichtbar kam der Heilige Geist über die Jünger und bewirkte ihr Sprechen in vielen fremden Sprachen.

Das pfingstliche Brauchtum spielt entweder das pfingstliche Geschehen nach oder hat jahreszeitliche Bezüge als Frühlings- oder Maienbrauchtum.

Symbole für den Heiligen Geist ( Spiritus Sanctus),
im Johannesevangelium auch Paraklet genannt:

  • der unsichtbare Wind
    (Joh 3, 8 EU), aufgegriffen in Briefen von Athanasius und den katechetischen Lektionen von Cyril von Jerusalem
  • fließendes Wasser, Quellwasser
    (Joh 7, 37f EU; Offb 22, 17 EU) aufgegriffen z.B. von Ambrosius von Mailand in De Spiritu Sancto und von Johannes Chrysostomos in der 51. Predigt über das Johannesevangelium
  • Feuer
    (Pfingstereignis), bei Athanasius, Ambrosius von Mailand, Cyril von Jerusalem, Hildegard von Bingen
  • Salböl
    (Lk 4, 18 EU), aufgenommen in den Apostolischen Konstitutionen,
    bei Cyril von Jerusalem, im Sakrament der Firmung von der orthodoxen und der katholischen Kirche.
  • Taube
    (Taufe Jesu Matth 3, 16 EU)

Im Mittelalter wurde die Herabkunft des Heiligen Geistes dem Volk dargestellt, indem aus dem Kirchengewölbe auf die versammelte Gemeinde brennendes Werg schwebte. Die Männer versuchten es mit ihren Hüten aufzufangen, weil es den Glauben gab, es würde vor Wetterschlägen schützen.
Andernorts wurde stattdessen eine hölzerne Taube als Symbol des Heiligen Geistes aus dem Kirchengewölbe herabgelassen und in Schwingung versetzt (Heilig-Geist-Schwingen).Oder es wurden während der Predigt lebende Tauben in der Kirche fliegen gelassen. Die Taube wird seit dem Konzil von Nicäa als Symbol für den Heiligen Geist dargestellt.
Davor wählte man die Gestalt einer Frau (Hagia Sophia) oder eines Jünglings, der sich noch in manchen Darstellungen der Dreifaltigkeit erhalten hat.
Das Symbol ist aber nicht ganz eindeutig, denn es heißt in der Heiligen Schrift an drei Stellen einheitlich (Mt 3,16; Mk 1,10; Joh 1,32), der Geist Gottes sei wie eine Taube, aber nicht als eine Taube herabgekommen.
Nur Lukas schreibt, der Geist Gottes sei „sichtbar in Gestalt einer Taube” herabgekommen (Lk 3,22).
Damals war die Taube noch ein „Vogel der Könige”. Im Barock war die Taube als Symboltier des Heiligen Geistes sehr beliebt, denn die Taube galt als Ikon und Erkennungszeichen praktizierter Nächstenliebe. Darum wurden  Hospize und Hospitäler auch gerne „Zum Heiligen Geist” genannt.
Mit Pfingsten war der Große Wettersegen verbunden, ein Gebet, bei dem Priester und die Gemeinde um eine gute Ernte baten.
(Da Wetter aber eine so existenziell wichtige Sache war, erweiterte man den Zeitraum für den Wettersegen später auf die Zeit vom Fest der Kreuzauffindung am 3. Mai bis zum Fest der Kreuzerhöhung am 14. September.).

Segensgebet  einfache Form:

Priester: „Vor Blitz, Hagel und Ungewitter“
Gemeinde: „bewahre uns o Herr.“
Priester: „Erweise, Herr, uns deine Huld“
Gemeinde: „und schenke uns dein Heil.“
Priester: „Herr erhöre unser Gebet“
Gemeinde: „und lass unser Rufen zu dir kommen.“

Priester: „Der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes komme über euch, über dieses Land, über eure Arbeit und die Früchte der Erde und bleibe alle Zeit“
A: „Amen“

Ein der Liturgie nahes religiöses Brauchtum hat sich zu Pfingsten kaum ausgebildet. Es bleibt immer territoriales Volksbrauchtum, in dem eine Weiterführung alter jahreszeitlicher Bräuche der jeweiligen Gegenden zu vermuten ist.

Zum Pfingstbrauchtum zählt:

„Pfingstmilch” :
die an Pfingsten gemolkene Milch gehörte in alten Zeiten den Mägden, die mit der ihren jungen Burschen ein Fest aus Milchsuppe mit Mandeln und Eiern anrichteten.
„Pfingstbier”:
hieß das Gegenfest der jungen Burschen, das am Pfingstmontag nach der Kirche mancherorts mit Essen, Trinken und Tanz auf dem Dorfplatz gefeiert wurde.
Die Pfingstbrezel :
am Pfingst(vor)abend legten die Kinder Huflattichblätter vor die Türe, auf denen sie morgens die Pfingstbrezel fanden. Der Huflattich wurde gepresst und aufbewahrt, weil er gegen verschiedene Schmerzen helfen sollte. Die Brezel, aus einem Stück, doch  mit drei Löchern, ist ein schönes (und nahrhaftes) Symbol für die Heilige Dreifaltigkeit.

