Brauchtumsmappe: Zwischen den Jahren, die Rauhnächte


Rauhnächte, was ist das denn?

Vielen sagt der Begriff nichts, andere dagegen nicken bedeutsam und erzählen von den Ritualen, die für die Zeit der Rauhnächte einzuhalten sind, zum Beispiel zwischen Weihnachten und Neujahr keine Wäsche aufzuhängen. Aber dazu später.

Grundsätzlich kann gesagt werden, es gibt verschiedene Wort – und Herkunftserklärungen und meiner Meinung nach  sind sie zu sehr dem angepassten,  abgeänderten Brauchtum verhaftet .

Manche begründen die Bezeichnung Rauhnächte damit, dass Wohnung und Ställe in der Zeit zwischen Weihnachten und Sylvester ausgeräuchert wurden, aber diese Verbindung von Rauh und Rauch ist für mein Empfinden zu kurz gegriffen.

Ich neige der Erklärung zu, die im Treiben der „Wilden Jagd“ in dieser Zeit zum Jahresende, also den häufiger vorkommenden Stürmen Ende Dezember die Namensursache sieht. Rauh in der Bedeutung von grob, ruppich – rauher Umgang, rauhes Wetter.
(Aber dass Rauhreif eher mit Rauch zu tun hat als mit Grobheit – ja,  kann ich irgendwie doch akzeptieren.)

Ein weiteres  nicht zu klärendes Thema ist die  Festsetzung des Datums für die Rauhnächte:

Variante 1) die Nächte  vom 21.12. bis 2.1.

Variante 2) die Nächte  vom 24.12. bis 5.1.

Hier kann jeder nach seinem Geschmack entscheiden, welches Datum ihm wichtig ist, ob er die Wintersonnenwende bzw. den Thomastag  mit einbeziehen möchte, oder lieber die Nacht zum Dreikönigstag

Was sind das eigentlich für Tage, die Raunächte, woher kommen sie?

Rauhnächte sind eine Art Kalenderangleichung, allerdings nicht der Wechsel von julianischem zum gregorianischem Kalender, sondern der Unterschied zwischen dem Mondkalender und dem Sonnenkalender.

Ein Jahr aus zwölf Mondmonaten umfasst nur 354 Tage.
(ein Mondmonat hat 29,5 Tage)
Bei den einfachen Mondkalendern, die keine Schaltmonate einschieben um mit dem Sonnenjahr in Übereinstimmung zu bleiben werden die auf die 365 Tage des Sonnenjahres fehlenden elf Tage – beziehungsweise zwölf Nächte – als tote Tage (das sind Tage außerhalb der Zeit) eingeschoben.
Die Redewendung : zwischen den Jahren beinhaltet eben diese Zeit zwischen dem Mondjahr und dem Sonnenjahr.
In den Mythologien vieler Völker wird von diesen  Tagen angenommen, dass die normalen Gesetze der Natur außer Kraft gesetzt sind, und  die Grenzen zu anderen Welten durchlässig werden. In Kulturen, die so ein Kalendersystem verwenden, sind bzw. waren in dieser Zeitspanne mythische und magische Rituale üblich, und solche auf germanische oder vorgermanische Wurzeln zurückgehende Bräuche haben sich im Brauchtum bis heute erhalten.
Das Bleigießen zu Sylvester zum Beispiel wird fast jeder mal als Sylvesterspass erlebt haben und Kartenleger ziehen sich gern Rauhnachtskarten, jede Nacht eine Karte, die als Qualität für einen Monat des kommenden/Neuen Jahres angesehen wird,
denn die Rauhnächte sind eine Zeit, die im Volksglaube für Geisteraustreibung oder -beschwörung, den Kontakt mit Tieren oder wahrsagerische Praktiken geeignet sein soll.

