Gedicht der Woche 11/2010


Wilhelm Hauff

Hans Huttens Ende

Laut rufet Herr Ulrich, der Herzog, und sagt:
»Hans Hutten reite mit auf die Jagd,
Im Schönbuch weiß ich ein Mutterschwein,
Wir schießen es für die Liebste mein.«

Und im Forst sich der Herzog zum Junker wandt:
»Hans Hutten, was flimmert an deiner Hand?«
»Herr Herzog, es ist halt ein Ringelein,
Ich hab es von meiner Herzliebsten fein.«

»Herr Hans, du bist ja ein stattlicher Mann,
Hast gar auch ein güldenes Kettlein an.« –
»Das hat mir mein herziger Schatz geschenkt
Zum Zeichen, daß sie noch meiner gedenkt.«

Und der Herzog blicket ihn schrecklich an:
»So? das hat alles dein Schatz getan!
Der Trauring ist es von meinem Weib,
Das Kettlein hing ich ihr selbst um den Leib.«

O Hutten, gib deinem Rappen den Sporn,
Schon rollet des Herzogs Auge im Zorn;
Flieh, Hutten, es ist die höchste Zeit,
Schon reißt er das blinkende Schwert aus der Scheid!

»Dein Schwert raus, Buhler, mich dürstet sehr,
Zu sühnen mit Blut meines Bettes Ehr!«
Flugs, Junker, ein Stoßgebetlein sprich,
Wenn Ulrich haut, haut er fürchterlich.

Es krachen die Rippen, es bricht das Herz;
Ruhig wischet Ulrich das blutige Erz,
Ruhig nimmt er des ledigen Pferdes Zaum,
Und hänget die Leich an den nächsten Baum.

Es steht eine Eiche im Schönbuchwald,
Gar breit in den Ästen und hochgestalt;
Zum Zeichen wird sie Jahrhunderte stahn,
Hier hing der Herzog den Junker dran.

Und wenn man den Herzog vom Lande jagt,
Sein Name bleibt ihm, sein Schwert; er sagt:
»Mein Name, er verdorret ja nimmermehr,
Und gerächet hab ich des Hauses Ehr.«

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2 Kommentare zu „Gedicht der Woche 11/2010

  1. Hans von Hutten
    aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie mal schnell zur Untermauerung des Gedichtes die wahre Geschichte des Stallmeisters Hans von Hutten geholt, so macht das Gedicht noch mehr Eindruck:

    Hans von Hutten (* 1477 auf Burg Trimberg bei Elfershausen, Unterfranken; † 8. Mai 1515 im Böblinger Forst) war Stallmeister des Herzogs Ulrich von Württemberg und wurde von diesem ermordet.

    Hans von Huttens Eltern waren Ludwig von Hutten und dessen Ehefrau Margarethe Speth von Zwiefalten. Als Hofbeamter in Württembergischen Diensten pflegte Hans von Hutten mit dem jüngeren Herzog Ulrich zunächst ein freundschaftliches Verhältnis. Doch 1514 führte Huttens Heirat mit Ursula Thumb von Neuburg, der heimlichen Geliebten Ulrichs, zum Bruch: der Ehemann lehnte das Ansinnen des Herzogs ab, ihm bei seiner Gattin freie Hand zu lassen, und machte entgegen seinem Versprechen das Verhältnis publik. Am 6. Mai 1515 bat er um seine Entlassung. Der selbstherrliche Herzog, der seinen Stallmeister des Verrats bezichtigte, gab vor, sich mit ihm versöhnen zu wollen, und lud ihn zur Jagd im Schönbuch ein. Hutten missachtete die Warnungen und ging in die Falle. Der mit einem Harnisch gewappnete Ulrich schickte seine Leute voraus und tötete den nur leicht bewaffneten Hutten mit eigener Hand.

    Die Tat wurde nachträglich als Fehmehandlung getarnt, wodurch sich jedoch die Reichsöffentlichkeit nicht täuschen ließ. In Folge dieses Vorfalls sagten sich 18 Grafen und Edelleute vom Herzog los. Auch seine Frau Sabina nahm dies zum Anlass, sich von ihrem Mann zu trennen. Die Familie von Hutten strengte einen Prozess beim Kaiser an und bereitete gleichzeitig eine großangelegte Fehde vor. Tatsächlich verfiel Ulrich 1516 der Reichsacht – allerdings wohl eher aufgrund von Besitzstreitigkeiten mit dem Schwäbischen Bund. Den Prozess wie den folgenden Kriegszug, der mit der Vertreibung des Herzogs endete, begleitete die Propaganda des Dichters Ulrich von Hutten, eines Vetters des Ermordeten. Insgesamt verfasste und publizierte Ulrich von Hutten fünf Schmähreden sowie den Dialog Phalarismus, in dem der Herzog als gelehriger Schüler des antiken Tyrannen Phalaris auftritt.

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