Pfingstmaien:
in der Nacht von Pfingstsonntag auf -montag und das Verstellen von Sachen leitet sich von einem alten Abwehrzauber her. Die Häuser wurden geweißt und Pfingstmaien angebracht, frische Birkenäste, geschmückt mit Bändern und Blumen, die verliebte Burschen ihren Mädchen als Symbole der Jugendfrische und Zuneigung („Ich bin dir grün!”) vor die Tür pflanzten oder an das Haus steckten.
Schandmaien :
Weit schlimmer als keine Maien zu erhalten war es für ein Mädchen von einem „verblichenen” Freund eine so genannte Schandmaien aufgesteckt zu bekommen: Einen dürren Stecken oder das kahle Gerippe eines ehemaligen Christbaumes.
Auch Kirschzweige (Symbol für Klatschsucht) oder Weißdorn (Symbol für eine, die unbedingt geheiratet werden will) galten als wenig geliebte Gaben.

Dieses Brauchtum wurzelt in  dem alten Brauch des „Mailehens”. Hierbei erhalten die heiratsfähigen Burschen heiratsfähige Mädchen „zu Lehen”, die sie – in der Regel im laufenden Jahr – zu Tanz und Feier ausführen mussten/durften. Die Paarbildung zum Zwecke des näheren Kennen Lernens erfolgte durch Verlosung oder Versteigerung. Die Maien setzten die Burschen „yren metzten zuo eer”, wie Sebastian Franck 1534 notiert.

Maibaum (Pfingstbaum):
des Dorfes oder des Stadtteils, meist eine Fichte oder Tanne, die – bis auf den Wipfel – entastet war. Dieser Maibaum wurde durch einen Kranz, Fahnen, Bänder, Zunftzeichen usw. geschmückt und auf dem Dorfplatz aufgestellt. Wichtig war, dass der Baumstamm säuberlich entastet und damit sehr glatt war. Zusätzlich wurde er gerne mit Seife eingerieben, denn er diente für Wettkämpfe als Kletterbaum. Bei diesen Spielen wurde der „Pfingstbräutigam” oder „Pfingstkönig” ermittelt, der sich eine „Pfingstbraut” oder „Pfingstkönigin” erwählen durfte, mit der er die „Pfingsthochzeit” feierte.

Noch immer ist der „Maibaumklau” im Nachbardorf – welcher dann nur durch viel, sehr viel, oft auch zu viel Bier ausgelöst werden kann – ein beliebter Brauch.

Der „Pfingstochse:
wird auf ein geschmücktes Rind zurückgeführt, das zur Weide getrieben wurde, den Pfingsten ist auch ein Hirtenfest, weil an diesem Tag das Vieh – natürlich festlich geschmückt – erstmals im Jahr auf die Weiden getrieben wurde, die „Pfingstweide” wurde eröffnet. In grünes Laub gekleidete Burschen traten auf, die die neuen Wachstumsgeister verkörperten. Doch noch wahrscheinlicher ist, dass der Begriff von einem Ochsen abgeleitet wird, der an Pfingsten geschlachtet und zuvor geschmückt durch das Dorf geführt wurde, ein brauch, der auf eine vorchristliche jahreszeitliche Opferhandlung zurück geht.

Die Pfingstfeste werden oft durch das Einholen einer Pfingstgestalt, territorial ein Butz, Graskönig, Nickel, Pfingstl, Pfingst(d)reck, Pfingstkerl, Pfingstlatzmann, Pfingstlümmel, Quack, Sommergewinn oder Wasservogel. Diese Figur ist in frisches Grün gekleidet und stellte den Sommerbeginn dar.
In dieser Tradition stehen auch die Gemeinschaftsfeiern von Schützen- oder Kegelvereinen, die sich gerne Pfingstmontag treffen, um ihren „König” zu ermitteln.

Flurumritte, Grenzabschreitungen und Prozessionen finden zu Pfingsten statt. Nach altem Denken sollten die Umzüge der neuen Saat Heil und Segen bringen.

Maibrunnen, Maibrunnenfeste:

Der Brauch, zu Pfingsten eine Quelle zu besuchen und das frische Wasser als gesegnetes Wasser das Jahr über zu benutzen, scheint mit dem Neubeginn des Lebens zusammenzuhängen und ebenfalls auf vorchristliche Traditionen zu fußen und erhält Bestätigung durch Joh 7, 37f EU; Offb 22, 17 (EU) .

Bauernregeln:

Wenn es zu Pfingsten regnet, regnet es sieben Sonntage hintereinander.

Nasse Pfingsten, fette Weihnachten.

Pfingstregen – gibt Weinsegen.

Reife Erdbeeren um Pfingsten bringen ein gutes Weinjahr.

Zu Pfingsten  gilt das Korn am mindsten.

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