Lebensdaten unbekannt – 3. märchenhafte Biografie


Giovanni Francesco Straparola

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Giovanni Francisco Straparola (Caravaggio)

Giovanni Francisco Straparola (da Caravaggio)
* um 1480 in Caravaggio bei Bergamo;
† um 1558 vermutlich in Venedig

italienischer Märchensammler

Leben

Vom Leben Straparolas ist fast nichts überliefert, das wenige, das von seinem Leben und Werk bekannt ist, steht in der Einführung zu Ergötzliche Nächte. Er soll in Caravaggio zur Welt gekommen sein, um 1480, später lebte er in Venedig. Man sagt ihm nach, dass er keinerlei Bildung auf Grundlagen des klassischen Altertums erworben habe. Als Autor legt er keinen Wert auf Stil und Darstellung und scheut auch keine Derbheit im Ausdruck. Zudem wiederholt er viel. Im Vergleich zu Boccaccio sei er „wie ein Improvisator zu einem Kunstdichter“.

Werk

Straparola gilt noch heute als einer der ersten Märchensammler Europas, mit ihm beginnt die Zeit des Kunstmärchens. Er ist der erste Märchenerzähler, der in breitem Umfang volkstümliche Stoffe erzählt und so dem Unterhaltungsbedürfnis des Volkes entgegenkommt. Zwei seiner interessantesten Geschichten sind in Dialekt geschrieben, die eine (V,3) in bergamaskischer, die andere (V,4) in paduanischer Mundart, wahrscheinlich der komischen Wirkung wegen. Seine Geschichten gelten als phantastisch und primitiv zugleich. Da sie volksnah und altliterarisch sind, erscheinen sie als Vorläufer der Romantik.

1508 erscheint eine Gedichtsammlung, Canzoniere, bestehend aus 115 Sonetten, 35 Strambotti und 12 Kapiteln.

Der Nachwelt erhalten blieb sein Name als erster Sammler von Märchen, welche er in dem zweiteiligen Band Le piacevoli notti (deutsch Die ergötzlichen Nächte) zwischen 1550 und 1553 publizierte.

Le Piacevoli notti

Die Geschichten der „ergötzlichen Nächte“ sind wie bei Boccaccios Decamerone Rahmenerzählungen, stilistisch jedoch nicht mit ihm zu vergleichen. Die Sammlung beinhaltet 75 Geschichten und Novellen, davon 21 Märchen, durch eine Rahmenerzählung verbunden.

Die Rahmenhandlung ist, dass in einer Villa (wahrscheinlich die des Bischofs von Lodi) auf Murano erzählt sich während der Karnevalszeit eine mondäne Gesellschaft von Damen und Herren in dreizehn Nächten Novellen und Märchen, an deren Schluss jeweils ein Rätsel gestellt und gelöst wird. In den ersten zwölf Nächten werden jeweils fünf, in der dreizehnten Nacht dreizehn Geschichten erzählt.

Das Werk erfreute sich außerordentlicher Beliebtheit und erlebte innerhalb weniger Jahrzehnte über 50 Auflagen.

In den späteren Auflagen von 1556 wird die fünfte Novelle der achten Nacht aus religiöser Rücksichtnahme durch zwei andere Geschichten ersetzt, so dass das Werk von nun an 74 Erzählungen umfasst. Ab 1598 wurde es aufgrund unehrbarer Anspielungen und Anzüglichkeiten auf den geistigen Stand, so in der Geschichte vom Priester Scarpacifico und den drei Straßenräubern, das später als Vorlage für das Märchen vom kleinen und großen Klaus diente, zensiert. Einige Novellen, in denen Kleriker eine Rolle spielen, werden herausgenommen, es kommt sogar zu einem päpstlichen Verbot.

Straparola hat 23 seiner Novellen dem Neapolitaner Hieronymus Morlini, 16 Sachetti, Brevio, Ser Giovanni, dem altfranzösischen Fabliaux, der Legenda Aurea und dem Roman de Merlin entlehnt; andere gehen auf einen arabischen Roman über vierzig Tage und Abende, wieder andere auf Tausendundeine Nacht zurück.