Zur Mitte der Zwölfnächte, nämlich zu Silvester, sollte Wotan mit den Toten zur wilden Jagd aufbrechen. In dieser Zeit steht nach altem Volksglauben das Geisterreich offen, und die Seelen der Verstorbenen sowie die Geister haben Ausgang. Dämonen können Umzüge veranstalten oder mit der wilden Jagd durch die Lande ziehen. Bis in die jüngere Zeit war in weiten Teilen Europas der Glaube verbreitet, dass sich zauberkundige Menschen, die einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hatten, zu dieser Zeit in Werwölfe verwandelten und in dieser Gestalt Mensch und Vieh bedrohten (etwa im Baltikum, in Westdeutschland, speziell in der Eifel und den benachbarten Ardennen, oder in Bulgarien und Griechenland). Diese Vorstellung spiegelt sich in den Perchtenläufen des Alpenraums wider. Auch der Brauch, zu Silvester Lärm zu erzeugen, soll die Unholde fernhalten. In Norddeutschland ist bis heute das Rummelpottlaufen verbreitet. Auch die Bräuche um die Winterauskehr am Ende des Faschings stehen in diesem Zusammenhang: Die Geister, die sich doch eingenistet haben, können dann endlich und endgültig vertrieben werden. Tiere im Stall sollen um Mitternacht die menschliche Sprache sprechen und über die Zukunft erzählen. Wer die Tiere allerdings sprechen höre, sterbe unmittelbar danach.

Die vier genannten Rauhnächte galten mancherorts als derart gefährlich, dass sie mit Fasten und Beten begangen wurden.
Im Haus durfte keine Unordnung herrschen, keine weiße Wäsche auf der Leine hängen (welche die Reiter stehlen würden, um sie dann im Laufe des Jahres als Leichentuch für den Besitzer zu benützen).
Es durften keine Wäscheleinen gespannt werden, da sich in diesen die „Wilde Jagd“ verfangen könnte.
In einer anderen Version ist dies besonders (jüngeren) Frauen verboten. Durch das Aufhängen von weißer (Unter-) Wäsche würde die „Wilde Jagd“ angelockt und dann über diese Frauen „herfallen“.
Frauen und Kinder sollten nach Einbruch der Dunkelheit auch nicht mehr alleine auf der Straße sein.

Andererseits galten die Rauhnächte für unverheiratete Frauen als eine Gelegenheit, um Mitternacht an einem Kreuzweg oder einem anderen magischen Ort ihren künftigen Bräutigam zu sehen.
Seine Gestalt erschien dann und ging schweigend vorüber, und das aber das Mädchen durfte ihn nicht ansprechen und auch nicht nachschauen,  denn das würde sie töten.

Kinder, die an einem Samstag während dieser zwei Wochen geboren wurden, besaßen nach Auffassung der meisten europäischen Völker magische Kräfte.
Wer tagsüber geboren wurde, so glaubte man, konnte Geister und wiederkehrende Tote sehen und bekämpfen, deshalb musste er aber auch die Verstorbenen auf den Friedhof schleppen und ihnen ihr künftiges Grab zeigen.
In Westeuropa stellte sich unter christlichem Einfluss ein Wandel ein, nachdem der höchste Feiertag der Woche vom jüdischen Sabbat auf den Sonntag verschoben worden war.
Daher sprach man von Sonntagskindern, die geistersichtig waren, in die Zukunft schauen konnten und Glück brachten.
Ich erinnere hier an das Märchen Das kalte Herz , da hat Wilhelm Hauff diesen Glauben aufgegriffen.Die Hauptperson Peter, ein Sonntagskind und spricht, um das Glasmännchen zu sehen, folgenden Spruch: Schatzhauser im grünen Tannewald, bist schon viel hundert Jahre alt. Dir gehört all Land, wo Tannen stehn – lässt dich nur Sonntagskindern sehn.“

Im orthodoxen Raum spricht man heute noch vom Samstagskind (serbisch: subotnik oder griechisch: sabbatianos). Sie sind in den Sagen Südosteuropas die Vampirjäger, während die zum Dasein als wiederkehrender Untoter verdammten Menschen meistens in einer Nacht zwischen dem 21. Dezember und dem 6. Januar (nach orthodoxer Zeitrechnung) geboren wurden, jedoch war  die Geburt eines Kindes am Weihnachtsabend gefürchtet, weil man das als Verhöhnung der Geburt Christi betrachtete.

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Ein Kommentar zu „Brauchtumsmappe: Zwischen den Jahren, die Rauhnächte

  1. Dass man keine Wäsche aufhängen darf kenne ich auch und dachte immer, das haben sich die Frauen ausgedacht, um zwischen den Feiertagen nicht so schwer arbeiten zu müssen 😉

    Ich dachte auch, alle Sonntagskinder könnten den Tannenhäuser sehen, auch die, die im März, August oder Oktober an einem Sonntag geboren wurden. Aber wenn ich das richtig verstehe, gilt das nur für die „zwischen den Jahren“ geborenen; wieder etwas dazu gelernt, Danke!

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