aus der Brauchtumssammelmappe:


Das Luciafest…

…steht in der Tradition älterer Sonnenwendfeierlichkeiten. Das Fest fällt immer auf den 13. Dezember, der in den christlichen Kirchen der Gedenktag der Heiligen Lucia von Syrakus ist und vor der Gregorianischen Kalenderreform der kürzeste Tag des Jahres war. Es ist kein gesetzlichen Feiertag, aber  ein vorweihnachtlicher Brauch, der in Schweden weit verbreitet ist.
Eine besondere schwedische Ausprägung des Festes lässt sich frühestens für das Mittelalter nachweisen. Aus dieser Zeit gibt es Berichte über Feierlichkeiten, mit denen die Landbevölkerung das Ende der vorweihnachtlichen landwirtschaftlichen Arbeiten und den Beginn des Weihnachtsfastens beging. Ab etwa 1760 berichten Zeitzeugen erstmals vom Tragen weißer Gewänder auf Gutshöfen in Westschweden. Dort entstand demnach, begrenzt auf einen kleinen Teil des Landes und der Bevölkerung, das heute auffälligste Element des Luciafestes.

Zu einem landesweiten Brauch entwickelte sich das Luciafest erst in den letzten hundert Jahren. Ende des 19. Jahrhunderts wurde vom Stockholmer Freilichtmuseum Skansen die westschwedischen Luciatraditionen aufgegriffen, um sie den nachfolgenden Generationen zu bewahren. DerBrauch wurde von der Bevölkerung gern angenommen. Als eine Stockholmer Zeitung im Jahr 1927 zum ersten Mal eine Lucia wählte, entwickelte sich das Luciafest zu schwedischem Brauchtum.

Obwohl das Luciafest dem Namen nach ein Heiligengedenktag ist, ist es heute wenig kirchlich geprägt. Die wichtigsten Elemente sind das Tragen weißer Kleidung und Kerzen, der Verzehr von traditionellem Safrangebäck (lussekatter), das Singen von Lucialiedern, und die Wahl einer örtlichen Lucia.

Die Feierlichkeiten beginnen meist am Morgen in der Familie und setzen sich in Kindergärten, Schulen und am Arbeitsplatz fort. Ein Mädchen, in der Familie traditionell die älteste Tochter, spielt die Lucia. Sie trägt ein weißes Gewand, ein rotes Band um die Taille und einen Kranz mit Kerzen auf dem Kopf. Ihr folgen oft weitere Mädchen , die Kerzen in den Händen halten, und manchmal auch Sternenknaben , Pfefferkuchenmännchen  und Wichte  in einem Umzug.
Heutzutage tragen die Kinder  überwiegend elektrische Kerzen.

Inwieweit das Luciafest in seiner in Schweden populären Ausprägung tatsächlich mit der Heiligen Lucia in Zusammenhang steht, ist unklar. Einerseits findet das Fest am 13. Dezember statt, der Tag, der lange Zeit der kürzeste Tag des Jahres war. 
Andererseits passt das Element des auf dem Kopf getragenen Kerzenkranzes zur Beschreibungen der Heiligen Lucia.
Von dieser wird berichtet, dass sie einen Kerzenkranz auf dem Kopf trug, damit sie die Hände frei hatte während sie andere Frühchristen heimlich mit Lebensmitteln versorgte.
Geht man einen Schritt weiter, lässt sich das weiße Gewand mit um die Taille geschlungenem roten Band als Verweis auf Lucias Märtyrertod deuten.
Der Überlieferung zufolge starb sie nämlich an einem Dolchstoß in den Hals, nachdem sie ihr Keuschheitsgelübde auch unter Androhung der Todesstrafe nicht widerrufen hatte. Somit steht das weiße Gewand für ihre Keuschheit, und das rote Band für ihren blutigen Tod.

 

Mehr über Schweden und seine Feiertage findet man hier:

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