Der Dieb Cassandrino

Cassandrino hat einen Freund, den Prätor. Dieser liebt ihn so sehr, dass er ihn für seine ständigen Diebstähle nicht bestrafen lässt. Allerdings soll Cassandrino ihm beweisen, was für ein guter Dieb er ist. Aus diesem Grund stellt er ihm 3 Aufgaben: Cassandrino soll ihm sein Bett stehlen während er schläft, in der Nacht ein Pferd stehlen, welches von Dienern bewacht wird und schließlich den Priester Severino in einem Sack zu ihm bringen. Cassandrino gebraucht jedes Mal eine List, um die Wünsche seines Freundes zu erfüllen (für das Bett gräbt er eine Leiche aus, den Diener, der auf dem Pferd schläft, setzt er auf Holzpflöcke und dem Priester verspricht er, als er in Engelsgestalt zu ihm kommt, in die Herrlichkeit einzugehen, wenn er sich in den Sack begibt). Als er alle Dinge ausgeführt hat, wird er ein rechtschaffener Mensch und Kaufmann.

Priester Scarpacifico

Der Priester wird, nachdem er auf dem Markt einen Esel gekauft hat, von 3 Räubern hereingelegt, die ihm den Esel abschwatzen, weil es sich bei ihm schließlich um einen Esel und nicht um ein Maultier handle. Nachdem der Priester dem Betrug aufgedeckt hat, will er sich bei den Räubern rächen. Er tut 3 Dinge: er verkauft ihnen eine Ziege, die angeblich nach Hause gehen und Essen bei den Frauen bestellen kann, er verkauft ihnen eine Sackpfeife, mit der man Tote angeblich wieder beleben kann (daraufhin töten die Räuber ihre Frauen) und er lässt sie glauben, als sie ihn in einen Sack einschnüren, er in ihrer Abwesenheit allerdings entkommen kann und an seine Stelle einen Schäfer in den Sack setzt, welcher daraufhin von den Räubern in den Fluss geworfen wird, dass er im Sack nicht ertrunken ist, sondern als reicher Schäfer zurückgekehrt ist, woraufhin sich die Räuber ebenfalls in Säcke einschnüren und ins Wasser werfen lassen. Daraufhin sterben sie, der Priester allerdings kehrt als reicher Mann mit einer Herde Schafe nach Hause zurück.

Die Prinzessin als Ritter

Ricardo ist der König von Theben. Als er ein alter Mann ist, beschließt er, sein Reich für seine drei Töchter aufzuteilen. Er behält ein kleines Stück Land für sich. Dann wird seine Frau allerdings wieder schwanger und das vierte Mädchen kann kein Land mehr erhalten. Die Eltern möchten sie an einen niederständischeren Mann verheiraten, weil sie keinen Anspruch mehr auf einen König hat (sie hat kein Vermögen und kein Land, das als Mitgift dienen könnte). Daraufhin beschließt Constanza als Constanzo in die Welt zu reisen, um sich einen König zu suchen. Sie kommt zum König Caco, welchem sie zu dienen beginnt. Er hat eine Frau, welche sich in Constanzo verliebt. Als sich ihre Liebe in Hass wandelt, möchte sie Constanzo los werden, indem sie Caco sagt, Constanzo solle einen Satyr fangen, ein halb Mensch, halb Tier-Ungeheuer, das noch von niemandem gefangen werden konnte. Constanzo aber schafft es und als er ihn zum König bringt, beginnt der Satyr drei Mal laut zu lachen: Ein mal bei der Beerdigung eines Kindes, ein mal bei einer Hinrichtung eines armen Mannes und ein mal als er die Königin sieht. Der Grund hierfür liegt darin, dass der Satyr magische Fähigkeiten besitzt und sieht, dass der Vater des Kindes, welches beerdigt wurde, nicht der wahre Vater ist, der arme Mann im Vergleich zu den Zuschauern der Hinrichtung keinen wirklichen Diebstahl begangen hat und die Dienerinnen der Königin zum Teil Männer sind. Daraufhin lässt Caco seine Frau und die Männer töten, Constanza gibt sich zu erkennen und heiratet den König.

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