Gedicht der Woche 04/2010


Seichte Dichter

Ließen jene doch das Schreiben!
Aber wortlos will nicht bleiben
was aus ihren Federn fließt.
Worte tropfen – mir zum Grause –
aus Autorenhirnes Pause,
daß dies Wortnichts jeder liest.

Unentwegt füllt sich die Brache
meiner siechen Muttersprache
ohne allzu viel Verstand.
Taumelnd fällt aus fremden Hirnen
hinter hohlen Denkerstirnen
Wort um Wort in nassen Sand.

Phrasen dreschen, Worte speien
wird euch hohen Ruhm verleihen,
freut des Lesers Schafsnatur.
Kritisiert man solche Nieten,
will Paroli ihnen bieten,
so kassiert man Schelte nur.

Nein, ich will nicht fürder tragen
freien Lektors Höllenplagen,
helfe keinen Laien mehr.
Jener Worte Honigsüße
zieht die Zähne, hemmt die Füße –
dazu geb ich mich nicht her.

© Claudia Sperlich

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